Rheumatische Endokarditis (postinfektiöse Endokarditis)

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 23. Oktober 2017
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Eine rheumatische Endokarditis (postinfektiöse Endokarditis) ist eine Entzündung der Herzinnenhaut, die durch eine Autoimmunreaktion des Körpers auf bestimmte Streptokokken hervorgerufen wird. Meistens sind Kinder und Jugendliche von einer rheumatischen Endokarditis betroffen, die in Industrieländern heutzutage selten vorkommt.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine rheumatische Endokarditis?

Als rheumatische Endokarditis wird eine entzündliche Veränderung der Herzinnenhaut (Endokard) bezeichnet, die durch eine immunologische Fehlregulation des Organismus (Autoimmunreaktion) nach einer Infektion mit betahämolysierenden Streptokokken der Gruppe A hervorgerufen wird und zum symptomatischen Spektrum des rheumatischen Fiebers gehört.

In den meisten Fällen sind Mitral- und Aortenklappen, vor allem die mechanisch stärker belasteten Klappenränder, von einer rheumatischen Endokarditis betroffen. Schädigungen der Herzklappen stellen entsprechend Spätfolgen einer rheumatischen Endokarditis dar. Hierbei erkranken in erster Linie Jugendliche und Kinder, insbesondere zwischen dem 5. und 17. Lebensjahr, nach einer durch Streptokokken verursachten Mandel- oder Rachenentzündung an einer rheumatischen Endokarditis.

Ursachen

Die rheumatische Endokarditis (postinfektiöse Endokarditis) ist auf eine Fehlregulation des körpereigenen Abwehrsystems infolge einer Infektion mit betahämolysierenden Streptokokken der Gruppe A zurückzuführen.

Betahämolysierende Streptokokken der Gruppe A rufen in erster Linie Entzündungserkrankungen des Rachenraums wie Tonsillitis (Mandelentzündung), Pharyngitis (Rachenentzündung), Scarlatina (Scharlach) oder Otitis media (Mittelohrentzündung) sowie in einigen Fällen Hautinfektionen wie Erysipel (Wundrose) oder Pyodermie (eitrige Infektion der Hautschichten) hervor.

Dabei ist die rheumatische Endokarditis nicht auf eine Besiedelung durch Streptokokken zurückzuführen, sondern auf eine Autoimmunreaktion des Organismus. Dieser bildet sogenannte Antikörper gegen spezifische Proteinbestandteile der Bakterien, die unter anderem den Proteinen auf der Oberfläche der Endokardzellen ähneln.

Da die Antikörper fälschlicherweise auch auf Endokardstrukturen (vor allem der Herzklappe) reagieren, kommt es zu entzündlichen Veränderungen, einer rheumatischen Endokarditis, durch welche die Herzklappen verdicken, aufrauen sowie versteifen und schließlich in ihrer Funktionsfähigkeit eingeschränkt werden können.

Typische Symptome & Anzeichen

Diagnose & Verlauf

Ein Anfangsverdacht gründet sich bei rheumatischer Endokarditis (postinfektiöser Endokarditis) auf einer vorausgegangenen Infektion mit betahämolysierenden Streptokokken der Gruppe A sowie charakteristischen Symptomen wie abnorme Herzgeräusche, hohes Fieber, Tachykardie (erhöhter Herzschlag), allgemeines Krankheitsgefühl sowie Polyarthritis (Gelenkschmerzen) mit ausgeprägtem Berührungsschmerz und Atemnot.

Gesichert wird die Diagnose einer rheumatischen Endokarditis durch ein Echokardiogramm (Ultraschall des Herzens) und ein EKG, anhand derer Herzklappenveränderungen, eine vorliegende Herzschwäche oder Herzrhythmusstörungen festgestellt werden können. Durch eine Blutanalyse können die im Blut gebildeten Antikörper nachgewiesen werden. Auch ein erhöhter CPR-Wert, eine erhöhte Konzentration weißer Blutkörperchen im Blut sowie eine beschleunigte Blutkörperchensenkungsgeschwindigkeit (BSG) deuten auf eine rheumatische Endokarditis.

Nach Therapiebeginn klingt eine rheumatische Endokarditis in der Regel nach 6 Wochen (75 Prozent) bzw. 3 Monaten (90 Prozent) wieder ab, wobei sich der Verlauf bei einer ausgeprägten Herzklappenbeteiligung verlängern kann. Bei einer nicht therapierten rheumatischen Endokarditis besteht eine 50-prozentige Wahrscheinlichkeit einer erneuten Erkrankung mit einer rheumatischen Endokarditis, die darüber hinaus der häufigste Auslöser einer Mitralklappenstenose ist.

Komplikationen

Die rheumatische Endokarditis kann zu Fehlfunktionen der Herzklappen führen. Dadurch ist das Risiko für ernste Herz-Kreislauf-Beschwerden und Herzinfarkte erhöht. Die narbigen Veränderungen der Herzklappen reduzieren die Herzfunktion dauerhaft und begünstigen dadurch eine Herzinsuffizienz. Die schwerwiegendste Komplikation der Herzinnenhaut-Entzündung ist die Ausbreitung des rheumatischen Fiebers auf andere Regionen und Organe.

Dadurch kann es zu Folgeerkrankungen wie zum Beispiel akute Polyarthritis und Chorea minor kommen. Bei einem schweren Verlauf ist ein multiples Organversagen mit tödlichen Ausgang möglich. Wird die Entzündung frühzeitig behandelt, treten meist keine größeren Komplikationen auf. Allerdings sind Antibiotika und Entzündungshemmer nicht frei von Nebenwirkungen. Entsprechende Präparate können Kopf-, Muskel- und Gliederschmerzen, Hautirritationen und Magen-Darm-Beschwerden hervorrufen.

Allergien und Symptome einer Unverträglichkeit können ebenfalls auftreten. Wird Kortison verabreicht, kann dies zu einer Erhöhung von Blutfett, Blutdruck und Blutzucker führen. Mögliche Spätfolgen sind Osteoporose oder das sogenannte Cushing-Syndrom. Eine Operation am Herzen ist immer riskant und kann Komplikationen wie Blutungen, Herz-Rhythmus-Störungen und Herzversagen hervorrufen. Eine Entzündung des Herzens ist lebensbedrohlich und stellt einen medizinischen Notfall dar, der mit weiteren Beschwerden einhergeht.

Behandlung & Therapie

Eine rheumatische Endokarditis wird in erster Linie im Rahmen einer Antibiotika-Therapie (Penicillin, aber auch Makrolide) behandelt, um die noch eventuell im Organismus verbliebenen Bakterien abzutöten.

Parallel werden die rheumatischen Beschwerden mit schmerzlindernden und entzündungshemmenden Medikamenten wie Acetylsalicylsäure bei gleichzeitiger Schonung des Körpers, insbesondere des Herzens, therapiert. Bei einer ausgeprägten rheumatischen Endokarditis kommen auch Glukokortikoide und Immunsuppressiva zur Verminderung der Überreaktion des Immunsystems zum Einsatz. Führt eine rheumatische Endokarditis durch die entzündlichen Veränderungen zu schwereren Herzklappenschädigungen, kann ein operativer Eingriff (Klappenersatz) erforderlich werden.

Darüber hinaus wird nach einer rheumatischen Endokarditis die Antibiotikatherapie prophylaktisch im Rahmen einer Langzeittherapie (in der Regel monatliche Antibiotikaspritzen) für die folgenden fünf Jahre fortgesetzt. Nach dem Abklingen einer rheumatischen Endokarditis sollte eine gründliche kardiologische Untersuchung durchgeführt werden, um eventuelle Schädigungen der Herzklappen auszuschließen bzw. frühzeitig behandeln zu können.

Um weiteren Entzündungen des Rachenraums vorzubeugen, wird darüber hinaus eine Mandelentfernung empfohlen. Vor operativen und zahnärztlichen Eingriffen wird bereits von einer rheumatischen Endokarditis Betroffenen eine Endokarditisprophylaxe nahegelegt.

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Vorbeugung

Da eine rheumatische Endokarditis durch eine immunologische Fehlregulation infolge einer Streptokokken-Infektion verursacht wird, zielen vorbeugende Maßnahmen auf eine frühzeitige und konsequente Therapie der durch Streptokokken ausgelösten entzündlichen Erkrankungen wie Tonsillitis (Mandelentzündung), Scarlatina (Scharlach) oder Otitis media (Mittelohrentzündung). Auch eine Endokarditisprophylaxe vor operativen oder zahnärztlichen Eingriffen dient der Vorbeugung einer Streptokokken-Infektion und somit einer rheumatischen Endokarditis.

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Quellen

  • Braun, J., Dormann, A .J.: Klinikleitfaden Innere Medizin. Urban & Fischer, München 2013
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • Piper, W.: Innere Medizin. Springer, Berlin 2013

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