Rhesusunverträglichkeit

Letzte Aktualisierung am 2. Juli 2018 | Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher.
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Die Rhesusunverträglichkeit, umgangssprachlich auch Blutgruppenunverträglichkeit genannt, betrifft in erster Linie schwangere Frauen und deren ungeborene Kinder in der zweiten Schwangerschaft. Der Rhesusfaktor im Blut der Mutter stimmt bei einer Rhesusunverträglichkeit nicht mit dem des ungeborenen Kindes überein, was zu erheblichen gesundheitlichen Komplikationen beim Baby führen kann. Bei den regulären Vorsorgeuntersuchungen während der Schwangerschaft überprüft der Frauenarzt das Risiko der Mutter und des Babys anhand des mütterlichen Blutbilds und mit Hilfe von Ultraschalluntersuchungen. So kann vorsorglich eine Behandlung gegen eine möglicherweise vorhandene Rhesusunverträglichkeit eingeleitet werden.

Inhaltsverzeichnis

Definition Rhesusunverträglichkeit

Als Rhesusunverträglichkeit wird eine Unverträglichkeit der Blutgruppen einer schwangeren Frau und ihres ungeborenen Kindes bezeichnet, die sich auf den Rhesusfaktor bezieht. Dieser kann entweder positiv oder negativ sein.

Eine für das ungeborene Kind gefährliche Rhesusunverträglichkeit tritt stets erst in der zweiten Schwangerschaft einer Frau auf. Die Voraussetzung für die Rhesusunverträglichkeit besteht darin, dass die Mutter den Rhesusfaktor negativ (Rh-negativ) in ihrem Blut trägt. Das ungeborene Baby sowie sein Vater sind dagegen Rhesus positiv getestet.

Der Rhesusfaktor von etwa 15 bis 20 Prozent der Europäer ist negativ, während alle anderen Rhesus positiv sind. Aufgrund der unterschiedlichen Rhesusfaktoren von Mutter und ungeborenem Kind zeigt das Abwehrsystem der Frau in der zweiten Schwangerschaft eine Reaktion auf die roten Blutkörperchen des Babys, die als Rhesusunverträglichkeit bezeichnet wird.

Ursachen

Zu einer Rhesusunverträglichkeit in der zweiten Schwangerschaft kommt es, wenn es während der Geburt des ersten Babys ein Blutkontakt zwischen Rhesus negativer Mutter und Rhesus positiven Kind kommt.

Der Vater muss in dieser Konstellation Rhesus positiv sein. Durch diesen Blutkontakt entwickeln sich im mütterlichen Blut Antikörper gegen den positiven Rhesusfaktor des Kindes, was zu erheblichen gesundheitlichen Problemen beim Baby führen kann.

Hat eine schwangere Frau bereits eine Fehlgeburt erlitten oder eine Bluttransfusion erhalten, so ist auch in der ersten Schwangerschaft Vorsicht vor einer Rhesusunverträglichkeit geboten, da bereits Antikörper gebildet sein können.

Rhesus negative Frauen werden in diesen Fällen prophylaktisch in der ersten Schwangerschaft gegen Rhesusunverträglichkeit behandelt.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Die Rhesusunverträglichkeit (Morbus haemolyticus) kann auf zwei Weisen entstehen: beim ersten Kind durch Kontakt mit dem Blut der Mutter, beim zweiten dadurch, dass das mütterliche Immunsystem im Laufe der Schwangerschaft bestimmte Blutgruppenmerkmale beziehungsweise Thesus-Faktoren im Blut des Kindes als unvereinbar erkennt. Die Symptome sind in beiden Fällen identisch.

Eines der Hauptmerkmale der Rhesusunverträglichkeit ist die Blutarmut (Anämie). Diese wird durch Anzeichen wie auffallend blasse Haut oder Sauerstoffmangel im Organismus des Kindes angezeigt. Ursachlich dafür ist die zu geringe Zahl roter Blutkörperchen. Die roten Blutkörperchen sind die Einheiten, die Sauerstoff aufnehmen und weiter transportieren können.

Organe wie Leber oder Milz können sich durch eine gesteigerte Blutbildung vergrößern. Letztere sucht einen Ausgleich zur Blutarmut zu schaffen. Es kann durch den zunehmenden Abbau der Blutkörperchen zu vermehrten Bilirubin-Ausschütungen ins Blut des Neugeborenen kommen. Das zeigt sich an den klassischen Symptomen einer Gelbsucht beim Neugeborenen.

In diesem Stadium muss spätestens eine medizinische Behandlung ansetzen. Denn der fortgesetzte Anstieg von Bilirubin kann zu Bilirubin-Ablagerungen im kindlichen Gehirn führen. Als Folge einer schweren Blutarmut können bleibende Symptome wie kindliche Entwicklungsblockaden oder Hörprobleme entstehen.

Eine oft tödlich endende Rhesusunverträglichkeit, der Hydrops fetalis, zeigt sich durch Wassereinlegerungen im kindlichen Körper an. Diese Symptomatik endet oft schon vorgeburtlich tödlich.

Diagnose & Verlauf

Eine Rhesusunverträglichkeit wird durch eine Analyse der Blutgruppe und des Rhesus-Faktors im mütterlichen Blut zu Beginn der Schwangerschaft einer Frau festgestellt. Diese Untersuchung zählt zur üblichen Schwangerschaftsvorsorge, die der Frauenarzt durchführt.

Zudem kontrolliert der Frauenarzt die Entwicklung des ungeborenen Kindes mit Hilfe von Ultraschalluntersuchungen. Bei diesen kann er Auffälligkeiten wie Ödeme oder den Hydrops fetalis, die auf eine Rhesusunverträglichkeit zurückzuführen sind, erkennen. Hat eine Rhesus negative Frau durch eine frühere Schwangerschaft, eine Bluttransfusion oder eine Fehlgeburt bereits Antikörper im Blut gebildet, so ist eine frühzeitige Behandlung der Rhesusunverträglichkeit unbedingt erforderlich.

Sonst können schwere Schädigungen beim Säugling wie beispielsweise Blutarmut, Hirnschädigungen oder Wassereinlagerungen die Folge sein. Bei rechtzeitiger Behandlung besteht für den Säugling kaum Gefahr, dauerhafte Schäden durch die Rhesusunverträglichkeit davonzutragen.

Komplikationen

In der modernen Medizin sind Komplikationen aufgrund einer Rhesusunverträglichkeit dank umfassender Vorsorge und Prophylaxe selten. Eine Rhesusunverträglichkeit muss behandelt werden, weil sonst Lebensgefahr für das Kind besteht. Wenn Antikörper über die Mutter in den Blutkreislauf des Kindes gelangen, heften sie sich an dessen rote Blutkörperchen und vernichten sie. Die Anzahl der roten Blutkörperchen reduziert sich und löst beim Kind eine Blutarmut aus(hämolytische Anämie).

Der dadurch entstehende Sauerstoffmangel im Körper des ungeborenen Kindes kann Entwicklungsstörungen und Schäden an Organen begünstigen. Bei zunehmendem Abbau der roten Blutkörperchen versuchen Knochenmark, Leber und Milz, dem Verlust entgegenzusteuern und schwellen dadurch an. Dadurch kommt es zu einer Überlastung der Leber, die Schwellung beeinträchtigt den Blutfluss und es kommt zum Wasseraustritt aus dem Blut in das Körpergewebe des Kindes. Diese Flüssigkeitsansammlung ist im Ultraschall sichtbar. Wenn sie nicht behandelt wird, kann das Kind im Mutterleib sterben.

Nach der Geburt besteht aufgrund der Blutarmut die Gefahr eines Sauerstoffmangels. Darüber hinaus kann es zu einer übermäßig starken Gelbsucht kommen, die unbedingt behandelt werden muss, damit sich die Abbauprodukte nicht im Gehirn ablagern und schwere neurologische Schäden verursachen. Wenn diese schwere Gelbsucht nicht angemessen von erfahrenen Ärzten behandelt wird, besteht für das Kind akute Lebensgefahr.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Der früheste Fall, bei dem ein Arzt eingreifen wird, liegt vor, wenn eine werdende rhesus-negative Mutter bei ihrer zweiten Schwangerschaft keine Antikörper bildet. In diesem Fall wird mit einer Rhesusprophylaxe-Maßnahme zwischen dem 28. und 30. Schwangerschaftswoche einer Rhesusunverträglichkeit vorgebeugt.

Im Rahmen einer medizinischen Prophylaxe werden der werdenden Mutter in der 28.-30. Schwangerschaftswoche und binnen 72 Stunden nach der Geburt Anti-D-Immunoglobine bzw. Antikörper gespritzt. Die Rhesus-positiven Blutkörperchen des Babys, die sich im mütterlichen Kreislauf befinden, werden dadurch zerstört. Bei dieser Prophylaxe-Maßnahme erleidet das Ungeborene keinen Schaden, da die Antikörper schnell abgebaut werden. Sichergestellt wird lediglich, dass der mütterliche Organismus keine Antikörper herstellt.

Wenn bei einem Neugeborenen eine Rhesusunverträglichkeit vorliegt, kommt es auf den Schweregrad dieses Phänomens an. Eine medizinische Behandlung ist in den meisten Fällen unumgänglich, da es zu Blutarmut und Gelbsucht kommt. Bei einem leichteren Fall von Rhesusunverträglichkeit kann eine Phototherapie mit blauem Licht ausreichen. Der Effekt ist, dass die Bilirubinmoleküle zerteilt und ausgeschieden werden können. Geschähe das nicht, könnte das Neugeborene Hirnschäden erleiden.

Bei einem schweren Fall von Rhesusunverträglichkeit geht es ohne Bluttransfusionen nicht ab. In solchen Fällen können die Transfusionen auch schon während der Schwangerschaft notwendig werden. Heute kann man dank medizinischen Fortschritts etwas tun, damit beide überleben.

Behandlung

Die Behandlung der Rhesusunverträglichkeit findet bereits während der ersten Schwangerschaft statt. In der 28. Schwangerschaftswoche erhält die werdende Mutter mit negativem Rhesusfaktor vorbeugend Rhesusfaktor-Antikörper, die verhindern, dass sich die Rhesusunverträglichkeit entwickelt.

Auch innerhalb von drei Tagen nach der Geburt des Rhesus-positiven Babys erfolgt eine erneute Gabe dieser Anti-D-Immunglobuline, also der Antikörper. Durch diese wiederholte Gabe wird eine Gefährdung des Kindes durch Rhesusunverträglichkeit in einer weiteren Schwangerschaft ausgeschlossen.

Um das Risiko für eine Rhesusunverträglichkeit auszuschließen, wird während der Schwangerschaft außerdem ein Antikörper-Suchtest im Blut der Mutter durchgeführt. Treten hierbei Auffälligkeiten auf, so kann rechtzeitig reagiert werden, um eine Rhesusunverträglichkeit auszuschließen und die Risiken für das ungeborene Kind zu minimieren.

Treten Komplikationen auf, so kann es zu unterschiedliche Folgen beim Neugeborenen kommen. Verläuft die Rhesusunverträglichkeit eher mild, so sind meist eine Phototherapie oder Bluttransfusion beim neugeborenen Baby ausreichend. Bei schweren Verlaufsformen wie etwa dem Hydrops fetalis muss das neugeborene Baby intensivmedizinisch behandelt werden, um ein Überleben trotz Rhesusunverträglichkeit zu gewährleisten.

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Vorbeugung

Um einer Rhesusunverträglichkeit vorzubeugen, ist es unerlässlich, sich als schwangere Frau regelmäßig beim Gynäkologen untersuchen zu lassen. Durch die Blutuntersuchungen bei der Mutter und Ultraschallkontrollen des ungeborenen Kindes kann das Risiko für eine Rhesusunverträglichkeit nahezu ausgeschlossen werden.

Quellen

  • Beckermann, M.J.: Frauenheilkunde und Geburtshilfe. Schwabe, Basel 2004
  • Feige, A., Rempen, A., Würfel, W., Jawny, J., Rohde, A. (Hrsg.): Frauenheilkunde – Fortpflanzungsmedizin, Geburtsmedizin, Onkologie, Psychosomatik. Urban & Fischer, München 2005
  • Stauber, M., Weyerstrahl, T.: Gynäkologie und Geburtshilfe. Thieme, Stuttgart 2013

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