Rhesusunverträglichkeit

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 17. Oktober 2017
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Die Rhesusunverträglichkeit, umgangssprachlich auch Blutgruppenunverträglichkeit genannt, betrifft in erster Linie schwangere Frauen und deren ungeborene Kinder in der zweiten Schwangerschaft. Der Rhesusfaktor im Blut der Mutter stimmt bei einer Rhesusunverträglichkeit nicht mit dem des ungeborenen Kindes überein, was zu erheblichen gesundheitlichen Komplikationen beim Baby führen kann. Bei den regulären Vorsorgeuntersuchungen während der Schwangerschaft überprüft der Frauenarzt das Risiko der Mutter und des Babys anhand des mütterlichen Blutbilds und mit Hilfe von Ultraschalluntersuchungen. So kann vorsorglich eine Behandlung gegen eine möglicherweise vorhandene Rhesusunverträglichkeit eingeleitet werden.

Inhaltsverzeichnis

Definition Rhesusunverträglichkeit

Als Rhesusunverträglichkeit wird eine Unverträglichkeit der Blutgruppen einer schwangeren Frau und ihres ungeborenen Kindes bezeichnet, die sich auf den Rhesusfaktor bezieht. Dieser kann entweder positiv oder negativ sein.

Eine für das ungeborene Kind gefährliche Rhesusunverträglichkeit tritt stets erst in der zweiten Schwangerschaft einer Frau auf. Die Voraussetzung für die Rhesusunverträglichkeit besteht darin, dass die Mutter den Rhesusfaktor negativ (Rh-negativ) in ihrem Blut trägt. Das ungeborene Baby sowie sein Vater sind dagegen Rhesus positiv getestet.

Der Rhesusfaktor von etwa 15 bis 20 Prozent der Europäer ist negativ, während alle anderen Rhesus positiv sind. Aufgrund der unterschiedlichen Rhesusfaktoren von Mutter und ungeborenem Kind zeigt das Abwehrsystem der Frau in der zweiten Schwangerschaft eine Reaktion auf die roten Blutkörperchen des Babys, die als Rhesusunverträglichkeit bezeichnet wird.

Ursachen

Zu einer Rhesusunverträglichkeit in der zweiten Schwangerschaft kommt es, wenn es während der Geburt des ersten Babys ein Blutkontakt zwischen Rhesus negativer Mutter und Rhesus positiven Kind kommt.

Der Vater muss in dieser Konstellation Rhesus positiv sein. Durch diesen Blutkontakt entwickeln sich im mütterlichen Blut Antikörper gegen den positiven Rhesusfaktor des Kindes, was zu erheblichen gesundheitlichen Problemen beim Baby führen kann.

Hat eine schwangere Frau bereits eine Fehlgeburt erlitten oder eine Bluttransfusion erhalten, so ist auch in der ersten Schwangerschaft Vorsicht vor einer Rhesusunverträglichkeit geboten, da bereits Antikörper gebildet sein können.

Rhesus negative Frauen werden in diesen Fällen prophylaktisch in der ersten Schwangerschaft gegen Rhesusunverträglichkeit behandelt.

Typische Symptome & Anzeichen

Diagnose & Verlauf

Eine Rhesusunverträglichkeit wird durch eine Analyse der Blutgruppe und des Rhesus-Faktors im mütterlichen Blut zu Beginn der Schwangerschaft einer Frau festgestellt. Diese Untersuchung zählt zur üblichen Schwangerschaftsvorsorge, die der Frauenarzt durchführt.

Zudem kontrolliert der Frauenarzt die Entwicklung des ungeborenen Kindes mit Hilfe von Ultraschalluntersuchungen. Bei diesen kann er Auffälligkeiten wie Ödeme oder den Hydrops fetalis, die auf eine Rhesusunverträglichkeit zurückzuführen sind, erkennen. Hat eine Rhesus negative Frau durch eine frühere Schwangerschaft, eine Bluttransfusion oder eine Fehlgeburt bereits Antikörper im Blut gebildet, so ist eine frühzeitige Behandlung der Rhesusunverträglichkeit unbedingt erforderlich.

Sonst können schwere Schädigungen beim Säugling wie beispielsweise Blutarmut, Hirnschädigungen oder Wassereinlagerungen die Folge sein. Bei rechtzeitiger Behandlung besteht für den Säugling kaum Gefahr, dauerhafte Schäden durch die Rhesusunverträglichkeit davonzutragen.

Komplikationen

In der modernen Medizin sind Komplikationen aufgrund einer Rhesusunverträglichkeit dank umfassender Vorsorge und Prophylaxe selten. Eine Rhesusunverträglichkeit muss behandelt werden, weil sonst Lebensgefahr für das Kind besteht. Wenn Antikörper über die Mutter in den Blutkreislauf des Kindes gelangen, heften sie sich an dessen rote Blutkörperchen und vernichten sie. Die Anzahl der roten Blutkörperchen reduziert sich und löst beim Kind eine Blutarmut aus(hämolytische Anämie).

Der dadurch entstehende Sauerstoffmangel im Körper des ungeborenen Kindes kann Entwicklungsstörungen und Schäden an Organen begünstigen. Bei zunehmendem Abbau der roten Blutkörperchen versuchen Knochenmark, Leber und Milz, dem Verlust entgegenzusteuern und schwellen dadurch an. Dadurch kommt es zu einer Überlastung der Leber, die Schwellung beeinträchtigt den Blutfluss und es kommt zum Wasseraustritt aus dem Blut in das Körpergewebe des Kindes. Diese Flüssigkeitsansammlung ist im Ultraschall sichtbar. Wenn sie nicht behandelt wird, kann das Kind im Mutterleib sterben.

Nach der Geburt besteht aufgrund der Blutarmut die Gefahr eines Sauerstoffmangels. Darüber hinaus kann es zu einer übermäßig starken Gelbsucht kommen, die unbedingt behandelt werden muss, damit sich die Abbauprodukte nicht im Gehirn ablagern und schwere neurologische Schäden verursachen. Wenn diese schwere Gelbsucht nicht angemessen von erfahrenen Ärzten behandelt wird, besteht für das Kind akute Lebensgefahr.

Behandlung

Die Behandlung der Rhesusunverträglichkeit findet bereits während der ersten Schwangerschaft statt. In der 28. Schwangerschaftswoche erhält die werdende Mutter mit negativem Rhesusfaktor vorbeugend Rhesusfaktor-Antikörper, die verhindern, dass sich die Rhesusunverträglichkeit entwickelt.

Auch innerhalb von drei Tagen nach der Geburt des Rhesus-positiven Babys erfolgt eine erneute Gabe dieser Anti-D-Immunglobuline, also der Antikörper. Durch diese wiederholte Gabe wird eine Gefährdung des Kindes durch Rhesusunverträglichkeit in einer weiteren Schwangerschaft ausgeschlossen.

Um das Risiko für eine Rhesusunverträglichkeit auszuschließen, wird während der Schwangerschaft außerdem ein Antikörper-Suchtest im Blut der Mutter durchgeführt. Treten hierbei Auffälligkeiten auf, so kann rechtzeitig reagiert werden, um eine Rhesusunverträglichkeit auszuschließen und die Risiken für das ungeborene Kind zu minimieren.

Treten Komplikationen auf, so kann es zu unterschiedliche Folgen beim Neugeborenen kommen. Verläuft die Rhesusunverträglichkeit eher mild, so sind meist eine Phototherapie oder Bluttransfusion beim neugeborenen Baby ausreichend. Bei schweren Verlaufsformen wie etwa dem Hydrops fetalis muss das neugeborene Baby intensivmedizinisch behandelt werden, um ein Überleben trotz Rhesusunverträglichkeit zu gewährleisten.

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Vorbeugung

Um einer Rhesusunverträglichkeit vorzubeugen, ist es unerlässlich, sich als schwangere Frau regelmäßig beim Gynäkologen untersuchen zu lassen. Durch die Blutuntersuchungen bei der Mutter und Ultraschallkontrollen des ungeborenen Kindes kann das Risiko für eine Rhesusunverträglichkeit nahezu ausgeschlossen werden.

Bücher über Blutgruppen

Quellen

  • Beckermann, M.J.: Frauenheilkunde und Geburtshilfe. Schwabe, Basel 2004
  • Feige, A., Rempen, A., Würfel, W., Jawny, J., Rohde, A. (Hrsg.): Frauenheilkunde – Fortpflanzungsmedizin, Geburtsmedizin, Onkologie, Psychosomatik. Urban & Fischer, München 2005
  • Stauber, M., Weyerstrahl, T.: Gynäkologie und Geburtshilfe. Thieme, Stuttgart 2013

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