Retinaler Venenverschluss

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 6. Oktober 2017
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Als retinaler Venenverschluss wird ein thromboseartiger Engpass oder Verschluss in einer Netzhautvene bezeichnet. Er kann in Abhängigkeit vom Entstehungsort auf der Netzhaut vor allem das Scharf- und Farbsehen beeinträchtigen. Die Gefäße dehnen sich vor dem Verschluss, so dass Gefäßwasser oder Blut austreten kann und sich kleine Netzhautschwellungen herausbilden, die zu einer Sehbeeinträchtigung in Form von Schleiersehen oder in verfälschtem Farbsehen führen können.

Inhaltsverzeichnis

Was ist ein retinaler Venenverschluss?

Beim retinalen Venenverschluss (RVV), der gelegentlich auch als Schlaganfall im Auge bezeichnet wird, handelt es sich um einen thromboseartigen vollständigen oder teilweisen Verschluss einer Netzhautvene. Es wird dabei unterschieden, ob die gesamte Netzhaut betroffen ist oder nur Teilgebiete. Im ersteren Fall ist die retinale Zentralvene und im letzteren Fall sind „nur“ Seitenäste der Zentralvene betroffen.

Die Erkrankung gehört zu den vaskulären Netzhauterkrankungen. Meist wird die völlig schmerzfreie Stenose oder vollständige Blockade durch ein Blutgerinnsel (Thrombus) verursacht. Durch das Blut, das sich vor der Engstelle sammelt, wird die Vene geweitet, so dass ihre Wände porös werden und Gefäßwasser oder Blut austreten kann und sich kleine Ödeme in der Netzhaut bilden.

Vor allem, wenn die Papille (Blinder Fleck) oder die Fovea (Gelber Fleck), die Zone schärfsten Sehens, von der Einblutung betroffen sind, kommt es zu einer Sehbeeinträchtigung, meist in Form von Schleiersehen. Es können sich auch andere Formen einer Sehstörung einstellen. Beispielsweise kommt es häufig zu quadratischen Sehfeldeinschränkungen oder zu vorübergehender Blindheit.

Ursachen

Meist wird der retinale Venenverschluss durch einen Thrombus verursacht, durch ein Blutgerinnsel, das sich an Ort und Stelle gebildet hat oder von außerhalb eingeschleppt wurde und in einer der Retinavenen „steckenblieb“. Strenggenommen handelt es sich bei einem Venenverschluss durch eingeschleppte Thromben um eine Embolie.

In einigen Fällen werden durch arteriosklerotische Veränderungen der Retinaarterien die Venen durch Raumbeanspruchung der Arterien ein wenig zusammengedrückt. Hierdurch entstehen Stenosen, die die Blutzirkulation behindern und die Bildung von Thromben begünstigen. Es wurde beobachtet, dass Thromben, die die retinalen Nebenvenen betreffen, sich häufig in der Nähe der kapillaren arteriovenösen Übergangsstellen befinden.

Die genauen Ursachen, warum sich Thromben in den Retinavenen bilden können, sind nicht hinreichend bekannt. Es wird diskutiert, ob ein erhöhter Hämatokritwert, wie er sich nach intensivem Höhentraining einstellt, einen retinalen Venenverschluss verursachen kann. Ebenso erhöhen allgemeine Risikofaktoren für das Auftreten von Thrombosen auch das Risiko, an einem retinalen Venenverschluss zu erkranken. Auch ein erhöhter Augeninnendruck und ein Glaukom gelten als Risikofaktoren.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Häufig ist der Beginn eines retinalen Venenverschlusses völlig schmerz- und symptomlos, so dass die Krankheit in vielen Fällen nur zufällig bei einer routinemäßigen Überprüfung der Augen beim Facharzt entdeckt wird. Die ersten Anzeichen, die bemerkt werden, bestehen meist in einer Visusminderung wie Schleiersehen.

Dazu kommt es, wenn eine Retinavene in unmittelbarer Nähe der Fovea blockiert ist und ihre Funktion durch ein sich bildendes Ödem beeinträchtigt wird. Typischerweise ist die Sehbeeinträchtigung frühmorgens stärker als während des Tages, weil sich das Ödem in der Makula, wie der Gelbe Fleck auch genannt wird, durch die aufrechte Haltung des Körpers ein wenig zurückbildet.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Bei Verdacht auf retinalem Venenverschluss ist für eine weitergehende Diagnose eine sorgfältige Anamnese wichtig, um zu erkennen, ob ein erhöhtes Risiko für einen RVV vorliegt. Bereits bei einer einfachen visuellen Inspektion des Augenhintergrundes per Augenspiegelung lassen sich klare Anzeichen für eine RVV erkennen. Es zeigen sich typische Veränderungen an den Blutgefäßen oder Einblutungen in den Glaskörper des Auges.

Um ein genaueres Bild über die Art des RVV zu erhalten, kann eine Fluoreszenz-Angiographie durchgeführt werden, die den Verlauf der Venen in der Netzhaut gut sichtbar macht. Zur Abrundung der Diagnose wird in einigen Fällen eine optische Kohärenztomographie (OCT) notwendig. Sie erlaubt es, Veränderungen in den einzelnen Netzhautschichten zu erkennen. Der Verlauf der unbehandelten Krankheit hängt vom Ort der Retinavene ab. Wenn es Einblutungen im Bereich der Fovea gibt, kann die Krankheit unbehandelt bis zur Erblindung führen.

Komplikationen

Der Verlauf eines retinalen Venenverschlusses ist von verschiedenen Faktoren abhängig. So gibt es Patienten, bei denen sich die Sehfähigkeit auch ohne Behandlung wieder bessert. Wenn das betroffene Blutgefäß jedoch komplett verschlossen und ein großer Netzhautbereich nicht mehr durchblutet ist, kommt es vermehrt zu Komplikationen. Das Gleiche gilt, wenn die Hauptvene betroffen ist.

So liegt ein sogenannter ischämischer Venenverschluss vor, wenn die Netzhautdurchblutung in einem mindestens zehn Mal so großem Bereich wie der blinde Fleck des Auges ausgefallen ist. Als Komplikationen kommen ein erneuter retinaler Venenverschluss innerhalb von fünf Jahren im anderen Auge, die Neubildung von Blutgefäßen und ein chronisches Makulaödem infrage. Die Neubildung von Blutgefäßen im Auge wird durch den retinalen Venenverschluss angeregt, um das Auge ausreichend mit Sauerstoff versorgen zu können.

Allerdings wachsen die neuen Blutgefäße unkontrolliert und sind außerdem brüchig. Das bedingt weitere Netzhautschäden. Gefährlich wird es, wenn die Blutgefäße in den Glaskörper vordringen. Dadurch können sich Spannungen im Auge aufbauen, die unter Umständen zur Ablösung der Netzhaut und zur Erblindung des betroffenen Auges führen.

Wenn die Gefäße in den Kammerwinkel einwachsen, kann die Flüssigkeit möglicherweise in diesem Bereich nicht mehr vollständig abfließen. Als Folge kann sich ein Grüner Star (Glaukom) entwickeln, der zur Erblindung führt. Bei einem chronischen Makulaödem verschlechtert sich die Sehkraft außerdem trotz Behandlung merklich.

Behandlung & Therapie

Falls ein verursachender Thrombus identifiziert wurde, besteht ein erstes Ziel in einer Reduzierung des Hämatokritwertes (Blutverdünnung), um einer Bildung weiterer Thromben vorzubeugen. Um die Bildung neuer Gefäße mit minderer Funktionalität zu vermeiden, kommen VEGF-Hemmer (vascular endothelial growth factor-Blocker) zum Einsatz. Die Medikamente werden direkt in den Glaskörper des Auges injiziert.

Durch die Sauerstoffarmut in den betroffenen Netzhautregionen kommt es zu einem verstärkten Anreiz zur Neubildung von Gefäßen, die aber nicht zu einer Verbesserung der Durchblutungssituation führen. Die neugebildeten Adern platzen leicht und erhöhen die Gefahr, dass die Funktionalität der Netzhaut durch neue Einblutungen beeinträchtigt wird.

Ein wenig umstritten ist eine zusätzliche Behandlung mit Kortisonpräparaten, mit denen eine Abschwellung der betroffenen Netzhautareale erreicht werden soll. In einigen Fällen kann durch eine Laserbehandlung eine Besserung der Sehleistung erreicht werden. Das Verfahren ist allerdings nur bei Venenastverschlüssen indiziert, nicht aber bei einer Blockade der Zentralvene.

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Vorbeugung

Direkt vorbeugende Maßnahmen, die die Ausbildung eines retinalen Venenverschlusses verhindern könnten, sind nicht existent. Allerdings können eine Reihe von Vermeidungsmaßnahmen und bestimmte Aktivitäten das Risiko, an einer RVV zu erkranken, reduzieren. Es geht vor allem darum, die Adern gesund und elastisch zu erhalten und einer Arteriosklerose keine Chance zu geben.

Wichtige Faktoren wie gesunde Ernährung mit einem großen Anteil natürlich belassener Nahrungsmittel und leichter Bewegungs- und Ausdauersport können als wichtige Vorbeugemaßnahmen angesehen werden. Stressphasen sollten sich mit Ruhephasen abwechseln können und gefäßschädigende Gifte wie Nikotin, Alkohol und andere sollten möglichst gemieden werden.

Auch ein ausgewogener Cholesterinspiegel trägt zur Vorbeugung bei. Der Cholesterinspiegel gilt als ausgewogen, wenn das Verhältnis LDL zu HDL etwa den Wert 4 nicht überschreitet. Der Gesamtcholesterinspiegel ist weniger entscheidend.

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Quellen

  • Burk, A. et al.: Checkliste Augenheilkunde. Thieme, Stuttgart 2011
  • Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Lang, G. K.: Augenheilkunde. Thieme, Stuttgart 2014

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