Respiratorische Insuffizienz

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 10. Oktober 2017
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Bei einer respiratorischen Insuffizienz kommt es aufgrund einer Störung der äußeren Atmung zu einer verminderten Belüftung der Lungenbläschen. Die Betroffenen leiden unter Luftnot, Husten und Leistungsschwäche.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Respiratorische Insuffizienz?

Die respiratorische Insuffizienz wird auch als Ateminsuffizienz bezeichnet. Der Gasaustausch in der Lunge ist gestört. Dadurch kommt es zu krankhaft veränderten Blutgaswerten. Es kann zwischen einer akuten und einer chronischen Insuffizienz unterschieden werden. Die Symptome der akuten Insuffizienz ähneln denen der chronischen Insuffizienz. Sie setzen aber viel plötzlicher ein und gehen deshalb häufig mit einer schweren Panikreaktion einher.

Zudem können die Insuffizienzen nach ihrem Umfang in Partial- und Globalinsuffizienzen unterteilt werden. Respiratorische Insuffizienzen sind keine eigenständigen Erkrankungen, sondern vielmehr ein Symptomenkomplex, der durch verschiedene andere Erkrankungen hervorgerufen wird. Die Insuffizienz wird deshalb immer durch die Behandlung der Grunderkrankung therapiert. Sauerstoffgaben können die Symptome aber verbessern.

Ursachen

Ursachen für die respiratorische Insuffizienz sind obstruktive und restriktive Ventilationsstörungen der Lunge. Bei den restriktiven Ventilationsstörungen ist die Lunge nicht mehr ausreichend dehnbar, dies kann ebenso für den Brustkorb zutreffen. Dies führt zu einem herabgesetzten Lungenvolumen. Insbesondere die Vitalkapazität, die funktionelle Residualkapazität und das Residualvolumen sind eingeschränkt. Restriktive Ventilationsstörungen können bei Deformationen des Brustkorbs auftreten.

Häufigste Ursachen für eine solche Thoraxdeformation sind Traumata oder Skoliosen. Auch eine verminderte Belüftung der Lungenbläschen bei einer Lungenentzündung kann zu einer restriktiven Ventilationsstörung führen. Verwachsungen im Brustkorb (zum Beispiel Pleuraschwarten), Lungenödeme oder neuromuskuläre Erkrankungen können ebenfalls die Dehnbarkeit von Lunge und Brustkorb vermindern.

Bei einer obstruktiven Ventilationsstörung ist der Strömungswiderstand in den Atemwegen erhöht. Dadurch sind der Atemwegswiderstand, die funktionelle Residualkapazität und das Residualvolumen erhöht. Die Lungenbläschen sind nicht gleichmäßig belüftet, sodass die Lunge langfristig überbläht. Des Weiteren wird das ganze Lungen- und Bronchialsystem mechanisch geschädigt.

Auf lange Sicht verringert sich dadurch die Vitalkapazität der Lunge. Mit einer obstruktiven Ventilationsstörung gehen unter anderem eine Asthma bronchiale, eine Mukoviszidose, ein Lungenemphysem oder Chronisch obstruktive Lungenerkrankungen (COPD) einher. Die akute respiratorische Insuffizienz wird meist durch Lungenentzündungen, Aspiration von Wasser oder Fremdkörpern oder durch Verletzungen der Lunge und des Brustkorbs hervorgerufen.

Auch eine Störung des Atemzentrums im Gehirn kann zu einer akuten Ateminsuffizienz führen. Chronische respiratorische Insuffizienzen werden eher von chronischen Lungenerkrankungen oder Krebserkrankungen verursacht. Auch nach der operativen Entfernung eines Lungenflügels (Pneumektomie) oder eines Lungenlappens (Lobektomie) kann eine respiratorische Insuffizienz entstehen.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Bei der Partialinsuffizienz sinkt der Sauerstoffpartialdruck im arteriellen Blutsystem ab. Der Kohlendioxidpartialdruck kann jedoch noch kompensiert werden, sodass nur eine Hypoxämie aber keine Hyperkapnie entsteht. Bei der respiratorischen Globalinsuffizienz gesellt sich zu der Hypoxämie auch eine Hyperkapnie. Das bedeutet, dass der Sauerstoffgehalt im Blut erniedrigt ist, der Kohlendioxidpartialdruck ist hingegen erhöht.

Bei einer akuten respiratorischen Insuffizienz treten die Symptome plötzlich auf. Die Betroffenen leiden unter anfallsartiger Luftnot mit Erstickungsgefühl. Auch der akute Asthmaanfall mit Husten und erschwerter Ausatmung ist eine vorübergehende respiratorische Insuffizienz. Bei einer Schädigung des Atemzentrums tritt hingegen keine Luftnot auf. Stattdessen werden die betroffenen Personen sofort bewusstlos und versterben ohne Behandlung recht schnell.

Die chronische respiratorische Insuffizienz tritt weitaus häufiger auf als die akute Form. Auch hier kommt es zu Luftnot und Husten. Durch den chronischen Sauerstoffmangel sind die Patienten nicht mehr so leistungsfähig. Eventuell lässt sich eine Blaufärbung der Haut (Zyanose) beobachten. Bei längeren Verläufen können Symptome wie Trommelschlägelfinger oder Uhrglasnägel auftreten.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Am Anfang der Diagnosestellung werden die Patienten gründlich untersucht. Es erfolgt eine Auskultation und eine Perkussion der Lunge. Eventuell sind hier abgeschwächte Atemgeräusche, Nebengeräusche oder Rasselgeräusche zu vernehmen. Bei der Perkussion können luftgefüllte oder tote Atemräume entdeckt werden.

Weitere Klarheit bringen bildgebende Verfahren wie der Röntgenthorax oder die Computertomografie. Auch eine Magnetresonanztomografie oder eine Lungenszintigrafie können durchgeführt werden. Mithilfe eines Endoskops können die Bronchien (Bronchoskopie) und der Mediastinalraum (Mediastinoskopie) bildlich dargestellt werden.

Mit den Verfahren der Lungenfunktionsdiagnostik kann die Leistungsfähigkeit der Lunge ermittelt werden. Wichtige Verfahren der Lungenfunktionsdiagnostik sind die Spirometrie und die Bodyplethysmografie. Im Labor zeigt sich bei der partiellen Insuffizienz bei der Blutgasanalyse ein Sauerstoffpartialdruck unter 75 mmHg. Bei der Globalinsuffizienz liegt der Kohlendioxidpartialdruck zudem über 45 mmHg. Die Blutgasanalyse erfolgt aus dem Kapillarblut nach Entnahme aus dem Ohrläppchen.

Komplikationen

Die respiratorische Insuffizienz stellt eine schwere Komplikation von Lungen- oder Herzerkrankungen dar. Sie führt zu einer Unterversorgung des Körpers und insbesondere des Gehirns mit Sauerstoff. Als Folge treten schwere und oft lebensgefährliche Komplikationen auf. Die schwere Atemnot kann zu Bewusstseinsstörungen bis zum Koma führen. Anfänglich machen sich die Bewusstseinsstörungen an Verwirrtheitszuständen bemerkbar.

Des Weiteren kann es zu einem starken Abfall des Blutdrucks kommen. Die Herzfrequenz ist oft sehr stark erniedrigt. Außerdem wird häufig ein grobschlächtiges Zittern der Hände (Flapping tremor) beobachtet. Diese Komplikationen können nur durch eine künstliche Beatmung verhindert werden. Die chronische respiratorische Insuffizienz ist nicht heilbar, da ihr unheilbare Lungenerkrankungen wie Lungenemphysem, COPD oder Lungenfibrose zugrunde liegen.

Bei der chronischen Form der Erkrankung muss deshalb eine Langzeittherapie mit Sauerstoffbeatmung durchgeführt werden. Ansonsten kommt es zu dauerhaften Beeinträchtigungen von Hirn- und Herzfunktion, die zu Langzeitschäden oder gar zum Tod führen können. Der Verlauf einer akuten respiratorischen Insuffizienz kann je nach Ursache moderat, aber auch sehr schwer sein.

Als Ursachen für schwere akute Verlaufsformen kommen unter anderem Sepsis, schwere Herzerkrankungen, Lungenentzündung oder akute Pankreatitis infrage. Zur Verhinderung von schweren Bewusstseinsstörungen bis zum Koma, Herzrhythmusstörungen und plötzlichem Herztod muss hier eine mechanische Beatmung erfolgen. Ansonsten spielen für die Prognose die zugrunde liegenden Erkrankungen eine große Rolle.

Therapie & Behandlung

Die respiratorische Insuffizienz lässt sich nur durch die Therapie der Grunderkrankung behandeln. Um den betroffenen Patienten die Atmung zu erleichtern, kann Sauerstoff verabreicht werden. Eventuell müssen die Patienten dauerhaft künstlich beatmet werden.

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Vorbeugung

Nicht alle Lungenerkrankungen, die eine respiratorische Insuffizienz bedingen können, lassen sich verhindern. Es gibt jedoch vermeidbare Faktoren, die die Entstehung einer Lungenerkrankung begünstigen können. Die Vermeidung dieser schädlichen Faktoren kann vor pulmonalen Erkrankungen schützen. Der Hauptrisikofaktor für Lungenerkrankungen ist das Rauchen.

Im Zigarettenrauch sind mehr als 90 gesundheitsschädliche Substanzen enthalten. Diese schwächen nicht nur das Immunsystem, sie verringern auch die Selbstreinigungsfähigkeiten des Lungengewebes. Ein weiterer Risikofaktor für Lungenerkrankungen ist Radon im Innenraum. Radon ist ein radioaktives Edelgas, das natürlicherweise im Erdreich und in Gesteinen vorkommt.

Über undichte Stellen im Bodenbereich des Hauses kann Radon in die Wohnräume eindringen. Besonders gefährdet sind schlecht isolierte Altbauten und Häuser ohne Grundbodenplatte. Bei erhöhten Radonwerten im Haus sollte die Isolierung erneuert werden.

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Quellen

  • Bungeroth, U.: BASICS Pneumologie. Urban & Fischer, München 2010
  • Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Kochen, M.M.: Duale Reihe. Allgemeinmedizin und Familienmedizin. Thieme, Stuttgart 2012

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