Renale Osteopathie

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 6. Oktober 2017
Startseite » Krankheiten » Renale Osteopathie

Bei der Renalen Osteopathie handelt es sich um eine Erkrankung, die im Zusammenhang mit einer chronischen Schwäche der Nierenfunktion steht. Die Krankheit wird unter Medizinern in manchen Fällen auch mit dem synonymen Begriff ‚Renale Osteodystrophie‘ bezeichnet. Die Renale Osteopathie ist dadurch gekennzeichnet, dass die betroffenen Patienten an Beschwerden des Skeletts leiden. Darüber hinaus ist der Stoffwechsel von Mineralien beeinträchtigt und funktioniert nicht wie bei gesunden Personen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Renale Osteopathie?

Im Rahmen der Renalen Osteopathie entwickelt sich an den Knochen eine sogenannte Osteomalazie. Dabei besteht ein direkter Zusammenhang zwischen einer bestehenden chronischen Nierenschwäche und dem Auftreten der Symptome. Die Osteomalazie entwickelt sich in erster Linie bedingt durch einen Hyperparathyreoidismus sekundärer Art.

Ursachen

Die Ursachen für die Entstehung der Renalen Osteopathie sind sehr spezifisch. In erster Linie wird die Erkrankung durch einen sekundären Hyperparathyreoidismus verursacht. Dieser geht mit Elektrolytstörungen einher, außerdem zeigt sich eine Störung beim Stoffwechsel von Vitamin D. Zum einen ist die Krankheit durch Beeinträchtigungen der Knochen geprägt, die denen einer Osteomalazie stark ähneln.

Andererseits bildet sich in der Regel eine sogenannte Fibroosteoklasie, die auf die Wirkung der Parathormone zurückzuführen ist. Im Rahmen einer chronischen Nierenschwäche mangelt es dem menschlichen Organismus an dem Stoff Calcitriol. Bei dieser Substanz handelt es sich um eine Form von Vitamin D, die beim entsprechenden Stoffwechselvorgang aktiv ist.

Zuerst erfolgt die Hydroxylierung von Cholecalciferol in der Leber und der Niere. Schließlich wird der Stoff in seinen biologisch aktiven Zustand umgewandelt. Grundsätzlich hat Calcitriol die Aufgabe, Phosphat und Calcium aus dem Magen-Darm-Trakt sowie der Niere zu resorbieren.

Dieser Vorgang stellt einen wichtigen Faktor bei der Mineralisation von Knochen dar. Die Abwesenheit von Calcitriol führt im ersten Schritt zu einer Hypokalzämie und im weiteren Verlauf zu einer Osteomalazie beziehungsweise Ostepathie.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Die Renale Osteopathie bringt zahlreiche verschiedene Symptome und Beschwerden für die betroffenen Patienten mit sich. Typischerweise kommt es im Rahmen der Erkrankung zum Beispiel zu Schmerzen in den Knochen und Gelenken, außerdem sind geschwollene und deformierte Stellen möglich. Mitunter leiden die erkrankten Personen an einer speziellen Form der Muskelschwäche.

Prinzipiell stellt die Renale Osteopathie eine komplizierte Erkrankung der Knochen beziehungsweise des Skeletts dar. Da in der heutigen Zeit bei einer bestehenden Nierenschwäche oft über viele Jahre hinweg eine Dialyse durchgeführt wird, tritt die Krankheit öfter auf als zu früheren Zeiten. Die Renale Osteopathie ist mit einem erhöhten Risiko für Knochenbrüche und einer Muskelatrophie verbunden.

In der Gegend der Schultergelenke, Zehen, Knie und Ellenbogen zeigen sich bei der Renalen Osteopathie mitunter Ansammlungen von Kalk. In der Folge davon leiden die Patienten an intensiven Schmerzen, die auch die Bewegungsfähigkeit herabsetzen. Insgesamt wird die Lebensqualität erheblich reduziert.

In einigen Fällen sind die Verkalkungen der Gefäße so stark ausgeprägt, dass eine peripher verringerte Durchblutung sowie eine arterielle Verschlusskrankheit die Folgen sind. Dabei kommt es unter Umständen auch zu Nekrosen der Finger oder Zehen. Hierbei sind oftmals eine sogenannte Dilatation der Gefäße und ein operativer Eingriff notwendig.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Bei ersten Anzeichen und typischen Symptomen der Renalen Osteopathie ist so rasch wie möglich ein geeigneter Facharzt aufzusuchen. Möglich ist es auch, sich zunächst an den Hausarzt zu wenden, der den betroffenen Patienten an einen entsprechenden Spezialisten überweist. Zur Stellung der Diagnose der Renalen Osteopathie ist eine detaillierte Anamnese unverzichtbar.

Während des Patientengesprächs beschreibt die Person dem Facharzt ihre Beschwerden, bedeutende Merkmale der Lebensweise sowie chronische und vergangene Erkrankungen. Dadurch lässt sich unter Umständen bereits eine Verdachtsdiagnose stellen. Im zweiten Schritt untersucht der Arzt die klinischen Symptome der Erkrankung.

Dabei kommen außerdem diverse untersuchungstechnische Methoden zum Einsatz, die eine Diagnose der Renalen Osteopathie erleichtern. So sind zum Beispiel verschiedene Laboruntersuchungen angezeigt. Im Rahmen von Blutanalysen zeigen sich über den Normalwert gesteigerte Konzentrationen von Harnstoff und Kreatinin.

Auch weisen die Ergebnisse in der Regel auf eine Hyperphosphatämie hin. Die Anteile an Kalzium im Serum des Blutes sind häufig sehr niedrig, unter Umständen jedoch noch im Normbereich. Neben den Blutuntersuchungen werden meist auch bildgebende Verfahren zur Diagnose der Renalen Osteopathie eingesetzt. Bei der Durchführung von Röntgenuntersuchungen ergeben sich Hinweise auf eine sogenannte Osteitis fibrosa, die in der Folge des Hyperparathyreoidismus entsteht.

Weitere typische Ergebnisse bestehen in einer fleckigen Osteosklerose und subperiostalen Resorptionen. Mitunter entwickeln sich diffuse Deformitäten an den Knochen, die auch bei dem primären Hyperparathyreoidismus auftreten. Diese kommen zum Beispiel im Bereich des Beckens vor.

Möglich sind auch Verkalkungen extraossärer Art, die sich insbesondere innerhalb von Gefäßen bilden. Tritt die Renale Osteopathie bereits im Kindesalter auf, ergeben sich Störungen an den Wachstumsfugen der Knochen.

Komplikationen

Die renale Osteopathie stellt bereits eine Komplikation der Niereninsuffizienz dar, die von einer komplexen Knochenerkrankung gekennzeichnet ist. Neben Knochenschmerzen, Deformationen und Schwellungen besteht auch eine erhöhte Knochenbrüchigkeit. Die Sprödigkeit der Knochen führt oft schnell zu Knochenfrakturen, deren Heilungsprozess nicht selten sehr langwierig ist. Gleichzeitig finden sich Kalkablagerungen in jeglichen Gelenken.

Betroffen sind unter anderem Schultergelenke, Knie, Ellenbogen, Finger oder Zehen. Diese Kalkablagerungen verursachen starke Gelenkschmerzen und führen außerdem zur Beeinträchtigung der Beweglichkeit. Als Folge ist die Lebensqualität der Patienten oft sehr stark eingeschränkt. Chronische Schmerzen, dauernde Knochenbrüche und die starke Bewegungseinschränkung können auch zu vielfältigen psychischen Erkrankungen führen.

Die Betroffenen sind dann oft nicht mehr in der Lage, am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen und isolieren sich daher häufig. In vielen Fällen leiden die Betroffenen an Depressionen. Die Gefahr eines Suizids steigt. Eine schwere und lebensgefährliche Komplikation der renalen Osteopathie stellt die arterielle Verschlusskrankheit dar. Diese wird durch Kalkablagerungen in den Gefäßen hervorgerufen. Dabei tritt hier eine besonders schwere Form der Verschlusskrankheit auf.

Neben zunehmenden Schmerzen beim Gehen (Schaufensterkrankheit) kommt es häufig auch zum Absterben von Zehen oder Fingern. Da meist auch Herz und Hirn versorgende Schlagadern verengt sind, können auch Herzinfarkte oder Schlaganfälle auftreten. In fortgeschrittenen Stadien kann das Leben oft nur noch mittels Amputation der absterbenden Körperteile gerettet werden.

Behandlung & Therapie

Das Ziel der Behandlung der Renalen Osteopathie besteht in erster Linie in der Normalisierung der Konzentrationen von Phosphat und Kalzium. Vitamin D in einer speziellen Form ist dringend zu verabreichen. Auch werden Calcitriol und Calciumcarbonat substituiert.

Hier finden Sie Ihre Medikamente:

Vorbeugung

Konkrete Maßnahmen zur Vorbeugung der Renalen Osteopathie sind nicht bekannt. Vielmehr ist eine rasche, adäquate Therapie angezeigt.

Bücher über Nierenschwäche (Niereninsuffizienz)

Quellen

  • Arasteh, K., et. al.: Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Keller, C.K., Geberth, S.K.: Praxis der Nephrologie. Springer, Berlin 2010

Diese Seite teilen:

Das könnte Sie auch interessieren:

Bekannt aus: