Renale Anämie

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 10. Oktober 2017
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Eine renale Anämie ist eine nierenbedingte Blutarmut, die auf Störungen der Erythropoese (Synthese roter Blutkörperchen) durch eine Niereninsuffizienz zurückgeführt werden kann. Das Ausmaß einer renalen Anämie wird vom Schweregrad der zugrunde liegenden Niereninsuffizienz bedingt. Eine renale Anämie ist in der Regel medikamentös gut therapierbar.

Inhaltsverzeichnis

Definition Renale Anämie

Als renale Anämie wird eine durch eine Niereninsuffizienz (Unterfunktion der Nieren) bedingte Blutarmut bezeichnet, die auf einen Erythrozytenmangel im Blut zurückzuführen ist.

Die verminderte Menge an Erythrozyten, die über das Hämoglobin (roter Blutfarbstoff) den Transport von Sauerstoff im Blut gewährleisten, führt zu einer Sauerstoffunterversorgung des Körpers und bewirkt die für eine renale Anämie typischen Symptome wie Blässe, schnelle Ermüdungserscheinungen und Atemnot.

Dabei nimmt die Wahrscheinlich einer Erkrankung an renaler Anämie mit fortschreitender Niereninsuffizienz zu. Bei fortgeschrittener Niereninsuffizienz (Dialysepflichtigkeit, benötigte Nierentransplantation) wird in den meisten Fällen eine renale Anämie festgestellt.

Ursachen

Eine renale Anämie wird durch eine chronische Niereninsuffizienz verursacht, die wiederum unterschiedlich bedingt sein kann. So können eine langjährige Diabetes, ein überhöhter Schmerzmittelkonsum sowie entzündliche Erkrankungen der Nieren eine Niereninsuffizienz und bereits im frühen Stadium eine renale Anämie bewirken.

In gesunden Nieren werden über vier Fünftel des Bedarfs an Erythropoetin produziert, einem Hormon, das die Erythropoese (Erythrozytensynthese) im Knochenmark stimuliert. Bei einer Niereninsuffizienz wird dieses Hormon in nur unzureichender Menge gebildet, so dass zu wenig Erythrozyten synthetisiert werden und sich eine renale Anämie entwickelt.

Auch eine verminderte Lebenszeit der Erythrozyten sowie eine gestörte Eisenaufnahme durch das Hämoglobin können auf eine Niereninsuffizienz zurückgeführt werden und somit eine renale Anämie verursachen.

Typische Symptome & Anzeichen

Diagnose & Verlauf

Die Diagnose einer renalen Anämie erfolgt anhand einer Blutbildanalyse, im Rahmen derer Blutzellenzahl, der Hämoglobin- sowie der Hämatokritwert (Gesamtanteil der Blutzellen am Blut) bestimmt werden. Ist der Wert der roten Blutkörperchen bei normalwertigem Hämoglobin und/oder der Hämatokritwert vermindert, kann von einer renalen Anämie ausgegangen werden.

Im Anfangsstadium einer renalen Anämie sind im Ruhezustand oftmals keine Symptome feststellbar, während belastungsbedingt schnell Ermüdungserscheinungen sowie Schwäche und Atemnot auftreten können. Bei einer fortgeschrittenen renalen Anämie sind diese Symptome auch im Ruhezustand beobachtbar. Ferner geht eine renale Anämie mit einem erhöhten Herzzeitvolumen einher, da der Organismus über eine höhere Herzpumpleistung den Sauerstoffmangel zu kompensieren versucht.

Da renale Anämie durch Niereninsuffizienz bedingt ist, sind die für Nierenschäden charakteristischen Symptome (Hautblässe, Ikterus, Magen-Darm-Beschwerden u. a.) in Abhängigkeit von Ausmaß und Stadium der Nierenerkrankung zu beobachten. Eine nicht therapierte renale Anämie führt langfristig zu einer physischen und geistigen Leistungsverminderung sowie einer verkürzten Lebenserwartung.

Komplikationen

Die renale Anämie führt häufig zu Komplikationen, die aber immer von der Art und Schwere der zugrunde liegenden Erkrankung abhängig sind. So besteht unter anderem bei Diabetikern das größte Risiko, frühzeitig an einer schweren renalen Anämie zu leiden. Wenn jedoch leichte Nierenschäden vorliegen, ist die Anämie nur schwach ausgeprägt und zeigt kaum Symptome. In schweren Fällen tritt Müdigkeit, Leistungsabfall, geistiger Abbau mit Verwirrtheitszuständen, Atemnot und erhöhter Puls auf.

Zusätzlich kann es zu Bluthochdruck, Knochenschmerzen und Magen-Darm-Beschwerden kommen. Insgesamt besteht ein großes Risiko für schwere Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Das gilt umso mehr, je später die Therapie der renalen Anämie bei noch nicht dialysepflichtigen Patienten beginnt. Außerdem steigen dann auch die Zahl der Krankenhausaufenthalte und natürlich die Behandlungskosten.

Insgesamt wirkt sich eine unbehandelte renale Anämie negativ auf die Leistungsfähigkeit von Körper und Geist aus. Außerdem kommt es zu einer drastischen Verkürzung der Lebenserwartung. Schwer wiegt auch die Minderung der Lebensqualität der Patienten. Aufgrund der chronischen Beschwerden kann es bei den Betroffenen zusätzlich zu psychischen Erkrankungen kommen.

Besonders das Risiko für die Entstehung von Depressionen ist erhöht. Da bei der renalen Anämie das Hormon Erythropoetin (EPO) fehlt, muss es im Rahmen der Therapie zugeführt werden. Die Risiken dieser Therapie sind zwar gering, können aber anfangs zur Blutdrucksteigerung und zu einer leichten Erhöhung des Thromboserisikos führen.

Behandlung & Therapie

Eine renale Anämie wird medikamentös therapiert. Ist die renale Anämie auf einen Erythropoetinmangel zurückzuführen, was den Regelfall darstellt, wird zur Beseitigung des vorliegenden Hormonmangels gentechnisch synthetisiertes Erythropoetin gespritzt (EPO-Therapie bzw. Erythropoetinsubstitution).

Durch die Erythropoetinsubstitution wird der Hormonmangel ausgeglichen und die Blutbildung stimuliert, weshalb eine zusätzliche Eisenaufnahme notwendig werden kann. Eine hinreichende Eisenmenge stellt eine essentielle Voraussetzung für die Erythropoese dar. Der erhöhte Eisenbedarf kann durch einen entsprechenden Ernährungsplan sowie durch zusätzliche Eisenpräparate gewährleistet werden.

Da die Eisenaufnahme im Magen-Darm-Trakt durch Tabletten (perorale Eisentherapie) lediglich eingeschränkt möglich ist und in vielen Fällen Verdauungsstörungen und Übelkeit nach sich ziehen kann, wird bei renaler Anämie eine intravenöse Verabreichung (parenterale Eisentherapie) empfohlen.

Durch eine Erythropoetinsubstitution werden Bluttransfusionen sowie die mit diesen einhergehenden Risiken (Viruserkrankungen, übersteigerte Immunsystemreaktionen, Hemmung der körpereigenen Erythrozytenbildung) umgangen. Bei Betroffenen, bei denen noch keine Dialysepflicht vorliegt, wird das Risiko von Herz-Kreislauferkrankungen minimiert.

Im Falle einer Nierentransplantation ist in der Regel eine Verbesserung der renalen Anämie zu beobachten, da mit der neuen Niere die Ursache für eine renale Anämie beseitigt wurde und genügend Erythropoetin produziert werden kann.

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Vorbeugung

Da eine renale Anämie durch eine Niereninsuffizienz bedingt wird, zielen vorbeugende Maßnahmen auf eine Vermeidung von Nierenschäden ab. Hierzu gehören eine gesunde Ernährung sowie die frühzeitige Behandlung von Erkrankungen, die eine Niereninsuffizienz (Diabetes mellitus, entzündliche Nierenerkrankungen) und somit eine renale Anämie hervorrufen können. Regelmäßig stattfindende Blutwertkontrollen bei chronischer Niereninsuffizienz tragen zu einer frühzeitigen Diagnose und Behebung einer renalen Anämie bei.

Bücher über Anämie (Blutarmut), Eisenmangelanämie

Quellen

  • Braun, J., Dormann, A .J.: Klinikleitfaden Innere Medizin. Urban & Fischer, München 2013
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • Keller, C.K., Geberth, S.K.: Praxis der Nephrologie. Springer, Berlin 2010

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