Rektusdiastase

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 10. Oktober 2017
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Tritt eine Rektusdiastase auf, so kommt es zu einer Ausweitung der geraden Bauchmuskeln, wodurch Bauchwandbrüche entstehen. Diese sind sehr häufig auf eine Bauchwandschwäche zurückzuführen, die durch Übergewicht oder eine Schwangerschaft hervorgerufen wird. Im Rahmen einer Therapie werden die Bauchmuskeln gestärkt, in manchen Fällen muss eine Rektusdiastase auch operiert werden.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Rektusdiastase?

Im Rahmen einer Rektusdiastase, auch Mittellinienbruch oder Out of Alignment genannt, weitet sich die Bindegewebsnaht, die senkrecht am Bauch verläuft, aus. In weiterer Folge tritt eine Abweichung des linken beziehungsweise rechten geraden Bauchmuskels auf, außerdem bleibt ein Spalt zurück. Die Bindegewebsnaht weist im Normalfall eine Breite von ein bis zwei Zentimeter auf und entsteht dadurch, dass sich die Bindegewebsstrukturen der Bauchmuskulatur verflechten.

Eine Rektusdiastase ist kein echter Bruch, am stärksten ausgeprägt ist sie im Nabelbereich, wo sie bis zu zehn Zentimeter lang werden kann. Eine Rektusdiastase tritt häufiger bei Frauen als bei Männern auf, da im Zuge einer Schwangerschaft die geraden Bauchmuskeln häufig überdehnt werden. Wenn die Bauchmuskulatur sehr schwach ist, so weichen die Muskelstränge auseinander, wodurch die Trage-, Stütz- und Haltefunktion beeinträchtigt wird. Auch nach der Schwangerschaft bleibt dann eine Vorwölbung an der Vorderseite der Bauchwand bestehen.

Ursachen

Viele Rektusdiastasen werden durch eine Schwangerschaft ausgelöst. Während einer Schwangerschaft wächst das Kind, die Bauchmuskeln werden gedehnt und verlieren dadurch an Spannung. Darüber hinaus wirkt das Schwangerschaftshormon Relaxin ebenfalls entspannend, wodurch die Dehnung der Bindegewebsnacht noch begünstigt wird. Meist tritt eine Rektusdiastase in den letzten Schwangerschaftsmonaten auf. Daher ist es wichtig, dass Frauen in dieser Zeit den Bauch nicht zu stark belasten.

Das Risiko für das Auftreten einer Rektusdiastase wird durch Mehrlingsschwangerschaften oder wiederholte Schwangerschaften noch zusätzlich erhöht, außerdem kann auch Übergewicht zu einer Rektusdiastase führen. In seltenen Fällen hat ein Mittellinienbruch auch angeborene Ursachen. Dann ist der Verlauf der Bauchmuskeln nicht parallel, sondern es kommt zu einer Abweichung nach oben. Die Bindegewebsnaht vergrößert sich und die Bauchdecke wölbt sich nach vor.

Darüber hinaus kann eine Rektusdiastase auch bei Säuglingen beziehungsweise Neugeborenen auftreten, da der Abstand zwischen den Bauchmuskeln bei ihnen noch relativ groß ist. Sobald die Kinder aber laufen, verschwindet die Rektusdiastase dann jedoch wieder.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Meistens treten bei einer Rektusdiastase keine Beschwerden auf. In der Bauchmitte bildet sich ein Spalt, der auch tastbar ist. Bei Anspannung tritt eine sichtbare Auswölbung auf. Während einer Schwangerschaft kommt es bei Belastung oft zu Schmerzen in der Hüfte, Schmerzen im Gesäß sowie im Bereich des unteren Rückens. Vor allem bei Frauen, die schon mehrere Kinder geboren haben, treten die Beschwerden auf, da die Muskulatur dadurch sehr stark gedehnt wurde.

Im vorderen Bereich des Bauches stehen dann überschüssige Haut und Gewebe hervor, bei einer starken Rektusdiastase sind oftmals sogar die Umrisse des Kindes sichtbar. Dadurch kann auch die Geburt erschwert werden, da die Gebärende die Bauchmuskulatur nicht im richtigen Ausmaß einsetzen kann. In diesem Fall können eine gestärkte Rückenmuskulatur sowie eine aufrechte Gebärhaltung Abhilfe schaffen.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Besteht der Verdacht auf einen Mittellinienbruch, so sollten ein Allgemeinmediziner oder ein Frauenarzt aufgesucht werden. Nach einer Anamnese kann der Arzt eine Rektusdiastase auf Grund eines Tastbefundes feststellen. Dafür muss sich der Betroffene auf den Rücken legen und die Bauchdecke anspannen.

Durch dieses Anspannen ist die Lücke in der Bauchwand dann für den Arzt gut fühlbar. Wenn der Patient hustet oder lacht, so tritt eine „Wulst“" zwischen den Bauchmuskeln auf. In seltenen Fällen ist auch eine Ultraschalluntersuchung notwendig. Durch sie kann festgestellt werden, wie weit der Mittellinienbruch bereits fortgeschritten ist.

Komplikationen

Eine Rektusdiastase ist meist harmlos und führt selten zu Komplikationen. Lediglich die Bauchmuskulatur wird schwächer und die geraden Bauchmuskeln entfernen sich immer mehr voneinander. In der Regel kann eine Rektusdiastase aber im Rahmen von Krankengymnastik behandelt werden. Allerdings sollten bei einer fühlbaren Rektusdiastase die Bauchmuskeln nicht belastet werden, weil dies einen Behandlungserfolg erschwert oder die Bauchmuskeln noch weiter voneinander entfernt.

Als Belastung gilt die Anspannung der Bauchmuskulatur, die unter anderem beim direkten Aufstehen aus der Rückenlage auftritt. In seltenen Fällen kann aber auch eine Operation notwendig werden, wenn sich die Bauchpresse zunehmend verschlechtert und die Gefahr eines Bauchwandbruchs zunimmt. Häufig treten dann Brüche in der Mittellinie und der Nabelgegend auf.

Solche Brüche sind potenziell gefährlich, weil sie zur Einklemmung von Organen oder Organteilen führen können. Die eingeklemmten Organteile sterben ab, wenn sie sich nicht mehr aus dem Bruch herausdrücken lassen. Besonders Teile des Darms werden im Zuge des Bruchs eingeklemmt.

Dabei handelt es sich um eine lebensgefährliche Situation, die eine Notoperation erforderlich macht, um einen Darmverschluss mit anschließender Bauchfellentzündung zu verhindern. Personen mit einer Rektusdiastase neigen außerdem auch zu Narbenbrüchen, die nach einer Bauchoperation entstanden sind. Auch Narbenbrüche sind sehr gefährlich und führen häufig zum Einklemmen von Teilen innerer Organe.

Therapie & Behandlung

Eine Rektusdiastase wird mit Hilfe eines Bauchmuskeltrainings behandelt. Falls erforderlich, muss auch vorhandenes Übergewicht abgebaut werden. Solange eine Rektusdiastase jedoch tastbar ist, sollte keine Belastung der geraden Bauchmuskeln erfolgen, da sie sich sonst noch vergrößern könnte. Um den Spalt zu verringern, können unterschiedlichste Übungen durchgeführt werden. Gut dazu geeignet sind zum Beispiel die Übungen nach Angela Hellers.

Dabei werden die Muskeln diagnoal angespannt, während die Krankengymnastin die diagonalen Bauchmuskeln zusammenhält. Außerdem werden die Schultern hochgezogen und gegen den Widerstand gedrückt. Das Training beginnt bereits zwei Tage nach der Geburt, wodurch sich die Rektusdiastase zurückbildet und dann meist nur noch eine Breite von einem Zentimeter aufweist. Ist der Mittellinienbruch nur ein oder zwei Zentimeter lang, so heilt er auch von selber aus. Im Normalfall erfolgt bei einer Rektusdiastase keine Operation.

Sollten die Beschwerden aber zunehmen oder kommt es auch zu Brüchen in der Nabelgegend, so ist eine Operation anzuraten. Dabei werden innere Nähte angelegt und die Bauchmuskeln fixiert. Eine zusäztliche Stabilisation erfolgt mit Hilfe von Kunststoffnetzen. Nach der Operation müssen die Patienten einen Bauchgurt beziehungsweise spezielle Kompressionswäsche tragen und dürfen für etwa vier Wochen keinen Sport ausüben. Komplikationen sind aber eher selten und treten nur dann auf, wenn auf Grund eines Bruchs Organteile oder Organe eingeklemmt werden.

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Vorbeugung

Nach einer Geburt ist eine Rückbildungsgymnastik sehr wichtig, da sie gleichzeitig auch der Vorbeugung dient. Dabei werden die geraden Bauchmuskeln nicht belastet, sondern das Training konzentriert sich auf die schrägen Muskeln des Bauches. Da auch Übergewicht zum Entstehen einer Rektusdiastase beitragen kann, sollte auch auf das Einhalten des Normalgewichtes geachtet werden.

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Quellen

  • Arasteh, K., et. al.: Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Stauber, M., Weyerstrahl, T.: Gynäkologie und Geburtshilfe. Thieme, Stuttgart 2013

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