Rektumprolaps (Mastdarmvorfall)

Letzte Aktualisierung am 25. Februar 2018 | Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher.
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Ein Rektumprolaps bzw. Mastdarmvorfall tritt auf, wenn ein Teil des Dickdarms aus dem untersten Abschnitt (Rektum) aus der muskulösen Öffnung am Ende des Verdauungstraktes (Anus) rutscht. In der Regel wird eine Operation erforderlich, um einen Rektumprolaps zu behandeln.

Inhaltsverzeichnis

Was ist ein Rektumprolaps?

Ein Rektumprolaps ist eine seltene Erkrankung und betrifft vor allem ältere Menschen. Die Krankheit ist bei Kindern eher selten, betroffene Kinder sind in der Regel jünger als 3 Jahre. Männer entwickeln viel seltener ein Rektumprolaps als Frauen (80 - 90 % Wahrscheinlichkeit).

Die Erkrankung befällt den Enddarm, d.h. die letzten 12-15 Zentimeter des Dickdarms knapp oberhalb des Analkanals. Normalerweise ist das Rektum anhand von Bändern und Muskeln sicher am Becken befestigt. Verschiedene Faktoren wie Alter, langfristige Verstopfung oder Belastung unter der Geburt, können diese schwächen. Dies bewirkt, dass das Rektum prolabiert, d.h. aus seiner natürlichen Körperöffnung herausfällt (Rektumprolaps).

Zu unterscheiden ist ein Rektumprolaps von einer Rektozele, die eine Ausstülpung des Rektrums in die Scheidenwände bezeichnet. Eine weitere Form des Rektumprolaps wird als Intussuszeption bezeichnet. Hierbei stülpt sich ein Darmabschnitt in einen anderen, wodurch ein Darmverschluss entstehen kann.

Ursachen

Ein Rektumprolaps wird durch eine Schwächung der Muskulatur verursacht, die das Rektum in Position hält. Bei den meisten Menschen mit einem Rektumprolaps ist zudem der anale Schließmuskel schwach ausgeprägt.

Die genaue Ursache dieser Abschwächung ist unbekannt, aber Risikofaktoren für einen Rektumprolaps sind in der Regel ein fortgeschrittenes Alter, länger anhaltende Verstopfung oder andauernder Durchfall, Anstrengung beim Stuhlgang, Schwangerschaft sowie Belastungen bei der Geburt. Ursachen für einen Rektumprolaps können ebenfalls Voroperationen, eine zystische Fibrose oder chronische Erkrankungen sein.

Dazu zählen Lungenerkrankungen, Keuchhusten, Multiple Sklerose sowie lang anhaltende Hämorrhoidalleiden. Kinder mit einem Rektumprolaps sollten zusätzlich auf Mukoviszidose untersucht werden, da dieser ein Symptom dieser Krankheit sein kann.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Ein Rektumprolaps zeigt sich durch mehrere Symptome, wobei ein leichter und unvollständiger Prolaps schnell mit Hämorrhoidalleiden verwechselt werden kann. Das Hauptsymptom eines Rektumprolapses stellt dabei der nach außen gelangte und nach außen gestülpte Mastdarm dar. Dabei wird zwischen einem rein nach außen getretenen Mastdarm und dem Vorhandensein einer Invagination unterschieden. Letzteres meint eine Einstülpung in sich selbst, wobei eine Einstülpung des Darms in sich selbst auch zu einem Prolaps führen kann.

Da die Schleimhäute des Darms nach außen gelangen, kommt es bei den Betroffenen zu einem dauerhaften Feuchtigkeitsgefühl. Zuweilen kommt es zu Blutungen, weil der ausgetretene Mastdarm durch Kleidung oder manuelle Manipulation verletzt wird. Ein Fremdkörpergefühl am Anus wird häufig von den Betroffenen beschrieben. Es entsteht oftmals Juckreiz, der manchmal durch entstehende Entzündungen zu erklären ist.

Ein Mastdarmvorfall führt fast immer zu Inkontinenzerscheinungen. So kann es zum unkontrollierten Abgang von Kot oder Schleim kommen. Die Inkontinenz ist umso ausgeprägter, desto schwerer der Vorfall ist. Ein vollständiger Rektumprolaps bedeutet fast immer eine Stuhlinkontinenz. Ein nur teilweise bestehender Prolaps bedeutet hingegen nicht zwingend eine Stuhlinkontinenz, führt aber sehr wohl zum Abgang von Schleim. Ein Rektumprolaps ist zudem optisch sehr eindeutig zu erkennen.

Diagnose & Verlauf

In den frühen Stadien eines Rektumprolaps löst sich das Rektum schleichend, verbleibt jedoch im Körper. Dieses Stadium eines Rektumprolaps, wenn das Bindegewebe der rektalen Schleimhaut sich löst und aus dem Anus ragt, wird als Mukosaprolaps bezeichnet.

Je weiter das Rektum prolabiert, umso stärker drückt ein Teil des Enddarms auf den Anus und schwächt diesen. Diese Stufe wird kompletter Rektumprolaps bezeichnet und ist das häufigste Diagnosestadium der Erkrankung. Die Symptome eines Rektumprolaps sind ähnlich denen von Hämorrhoiden und reichen von Schmerzen beim Stuhlgang, Schleim oder Blut aus dem vorstehenden Gewebe bis zu Stuhlinkontinenz oder dem Verlust des Stuhldrangs.

Zur Diagnose eines früheren Stadiums, in dem das Rektrum noch nicht aus dem Anus vorsteht, kann der Arzt einen Phosphat-Einlauf verabreichen, um einen Rektumprolaps von hervorstehenden Hämorrhoiden zu unterscheiden. Mittels eines dynamischen MRT kann das gesamte Becken samt Beckenbodenmuskulatur und Beckenorgane beim Stuhlgang gescannt werden.

Komplikationen

Ein Rektumprolaps oder Mastdarmvorfall muss fast immer operativ behandelt werden, um Komplikationen zu vermeiden. Nur bei Kindern sind Operationen in der Regel nicht notwendig. Meist leiden jedoch ältere Personen an einem Rektumprolaps. Aufgrund der fortschreitend zunehmenden Schwäche des Bindegewebes findet hier keine Selbstheilung mehr statt.

Wenn der Mastdarmvorfall bei Kindern auftritt, steckt dahinter meist eine andere schwerwiegende Erkrankung, die auch die Entstehung von Komplikationen begünstigt. Betroffene Kinder sollten unter anderem auf Mukoviszidose untersucht werden. Bei den sehr viel häufigeren Fällen von Rektumprolaps älterer Menschen kommt es im Laufe der Zeit immer zu Komplikationen, wenn die Erkrankung unbehandelt bleibt.

Dabei sind jedoch lebensgefährliche Komplikationen die Ausnahme. Eine Abklemmung des Enddarms kommt in aller Regel nicht vor, weil sich der Darm immer wieder zurückdrücken lässt. Allerdings kann dies in Ausnahmefällen doch mal passieren. Dabei handelt es sich dann um einen lebensbedrohlichen Notfall, der ein sofortiges operatives Eingreifen erfordert, um das Absterben des entsprechenden Enddarmabschnittes zu vermeiden.

In den anderen Fällen besteht zwar kein Notfall, aber ein operativer Eingriff ist trotzdem notwendig, denn ein unbehandelter Rektumprolaps führt langfristig neben zunehmenden Schmerzen beim Stuhlgang sowie Blut und Schleim auf dem Stuhl auch zu Stuhlinkontinenz. Dabei gilt, je später die Behandlung erfolgt, desto schwerwiegender sind die damit einhergehenden Komplikationen. Außerdem können sich Geschwüre im Enddarmbereich ausbilden.

Behandlung & Therapie

Nahezu alle Fälle eines Rektumprolaps benötigen eine medizinische Versorgung. Gelegentlich löst eine erfolgreiche Behandlung der zugrunde liegenden Ursache eines Rektumprolaps das Problem, meistenteils wird sich ein Rektumprolaps ohne Operation verschlechtern.

Bei Säuglingen und Kleinkindern kann eine Verringerung oder die Verdünnung des Stuhlgangs unter ärztlicher Anleitung Abhilfe schaffen. Die medizinische Behandlung setzt ein, um die Symptome eines Rektumprolaps vorübergehend lindern oder die Person für die Operation vorzubereiten. Dazu werden Füllmittel (Kleie, Flohsamen, Methylcellulose oder Psyllium), Stuhlweichmacher oder Einläufe verwendet.

Ziel aller chirurgischen Techniken zur Korrektur eines Rektumprolaps ist es, das Rektum wieder am inneren Becken zu befestigen. Dieser Eingriff unter Vollnarkose wird bei gesunden und jüngeren Patienten eher durch die Bauchdecke, bei älteren Menschen bzw. angegriffener Gesundheit eher durch den Damm durchgeführt, was generell einen Krankenhausaufenthalt von 3 – 7 Tagen erforderlich macht.

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Vorbeugung

Eine ballaststoffreiche Ernährung und die täglich ausreichende Versorgung mit Flüssigkeit kann das Risiko Verstopfung zu entwickeln und damit einen Risikofaktor für einen Rektumprolaps reduzieren. Biofeedback-Therapien trainieren die Beckenbodenmuskulatur und stärken den Schließmuskel. Menschen mit anhaltendem Durchfall, Verstopfung oder Hämorrhoiden sollten diese rechtzeitig behandeln, um die Gefahr eines Rektumprolaps auszuschließen.

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Quellen

  • Brühl, W., Wienert, V., Herold, A.: Aktuelle Proktologie. Uni-Med, Bremen 2011
  • Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Winkler, R., Otto, P., Schiedeck, T.: Proktologie. Thieme, Stuttgart 2011

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