Rektozele

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 10. Oktober 2017
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Als Rektozele wird eine Aussackung der Vorderwand des Mastdarms in die Scheide bezeichnet. Sie geht häufig mit einer Senkung des Beckenbodens einher.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Rektozele?

Von einer Rektozele ist die Rede, wenn eine Aussackung des Enddarms auftritt. Dabei kommt es direkt über der Schließmuskulatur zu einer Vorwölbung in die weibliche Vagina. In den meisten Fällen buchtet sich die Rektozele in Richtung Scheide oder Harnblase aus. Betroffen von ihr sind ausschließlich Frauen. Verbunden ist die Aussackung mit dem allgemeinen Absinken der unteren Eingeweide. Der Beckenboden gibt unter Druck nach.

Außerdem zeigen sich Störungen bei der Entleerung des Stuhls. Bei rund 50 Prozent aller Frauen, die älter als 50 Jahre sind, wird bei ärztlichen Untersuchungen eine Rektozele festgestellt. Eine Therapie findet jedoch nur dann statt, wenn die Betroffenen unter Beschwerden leiden.

Ursachen

Die Ursachen für die Entstehung einer Rektozele ließen sich bislang nicht vollständig klären. Nicht selten leiden die betroffenen Personen an einer Senkung oder Insuffizienz des Beckenbodens, die Veränderungen der gewöhnlichen Anatomie nach sich ziehen. Es sind einige Risikofaktoren bekannt, die das Auftreten einer Rektozele fördern können.

Dazu gehören Schwangerschaften, natürliche Geburten, chronische Verstopfung, frauenärztliche operative Eingriffe, ein höheres Lebensalter, Übergewicht sowie erhebliche Pressbewegungen beim Stuhlgang. Aufgrund von anatomischen Voraussetzungen tritt eine Rektozele nur beim weiblichen Geschlecht auf. So zeigt sich die männliche Schließmuskulatur als gleich stark ausgeprägt, während sich bei Frauen der äußere Schließmuskel auf der Vorderseite immer mehr verdünnt.

Darüber hinaus bewirkt die Prostata (Vorsteherdrüse) des Mannes, dass sich der Darm nach vorne ausbreiten kann. Frauen verfügen jedoch nicht über solche anatomischen Hindernisse. Durch mehrere Geburten sowie das Nachlassen des Bindegewebes kann sich der Beckenboden mit zunehmendem Lebensalter in die untere Richtung verschieben. So befindet sich dann unter dem knöchernen Ring ausreichend Raum für das Ausdehnen des Enddarms, der sich ohne Widerstand ausbreitet.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Nimmt die Rektozele eine bestimmte Größe an, hat dies starke Probleme für die Entleerung des Stuhls zur Folge. Aus diesem Grund gelten Rektozelen als häufiger Auslöser für ein Obstruktives Defäkations Syndrom (ODS). Leidet eine Frau schon seit mehreren Jahren unter Verstopfung, werden die Veränderungen von ihr kaum registriert, da sie nur langsam voranschreiten.

Als typische Beschwerden bei einer Rektozele gelten ein starkes und langes Pressen bei der Entleerung des Stuhls, Ekzeme, Juckreiz, das Auftreten von Blut oder Schleim bei der Stuhlentleerung, Schmerzen in der Enddarm- oder Dammregion sowie das Ausscheiden des Stuhlgangs in mehreren Abschnitten. Nicht selten müssen die Patientinnen auf Abführmittel zurückgreifen, damit es überhaupt zu einer Stuhlentleerung kommt. Mitunter zeigen sich auch Geschwüre innerhalb des Enddarms, die von Medizinern als solitäres Rektumulcus bezeichnet werden.

Die Beschwerden können derart intensiv sein, dass sie die Lebensqualität der betroffenen Frauen deutlich beeinträchtigen. Hervorgerufen werden sie durch den Umstand, dass vor der Entleerung die Rektozele mit Stuhl gefüllt wird. Liegt zudem eine Senkung des Beckenbodens vor, verändert sich der Winkel von Enddarm und Anus. Beim Pressen leitet sich der Druck deswegen nicht auf den After ab, sondern auf die Rektozele.

Die Enddarmwand ist im Rektozelenbereich derart ausgedünnt, dass sie nicht mehr über funktionsfähige Muskeln verfügt. In die Vorderrichtung fällt die Enddarmwand länger aus. Bei einem leeren Enddarm bilden sich deswegen Falten, die in Richtung After hinabfallen. Dieser Vorfall wird in der Medizin als Rektumprolaps bezeichnet.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Die Diagnostik einer Rektozele ist schwierig und langwierig, da sie und ihre Beschwerden oft erst über Jahre hinweg entstehen. Zunächst wird die Krankengeschichte der Patientin erstellt. Dann führt der Arzt eine körperliche Untersuchung durch, bei sich zumeist eine Absenkung des Damms erkennen lässt. Im Rahmen einer digitalen Austastung wird häufig eine Schließmuskelschwäche festgestellt.

Eine weitere Untersuchungsmöglichkeit stellt die Endoskopie dar, die aus einer Rektoskopie oder Proktoskopie besteht. Mitunter erfolgen auch weiterführende Untersuchungen wie eine Darmspiegelung zur Abklärung einer Verstopfung oder gynäkologische Untersuchungen. Als ausschlaggebend für die Diagnose einer Rektozele gilt die Defäkographie.

Bei diesem Verfahren lässt sich die Rektozele bei der Stuhlentleerung mithilfe eines Kontrastmittels sichtbar machen. Nicht immer löst eine Rektozele Beschwerden aus. Bei größeren Aussackungen kann es jedoch zu Problemen beim Abführen kommen, sodass eine ärztliche Behandlung erforderlich ist.

Komplikationen

Rektozelen verursachen sehr häufig keine Symptome und sind deswegen oft auch nicht behandlungsbedürftig. Jedoch können größere Rektozelen zu Beschwerden und Komplikationen führen, die zumindest eine konservative Behandlung erforderlich machen oder in seltenen Fällen auch eines operativen Eingriffs bedürfen. Besonders ältere Frauen oder Frauen, die mehrere Schwangerschaften durchgemacht haben, auch übergewichtige Frauen, leiden häufiger an einer größeren Rektozele.

Als Komplikation kann in diesen Fällen das sogenannte obstruktive Defäkationssyndrom auftreten. Bei diesem Syndrom steht eine chronische Verstopfung im Vordergrund. Die betroffenen Frauen leiden unter einem ständigen Defäkationsdrang, welcher mit dem hartnäckigen Gefühl einer unvollständigen Entleerung verbunden ist. Neben Bauchschmerzen, ständigem Missempfinden und Übelkeit kann sich mit der Zeit auch eine Stuhlinkontinenz entwickeln.

Des Weiteren werden größere Rektozelen oft von quälendem Juckreiz und Ekzemen in der Aftergegend gekennzeichnet. In der Dammgegend treten häufig Schmerzen auf, wobei der mühsam ausgepresste Stuhlgang mit Blut und Schleim bedeckt ist. Manchmal entwickeln sich sogar Geschwüre im Enddarm, die auch als Rektumulcus bezeichnet werden.

Die Lebensqualität der Frauen kann so beeinträchtigt sein, dass es zu psychischen Problemen kommen kann. Manche Frauen leiden aufgrund der chronischen Beschwerden unter Depressionen oder anderen psychischen Erkrankungen. In seltenen Fällen können die Beschwerden so stark werden, dass eine Operation notwendig wird. Die operativen Risiken richten sich nach dem Ausmaß des erforderlichen chirurgischen Eingriffs.

Therapie & Behandlung

Normalerweise wird eine Rektozele zunächst auf konservative Weise therapiert. Dabei erfolgt eine Umstellung der Ernährung der Patientin. Darüber hinaus werden ihr stuhlaufweichende Arzneimittel verabreicht. Des Weiteren erhält die Patientin Präparate, durch die sich die Darmtransportgeschwindigkeit erhöht. Physiotherapeutische Maßnahmen finden statt, wenn eine Schwächung der Beckenbodenmuskulatur oder Koordinationsprobleme bestehen.

Treten Komplikationen wie Geschwüre, ein Enddarmvorfall oder Blutungen auf oder nimmt die Rektozele einen großen Umfang an, erfolgt zumeist ein operativer Eingriff. Als chirurgische Methoden kommen die S.T.A.R.R.-Operation oder eine hintere Scheidenraffung in Betracht. Im Rahmen des S.T.A.R.R.-Verfahrens entfernt der Operateur eine Manschette des Enddarms von vier bis acht Zentimetern Breite über dem After.

Bei der hinteren Kolporrhapie verstärkt er den Zwischenbereich zwischen Enddarm und Vagina sowie die hintere Scheidenwand, wodurch einer weiteren Ausdehnung der Rektozele entgegengewirkt wird.

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Vorbeugung

Damit es gar nicht erst zu einer Rektozele kommt, wird Frauen empfohlen, sich nach der Geburt konsequent einer Rückbildungs- und Beckenbodengymnastik zu unterziehen. Ebenso sollte an ein Training des analen Schließmuskels gedacht werden.

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Quellen

  • Brühl, W., Wienert, V., Herold, A.: Aktuelle Proktologie. Uni-Med, Bremen 2011
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • Winkler, R., Otto, P., Schiedeck, T.: Proktologie. Thieme, Stuttgart 2011

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