Reisedurchfall

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 16. Oktober 2017
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Es ist keine angenehme Vorstellung: Der Flug zum Reiseziel ist überstanden, die Koffer sind ausgepackt. Plötzlich beginnt ein starker Reisedurchfall bzw. Reisediarrhoe. Was ist zu tun? Und muss ich mir Sorgen machen?

Inhaltsverzeichnis

Definition Reisedurchfall

Reisedurchfall - in Fachkreisen auch Reisediarrhoe genannt - bezeichnet eine Infektion des Darms. Es handelt sich hierbei um die häufigste Reisekrankheit.

Reisedurchfall macht sich bereits innerhalb weniger Stunden bis Tage nach der Ankunft im fremden Land bemerkbar. Neben Übelkeit und Erbrechen äußert sich der Reisedurchfall in mindestens vier Stuhlentleerungen pro Tag, deren Konsistenz verformt bis wässrig ist.

Zuweilen kann beim Reisedurchfall auch Blut im Stuhl nachgewiesen werden. In schweren Fällen gesellen sich Fieber oder Magen-Darm-Krämpfe hinzu. Manchmal kann Reisedurchfall auch erst wenige Tage nach der Heimkehr vom Urlaubsort auftreten.

Ursachen

Beim Reisedurchfall ist die Darmflora der Betroffenen aus dem Gleichgewicht geraten. Schuld daran sind Viren oder Bakterien, am bekanntesten hierbei Salmonellen, Kolibakterien oder Norovirus. Die Keime können durch die Nahrung aufgenommen werden.

Eine große Rolle beim Reisedurchfall spielen rohe Lebensmittel (Obst, Salat, Fleisch, Fisch) oder verseuchtes Trinkwasser. Ursächlich für Reisedurchfall können auch die schlechten Hygienebedingungen in fremden Ländern sein. Probleme mit der Zeitumstellung sowie Klimawechsel tun ihr Übriges.

Selbst Stress, zum Beispiel durch eine hektische Reisevorbereitung, kann am Entstehen des Reisedurchfalls mitwirken. Reisedurchfall tritt am ehesten in Ländern mit niedrigen Hygienestandards (z.B. Indien) auf. Auch Reisen in Gruppen oder Rucksacktouristen erleiden schneller den typischen Reisedurchfall.

Diagnose & Verlauf

Der Mythos, dass Cola mit Salzstangen gegen Durchfall helfen, ist medizinisch nicht belegt. Ein Teelöffel Bentonit mit einem Glas Mineralwasser zeigt eine bessere Wirkung.

Die Diagnose Reisedurchfall kann gestellt werden, wenn kurz nach Reisebeginn der typisch wässrige Durchfall auftritt. Beim Reisedurchfall existieren zwei verschiedene Verläufe: Der akute und der chronische Reisedurchfall.

Fast alle Patienten erkranken am akuten Reisedurchfall. In der Regel ist Reisedurchfall nach wenigen Tagen bis zu einer Woche überstanden. Sollten die Symptome jedoch anhalten oder sich verstärken, muss ein Arzt aufgesucht werden.

Einige Betroffene leiden an so starkem Durchfall, dass ein Aufenthalt im Krankenhaus notwendig wird. Jede fünfte Betroffene wird in dieser Zeit bettlägerig. Die meisten erkranken jedoch nur leicht an Reisedurchfall. Bei rund zehn Prozent der Patienten geht der akute Reisedurchfall in einen chronischen Reisedurchfall über. Das bedeutet, dass der Durchfall bis zu vier Wochen lang bestehen bleiben kann.

Komplikationen

Reisedurchfall kann verschiedene Komplikationen hervorrufen. Zunächst besteht das Risiko einer Dehydration, die mit körperlichen und geistigen Ausfallerscheinungen verbunden ist und bei Kindern, älteren Menschen und Erkrankten unter Umständen tödlich endet. Bei akuter Diarrhö kommt es auch zu einem stark ausgeprägten Nährstoff-Verlust, der ebenfalls mit Mangelerscheinungen einhergeht.

Im Extremfall kann beides – Dehydration und Nährstoffmangel – zu Nierenversagen und in der Folge zum Tod führen. Die ungewisse Hygiene-Situation am Reiseort kann dazu führen, dass die Beschwerden über mehrere Tage bestehen bleiben – umso gefährlicher wird der Flüssigkeitsverlust. Meist verläuft Reisedurchfall jedoch weniger problematisch. Der Betroffene leidet lediglich unter einem starken Unwohlsein und dem typischen Krankheitsgefühl.

Die Behandlung eines Reisedurchfalls birgt ebenfalls Risiken. Rezeptfreie Durchfall-Medikamente wie Racecadotril können vereinzelt Nebenwirkungen wie Hautausschläge, Kopfschmerzen und Gliederschmerzen hervorrufen. Selten treten schwere Hautreaktionen, Schwellungen, Nesselsucht oder Ödeme auf. Ist eine Infusion vonnöten, kann es zu Entzündungen und Verletzungen im Bereich der Einstichstelle kommen. Gelegentlich schwillt der Bereich um den Einstich an und es treten Beschwerden wie Juckreiz und Schmerzen auf. Selten treten Blutgerinnsel und andere schwerwiegende Komplikationen auf.

Behandlung & Therapie

Treten die ersten Symptome des Reisedurchfalls auf, sollten die Betroffenen sehr viel trinken. Am besten eignen sich hierfür Tee und abgepacktes Trinkwasser. Begleitend kann Reisedurchfall auch durch Medikamente aus der Apotheke behandelt werden. Sie enthalten lebenswichtige Elektrolyte, die der Körper durch die Durchfälle ausgeschieden hat.

Gibt es vor Ort keine Elektrolyte zu kaufen, kann problemlos selbst eine Lösung hergestellt werden. Dazu einen Liter Wasser abkochen und fünf Esslöffer Zucker, einen oder zwei Esslöffel Salz sowie ein Glas Orangensaft hinzufügen. Ansonsten muss keine spezielle Diät beim Reisedurchfall eingehalten werden.

Trotzdem ist es sinnvoll, schwere und fettige Speisen zu meiden. Bei starkem Flüssigkeitsverlust hilft nur eine Einweisung ins Krankenhaus. Für Kinder, ältere und schwache Menschen kann ein anhaltender Reisedurchfall auch lebensbedrohlich werden. Werden Reisedurchfälle von Fieber, blutigem Stuhl oder von Magen-Darm-Krämpfen begleitet, muss so schnell wie möglich ein Arzt aufgesucht werden.

In solchen Fällen sollte unbedingt das Blut untersucht werden, ob es sich wirklich nur um den vermuteten Reisedurchfall handelt. Denkbar wären auch Cholera oder Typhus, die dann gesondert behandelt werden müssten.

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Vorbeugung

Von Reisedurchfall sind am häufigsten Reisende nach Asien, Afrika und Lateinamerika betroffen. Aus diesem Grunde ist es sinnvoll, bereits vor der Abfahrt an geeignete Durchfall-Medikamente zu denken. Eine vorbeugende Impfung gegen Reisedurchfall existiert nicht. Trinkwasser sollte stets abgekocht werden. Auch alle Nahrungsmittel bitte nur durchgegart genießen.

Frischer Salat und rohes Gemüse sollten tabu sein. Vorsicht gilt auch bei Obst. Um Reisedurchfall zu vermeiden, sollten Früchte entweder ausreichend gewaschen oder geschält werden. Beim Putzen der Zähne nur abgepacktes Trinkwasser verwenden. Selbstverständlich sollten aus Schutz vor Reisedurchfall regelmäßig die Hände gewaschen werden.

Bücher über Reisedurchfall

Quellen

  • Diesfeld, H.J., Krause, G., Teichmann, D.: Praktische Tropen- und Reisemedizin. Thieme, Stuttgart 2003
  • Kretschmer, H., Kusch, G., Scherbaum, H. (Hrsg.): Reisemedizin. Beratung in der ärztlichen Praxis. Urban & Fischer, München 2005
  • Netter, F.H. et. al.: NETTERs Allgemeinmedizin. Thieme, Stuttgart 2006

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