Regression (der Augen)

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 2. Februar 2017
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Beim Lesen bewegen sich die Augen nicht kontinuierlich von links nach rechts über den Text, sondern ruckartig (sakkadisch) von Blickziel zu Blickziel. In 15 bis 20 Prozent der Sakkaden wird – meist unbewusst - eine rückwärtsgewandte Sakkade, die Regression, vollzogen, da der Text nicht vollkommen verstanden wurde oder da die Augen während des letzten Blickziels ein wenig zu weit gesprungen sind und der Text nicht vollständig mit der Fovea centralis erfasst werden konnte.

Inhaltsverzeichnis

Was ist die Regression?

Der Begriff Regression spielt vor allem beim Lesen eine Rolle. Während des Lesevorgangs gleitet der Blick nicht kontinuierlich von links nach rechts über die Zeilen, sondern er bewegt sich unbewusst in regelrechten Sprüngen, Sakkaden genannt, von Fixation zu Fixation.

Lesen geschieht nicht in einem kontinuierlichen Prozess, sondern in abgehackten und aufeinander folgenden Standbildern, mit einer Dauer von jeweils etwa 250 Millisekunden. Die Blicksprünge oder Sakkaden verlaufen sehr schnell. Während der Sakkade werden visuelle Informationen weitestgehend unterdrückt, so dass die Blicksprünge nicht bewusst wahrgenommen werden.

Es ist üblich, dass in etwa 15 bis 20 Prozent der Sakkaden ein Rückwärtssprung der Augen, eine Regression, eingebaut wird, die in den meisten Fällen völlig unbewusst abläuft. Regressionen erfolgen immer dann, wenn der entsprechende Textteil nicht auf Anhieb verstanden wurde oder wenn irgendetwas unterschwellig irritiert hat, so dass das Unterbewusstsein entscheidet, den Textteil oder das Wort nochmals anzuschauen.

Auch ein im Unterbewussten wahrgenommener Druckfehler oder ein unbekannter Fachausdruck, der erst eine Sakkade später ins Bewusstsein dringt, kann eine Regression auslösen. Sie wird ebenfalls nicht bewusst wahrgenommen, es sei denn, die unklare oder nicht verstandene Information kann mit der Regression in der normalen Verweildauer der Augen immer noch nicht aufgelöst werden. Wenn das der Fall ist, wird der normale Leseprozess unterbrochen und die Aufmerksamkeit unter Einschaltung des Bewusstseins auf das entsprechende Wort oder den Passus gelenkt.

Regressionen sind nicht nur beim Lesen üblich. Die Augen führen diese Bewegungen auch in vielen anderen alltäglichen Situationen unbewusst durch.

Funktion & Aufgabe

Ein Text kann vom Gehirn nur klar erkannt und verarbeitet werden, wenn er über die Fovea, dem kleinen Bereich schärfsten Sehens mit Farbwahrnehmung, erfasst wird. Die Fovea, gelegen im gelben Fleck, macht nur etwa 1 Grad im gesamten Blickfeld aus, das etwa 100 Grad umfasst. Das bedeutet, dass das Auge beim Lesen sakkadisch von „Grad zu Grad“ springt und das Gehirn jeweils nur den Textbereich verarbeiten kann, der in den Bereich der Fovea fällt.

Der Vorteil besteht darin, dass der Lesevorgang flüssig über die gleichzeitige Erfassung ganzer Wörter vor sich geht. Durchschnittlich werden mit einer Fixation 7 bis 9, höchstens jedoch bis zu 15 Zeichen oder Buchstaben gleichzeitig erkannt. Bei kleineren Problemen mit der Texterkennung findet eine Regression, ein Rücksprung zur vorherigen Fixation, statt.

Die Regression dient dazu, das Problem im Unterbewusstsein zu lösen, ohne den Lesefluss entscheidend zu unterbrechen. Das bedeutet, dass eine Regression im Normalfall nicht einmal wahrgenommen wird.

Der Begriff Regression spielt vor allem beim Lesen eine Rolle. Während des Lesevorgangs gleitet der Blick nicht kontinuierlich von links nach rechts über die Zeilen, sondern er bewegt sich unbewusst in regelrechten Sprüngen, Sakkaden genannt.

Der Vorteil besteht darin, dass kleinere Probleme durch Regression während des flüssigen Lesens mit leicht herabgesetzter Geschwindigkeit gelöst werden. Das System der Aneinanderreihung von Fixationen und Regressionen für die Lösung kleinerer Probleme mit der Texterkennung resultiert in einer enormen Erhöhung der Lesegeschwindigkeit gegenüber der Texterkennung über eine mühsame, bewusste Erfassung der einzelnen Buchstaben.

Die Einbeziehung der Regressionen in die Erfassung von Text kann zwar die Lesegeschwindigkeit um 15 bis 20 Prozent herabsetzen, hat aber den Vorteil, dass der Lesefluss nicht entscheidend unterbrochen wird. Ohne Regression müsste jedes kleinste Texterkennungsproblem in das Bewusstsein gehoben werden, was nicht nur zeitaufwändig wäre, sondern es könnte der gewohnte Lesefluss vermutlich nicht zustande kommen.

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Krankheiten & Beschwerden

Spezielle Erkrankungen, die ausschließlich regressive Sakkaden betreffen, sind nicht bekannt. Funktionsbeeinträchtigungen auf diesem Gebiet sind in der Regel mit Einschränkungen der Motilität der Augen gekoppelt. Die Einschränkungen können durch Probleme mit der Stellmuskulatur der Augen, mit der Übertragung sensorischer oder motorischer Signale über afferente bzw. efferente Nervenfasern oder mit der Verarbeitung der Signale im ZNS verursacht werden.

Die Stellmuskulatur der Augen besteht aus je 3 Muskelpaaren, die jeweils eine der drei möglichen Drehachsen bedienen. Wenn nur einer der 6 Muskeln Funktionseinschränkungen aufweist, treten in der Regel Probleme mit der exakten Parallelführung der Augen auf. Das gilt für große Augenbewegungen, wie auch für Mikrosakkaden und Regressionen.

Sensorische und motorische Übertragungsprobleme können durch Läsionen oder krankhafte Veränderungen der motorischen Hirnnerven III und IV oder des gemischten Hirnnervs V (Nervus trigeminus), der auch als Gesichtsnerv bezeichnet wird, verursacht werden. Ein weiterer Problembereich für eine mögliche Funktionseinschränkung der mikrosakkadischen Regression kann im Hirnstamm oder im Kleinhirn liegen.

Degenerative, neurologische Veränderungen wie Alzheimer oder Parkinson sind die häufigsten Ursachen für eine ZNS-verursachte Störung der Motilität der Augen. Zu Beginn der Beeinträchtigungen kann meist eine nachlassende „Treffsicherheit“ einer Sakkade beobachtet werden. Nach erfolgtem Blicksprung – auch nach Mikrosakkaden und Regressionen – müssen die Augen fast unmerklich nachjustiert werden. Die Fähigkeit zu flüssigem Lesen und zu einem schnellen Erfassen des Textes geht verloren, so dass Lesen für die Betroffenen große Anstrengungen bereitet und stark ermüdend wirkt.

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