Refsum-Syndrom

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 25. Oktober 2017
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Unter dem Refsum-Syndrom versteht der Mediziner eine hereditäre und schubartig verlaufende Stoffwechselstörung. Die Symptome betreffen die inneren Organe, das Zentralnervensystems, das peripheren Nervensystems und das Skeletts sowie die Haut. Die Krankheit kommt über eine phytansäurearme Diät und Plasmapherese weitestgehend zum Stillstand.

Inhaltsverzeichnis

Was ist das Refsum-Syndrom?

Das Refsum-Syndrom oder auch die Refsum-Kahlke-Krankheit ist eine sogenannte Heredoataxie. Die Erscheinung ist auch als Refsum-Thiébaut-Krankheit, als Heredopathia atactica polyneuritiformis oder Morbus Refsum bekannt. Heredoataxien sind genetisch bedingte Erkrankungen des zentralen Nervensystems. Leitsymptomisch treten bei diesen Erkrankungen Ataxien auf, das heißt Störungen des Bewegungsapparats.

Beim Refsum-Syndrom liegt ursächlich eine peroxisomale Stoffwechselstörung vor. Die Peroxisomen dienen im Körper dem Abbau von Metaboliten. Beim Morbus Refsum ist dieser Abbau gestört. Phytansäure reichert sich daher an und zieht insbesondere ataktische Folgen nach sich. Der Norweger Sigvald Refsum dokumentiert die Erkrankung im 20. Jahrhundert erstmals und wird zu ihrem Namensgeber. Oft ist beim Refsum-Snydrom auch von einer hereditären und motorisch-sensiblen Neuropathie die Rede.

Ursachen

Die biochemische Ursache für den Morbus Refsum ist die Anreicherung von Phytansäure. Dabei handelt es sich um eine gesättigte und verzweigkettige Fettsäure, die der Mensch mit der Nahrung aufnimmt. Um diese Fettsäure abzubauen, dient die peroxisomale α-Oxidation. Dieser Prozess wird durch das Enzym Phytanoyl–CoA-Hydroxylase geregelt. Ein Defekt dieses Stoffwechselenzyms äußert sich als Refsum-Syndrom. Auch Defekte des Transportproteins Peroxin-7 können allerdings für den Morbus Refsum ursächlich sein.

Das Protein Peroxin-7 ist für den Transport der Phytanol–CoA-Hydroxylase zuständig, der den Phytansäureabbau erst ermöglicht. Der Morbus Refsum ist so eine genetisch heterogene Erkrankung. Meist hängt ein Ausfall des Chromosoms zehn mit dem Defekt des Transportproteins oder des Stoffwechselenzyms zusammen. Die Krankheit wird im autosomal-rezessiven Erbgang weitergegeben. Das heißt, beide homologe Chromosome müssen den Defekt tragen, damit es zum Ausbruch kommt.

Symptome, Beschwerden und Anzeichen

Sowohl der Sehsinn, als auch das Zentralnervensystem, das Skelettsystem und das Organsystem können beim Morbus Refsum Beschwerden machen. Nachtblindheit ist das häufigste Frühsymptom. Meist leiden die Patienten an einer fortschreitenden Retina pigmentosa. Das heißt, ihre Netzhautzellen degenerieren. Diese Degeneration geht mit Gesichtsfeldausfällen und später teilweise mit Blindheit einher.

Auch unkontrollierte Augenbewegungen und plötzliche Linsentrübungen können vorkommen. Die Haut der Patienten leidet oft unter Verhornungsstörungen. Manche Patienten verlieren auch den Geruchssinn, leiden unter Gangunsicherheiten oder verlieren ihren Sinn für die eigene Raumlage. Intentionszittern und Schwerhörigkeit begleiten manchmal die genannten Symptome.

Ebenso typische Erscheinungen der Stoffwechselstörung sind Ausfälle der Sehnenreflexe oder Schädigungen des peripheren Nervensystems. Das Skelettsystem ist manchmal von Deformationen betroffen, so beispielsweise von Verformungen der Zehe oder krankhaft ausgeprägten Fußwölbungen. Zusätzlich können Herzrhythmusstörungen oder Blasendefekte auftreten.

Diagnose und Krankheitsverlauf

Die Diagnose stellt der Arzt beim Refsum-Syndrom über den Nachweis von Phytansäure im Urin und im Plasma. Die Erkrankung verläuft schubartig progredient. Auf einen Schub kann eine Phase relativer Beschwerdelosigkeit folgen. Die Erscheinungen bilden sich in der Regel aber nicht vollständig zurück. Nur Teilremissionen sind denkbar. Akute Verschlechterungen der Krankheit treten beispielsweise im Rahmen von metabolischem Stress ein. Auch bei Infekten, in Zeiten verminderter Kalorienzufuhr oder in der Schwangerschaft kann eine bemerkenswerte Verschlechterung eintreten.

Komplikationen

Im Verlauf von Morbus Refsum treten unterschiedliche Komplikationen und Spätfolgen auf. Die Degeneration der Netzhautzellen geht mit Gesichtsfeldausfällen, Sehstörungen und später oft auch mit einer vollständigen Erblindung einher. Im Bereich der Haut können Verhornungsstörungen auftreten. Manche Patienten leiden unter Gangunsicherheiten und Koordinationsstörungen – beides kann Unfälle und Stürze verursachen.

Des Weiteren kann es zum Verlust des Geruchssinnes und Schwerhörigkeit kommen. Im weiteren Verlauf ruft die Stoffwechselstörung Schädigungen des peripheren Nervensystems und Ausfälle der Sehnenreflexe hervor. In schweren Fällen kommt es zu Deformationen des Skelettsystems. Der Betroffene leidet dann beispielsweise unter krankhaft ausgeprägten Fußwölbungen oder Verformungen der Zehe.

Auch Herzrhythmusstörungen und Blasendefekte sind typische Komplikationen. Die Therapie des Refsum-Syndroms birgt die Gefahr von Neben- und Wechselwirkungen durch verabreichte Medikamente. Muss der Patient via Blutwäsche behandelt werden, so kann dies mit Infektionen, Schäden an den Gefäßen und Herzerkrankungen einhergehen. Auch Nierenschädigungen sind nicht auszuschließen.

Wird die Stoffwechselstörung chirurgisch behandelt, was vor allem bei Fehlbildungen notwendig ist, kann es zu Entzündungen, Blutungen, Nachblutungen und Nervenverletzungen kommen. Nach der Operation können Wundheilungsstörungen entstehen oder es bilden sich Narben.

Behandlung und Therapie

In einer akuten Phase wird das Refsum-Syndrom in der Regel über Plasmapherese behandelt. Dabei filtert eine Maschine ähnlich eines Dialysegeräts die krankhaften Substanzen aus dem Blut und führt dem Patienten das eigene Blut anschließend wieder zu. Wenn aktuell kein Schub vorliegt, dient eine phytansäurearme Diät der Schubverzögerung. Diese Diät bringt die Erkrankung in den meisten Fällen weitestgehend zum Stillstand. Der Mensch nimmt täglich durchschnittlich 100 Milligramm Phytansäure auf.


Im Rahmen der Diät nehmen Patienten des Refsum-Snydroms pro Tag nur noch um die zehn Milligramm Phytansäure zu sich. Molkereiprodukte und das Fleisch von Wiederkäuern werden meist ganz gestrichen, da sie am meisten Phytansäure enthalten. Um die Mobilisierung aus dem Fettgewebe zu blockieren, ist eine ausgewogene Kalorienzufuhr wichtig. Häufig wird die Spezialdiät der Patienten mit der Gabe von Vitamin A, C und E kombiniert. Normalerweise lassen diese Maßnahmen Hautveränderungen abheilen und Neuopathien teils oder vollständig zurückgehen.

Die Veränderungen des Seh- und Geruchssinns bilden sich durch die Diät eventuell nicht zurück. Andererseits schreiten sie durch die Diätmaßnahmen oft nicht weiter fort. Der Arzt überprüft regelmäßig die Phytansäurekonzentration im Blut. Wenn sich die Konzentration durch die genannten Maßnahmen nicht absenken lässt, kann zuweilen auch in nicht-akuten Phasen eine Plasmapherese indiziert sein.

Heilbar ist das Refsum-Syndrom bislang nicht, da keinerlei ursächliche, sondern lediglich symptomatische Therapien zur Verfügung stehen. Abhängig von den Symptomen führt der Arzt unter Umständen zusätzliche Therapiemaßnahmen durch. Bei Hautveränderungen kann so durch dermatologische Produkte zum Beispiel eine Linderung der Symptome erwirkt werden.

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Vorbeugung

Dem Morbus Refsum lässt sich bislang nicht vorbeugen. Entweder trägt ein Mensch den Gendefekt oder er trägt ihn nicht. Nicht jeder Defekt muss allerdings einen Krankheitsausbruch zur Folge haben. Zumindest schweren Schüben lässt sich beim Morbus Refsum vorbeugen. Metabolischen Stress sollten Träger des Defekts beispielsweise vermeiden.

Bücher über den Stoffwechsel

Quellen

  • Braun, J., Dormann, A .J.: Klinikleitfaden Innere Medizin. Urban & Fischer, München 2013
  • Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Piper, W.: Innere Medizin. Springer, Berlin 2013

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