Rechtsherzhypertrophie

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 31. Oktober 2017
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Als Rechtsherzhypertrophie wird ein pathologisch verstärkter Herzmuskel der rechten Herzkammer bezeichnet. Während eine begrenzte Herzmuskelverstärkung innerhalb eines Herz-Kreislauf-Trainings zu einer Leistungssteigerung des Herzens führt, nimmt die Leistungsfähigkeit bei einer Hypertrophie des Herzmuskels aufgrund der zunehmenden Steifigkeit der betroffenen Wände wieder ab. Bei der Rechtsherzhypertrophie ist der Lungenkreislauf, auch kleiner Blutkreislauf genannt, betroffen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Rechtsherzhypertrophie?

Bis zu einem gewissen Grad führt eine Herzmuskelverstärkung des gesamten Herzens, die durch ein Herz-Kreislauf-Training erzielt werden kann, zu einer Leistungssteigerung. Erst, wenn der Anreiz zum Wachstum des Herzmuskels der rechten oder der linken Kammer weiter anhält, kommt es zu einer Rechts- oder Linksherzhypertrophie. Die Rechtsherzhypertrophie äußert sich in einer pathologischen Zunahme des Muskelgewebes der rechten Kammer.

Die Herzwand im Bereich der rechten Kammer ist stark verdickt und mit fibrösem Gewebe durchsetzt. Der Herzmuskel wird dadurch unelastisch und die kapillare Blutversorgung kann dem größeren Bedarf an Sauerstoff nicht ganz folgen, so dass sich zusätzlich eine Sauerstoffminderversorgung der glatten Muskelzellen des Herzmuskels einstellt. Die zunehmende Steifigkeit des Herzmuskels in Verbindung mit der Sauerstoffmangelversorgung führt bei der Rechtsherzhypertrophie zu einer Leistungsminderung des Herzens.

Von der beeinträchtigten Auswurfleistung der rechten Kammer ist zunächst der Lungenkreislauf, auch kleiner Blutkreislauf genannt, betroffen, weil das Blut der rechten Kammer während der Kontraktion (Systole) über die geöffnete Pulmonalklappe in die Lungenarterie gepumpt wird.

Ursachen

Die häufigste Ursache für die Ausbildung einer Rechtsherzhypertrophie ist eine Linksherzinsuffizienz. Durch eine verminderte Auswurfleistung der linken Kammer, die während der Systole das Blut über die Aortenklappe in den großen Blutkreislauf oder Körperkreislauf pumpt, kommt es zu einem Rückstau im Lungenkreislauf. Der dadurch erhöhte Druck in der Lungenarterie löst in der rechten Kammer den Reiz zu verstärkter Pumpleistung aus.

Da das Problem des Rückstaus hierdurch aber nicht gelöst wird, bleibt der Anreiz der rechten Kammer zu verstärkter Leistung bestehen und es setzt eine allmähliche Hypertrophierung ein. Die Rechtsherzhypertrophie kann auch durch eine teilweise Obstruktion der Lunge verursacht werden. Ein Lungenemphysem, eine Tuberkulose oder eine diffuse Lungenfibrose, kann zu einer Verlegung eines Teils der Lungenstrombahn führen. Hierdurch kommt es zu einer Erhöhung des Gefäßwiderstands in der Lungenarterie, pulmonal-arterielle-Hypertension genannt.

Ähnlich wie beim Rückstau durch die Linksherzinsuffizienz reagiert die rechte Kammer zunächst mit erhöhter Leistung, die das Problem aber nicht löst. Es entwickelt sich daher allmählich eine Hypertrophierung. Weitere Ursachen können eine Pulmonalklappenstenose oder ein Ventrikelseptumdefekt sein. In beiden Fällen „versucht“ die rechte Herzkammer, die verminderte Versorgung der Aorta während der Systole durch eine Leistungserhöhung auszugleichen, was dann allmählich die Hypertrophierung auslöst.

Eine sehr seltene Ursache ist die Fallot-Tetralogie, eine genetisch bedingte Fehlentwicklung des Herzens. Sie äußert sich durch die gleichzeitig auftretenden vier Defekte Einengung des Eingangs in die Lungenarterie - vergleichbar mit einer Pulmonalstenose, unvollständiger Verschluss der Herzscheidewand zwischen den beiden Kammern, verlegter Aorteneingang und die daraus resultierende Hypertrophierung. Auch ein längerer Aufenthalt in extremer Höhe kann zu einer Rechtsherzhypertrophie führen.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Eine beginnende Rechtsherzhypertrophie ist zunächst symptom- und beschwerdelos. Erst mit nachlassender Auswurfleistung der rechten Kammer (diastolische Dysfunktion) kommt es zu ersten Anzeichen einer Kurzatmigkeit bei körperlicher Belastung. Meist macht sich vorher eine unspezifische, allgemeine Müdigkeit und Schlappheit bemerkbar, die auf die chronische Mangelversorgung mit Sauerstoff (Hypoxie) zurückzuführen ist.

Es können sich Blutstauungen im Verdauungstrakt einstellen, die zu einer Beeinträchtigung der Verdauung und zu einer verminderten Resorptionsfähigkeit von Nährstoffen im Dünndarm führen. Auch können sich Beeinträchtigungen bestimmter der Leberfunktionen einstellen. Äußerlich sichtbare Anzeichen sind eine grünlich-blaue Verfärbung von Haut- und Schleimhautpartien (Zyanose). In manchen Fällen bilden sich Ansammlungen von Gewebsflüssigkeit (Ödeme) und es kommt zu Stauungen in den Halsvenen.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Erkennen lässt sich die Rechtsherzhypertrophie mittels Ultraschalluntersuchung (Echokardiografie). Auch das EKG lässt Rückschlüsse auf die Funktion des Herzens zu. Im Bedarfsfall liefert die Magnetresonanztomografie (MRT) weitergehende Befunde und Erkenntnisse über den Fortschritt beziehungsweise über den Schweregrad der Krankheit. In fortgeschritteneren Stadien stellen sich Brustschmerzen ein, die mit denen einer Angina pectoris vergleichbar sind.

Die Rechtsherzhypertrophie kann auch Auslöser für eine Herzrhythmusstörung sein oder sogar einen Herzinfarkt verursachen. Der Krankheitsverlauf nimmt an Schwere zu, sofern die Verursachung der Hypertrophierung weder gefunden noch behandelt wird.

Komplikationen

Die Rechtsherzhypertrophie verläuft zunächst beschwerdefrei, geht aber immer Spätfolgen einher. Im Verlauf der Erkrankung entwickelt sich zunächst eine Kurzatmigkeit, die vorwiegend bei körperlicher Belastung auftritt und den Alltag des Betroffenen erheblich einschränkt. Die typischerweise auftretende Müdigkeit entwickelt sich zu einer körperlichen Abgeschlagenheit, die ebenfalls mit Einschränkungen im Alltag und Berufsleben verbunden ist.

Gelegentlich stellen sich Blutstauungen im Verdauungstrakt ein, die eine Beeinträchtigung der Verdauung und eine verminderte Resorptionsfähigkeit von Nährstoffen im Dünndarm zur Folge haben. Auf Dauer kommt es oft auch zu Beeinträchtigungen der Leberfunktionen, die mit Ödemen, Zyanose und anderen Beschwerden einhergehen. Bei der Behandlung werden meistens Diuretika eingesetzt, die unter Umständen Nebenwirkungen hervorrufen können.

Mögliche Beschwerden sind Schwindel, Kopfschmerzen, Muskelkrämpfe und Ausschlag. In Einzelfällen begünstigt das Arzneimittel Gelenkerkrankungen wie Gicht sowie Impotenz und Menstruationsbeschwerden. Wird die Rechtsherzhypertrophie operativ behandelt, also eine künstliche Herzklappe eingesetzt, stellt dies immer eine große Belastung für den Organismus dar.

Mögliche Komplikationen sind Vorhofflimmern, Blutungen, Infektionen, Schlaganfall und vorübergehende psychologische Beschwerden. Bei unerkannten Vorerkrankungen kann es unter Umständen auch zum Herzversagen kommen.

Therapie & Behandlung

Im Fokus einer Behandlung und Therapie der Rechtsherzhypertrophie steht die Behandlung der Anomalie oder Krankheit, die die Hypertrophierung verursacht hat. Das bedeutet in vielen Fällen, dass der erhöhte pulmonale Druck verringert werden muss, um dem rechten Ventrikel den Anreiz zur Kompensation des zu geringen Blutflusses in der Pulmonalarterie zu nehmen.

Diuretika können den Prozess unterstützen, weil sie helfen, im Fall von Ödemen oder Lungenemphysemen die angesammelte Gewebsflüssigkeit über die Nieren auszuschwemmen, um so den zentralvenösen Druck zu vermindern. In anderen Fällen, bei denen eine Insuffizienz der Mitralklappe oder Pulmonalklappe vorliegt, kann die Implantierung einer künstlichen Herzklappe die Lösung des Problems bedeuten.

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Vorbeugung

Vorbeugende Maßnahmen zur Verhinderung einer Rechtsherzhypertrophie können immer nur in der Vorbeugung beziehungsweise Verhinderung von Krankheitszuständen liegen, die als Sekundärschäden eine Rechtsherzhypertrophie im Gepäck haben. Das bedeutet, dass das Auftreten unspezifischer Beschwerden wie chronische Müdigkeit, mangelnde körperliche Leistungsfähigkeit und häufige Blauverfärbung der Lippen und der Extremitäten abgeklärt werden sollten.

Falls keine einwandfreie Ursache oder Erklärung für die Symptome gefunden wird, empfiehlt sich auch eine kardiologische Abklärung mittels EKG und Echokardiografie, um möglichst frühzeitig – möglichst noch vor Manifestierung der Hypertrophie – gegensteuern zu können.

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Quellen

  • Erdmann, E.: Klinische Kardiologie. Springer, Heidelberg 2011
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • Roskamm, H., et al.: Herzkrankheiten. Springer, Heidelberg 2004

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