Reaktivkraft

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 31. Januar 2017
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Die Reaktivkraft ist eine Form der Schnellkraft, die den Dehnungs-Verkürzungs-Zyklus zur Basis hat. Der Zyklus ist eine aktive Verlängerung der Muskeln, auf die eine Kontraktion derselben Muskeln folgt. Aufgehoben oder eingeschränkt ist die Reaktivkraft beispielsweise bei neuromuskulären Erkrankungen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist die Reaktivkraft?

Das Nerv-Muskelsystem überwindet mit Innervationsprozessen und Stoffwechselprozessen zur Muskelkontraktion verschiedene Widerstände. Dieser Vorgang wird als konzentrische Arbeit bezeichnet.

Verschiedene Arten der Kraft zeichnen das Nerv-Muskelsystem aus. Eine davon ist die Reaktivkraft. In der Sportmedizin ist damit die Kraft gemeint, die für reaktive Bewegungen erforderlich ist. Die Reaktivkraft zeichnet demnach Reaktivbewegungen aus. Als solche gelten zum Beispiel die Bewegungsfolgen für Niedersprünge, Sprints oder Wufbewegungen.

Ein Prozess der Reaktivkraft ist zum Beispiel der Dehnungs-Verkürzungs-Zyklus in der Muskulatur. Dieser Zyklus entspricht der aktiven Verlängerung von Muskeln, die von einer Muskelkontraktion gefolgt ist. Reaktive Bewegungen bestehen immer aus einer schnellen Aufeinanderfolge aus nachgebender und überwindender Arbeit, die entgegen eines Widerstands stattfindet. Neben der Reaktivkraft kennt die Sportmedizin die Maximalkraft und die Schnellkraft als Kraftarten. Die Reaktivkraft gilt als eine Sonderform der Schnellkraft.

Funktion & Aufgabe

Reaktive Bewegungen sind eine schnell aufeinanderfolgende Abfolge von exzentrischen und konzentrischen Arbeitsweisen der Muskulatur. In der exzentrischen Phase speichert das tendo-muskuläre System innerhalb seiner parallel- und seriellelastischen Strukturen eine gewisse Menge an kinetischer Energie. In der konzentrischen Phase wird die gespeicherte Energie freigesetzt. So ergibt sich eine Leistungs- und Kraftzunahme.

Die Reaktivkraft hängt von Grundlagen aus neuro-muskulären Faktoren und der Dehnfähigkeit der tendinösen Strukturen ab. Die Grundlagen für die beschriebene Leistungssteigerung ist der Dehnungs-Verkürzungs-Zyklus zur Aktivierung der Muskelspindel. Auf eine exzentrische Dehnung der Muskeln in Kombination mit dem selbstständigen Elastizitäts- und Innervationsverhalten folgt eine konzentrische Phase. Diese konzentrische Phase arbeitet mit der Voraktivierung und der gespeicherten Spannungsenergie sowie der Reflexinnervation der vorausgegangenen Phase.

Der Muskelfaserquerschnitt ist leistungsbestimmend. Zusätzlich bestimmen die Zusammensetzung und das Elastizitäts- oder Innervationsverhalten der Muskeln, Bänder und Sehnen die Leistung der Reaktivkraft. Das Innervations- und Elastizitätsverhalten wird reaktive Spannungsfähigkeit genannt. Die Reaktivkraft entspricht der exzentrisch-konzentrischen Schnellkraft zur kürzesten Kopplung von beiden Arbeitsphasen. Einfacher ausgedrückt ist die Reaktivkraft die menschliche Fähigkeit, im Dehnungs-Verkürzungs-Zyklus einen Impuls zu erzeugen.

Reaktivkraft benötigt der Mensch zur Durchführung von Bewegungsformen wie Sprüngen, Sprints oder Würfen. Alle so gearteten Bewegungen besitzen im Wesentlichen reaktiven Charakter.

Beim Dehnungs-Verkürzungs-Zyklus entsteht durch das Körpergewicht oder durch andere Muskeln eine exzentrische und konzentrische Kontraktion eines bestimmten Muskels. Die Muskulatur ist plastisch und zugleich elastisch. Aus diesem Grund muss die Kontraktion direkt nach der Muskeldehnung stattfinden und sich auf eine Phase konzentrieren, in der sich die Muskulatur noch nicht an die Dehnung angeglichen hat.

Dieser Dehnungs-Verkürzungs-Zyklus profitiert von der gespeicherten Energie vorausgegangener Bewegungen und findet aus diesem Grund besonders schnell statt. Einige Quellen sprechen von einer Energiespeicherung in den Muskeln. Andere sehen das Bindegewebe als Ort der Speicherung. Die Sehnen und Bändern erfahren beim Dehnungs-Verkürzungs-Zyklus eine Dehnung bis zum Anschlag. Aus diesem Grund ist die Dehnbarkeit für die Reaktivkraft ein entscheidender Faktor. Die Dehnbarkeit variiert von Mensch zu Mensch, sodass auch die Reaktivkraft von Mensch zu Mensch unterschiedlich ausfällt.

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Krankheiten & Beschwerden

Nach typischen Sportverletzungen ist die Reaktivkraft eingeschränkt. Um sie zurückzugewinnen, findet typischerweise eine Rehabilitation inklusive Plyometrie statt. Dabei handelt es sich um ein Schnellkrafttraining, das den Dehnungsreflex der Sehnen und Muskeln fördert. Zusätzlich gewinnt der Patient mittels Plyometrie Kontrolle über den Muskelspindelapparat zurück.

Das Training beschränkt sich nicht auf Sportverletzte, sondern zählt zum Standardtraining für Hochspringer, Sprinter, Basketball-Spieler oder Torhüter. In allen der genannten Sportarten sind die Sprintschnelligkeit und die Sprungkraft entscheidende Fähigkeiten. Zusätzlich zur den Übungen für die Sprungkraft existieren plyometrische Trainingseinheiten für den Oberkörper, die beispielsweise beim Boxtraining oder nach Sportverletzungen der oberen Extremitäten zum Einsatz kommen. Das plyometrische Training entspricht einer Förderung des Dehnungs-Verkürzungs-Zyklus. Das eigene Körpergewicht erzeugt bei den Trainingseinheiten eine Vorspannung innerhalb der Muskulatur. Meist werden Tiefsprünge auf schiefen Ebenen durchgeführt, um eine möglichst große Vorspannung zu erzeugen. Eine gute Reaktivkraft schützt Athleten in Zukunft vor Verletzungen. Das Training findet innerhalb der Rehabilitation nach Sportverletzungen allerdings nur in Kombination mit einem vorausgehenden Muskeltraining statt, da die Plyometrie an geschwächten Muskeln traumatische Verletzungen hervorrufen kann. Personen mit einer verminderten Reaktivkraft sind grundsätzlich anfälliger für Sportverletzungen und erhalten zunächst Trainingseinheiten zur Förderung der Dehnbarkeit.

Eine geringe Dehnbarkeit und die so verminderte Reaktionskraft hängen meist mit einem allgemeinen Bewegungsmangel zusammen. Die Reaktivkraft kann allerdings auch im Rahmen bestimmter Erkrankungen eingeschränkt oder sogar aufgehoben sein. Das ist zum Beispiel bei neuromuskulären Erkrankungen der Fall.

Die bedeutendsten Krankheiten aus dieser inhomogenen Gruppe sind die Myopathien und die Neuropathien. Myopathien sind Eigenerkrankungen der Muskulatur, die nicht mit einer neuronalen Ursache assoziiert sind und sich als Muskelschwäche manifestieren. Die Neuropathien sind dagegen Erkrankungen des peripheren Nervensystems, die entweder einzelne Nerven oder mehrere Nerven betreffen und sich ebenfalls in Muskelschwäche bis hin zu Lähmungen äußern.

In einigen Fällen hat die Neuropathie eine entzündliche Schädigung der Nerven zur Ursache. Speziell Polyneuropathien können auf vorausgegangene Verletzungen, Virusinfektionen, Vergiftungen, Vitaminmangel oder Autoimmunerkrankungen zurückgehen. Das Guillain-Barré-Syndrom ist ein Beispiel für eine Autoimmunerkrankung mit Neuropathien. Ebenso häufig werden diese neuromuskulären Erkrankungen nach der Einnahme von Chemotherapeutika beobachtet, so vor allem im Zusammenhang mit Platinpräparaten.

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