Reaktive Arthritis

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 22. Oktober 2017
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Nicht ausgeheilte Entzündungen können auf den Körper übergreifen und in der Folge zu Komplikationen führen. Eine solche Folgereaktion sind die reaktive Arthritis und ihre Sonderform, das Reiter-Syndrom.

Inhaltsverzeichnis

Was ist reaktive Arthritis?

Eine reaktive Arthritis ist eine Gelenkentzündung als Folgereaktion auf eine andere Entzündung im Körper, z. B. Luftwege, Darm, Harnwege oder Geschlechtsorgane.

Die reaktive Arthritis entsteht meistens ein paar Wochen nach einer Infektion. Ein Auslöser lässt sich oft nicht mehr feststellen (häufig Salmonellen oder Geschlechtskrankheiten wie Chlamydien oder Gonorrhoe).

Eine reaktive Arthritis ist mit charakteristischen Beschwerden verbunden: Gelenkschmerzen /-schwellung und -überwärmung an Schulter, Ellenbogen, Knie oder Hüfte.

Beim Reiter-Syndrom (auch Reiter-Trias), einer Sonderform der reaktiven Arthritis, leidet man neben den Gelenkbeschwerden auch unter einer Bindehaut- und Harnröhrenentzündung.

Ursachen

Sowohl die reaktive Arthritis als auch das Reiter-Syndrom haben ihre Ursache in einer vorangegangenen bakteriellen Infektion (Darm, Harnwege, Geschlechtsorgane).

Beide können zum einen entstehen, wenn eine Infektion nicht oder nicht vollständig behandelt wird. Dann bleiben Bakterienreste im Körper, die vom Immunsystem erkannt und bekämpft werden.

Zum anderen kann das Immunsystem aber auch auf körpereigene Antigene reagieren, wenn diese den Strukturen der Bakterien ähneln (molekulares Mimikry). Es kann dann auch zu Gelenkentzündungen kommen, wenn keine Bakterien mehr vorhanden sind.

Ärzte sprechen in diesem Fall von einer nicht-septischen Arthritis. Im Körper betroffener Patienten ist das Antigen HLA-B27 nachweisbar, das die Abwehrreaktion auslöst.

Typische Symptome & Anzeichen

Diagnose & Verlauf

Bei Verdacht auf eine reaktive Arthritis oder auf ein Reiter-Syndrom sichert ein Arzt mit verschiedenen Untersuchungen und Tests die Diagnose reaktive Arthritis ab.

In der Anamnese fragt er zunächst nach Beschwerden. Anschließend untersucht er den Patienten körperlich und nimmt Blut ab, ggf. auch eine Urin- oder Stuhlprobe. Wenn neben der reaktiven Arthritis zeitgleich eine Augen- und Harnröhrenentzündung auftritt, ist das ein Hinweis auf ein Reiter-Syndrom.

Anhand einer Blutuntersuchung lässt sich feststellen, ob es weitere Hinweise auf eine reaktive Arthritis oder ein Reiter-Syndrom gibt:

  • Nachweis des Antigens HLA-B27 im Blut
  • Entzündungsmarker vorhanden
  • keine Rheumafaktoren nachweisbar

Neben der Blutuntersuchung kann die Diagnose reaktive Arthritis durch weitere Untersuchungen abgesichert werden:

Unbehandelt kann sowohl die reaktive Arthritis als auch das Reiter-Syndrom einen schweren Verlauf nehmen. In den meisten Fällen ist die reaktive Arthritis innerhalb eines Jahres ausgeheilt. Bei schwereren Fällen - besonders wenn mehrere Gelenke betroffen sind und zusätzlich ein Reiter-Syndrom auftritt - kann die Heilung sehr lange dauern. Als Komplikation kann durch die Entzündung eine Beeinträchtigung der Gelenkfunktion auftreten oder Gewebe zerstört werden. Ist das Auge betroffen, kann die Sehkraft nachlassen.

Komplikationen

Komplikationen können auftreten, wenn es im Rahmen der reaktiven Arthritis zu einer Ausbreitung vorhandener Entzündungen auf andere Körperregionen kommt. So kann eine Gelenkentzündung das gesamte Gelenk betreffen und die Gelenkfunktion dauerhaft beeinträchtigen oder diese sogar zerstören. Eine möglicherweise vorhandene Bindehautentzündung kann auf angrenzende Augenstrukturen übergreifen und dadurch die Sehkraft beeinträchtigen.

Je nach Art der zugrundeliegenden Entzündung können diese „Übergangsprozesse“ im gesamten Körper auftreten und dabei schwerwiegende Komplikationen auslösen. Das Reiter-Syndrom ist eine Sonderform der reaktiven Arthritis, die neben den Gelenkbeschwerden zu einer Bindehaut- und Harnröhrenentzündung führt. Beide Formen rufen in ihrem Verlauf starke Schmerzen, Bewegungseinschränkungen und dauerhafte Gelenkschädigungen hervor.

Aufgrund der Beschwerden entwickeln einige Patienten psychische Leiden wie Depressionen und Ängste. Auch der Auslöser selbst kann Beschwerden und Spätfolgen nach sich ziehen. Bei der Behandlung der reaktiven Arthritis sind Antibiotika und Rheumatika die Hauptauslöser für Komplikationen. Diclofena, Ibuprofen und ähnliche Präparate können beispielsweise Magen-Darm-Beschwerden, Kopf-, Muskel- und Gliederschmerzen, Hautirritationen und Nieren- oder Leberschäden hervorrufen. Alternative Behandlungsmethoden wie Kälteanwendungen und Physiotherapie verlaufen abseits von kleineren Erfrierungen oder vorübergehenden Muskelschmerzen relativ komplikationsfrei.

Behandlung & Therapie

Bei der Behandlung der reaktiven Arthritis wie auch des Reiter-Syndroms kommt es wie bei anderen entzündlichen Erkrankungen auf Schmerzlinderung und Ausheilung der Entzündung an. In der Regel werden nicht-stereoidale Rheumatika wie Ibuprofen, Acetylsalicylsäure oder Diclofenac verordnet.

Wenn eine Entzündung im Körper nachgewiesen ist, werden Antibiotika verabreicht. Bei einer Geschlechtskrankheit wird der Partner mit behandelt. Oft sind bei einer reaktiven Arthritis aber keine Entzündungsparameter mehr vorhanden, dann braucht man auch kein Antibiotikum. In diesem Fall helfen gegen Gelenkschmerzen sehr gut Kälteanwendungen zur Schmerzlinderung und Physiotherapie, um die Gelenkbeweglichkeit zu erhalten oder wiederherzustellen.

Sind mehrere Gelenke betroffen oder hat sich die Entzündung ausgeweitet, verabreicht man Kortison, um Folgeschäden zu vermeiden. Eine Augenentzündung muss schnell behandelt werden wegen der Gefahr der Sehbeeinträchtigung.

Hier finden Sie Ihre Medikamente:

Vorbeugung

Die beste Vorbeugung vor reaktiver Arthritis ist, sich vor Infektionen des Darmes, der Harnwege und der Geschlechtsorgane zu schützen, die die Ursache für die reaktive Arthritis sind. Deshalb ist es wichtig, sich im Haushalt an Hygieneregeln zu halten:

  • saubere Hände und sauberes Kochgeschirr beim Kochen
  • Vorsicht mit rohem Fleisch und rohen Eiern
  • Obst waschen

Zur Vorbeugung von Geschlechtskrankheiten helfen Kondome.

Bücher über Gelenkentzündung & Arthritis

Quellen

  • Arasteh, K., et. al.: Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Braun, J., Dormann, A .J.: Klinikleitfaden Innere Medizin. Urban & Fischer, München 2013
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016

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