Raupendermatitis

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 25. Oktober 2017
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Die Raupendermatitis ist eine Hauterkrankung, die durch die Raupen des Prozessionsspinners verursacht wird. Durch den Kontakt mit den Nesselhaaren dieser Raupen wird eine allergische Reaktion ausgelöst, die zu einem typischen Hautbild führt. Parallel dazu können auch Atemwegsbeschwerden und Bindehautentzündungen auftreten. Die Raupendermatitis tritt nahezu ausschließlich in den Sommermonaten auf.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Raupendermatitis?

Bei der Raupendermatitis handelt es sich um eine Kontaktallergie. Wenn die Haut mit den Haaren der Raupen insbesondere des Eichenprozessionsspinners in Berührung kommt, wird durch das darin enthaltenen Gift eine allergische Reaktion ausgelöst.

Die daraus folgende Dermatose zeichnet sich durch scharf abgegrenzte Rötungen und stark juckende Knötchen oder Papeln aus. In manchen Fällen treten neben den typischen Hautveränderungen auch weitere allergische Reaktionen auf.

Dazu zählen neben Bindehautentzündungen vor allem Erkrankungen der Atemwege. So kann es bei einer Raupendermatitis auch zu Halsentzündungen, Bronchitis und asthmatischen Beschwerden kommen. In sehr schweren Fällen ist ein anaphylaktischer Schock möglich.

Ursachen

Die Raupendermatitis tritt vor allem in der Zeit von April bis September auf, wenn die Raupen des Prozessionsspinners sich auf Wanderschaft befinden und dabei örtlich in sehr großer Zahl auftreten können.

Um an ihr zu erkranken, muss man keinen direkten Körperkontakt mit den Raupen selbst haben. Es genügt bereits, mit den Haaren der Raupen in Berührung zu kommen, die diese während ihrer Wanderung durch bewaldete Gebiete in größeren Mengen verlieren und die noch über einen längeren Zeitraum in der Luft schweben oder sich auf dem Boden oder im Unterholz befinden können.

Bei den Haaren der Prozessionsspinnerraupen handelt es sich um zwei bis drei Millimeter lange Nesselhaare, die mit Widerhaken fest an der Haut haften. Diese enthalten das Nesselgift Thaumetopoein, ein Protein, das freigesetzt wird, wenn die Haare abbrechen.

Der Körper reagiert darauf mit der Ausschüttung von Histamin, was sich mit Rötungen, Jucken und anderen allergischen Reaktionen äußert, die das typische Krankheitsbild der Raupendermatitis ergeben.

Typische Symptome & Anzeichen

Diagnose & Verlauf

Eine Raupendermatitis macht sich schon kurz nach dem Kontakt mit den Nesselhaaren der Raupen des Prozessionsspinners bemerkbar. Auf den nicht von Kleidung bedeckten Hautregionen treten klar abgegrenzte Rötungen sowie stark juckende Knötchen, Papeln oder Quaddeln auf.

Die betroffenen Bereiche können dabei leicht anschwellen und sich warm anfühlen. Durch Kratzen kann es auch zu Entzündungen der Haut kommen. Begleitet wird die Raupendermatitis oft von einer erhöhten Körpertemperatur, Schwindelanfällen und einem allgemeinen Gefühl des Unwohlseins.

Bindehautentzündungen können ebenfalls auftreten, falls die Raupenhaare auch in die Augen gelangt sind. Weitere häufige Begleitsymptome der Raupendermatitis sind Entzündungen im Rachenbereich und Husten, da die Haare auch eingeatmet werden können.

Komplikationen

In Folge einer Raupendermatitis können verschiedene Komplikationen auftreten. Wird die Erkrankung nicht umgehend behandelt, kommt es häufig zu starkem Fieber und Schüttelfrost. Diese Beschwerden können in seltenen Fällen zum Kreislaufkollaps führen. Wenn die feinen Härchen in die Augen gelangen, kann dies eine Bindehautentzündung hervorrufen.

Gelangen sie in die Atemwege, führt dies zu Atemnot und in seltenen Fällen zu asthmatischen Anfällen. Aufgrund einer starken Immunreaktion des Körpers kann es zudem zu einem anaphylaktischen Schock kommen. Im Allgemeinen ist die Raupendermatitis mit einem starken Unwohlsein verbunden. Die Lebensqualität der Betroffenen ist dementsprechend reduziert und es kann mitunter auch zu seelischen Leiden kommen.

Auch bei der Behandlung sind Komplikationen nicht auszuschließen. Verordnete Medikamente wie Antihistaminika und Kortikosteroide können Beschwerden hervorrufen. Typisch sind Magen-Darm-Probleme, Kopf-, Muskel- und Gliederschmerzen sowie andere Nebenwirkungen. Bei Kinder, älteren Menschen und Erkrankten kommt es in Einzelfällen zum Kreislaufkollaps.

Werden gleichzeitig noch andere Medikamente eingenommen, sind auch Wechselwirkungen nicht auszuschließen. Allergische Reaktionen können die ursprünglichen Beschwerden noch verstärken und stellen eine der schwersten Komplikationen bei der Behandlung der Raupendermatitis dar.

Behandlung & Therapie

Eine Raupendermatitis ist meist völlig ungefährlich und heilt unbehandelt innerhalb von zwei bis drei Wochen ab. Um den Juckreiz zu lindern, können die betroffenen Hautbereiche mechanisch gekühlt oder kortisonhaltige Salben aufgetragen werden.

Auch die Gabe von Antihistaminika kann sinnvoll sein. Kratzen sollte unbedingt vermieden werden, da sich dadurch nicht nur die Haare der Raupen verteilen können, sondern sich auch die Haut entzünden kann. Bei starken Beschwerden ist es auf jeden Fall ratsam einen Arzt aufzusuchen.

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Vorbeugung

Um einer Raupendermatitis vorzubeugen, empfiehlt es sich, während der Zeit von April bis September Bereiche, die für einen Befall mit den Raupen des Prozessionsspinners bekannt sind, zu meiden.

Ist dies nicht möglich, sollten mit Hilfe von Kleidung möglichst große Bereiche der Haut abgedeckt werden. Diese Kleidung sollte gleich nach der Rückkehr abgelegt und bei mindestens 60°C gewaschen werden, um die daran anhaftenden Raupenhaare zu entfernen. Sichtbare Nesselhaare müssen sofort von der haut entfernt werden. Danach sollte der gesamte Körper unter der Dusche gründlich abgewaschen werden.

Eventuell mitgeführte Gegenstände sollten, wenn möglich, ebenfalls einer Reinigung mit Wasser unterzogen werden. Wenn in einem bislang raupenfreien Gebiet ein Befall mit Eichenprozessionsspinnern festgestellt wird, sollte dieser umgehend bei den zuständigen Behörden gemeldet werden, damit eine fachgerechte Beseitigung erfolgen kann.

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Quellen

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  • Dirschka, T., Hartwig, R.: Klinikleitfaden Dermatologie. Urban & Fischer, München 2011
  • Moll, I.: Dermatologie. Thieme, Stuttgart 2010
  • Sterry, W., Worm, M., Burgdorf, W.: Checkliste Dermatologie. Thieme, Stuttgart 2014

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