Ranibizumab

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 29. November 2016
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Ranibizumab ist ein Arzneistoff aus der Wirkstoffklasse der monoklonalen Antikörper, der zur Behandlung der Makuladegeneration genutzt wird.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Ranibizumab?

Der Arzneistoff Ranibizumab ist ein monoklonales Antikörperfragment (Fab). Monoklonale Antikörper sind Antikörper, die von einem bestimmten Zellklon produziert werden und nur auf einen einzigen B-Lymphozyten zurückgehen. Vor allem in Diagnostik, Therapie und Forschung spielen die monoklonalen immunologisch aktiven Proteine eine wichtige Rolle, da sie in der Lage sind, eine spezifische Anzahl von Molekülen binden zu können. Eine physiologische Immunantwort besteht hingegen immer aus polyklonalen Antikörpern.

Das Unternehmen Genentech entwickelte und vermarktet den Arzneistoff Ranibizumab. Genentech ist ein Tochterunternehmen der Schweizer Pharmaunternehmen Novartis und Hoffman-La Roche. Die Erstzulassung für den Arzneistoff erfolgte im Jahr 2006 in den USA und in der Schweiz. 2007 ließ die EU-Kommission Ranibizumab für alle Staaten der EU zu. Das alleinige Vertriebsrecht liegt, mit Ausnahme von Nordamerika, auch heute noch bei Novartis.

Die Herstellung von Ranibizumab erfolgt mittels rekombinanter DNA, die aus dem Bakterium E. coli (Escherichia coli) durch gentechnische Veränderungen gewonnen wird. Ranibizumab ist ein Fragment des monoklonalen Antikörpers Bevacizumab und unterbindet die Gefäßneubildung im Auge. Ähnliche Wirkstoffe werden immer häufiger auch in der Krebstherapie eingesetzt.

Pharmakologische Wirkung

Das monoklonale Antikörperfragment Ranibizumab hat eine hohe Affinität zu den Isoformen des vaskulären endothelialen Wachstumsfaktors A (VEGF-A) und bindet sich somit an diese. VEGF-A scheint das Schlüsselmolekül bei der Entstehung der exsudativen altersbedingten Makuladegeneration zu sein. Aufgrund der Bindung durch Ranibizumab werden die Rezeptoren VEGFR-1 und VEGFR-2 auf der Oberfläche der endothelialen Zellen nicht aktiviert.

Da Ranibizumab eine sehr geringe Molekülgröße aufweist, gelangt es durch alle Netzhautschichten hindurch und erreicht so die sogenannte chorioidale Neovaskularisation (CNV). Bei der Makuladegeneration neigen diese Veränderungen zu Blutungen. Ranibizumab verhindert, dass die entsprechenden Rezeptoren aktiviert werden und hemmt so das Wachstum der chorioidalen Neovaskularisation. Als Antikörperfragment reduziert Ranibizumab zudem im Bereich der Netzhaut das Entzündungsrisiko.

Medizinische Anwendung & Verwendung

Ranibizumab ist ein Arzneistoff aus der Wirkstoffklasse der monoklonalen Antikörper, der zur Behandlung der Makuladegeneration genutzt wird.

Ranibizumab wird zur Behandlung der feuchten altersbezogenen Makuladegeneration (AMD) genutzt. Auch bei einer Sehschärfenverschlechterung im Rahmen des diabetischen Makulaödems wird der Arzneistoff genutzt. Bei der AMD bilden sich unterhalb der Netzhaut sogenannte choroidale Neovaskularisationen aus, die schnell bluten. Im Endstadium wandeln sich Teile der Netzhaut narbig um, sodass oft unterblutete Narben entstehen.

Eine AMD führt schnell zur Leseblindheit. Die Lesefähigkeit nimmt ab, auch das Kontrastempfinden und das Farbensehen sind eingeschränkt. Die Adaption an veränderte Lichtverhältnisse fällt schwer, zeitgleich erhöht sich die Blendungsempfindlichkeit. In schwereren Fällen können auch zentrale Gesichtsfeldausfälle entstehen. Das diabetische Makulaödem entsteht im Rahmen der Stoffwechselerkrankung Diabetes mellitus. Unbehandelt kann dieses Ödem zu starken Sehbeeinträchtigungen oder sogar zum kompletten Sehverlust führen.

Bei beiden Erkrankungen wird Ranibizumab unter örtlicher Betäubung in den Glaskörper des Auges injiziert. Die Dosis beträgt normalerweise 0,05 Milliliter. In den ersten drei Monaten der Behandlung erfolgt monatlich eine Injektion. In der folgenden Phase wird das Präparat nur bei erneutem Sehverlust verabreicht. Beim diabetischen Makulaödem erfolgt hingegen solange eine monatliche Injektion, bis eine maximale Sehschärfe erreicht ist. Da die Anwendung nur unter aseptischen Bedingungen erfolgen sollte, darf ausschließlich ein qualifizierter Augenarzt den Wirkstoff verabreichen.

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Risiken & Nebenwirkungen

Augenprobleme mit Mouches volantes, Fremdkörpergefühl, Schmerzen und Blutungen gehören zu den häufigsten Nebenwirkungen. Auch eine Erhöhung des Augeninnendrucks mit Kopfschmerzen oder eine arterielle Hypertonie können im Rahmen der Behandlung mit Ranibizumab auftreten. Nur selten kommt es zu Infektionen des Augeninnenraums oder zu Beschädigungen der Netzhaut. Um eine Infektion zu vermeiden, können dem Patienten nach der Behandlung antibiotische Augentropfen verabreicht werden. In seltenen Fällen kann sich nach der Therapie mit Ranibizumab ein grauer Star (Katarakt) entwickeln.

Trotz der eher geringen Nebenwirkungsrate steht die Therapie mit Ranibizumab häufiger in der Kritik. Studien haben die beiden Wirkstoffe Ranibizumab und Bevacizumab miteinander verglichen. Dabei zeigte sich, dass Bevacizumab ebenso wirksam ist wie der deutlich teurere Wirkstoff Ranibizumab. Die Anwendung von Bevacizumab geht zudem mit keinem höheren Risiko oder mehr Nebenwirkungen einher, sodass ein Einsatz des teureren Ranibizumabs eigentlich nicht gerechtfertigt ist.

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