Radikulopathie

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für innere Medizin) am 27. Oktober 2016
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Unter einer Radikulopathie wird eine Schädigung oder Reizung der Nervenwurzeln verstanden. Dabei kommt es zu Schmerzen, Empfindungsstörungen oder Lähmungen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Radikulopathie?

Die Radikulopathie ist auch unter den Bezeichnungen Radikulitis, Wurzelsyndrom oder Wurzelneuritis bekannt. Gemeint ist damit eine Schädigung der Nervenwurzel, die sowohl einen akuten als auch einen chronischen Verlauf nehmen kann. Sie geht mit Schmerzen, Empfindungsstörungen und Lähmungserscheinungen einher.

Betrifft die Beeinträchtigung mehrere Nervenwurzeln, handelt es sich um eine Polyradikulopathie. Unter den Nervenwurzeln werden Nervenfasern verstanden, die in das Rückenmark einstrahlen oder aus ihm hervortreten. Anschließend vereinigen sie sich zu einem Spiralnerv.

Auf der rechten und der linken Seite jedes Wurzelsegments befinden sich je zwei Nervenwurzeln. Von den hinteren Nervenwurzeln werden sensible Daten an das Rückenmark weitergegeben. Dagegen haben die vorderen Nervenwurzeln die Funktion, motorische Impulse, die aus dem Rückenmark stammen, in Richtung periphere Muskeln auszusenden.

Werden diese Nervenwurzeln in Mitleidenschaft gezogen, sprechen Mediziner von einer Radikulopathie. Besonders betroffen von einem Wurzelsyndrom sind Menschen im mittleren und höheren Lebensalter.

Ursachen

Als Auslöser für eine Radikulopathie kommen zahlreiche Ursachen in Betracht. In den meisten Fällen sind krankhafte Veränderungen der Wirbelsäule für das Leiden verantwortlich. So sind die meisten Radikulopathien in der Lumbal- oder Sakralregion zu verzeichnen.

Häufigste Gründe bilden eine Vorwölbung der Bandscheiben oder ein Bandscheibenvorfall, die wiederum eine Reizung oder Schädigung der angrenzenden Nervenwurzeln nach sich ziehen. Im Falle eines Bandscheibenvorfalls findet eine Vorwölbung der kompletten Bandscheibe zu den Nervenwurzeln hin statt.

Mitunter kann es sogar zu einer Quetschung kommen. Eine weitere Ursache für eine Radikulopathie sind Osteopathien, bei denen es sich um entzündliche Veränderungen der Knochen handelt. In seltenen Fällen wird die Schädigung der Nervenwurzeln durch einen Knochentumor hervorgerufen.

Der Bewegungsapparat hat jedoch nicht immer Anteil an der Entstehung einer Radikulopathie. So kann die Nervenwurzelfunktion auch durch Beeinträchtigungen des Nervensystems verursacht werden. Als weiterer denkbarer Auslöser eines Wurzelsyndroms kommt Herpes Zoster infrage, eine von Viren hervorgerufene Erkrankung.

Das verantwortliche Virus zeigt sich zunächst in Form von Windpocken. Nach überstandener Infektion verbleibt es innerhalb der Gliazellen im Körper. Von dort aus kann es für den Rest des Lebens Erkrankungen verursachen. Eine andere Infektionskrankheit, die für eine Radikulopathie verantwortlich ist, stellt die Lyme-Borreliose dar. Auslöser der Erkrankung ist das von Zecken übertragene Bakterium Borrelia burgdorferi.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Ein charakteristisches Leitsymptom der Radikulopathie bildet der radikuläre Schmerz. Das bedeutet, dass die Beschwerden von den Nervenwurzeln an der Wirbelsäule ausgehen. Je nach Verlauf des geschädigten Nervs erfolgt die Schmerzausstrahlung ins Segment.

Im äußeren Segmentbereich wird der Schmerz oft intensiver empfunden als an seinem Ursprung. Mitunter erreichen die radikulären Schmerzen eine derartige Intensität, dass die Lebensqualität der Patienten erheblich darunter leidet. Bei manchen Menschen löst dieser Umstand sogar eine Depression aus.

Als weitere Beschwerden zeigen sich Missempfindungen in der betroffenen Nervenwurzelregion. Auch Sensibilitätsstörungen oder motorische Beeinträchtigungen sind im Bereich des Möglichen. Gelegentlich können auch bestimmte Reflexe ausfallen.

Betrifft die Radikulopathie mehrere Nervenwurzeln, von denen die Atemhilfsmuskulatur oder das Zwerchfell versorgt werden, besteht die Gefahr eines lebensgefährlichen Atmungsausfalls.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Eine Radikulopathie zu diagnostizieren, fällt nicht immer leicht, weil die Beschwerden unspezifisch sind und auf andere Erkrankungen hindeuten können. Der behandelnde Arzt befasst sich daher zunächst mit der Krankengeschichte seines Patienten und befragt diesen nach möglichen Vorerkrankungen und weiteren Beschwerden.

Aufschlüsse lassen sich in der Regel durch bildgebende Verfahren erhalten. Dazu zählen Röntgenuntersuchungen, um Knochenveränderungen festzustellen, eine Myelografie, bei der ein Kontrastmittel injiziert wird, sowie eine Computertomographie (CT) oder eine Kernspintomographie (MRT), bei denen Aufnahmen der Rückenmarksregion gemacht werden.

In den meisten Fällen nimmt die Radikulopathie einen positiven Verlauf. Beginnt die medizinische Behandlung jedoch zu spät, drohen oft Komplikationen. Gleiches gilt bei chronischen Vorerkrankungen, die einen degenerativen Verlauf nehmen. Mögliche Folgen können Schädigungen der Wirbelsäule, des Nervensystems oder des Rückenmarks sein. Mitunter kommt es sogar zu Arbeitsunfähigkeit.

Behandlung & Therapie

Die Behandlung der Radikulopathie richtet sich nach der verantwortlichen Ursache. Liegt ein Bandscheibenprolaps vor, erfolgt in der Regel eine konservative Behandlung in Form einer Schmerztherapie sowie von krankengymnastischen Übungen. In der akuten Phase der Erkrankung werden die Schmerzen mit nicht-steroidalen Antirheumatika (NSAR) behandelt.

Fallen die Schmerzen intensiv aus, kann auch eine Kombination aus Opioiden und Neuroleptika erfolgen. Leidet der Patient unter einer Osteoporose (Knochenschwund), einer Infektion, Inkontinenz oder Harnverhalt, gilt ein operativer Eingriff als sinnvoll. Als Therapie der ersten Wahl wird die minimal-invasive Nukleoplastie empfohlen.

Ist ein Knochentumor der Urheber der Radikulopathie, lässt dieser sich unter Umständen ebenfalls chirurgisch entfernen. Fällt der Tumor umfangreich aus, muss eine Strahlentherapie oder Chemotherapie erfolgen, um ihn vor der Operation zu verkleinern. Nach dem Eingriff wird die Behandlung oftmals mit weiteren Bestrahlungen oder der Gabe von Zytostatika fortgesetzt.

Geht die Radikulopathie vom Herpes-Zoster-Virus aus, erhält der Patient antivirale Mittel wie Valaciclovir, Aciclovir oder Brivudin. Als schwer behandelbar gilt dagegen eine chronische Lyme-Borelliose. Damit es dadurch nicht zu einer Radikulopathie kommt, wird eine frühzeitige Antibiotika-Therapie empfohlen.




Vorbeugung

In manchen Fällen lässt sich einer Radikulopathie vorbeugen. Um einem Bandscheibenvorfall entgegenzuwirken, sollte auf eine stabile und kräftige Rückenmuskulatur geachtet werden. Wichtig sind zudem ausreichend Bewegung sowie der Abbau von Übergewicht.

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