Räumliche Orientierung (Raumsinn)

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 5. Februar 2017
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Der Raumsinn ermöglicht dem Menschen eine räumliche Orientierung. Diese Orientierungsfähigkeit ist ein Zusammenspiel verschiedener Sinnesorgane und kann bis zu einem gewissen Grad trainiert werden. Eine schlechte räumliche Orientierung muss nicht zwingend mit Krankheitswert verbunden sein.

Inhaltsverzeichnis

Was ist die räumliche Orientierung?

Die verschiedenen Sinneswahrnehmungen des Menschen verbinden ihn mit seiner Umwelt und letztlich der Welt. Als Wahrnehmungsinstanzen sind dem Menschen die visuelle, die auditive, die haptisch taktile, die tiefensensible, die gustatorische und die olfaktorische Wahrnehmung gegeben.

Wie der Gleichgewichtssinn wird auch der Raumsinn im Grunde nicht als eigene Wahrnehmungsinstanz bezeichnet. Nichtsdestotrotz ermöglicht erst der Raumsinn dem Menschen die Orientierung im Raum und trägt damit aus evolutionsbiologischer Sicht einen großen Teil zur Überlebensfähigkeit der menschlichen Art bei.

In ihren Grundzügen ist die räumliche Orientierungsfähigkeit dem Menschen angeboren. Anders als zum Beispiel der visuelle Sinn oder der auditive Sinn prägt sich der Raumsinn allerdings erst durch die aktive Bewegung im Raum vollständig aus. Im Raumsinn treffen sich unterschiedliche Sinneswahrnehmungen. Neben dem Sehen und Hören spielen vor allem der Gleichgewichtssinn und der Muskelsinn (Tiefensensibiität) eine übergeordnete Rolle bei der Orientierung im Raum. Die Qualität des Orientierungssinns hängt außerdem von Gedächtnis- und Aufmerksamkeitsleistungen ab.

Bei vielen Tierarten spielen noch viele weitere Sinneswahrnehmungen in den Raumsinn hinein, so bei Fischen zum Beispiel der Strömungssinn oder der Magnetsinn bei Vögeln.

Funktion & Aufgabe

Die räumliche Orientierung oder der Raumsinn ist in seinen einzelnen Sinnesqualitäten bis zu einem gewissen Grad angeboren. Der Mensch zählt zu den augengesteuerten Wesen. Der visuelle Sinn ist ihm von Geburt an gegeben und hilft ihm auch bei der Orientierung im Raum, so zum Beispiel, indem ihn der Sinn charakteristische Landmarken erkennen lässt. Um diese Landmarken wiederzuerkennen, ist er bei der Orientierung zugleich auf ein mehr oder weniger gutes Gedächtnis angewiesen. Außerdem benötigt er ein gewisses Maß an Aufmerksamkeit, um Landmarken überhaupt zu registrieren.

Um über die Stellung des eigenen Körpers im Raum Bescheid zu wissen, ist dem Menschen ein Muskelsinn und ein Gleichgewichtssinn gegeben. Der Gleichgewichtssinn informiert ihn, wenn er aus dem Gleichgewicht gerät oder wo sich oben und unten befindet. Der Muskelsinn gibt permanent Rückmeldungen über die Stellung der eigenen Gelenke.

All diese Fähigkeiten und Sinneswahrnehmungen sind für die Orientierung im Raum entscheidend. Obwohl die einzelnen Fähigkeiten angeboren sind, kann zum Beispiel Gedächtnis- und Aufmerksamkeitstraining den Raumsinn wesentlich verbessern. Außerdem ist das Zusammenspiel der einzelnen Fähigkeiten und Sinneswahrnehmungen für die Orientierung wesentlich. Dieses Zusammenspiel ist erlernt und entwickelt sich erst mit der aktiven Bewegung im Raum.

Der Raumsinn ermöglicht dem Menschen eine räumliche Orientierung. Diese Orientierungsfähigkeit ist ein Zusammenspiel verschiedener Sinnesorgane und kann bis zu einem gewissen Grad trainiert werden.

Die kleinräumige Orientierung reift so durch die Bewegung in den ersten Lebensjahren aus. Die großräumige Orientierung entwickelt sich bis zur Reife fort und entspricht in etwa der geographischen Orientierung. Die Basis der Orientierung bildet das enge Zusammenspiel von Seheindrücken, Gleichgewichtseindrücken und Wahrnehmungen des Muskelsinns, die vorwiegend im Hirnstamm und Kleinhirn erfolgen.

Die kleinräumige Orientierung entspricht damit vor allem der eigenen Raumlagenwahrnehmung. Im Normalfall ist dem Menschen die eigene Raumlage nicht bewusst. Großräumliche Orientierung ist anders als die Raumlage-Orientierung vorwiegend bewusst. Zu dieser Art der Orientierung zählt die Ausrichtung an Landschafts- oder Himmelsrichtungen oder die Orientierung im Straßenverkehr. Dieser Anteil des Raumsinns beinhaltet bewusstes Denken und ist weitestgehend von Erfahrung geprägt.

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Krankheiten & Beschwerden

Die Orientierung anhand des Raumsinns sorgt zum Beispiel bei widersprüchlichen Sinnesmeldungen für Beschwerden, so unter anderem bei allzu raschen Drehungen. Sobald das Zusammenspiel der Sinne Störungen unterliegt, treten Verwirrungsgefühle und Desorientierung ein. Häufig kommen Schwindelgefühl und Übelkeit hinzu. Diese Beschwerden kennzeichnen bei gesunden Menschen vor allem ungewöhnliche Raumbewegungen wie das Fliegen oder das Tauchen. Bei diesen Bewegungen stellen sich der Seh- und Gleichgewichtssinn oft nicht glatt ein. Beim Tauchen spielt zum Beispiel die ungewöhnliche Wahrnehmung eine Rolle, die der Mensch unter Wasser von Distanzen und Proportionen hat. Der Sehanteil des Raumsinns ist so nicht mehr in der Weise interpretierbar, wie es der Mensch eigentlich gewohnt ist.

Der Raumsinn muss sich daher auf ungewöhnliche Bewegungen im Raum durch Training erst einstellen. Wenn das geschehen ist, treten Vertigo und Schwindelgefühle in der Regel nicht mehr auf.

Da zwischen einzelnen Menschen wesentliche Unterschiede in der Orientierungsfähigkeit bestehen können, ist ein schlechter Raumsinn übrigens nicht automatisch mit Krankheitswert assoziiert. Tatsächlich ist die Orientierungsfähigkeit von Menschen im Raum im vergangenen Jahrhundert gerade innerhalb der westlichen Gesellschaft von Abnahme geprägt. Wenn Menschen in der Kindheit fast ausschließlich in Fahrzeugen transportiert werden und sich selten aktiv im Raum bewegen, ist ihr Raumsinn beispielsweise nur rudimentär ausgeprägt. Dieser Zusammenhang hat die Rückbildung des Raumsinns in den vergangenen Jahrzehnten begünstigt.

Ein rudimentärer Raumsinn kann jedoch durchaus auch durch Krankheiten hervorgerufen werden. Das ist vor allem bei Erkrankungen der beteiligten Sinnesorgane der Fall. Krankheitswert kann außerdem bei einer gestörten Verarbeitung der einzelnen Sinnesreize innerhalb des Gehirns vorliegen, so zum Beispiel im Rahmen von neurologischen Erkrankungen oder Nervenleitstörungen.

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