Pyromanie

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 22. August 2017
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Bei der Pyromanie handelt sich um eine krankhafte psychische Störung, mit der die betroffenen Personen ein pathologisches (zwanghaftes) Verlangen verspüren, Feuer ohne scheinbar ersichtlichen Grund zu legen. Die Pyromanie gehört zu den spektakulärsten, aber auch zu den folgenschwersten seelischen Erkrankungen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Pyromanie?

Das Phänomen der Pyromanie ist noch lange nicht abschließend erforscht und von großem Interesse für Kriminologen, Neurologen, Forensiker und Psychologen. Verschiedene therapeutische Ansätze bemühen sich um präventive Maßnahmen, um die betroffenen Personen daran zu hindern, ihrem krankhaften Verlangen, Feuer zu legen, nachzugeben. Bis zum heutigen Tage gibt es nur wenig wissenschaftlich und medizinisch gesichertes Wissen über die krankhaften Brandstifter.

Ursachen

Das klinische Bild der pathologischen Brandstiftung ist ein ungewöhnliches und vor allem folgenschweres Krankheitsbild. Die Gründe und Ursachen, die zu dieser psychischen Störung führen, sind bisher nicht abschließend erforscht und klassifiziert worden. Die betroffenen Personen versuchen oder vollenden eine Brandstiftung an Objekten und Häusern, ohne scheinbar verständliches Motiv. Es handelt sich häufig um impulsive Taten aus einer affektvollen Stimmung heraus.

Die Betroffenen geben einem krankhaften oder sinnlichen Trieb ohne eine klare Vorstellung nach. Manchmal sind sie selbst von ihrer Tat überrascht. Das Krankheitsbild zeichnet sich durch eine ausgeprägte Faszination von allen Vorgängen aus, die mit Feuer und dem anschließenden Brandgeschehen zu tun haben. Der Pyromane durchläuft im Vorfeld der Brandlegung ein Hochgefühl der affektiven Erregung. Breiten sich die Flammen nach vollendeter Brandlegung aus, beobachtet der Brandstifter sein Werk in gebannter Ehrfurcht.

Nicht alle Pyromanen verlassen nach vollendetem Werk den Schauplatz, sondern verbleiben als Zuschauer am Tatort. Oft sind sie sogar diejenigen, die das Alarmsignal bei Polizei und Feuerwehr auslösen. Während des Brandes weicht die erste Anspannung einem Zustand der Entspannung, Zufriedenheit, Wohlbefinden und Vergnügen. Pyromanen sehen die von ihnen gelegten Feuer nicht als gefährliche und strafrelevante Taten, sondern als ein von ihnen geschaffenes Werk, auf das sie stolz sind.

Ein Schuldgefühl angesichts der mit der Brandlegung einhergehenden Zerstörung von fremden Eigentum, den damit verbundenen Gefahren und einem eventuell tödlichen Ausgang für die betroffenen Menschen besteht nicht.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Pyromanen haben keine Einsichtsfähigkeit in ihre Krankheit. Männer sind anscheinend häufiger von dieser psychischen Störung betroffen als Frauen. Pyromanen haben ein geringes Selbstwertgefühl, gering ausgeprägte soziale Fertigkeiten und leben häufig in schwierigen sozialen Verhältnissen. Diese Eigenschaften können begleitet sein von einer reduzierten Intelligenz, geringer Empathie sowie Lernschwierigkeiten.

Viele Pyromanen sind bereits im Kindeshalter verhaltensauffällig gewesen. In regelmäßigen Abständen berichten Zeitungen über Pyromanen, die als Feuerwehrmann bei der örtlichen Feuerwehr tätig sind. Bei den Löscharbeiten des von ihnen selbst gelegten Brandes zeichnen sie sich durch besondere Aktivität und mutiges Verhalten aus, das anschließend im sozialen Umfeld auf große Anerkennung stößt. Werden die Betroffenen nicht schnell auf frischer Tat ertappt und leben ihr Verhalten über einen langen Zeitraum aus, besteht die Gefahr einer Chronifizierung.

Werden Brände aus Hass, Neid, Rache, Wut, Trotz, Demütigung, Eifersucht und allgemeiner Unzufriedenheit mit dem beruflichen und privaten sozialen Umfeld gelegt, ist es für Psychologen schwer zu entscheiden, wann eine Brandstiftung aus niederen persönlichen Beweggründen vorliegt, und wann die Grenze zur Pyromanie überschritten ist. Pyromanen verfolgen mit den von ihnen gelegten Feuern das Ziel, ihr Leben und ihr soziales Umfeld zu ändern.

Sie empfinden Macht über die Situation und die damit involvierten Menschen. Eindeutig von der Pyromanie abzugrenzen sind terroristisch oder politisch motivierte Taten sowie Sabotageakte. Auch eine Brandstiftung, die dazu dient, die Spuren von Straftaten zu verwischen, fällt nicht in das Bild dieser pathologischen Störung.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Um wirksame Diagnose- und Therapieansätze zu finden, ist es zunächst notwendig, sich mit den forensisch (gerichts-psychiatrisch) und wissenschaftlich gesicherten Erkenntnissen auseinanderzusetzen. Eine große Anzahl der überführten Straftäter gehört zu der Altersgruppe der Kinder und Jugendlichen, bei denen es sich um das entwicklungsbedingte Zündeln und Hantieren mit Streichhölzern handelt.

Pyromanie betrifft überwiegend Menschen im ersten Lebensdrittel. Ein Großteil der Täter ist vorbestraft, sie sind oft nicht verheiratet, geschieden oder getrennt lebend. Auch soziale Isolation kann eine Rolle spielen. Viele Brandstiftungen finden in ländlichen Gegenden statt. Erwachse legen ihre Feuer vorzugsweise nachts, Jugendliche am Tag. Etwa ein Fünftel der Pyromanen ist geistig behindert, in jedem 10. Fall nehmen Forensiker eine Persönlichkeitsstörung an. Das überwiegende Motiv ist Frustration und Unzufriedenheit mit dem eigenen Leben und dem sozialen Umfeld.

Rache ist selten ein Motiv, da die Pyromanen mit den von ihrer Brandlegung betroffenen Opfern meistens nicht in einer Beziehung stehen. Obwohl neue Klassifikationen den Konsum von Alkohol, Drogen und ähnlichen Rauschmitteln aus dem pathologischen Krankheitsbild ausschließen, spielt Alkohol in vielen Fällen eine Rolle. Dieses Problem betrifft vor allem ältere Brandstifter. Seltene Diagnosen sind Demenz, wahnhafte Psychosen, Depressionen, suizidale und sexuelle Motive, das hirnorganische Psychosyndrom und weitere Persönlichkeitsstörungen.

Komplikationen

Pyromanie als eigenständiges Leiden betrachtet, zieht vor allem Komplikationen in Form von rechtlichen Schwierigkeiten nach sich. So können Sachbeschädigungen und, in schlimmeren Fällen, Personenschäden für den Pyromanen den Verlust von Geld, sozialem Status oder auch Freiheit bedeuten. Entsprechend kann die Pyromanie zu einer Form von Isolation führen. Mit der Häufigkeit gelegter Brände steigt das Risiko, Verantwortung dafür übernehmen zu müssen.

Zudem ist diese Impulskontrollstörung sehr häufig mit anderen psychischen Leiden vergesellschaftet, was zu nochmals anderen Komplikationen führt. Handelt es sich beim krankhaften Feuerlegen um einen Kompensationsmechanismus (mangelndes Selbstwertgefühl, verringerte Intelligenz), können sich die Episoden, in denen der Betroffene Feuer legt oder zu legen plant, verstärken, wenn er ansonsten emotionalem Stress unterliegt.

In Fällen, in denen das Legen von Feuer primär der Aufmerksamkeit oder Beschäftigung dient (ADHS, Störungen des Sozialverhaltens), besteht die Gefahr des Kontrollverlustes noch eher. Da ein Feuer nicht zu einhundert Prozent kontrollierbar ist, besteht immer das Risiko, dass der Pyromane seine Fähigkeiten überschätzt oder das Feuer unterschätzt. Gerade dann können Personenschäden und ernstzunehmende Sachschäden entstehen.

Therapie & Behandlung

Da es bisher keine wissenschaftlich validierte Therapiemöglichkeiten gibt, bleibt nur die Psychoedukation, mit der betroffene Personen den sicheren Umgang mit Feuer vermittelt bekommen und über die Gefahren aufgeklärt werden. Eine Psychotherapie, die auf die Emotions- und Impulskontrolle abzielt, kann erfolgreich sein.

Auch die Selbstkontrolle durch Führen eines Emotionskalenders ist ein Ansatzpunkt. Um diese motivierte Mitarbeit der Patienten zu erreichen, ist jedoch die Einsichtsfähigkeit in die Erkrankung Voraussetzung. Weitere Ansätze sind wiederholtes Feuerlegen unter Aufsicht, um ein Sättigungsgefühl hervorzurufen und das Aversionstraining, mit dem Ziel, eine Abneigung gegen Feuer zu erreichen.

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Vorbeugung

Da der Krankheitsverlauf in vielen Fällen episodisch ist und symptomfreie Intervalle sich mit den Zeitabschnitten abwechseln, in denen die pathologische Störung vorherrschend ist, gehen viele Pyromanen ihrer Leidenschaft oft jahrelang unentdeckt nach. Da die Abgrenzung zwischen einer pathologischen Zwangsstörung und weiteren Verhaltensauffälligkeiten für Laien im sozialen Umfeld der Betroffenen schwierig ist, ist eine Prävention im klinischen Sinne kaum möglich.

Bücher über Zwänge

Quellen

  • Arolt, V., Reimer, C., Dilling, H.: Basiswissen Psychiatrie und Psychotherapie. Springer, Heidelberg 2007
  • Lieb, K., Frauenknecht, S., Brunnhuber, S.: Intensivkurs Psychiatrie und Psychotherapie. Urban & Fischer, München 2015
  • Möller, H.-J., Laux, G., Deister, A.: Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie. Thieme, Stuttgart 2015

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