Pyridoxinmangel

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 7. September 2017
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Fehlendes Pyridoxin kann schwerwiegende Folgen für den Stoffwechsel haben. Ein Pyridoxinmangel wird in den meisten Fällen durch fehlendes Vitamin B6 in der Nahrung verursacht. Therapie- und Präventionsmöglichkeiten sind die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln und der Verzehr von Vitamin B6 haltigen Lebensmitteln.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Pyridoxinmangel?

Unter Pyridoxinmangel versteht man einen Vitamin B6-Mangel, auch Pyridoxin genannt. Vitamin B6 gehört zur Gruppe der wasserlöslichen Vitamine des B-Komplexes. Es regelt den Aminosäurestoffwechsel und ist somit essentiell für die Eiweiß-, Fett- und Kohlenhydratverwertung, die Bildung von roten Blutkörperchen, die Herz-, Muskel und Kreislauftätigkeit. Darüber hinaus stärkt Vitamin B6 Nerven und Sehkraft, die Balance des Natrium- und Kaliumhaushalts, den Blutzuckerspiegel, den Wasserhaushalt, Haarwuchs und das Immunsystem. Es übernimmt außerdem die Regelung wichtiger Nerven- und Hirnfunktionen.

Mangelt es dem Körper am Vitamin B6 sind diese Funktionen beeinträchtigt. Aminosäuren können nicht weiterverarbeitet werden und es kommt zu Eiweißmangel. Kinder leiden bei Pyridoxinmangel hauptsächlich unter Wachstumsstörungen, da der Stoffwechsel verlangsamt und gehemmt wird. Ein akuter Pyridoxinmangel kann nicht nur körperliche Auswirkungen wie Wachstumsstörungen und Ekzembildung haben.

Auch das Nervensystem und die Hirnfunktion können beeinträchtigt werden. Zwar wird die Diagnose eines Pyridoxinmangels am häufigsten bei Säuglingen und Kleinkindern gestellt, doch auch Erwachsene und ältere Menschen können an einem Mangel von Vitamin B6 erkranken.

Ursachen

Die Hauptursache von Pyridoxinmangel ist fehlendes Vitamin B6 in der Nahrung. Seltener ist die Einnahme des Tuberkulose-Medikaments Isoniazid. Im Normalfall braucht der Mensch pro Tag zwei bis drei Milligramm Pyridoxin. Bei Stress, vor der Regelblutung, in der Schwangerschaft, bei Herzbeschwerden oder bei Krankheiten im Alter, bei zu niedrigem Blutzuckerspiegel oder bei Einnahme der Antibabypille benötigt der Körper erheblich mehr Vitamin B6.

Gefährdet, an einem Pyridoxinmangel zu erkranken, sind Personen auf proteinreichen Diäten sowie Frauen, die oral verhüten. Kinder, die mit stark erhitztem Milchpulver ernährt wurden, leiden ebenfalls an Mangelerscheinungen. Ebenso haben Kinder mit Leukämie, Menschen mit chronischer Urämie und ältere Menschen, die finanziell und gesundheitlich beeinträchtigst sind, einen deutlich niedrigeren Pyridoxinspiegel.

All diese Personen gehören zu Risikogruppen einer Vitamin B6 Mangelerscheinung. Dieser sollte durch ausgewogene Vitamin B6 haltige Ernährung gedeckt werden, noch bevor erste Mangelerscheinungen auftreten.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Die häufigsten Symptome eines Pyridoxinmangels sind Wachstumsstörungen, Akrodynie, mikrozytäre hypochrome Anämie (Blutmangel) sowie Hand-, Fuß- und Armtaubheit, Schuppenbildung und Ekzeme. Häufig sind auch Anomalien an Schleimhäuten und im Blut, Nervenbeschwerden sowie Hautkrankheiten wie die Hautkrankheit Seborrhea. Hierbei treten trockene Verletzungen auf, die flockig um die Schleimhäute von Nase und Mund und im Bereich der Augen angeordnet sind.

Bei ernstem Vitamin B6 Mangel kann es zu starken Krampfanfällen kommen. Ebenso kann ein Mangel die Nerven- und Hirnleistung beeinträchtigen, sich negativ auf die Stimmung auswirken, Depressionen verursachen, Verwirrtheit und Schlaflosigkeit auslösen oder Müdigkeit fördern. Erhöhte Zittrigkeit kann ebenso ein Symptom von Pyridoxinmangel sein.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Ein Pyrodoxinmangel bei Säuglingen lässt sich bereits in den ersten zwölf Monaten erkennen. Er zeichnet sich hier durch schlechtes Wachstum, Wachstumsverzögerung und schlechte Heilung aus. Zur Analyse der Wachstumsgeschwindigkeit werden Größe, Gewicht und Kopfumfang mit Durchschnittswerten eines normalen Wachstums verglichen.

Werden Wachstumsanomalien bei Säuglingen und Kleinkindern festgestellt, müssen diese von einem Arzt abgeklärt werden. Auch bei Erwachsenen sollte beim Auftreten der unter Punkt 4 genannten Symptome ein Arzt aufgesucht werden, bevor sich die Symptome verstärken oder weitere Mangelerscheinungen auftreten können.

Komplikationen

Ein Pyridoxinmangel wirkt sich in der Regel sehr negativ auf die Lebensqualität des Patienten aus und kann diese erheblich verringern. Die Patienten leiden dabei an Wachstumsstörungen und Entwicklungsstörungen, was vor allem bei Kindern zu Beschwerden und Komplikationen im Erwachsenenalter führen kann. Die Komplikationen treten allerdings in der Regel erst dann auf, wenn der Pyridoxinmangel über einen längeren Zeitraum vorherrscht.

Auch eine Anämie kann durch den Pyridoxinmangel bedingt sein. Die Haut der Betroffenen ist dabei von Schuppen betroffen und es kommt mitunter zu verschiedenen Störungen der Sensibilität oder zu einer Taubheit der Finger und Füße. Ebenso kann sich der negativ auf den psychischen Zustand des Betroffenen auswirken, sodass die meisten Patienten dabei auch an Verwirrung oder an innerer Unruhe leiden.

Auch Schlafbeschwerden, dauerhafte Müdigkeit und Zittrigkeit können mit der Krankheit einhergehen. Die Betroffenen erkranken dabei nicht selten an Depressionen oder an anderen psychischen Verstimmungen. Der Pyridoxinmangel kann mit Hilfe von Ergänzungsmitteln sehr gut eingeschränkt werden. Dabei treten auch keine Komplikationen auf. Mögliche psychische Beschwerden müssen dann von einem Psychologen behandelt werden. Die Lebenserwartung des Patienten wird durch den Pyridoxinmangel nicht verringert.

Behandlung & Therapie

Eine der effektivsten Behandlungen eines Pyridoxinmangels ist eine Verabreichung von Vitamin B6 in Form von Nahrungsergänzungen. Die Menge variiert hierbei und liegt bei Werten zwischen 100 bis 300 mg pro Tag. Abhängig ist die zu verabreichende Tagesdosis von der biologischen Verwertbarkeit von Pyridoxin, die von Person zu Person unterschiedlich ist, sowie vom Grad des Mangels. Hierfür gibt es spezielle Präparate wie Vitamin B6 ratiopharm. Der Vitamin B6 Spiegel muss während der Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln regelmäßig ärztlich kontrolliert werden.

Außerdem gibt es Vitamin B6 in Multivitaminpräparaten, als Vitamin-B-Komplex und Vitamin-B6-Nahrungsergänzungen in Form von Pyridoxin-Hydrochlorid. Eine Nahrungsergänzung mit Pyridoxin unterstützt die Glukosetoleranz und die Senkung des Blutzuckerspiegels sowie die Funktion des Immunsystems, verhindert Krampfanfällen, verbessert den Lymphozyten- und Monocytenblutspiegel und lindert Depressionen. Psychosen und Krampfanfälle, die durch das Tuberkulosemedikament Isoniazid hervorgerufen werden, können ebenfalls verhindert werden.

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Vorbeugung

Um einem akuten Pyridoxinmangel entgegenzuwirken, sollten am Tag 2 mg des Vitamins B6 aufgenommen werden. Oft kann die Wahl von Lebensmitteln, die genug Vitamin B6 enthalten, einen akuten Mangel verhindern und vorbeugen. Um eine ausreichende Versorgung mit Vitamin B6 zu gewährleisten, wird empfohlen, unterschiedliche Obst- und Gemüsearten, Vollkornprodukte und fettreduzierte Milch und –Milchprodukte sowie fettarmes Fleisch, Geflügel, Bohnen, Eier und Nüsse zu verzehren.

Gesättigte Fette und Trans-Fette, Salz und zusätzlicher Zucker sollten gemieden und die Ernährung innerhalb der individuell benötigten täglichen Kalorienmenge gehalten werden. Besonders Vitamin B6 haltige Lebensmittel sind Fischsorten wie Lachs, Sardinen, Heilbutt, Hering, Kabeljau und Scholle, Geflügel wie Huhn und Gans sowie Obst- und Gemüsesorten wie Bananen, Avocado, Sojabohnen, Walnüsse und Cashewnüsse, Kartoffeln, Paprika, Grünkohl, Brokkoli, Blumenkohl, Spinat und Porree.

Bücher über Vitamine

Quellen

  • Gesenhues, S., Zisché, R.H., Breetholt, A. (Hrsg.): Praxisleitfaden Allgemeinmedizin. Urban & Fischer, München 2013
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • Pietrzik, K., Golly, I., Loew, D.: Handbuch Vitamine. Urban & Fischer bei Elsevier, München 2008

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