Pyomyositis

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für innere Medizin) am 27. Oktober 2016
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Als Pyomyositis wird eine akute Infektion der Skelettmuskulatur bezeichnet. In den meisten Fällen entsteht sie durch das Bakterium Staphylococcus aureus.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Pyomyositis?

In der Medizin trägt die Pyomyositis auch die Bezeichnungen Pyomyositis tropicans, Lambo Lambo, Bungpagga oder Myositis purulenta. Gemeint ist damit eine akute Infektion an den Skelettmuskeln. Dabei kommt es am betroffenen Muskel zu Schmerzen und Druckempfindlichkeit. Darüber hinaus können sich eitergefüllte Abszesse innerhalb der Muskeln bilden.

Die Pyomyositis zeigt sich bevorzugt in tropischen Regionen, wo sie endemisch verbreitet ist. Besonders betroffen ist der Osten Ugandas. Dort treten jedes Jahr zwischen 400 und 900 Krankheitsfälle auf. Bei den meisten Erkrankten handelt es sich um Männer. Etwa 13 Prozent aller Patienten versterben an der Pyomyositis. Grundsätzlich kann die Infektionskrankheit in jedem Lebensalter auftreten, am häufigsten zeigt sie sich jedoch zwischen 10 und 40 Jahren.

In den nicht-tropischen Gebieten kommt die Pyomyositis dagegen nur selten vor. Dort erkranken in erster Linie erwachsene Personen und Senioren. In den meisten Fällen stellt die Pyomyositis eine Folgeerscheinung von schweren Krankheiten wie Krebs im Zusammenhang mit einer Chemotherapie oder AIDS dar. Aber auch Patienten, bei denen eine Organtransplantation durchgeführt wurde und die Immunsuppressiva einnehmen müssen, sind gefährdet.

Bei circa 20 Prozent aller Pyomyositis-Patienten besteht eine HIV-Infektion. Etwa 25 Prozent aller Betroffenen unternahmen vor Krankheitsausbruch eine Reise in tropische Gefilde. 25 bis 40 Prozent aller Patienten erlitten im Vorfeld eine Verletzung im erkrankten Muskelbereich durch einen Unfall oder Gewalteinwirkung.

Ursachen

Verursacht wird die Pyomyositis durch einen Befall der Skelettmuskulatur mit Bakterien. In den meisten Fällen ist das Bakterium Staphylococcus aureus für die Erkrankung verantwortlich. So zeigt sich der Keim bei 90 bis 95 Prozent aller Patienten in tropischen Ländern sowie bei 70 bis 75 Prozent aller betroffenen Personen in nicht-tropischen Staaten.

Bei den restlichen Erregern handelt es sich um Streptococcus pyogenes, Streptococcus pneumoniae, Staphylococcus epidermis, Escherichia coli, Yersinia enterocolitica, Proteus mirabilis sowie diverse Salmonellen. Als häufiger Risikofaktor für eine Pyomyositis-Infektion werden Verletzungen angesehen. Dabei handelt es sich neben Traumen auch um generalisierte Muskelkontraktionen, die im Rahmen von Elektrounfällen auftreten, sowie starke Belastungen.

Ebenfalls als Risikofaktoren eingestuft werden chronische Erkrankungen wie die Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) sowie das Einnehmen von Steroiden und Arzneimitteln wie Zidovudin, die die Muskeln schädigen. Die tropische Pyomyositis kann auch durch Viren oder Wurmerkrankungen, die von Fadenwürmern ausgehen, hervorgerufen werden. Die Entstehung der Pyomyositis ließ sich bislang noch nicht genau klären.

Viele Fakten sprechen jedoch für eine bakterielle Genese. Mediziner vermuten, dass es sich bei der Erkrankung um die Komplikation einer Bakteriämie handelt. Dabei gelangen Bakterien ins Blut. Durch eine Verletzung in der Muskulatur bildet sich eine Stelle mit herabgesetzter Widerstandsfähigkeit gegen den Befall mit Bakterien, sodass diese weiter vordringen können. Auch das Freisetzen von Eisen aus dem Myoglobin von geschädigten Muskeln soll das Wachstum der Keime fördern.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Bei einer Pyomyositis bilden sich oft Abszesse, die grundsätzlich an jedem Muskel des Körpers auftreten können. Große Muskeln scheinen häufiger von der Abszessentstehung betroffen zu sein als kleinere. Den ersten Abschnitt der Pyomyositis bezeichnen Ärzte als invasive Phase. Sie tritt circa zwei Wochen nach der Infektion auf. Die Beschwerden, die sich dabei zeigen, gelten als unspezifisch und subakut.

Nicht selten bleiben sie sogar unentdeckt. Als typische Symptome gelten Appetitlosigkeit und Fieber. Außerdem können leichte Schmerzen und Schwellungen auftreten. Einige Patienten leiden darüber hinaus an Überwärmung der erkrankten Stellen und geröteter Haut. Die zweite Phase wird als eiternde Phase bezeichnet.

Sie ist gekennzeichnet durch Schüttelfrost, hohes Fieber sowie SIRS (Systemisches inflammatorisches Response-Syndrom). Weiterhin zeigen sich verstärkte Schmerzen und Spannungen an den Muskeln, Hautentzündungen und Eiterbildung.

Die dritte und gravierendste Phase stellt die Spätphase dar, in deren Rahmen sich mehr Eiter bildet. Es kommt verstärkt zur Entstehung von Abszessen und Gelenkentzündungen. Außerdem können die Nieren versagen und eine Blutvergiftung (Sepsis), die mit einem septischen Schock einhergeht, auftreten.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Die Diagnose der Pyomyositis gilt als schwierig. Zum Einsatz gelangen bildgebende Methoden sowie eine Ultraschalluntersuchung. Mit der Sonographie können Eiteransammlungen in den Muskeln sowie Störungen der Muskelstruktur festgestellt werden. In der ersten Erkrankungsphase hat dies jedoch nur einen beschränkten Nutzen.

Um das Ausmaß und die Lage der Infektion zu ermitteln, findet eine Magnetresonanztomographie (MRT) statt. Bestätigen lässt sich die Diagnose durch einen mikrobiologischen Nachweis der Erreger, wobei eine Punktion der Abszesse erfolgt. Wird die Pyomyositis in der ersten oder zweiten Phase erkannt und entsprechend behandelt, nimmt sie zumeist einen positiven Verlauf. Schreitet die Erkrankung jedoch weiter voran, kann sie lebensgefährliche Ausmaße annehmen.

Behandlung & Therapie

Zur Therapie der Pyomyositis führt der Arzt zumeist eine chirurgische Abszess-Drainage durch. Nur selten müssen die befallenen Muskelbereiche amputiert werden. Außerdem erhält der Patient Antibiotika. Deren Auswahl richtet sich nach der Art des Bakteriums, möglichen Resistenzen sowie dem Gram-Status. In der ersten Erkrankungsphase genügt oftmals schon eine reine Antibiotikabehandlung. Die Dauer der Therapie liegt in der Regel zwischen drei und vier Wochen, was jedoch vom Ausmaß der Pyomyositis abhängt.




Vorbeugung

Erfolgversprechende Maßnahmen zur Vorbeugung einer Pyomyositis sind nicht bekannt. In einigen Fällen gilt das Beseitigen der Staphylokokken auf der Nasenschleimhaut durch eine orale Rifampicingabe oder eine topische Behandlung mit Mupirocin als sinnvoll.

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