Pyogenes Granulom

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 26. September 2017
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Das pyogene Granulom ist ein gutartiger Hauttumor, der sich aus embryonalen Zellen der Blutgefäße entwickelt. Es wächst oft sehr schnell, bleibt jedoch immer begrenzt. Häufig bildet es sich auch während der Schwangerschaft als Schwangerschaftstumor in der Mundhöhle aus.

Inhaltsverzeichnis

Was ist das pyogene Granulom?

Das pyogene Granulom stellt eine gutartige Wucherung von Gefäßzellen in der Haut dar. Häufig wird das Wachstum mit einer malignen Entartung fehlgedeutet. Der Tumor bleibt jedoch scharf begrenzt und bildet keine Metastasen. Auch ohne Behandlung ist die Prognose gut. Der Tumor erscheint rot und hat ein himbeerähnliches Aussehen. Umgangssprachlich wird das pyogene Granulom auch als Blutschwamm bezeichnet.

Das rötliche Aussehen wird durch die Vielzahl der neu entstandenen Blutgefäße hervorgerufen. Da die Wucherungen Gefäßzellen betreffen, ist auch die Bezeichnung pyogenes Granulom eigentlich wissenschaftlich falsch. Der Begriff „pyogen“ bedeutet Eiter bildend. Ein Granulom betrifft normalerweise Immunzellen. Da hier weder Eiter gebildet wird noch Immunzellen betroffen sind, basiert der Begriff pyogenes Granulom auf einen Namensirrtum. Daher wird der Tumor auch von vielen Autoren als lobuläres kapilläres Hämangiom bezeichnet.

Die Erkrankung gehört also zur Gruppe der Hämangiome. Betroffen können Frauen und Männer aller Altersklassen sein. Bei hellhäutigen Menschen kommt der Blutschwamm bis zu 86,4 Prozent vor. Sehr häufig tritt er während der Schwangerschaft in der Mundhöhle auf.

Ursachen

Die Ursachen für ein pyogenes Granulom sind noch nicht eindeutig geklärt. Ein Hämangiom ist ein embryonaler Tumor, der sich durch Profileration embryonaler Zellen entwickelt. Normalerweise sind hauptsächlich Kinder und junge Menschen von Hämangiomen betroffen. Allerdings können speziell pyogene Granulome auch in allen Altersgruppen auftreten. Festgestellt wurde, dass sich die embryonalen Gefäßwandzellen wie das Gewebe der Plazenta verhalten. Ihr Wachstum ist selbstlimitierend.

Welche Pathomechanismen zur Ausbildung des pyogenen Granuloms führen, ist noch nicht bekannt. Festgestellt wurde jedenfalls ihr verstärktes Auftreten während Schwangerschaften. Der sogenannte Schwangerschaftstumor entwickelt sich ausschließlich in der Mundhöhle. Er tritt besonders bei Patientinnen auf, bei denen gleichzeitig entzündliche Prozesse im Bereich des Zahnfleisches stattfinden. Vermutet wird das Zusammenspiel von Schwangerschaftshormonen und infektiösen Prozessen in der Mundhöhle. Nach der Schwangerschaft bilden sich die Schwangerschaftstumore spontan zurück.

Auch außerhalb der Schwangerschaft können sich sowohl bei Männern als auch bei Frauen pyogene Granulome entwickeln. Häufig gehen ihrer Bildung traumatische Verletzungen, hormonelle Veränderungen oder die Anwendung bestimmter Medikamente voraus. Sogar kleine Insektenstiche können einen Blutschwamm auslösen. Auch bei Verbrennungen zweiten Grades entstehen oft noch nach Jahren an der betroffenen Stelle pyogene Granulome. Missbildungen an Blutgefäßen wie beispielsweise Feuermale begünstigen auch die Entwicklung von Blutschwämmen.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Das pyogene Granulom erscheint als kleiner roter Knoten, der sich schnell durch Wachstum ausbreitet. Dabei können die Tumoren einen Durchmesser von 10 bis 30 Millimetern erreichen. Das Wachstum ist begrenzt. Auch die Abgrenzung zum übrigen Gewebe bleibt scharf. Meist wird nur ein einzelner Tumor beobachtet. In seltenen Fällen treten mehrere Satellitentumoren auf. Das pyogene Granulom besitzt eine Neigung zum Bluten und Nässen. Dabei verkrustet die Oberfläche.

Später besteht die Tendenz zur Geschwürbildung. Allerdings treten zu keiner Zeit Schmerzen auf. Meist ist der Tumor im Kopf-Hals-Bereich und an den Schleimhäuten von Nase und Mund zu finden. So sind Lippen, Kopfhaut, Gesicht und Zunge häufig betroffen. Auch an der Innenhand, den Zehen oder sogar am Penis können Blutschwämme auftreten. Der Schwangerschaftstumor ist hingegen nur in der Mundhöhle anzutreffen. In seltenen Fällen sind auch innere Organe wie Leber, Darm, Speiseröhre oder Magen betroffen. Ein einmal ausgebildetes pyogenes Granulom bildet sich in der Regel nicht mehr von alleine zurück.

Auch hier macht der Schwangerschaftstumor wieder eine Ausnahme. Bei einem pyogenen Granulom sind in der Regel keine Komplikationen zu erwarten. Die Prognose ist gut. Es kommt nicht zur Entartung. In extremen Fällen kann es aber doch zur Degenerierung des Nasenskeletts und der Nasennebenhöhlen kommen.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Ein pyogenes Granulom lässt sich sehr leicht per Augenschein diagnostizieren. Allerdings ist es oft schwer von gefährlichen Erkrankungen wie malignen Melanomen, Hämangiosarkomen oder Plattenepithelkarzinomen abzugrenzen. Entsprechende histologische Untersuchungen verschaffen dann jedoch Gewissheit.

Komplikationen

Bei rund der Hälfte der Patienten wächst ein pyogenes Granulom nach der Entfernung wieder nach. In der Folge kann es im Bereich um den Tumor zu empfindlichen Nervenschädigungen und Hautveränderungen kommen. Auch die Entstehung von Narben ist möglich. Bleibt das Granulom unbehandelt, können Blutungen und Infektionen auftreten, die ihrerseits mit Komplikationen verbunden sind.

So können schwere Entzündungen im Gewebe entstehen, die bisweilen zu Taubheitsgefühlen oder starken Schmerzen führen. Der Tumor kann zudem auf Nerven- und Muskelstränge drücken und vielgestaltige Ausfallerscheinungen hervorrufen. Im Extremfall treten im betroffenen Körperteil ernste Durchblutungsstörungen auf. Bei der Behandlung eines pyogenen Granuloms sind größere Komplikationen relativ unwahrscheinlich.

Der chirurgische Eingriff birgt allerdings die Gefahr von Blutungen und Nachblutungen. Wird der Tumor mit Silbernitrat behandelt, können entsprechende Nebenwirkungen (Schwellungen, Entzündungen, Rötungen, Juckreiz) und kosmetische Veränderungen auftreten. Bei der Kryochirurgie kann es zu Wundheilstörungen, Eiterbildung und lokalen Erfrierungen kommen.

Auch besteht das Risiko dauerhafter Gewebestörungen. Bei der Laserbehandlung eines pyogenen Granuloms können selten Verbrennungen sowie Blasen- und Narbenbildung auftreten. Die Veränderung der chemischen Gewebestrukturen können langfristig zu Beschwerden führen.

Therapie & Behandlung

Eine Behandlung des pyogenen Granuloms führt meist zur vollständigen Heilung. Bei einem Schwangerschaftstumor ist eine Therapie überhaupt nicht notwendig, weil das Hämangiom hier von alleine wieder verschwindet. In den meisten anderen Fällen kann der Tumor nur durch einen chirurgischen Eingriff entfernt werden. Das erfolgt entweder durch Herausschneiden oder durch Laserablation. Dabei muss das den Tumor versorgende zentrale Blutgefäß vollständig entfernt werden.

Ansonsten würden sich sofort Rezidive bilden, die wenige Tage nach der Operation wieder die gleiche Größe erreichen. Der chirurgische Eingriff kann bei Erwachsenen unter örtlicher Betäubung und bei Kindern unter Vollnarkose durchgeführt werden. In der Vergangenheit wurden auch gute Erfahrungen mit der Kryochirurgie gemacht. Als Alternative bietet sich auch das Auftragen von Chemikalien wie Silbernitrat auf das pyogene Granulom an. So können Blutungen gestillt werden.

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Vorbeugung

Da die Ursache des pyogenen Granuloms nicht bekannt ist, kann keine allgemeine Empfehlung zu seiner Vorbeugung ausgesprochen werden. Lediglich die Wahrscheinlichkeit für den Schwangerschaftstumor kann gesenkt werden. Da entzündliche Prozesse in der Mundhöhle während der Schwangerschaft ein pyogenes Granulom begünstigen, kann durch eine intensive Mundhygiene das Risiko seines Ausbruchs gesenkt werden.

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Quellen

  • Dirschka, T., Hartwig, R.: Klinikleitfaden Dermatologie. Urban & Fischer, München 2011
  • Moll, I.: Dermatologie. Thieme, Stuttgart 2010
  • Preiß, J. et al.(Hrsg.): Taschenbuch Onkologie. Zuckschwerdt, München 2014

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