Purgierlein

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 31. Januar 2017
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Der Purgierlein ist eine krautige, meist einjährige, Pflanze aus der Familie der Leingewächse mit einer Wuchshöhe von maximal 30 Zentimeter. Obwohl die Pflanze fast weltweit außerhalb der Tropen und Subtropen vorkommt, gilt sie als gefährdet. Der Purgierlein enthält unter anderem den Bitterstoff Linin, der früher als Diuretikum und als Abführmittel Verwendung fand, was heute nicht mehr der Fall ist aufgrund der Giftigkeit des Linin.

Inhaltsverzeichnis

Vorkommen & Anbau des Purgierlein

Die krautige Pflanze Purgierlein (Linum catharticum) aus der Familie der Leingewächse (Linaceae) ist normalerweise als sogenannter Therophyt einjährig, kann aber in Bergregionen in höheren Lagen auch mehrjährig oder sogar ausdauernd sein. Einjährig kann das bis zu 30 Zentimeter hohe Kraut sommer- oder winterannuell sein. Das bedeutet, dass ihre Samen bereits im Herbst auskeimen können (winterannuell) oder erst im Frühjahr (sommerannuell).

Das unterschiedliche Prinzip ist vergleichbar mit dem von Sommer- und Wintergetreide. Die kleinen fünf-blättrigen weißen Blüten des Purgierleins erreichen einen Durchmesser von vier bis fünf Millimetern. Der Purgierlein gedeiht gut auf kalkreichen, lehmigen Böden mit hohem Tonanteil und ist mit speziellen Mykorrhiza Pilzen vergesellschaftet. Häufig findet man das Kraut auf Feuchtwiesen und in Flussauen. Der Purgierlein gilt als Pionierpflanze und kommt in nahezu allen Regionen Eurasiens vor, die vom ozeanischen Klima beeinflusst werden.

Sein Verbreitungsgebiet reicht damit von Nordafrika bis nach Skandinavien und Island. In den Alpen findet man den Purgierlein in Höhen bis auf über 2.000 Meter. Die Pflanze enthält den Bitterstoff Linin, der stark abführend wirkt und in stärkeren Dosen auch einen Brechreiz auslösen kann. Die abführende Wirkung hat dem Purgierlein auch seinen Namen eingebracht. Die Eigenschaften wurden früher therapeutisch genutzt. Aufgrund der Giftigkeit des Linin, das ein wenig hochgiftige Blausäure (HCN) enthält, wurde teilweise davon wieder Abstand genommen. Das Kraut spielt aber in der Naturmedizin nach wie vor eine Rolle und in der Homöopathie.

Wirkung & Anwendung

Im Gegensatz zu vielen anderen Pflanzen, deren Wirkungen auf den Körperstoffwechsel bereits in der Antike oder noch früher bekannt waren, wurde der Purgierlein erst 1588 erstmals erwähnt ohne Hinweis auf seine abführende Wirkung. Später, im 18. Jahrhundert, nahm sich der Naturforscher und Systematiker Carl von Linné des Purgierleins an. In einigen europäischen Ländern wie beispielsweise Dänemark, Litauen und Ungarn fand Linum catharticum Verwendung als Abführmittel.

In einem Kräuterbuch von 1626 finden sich Hinweise, die dem Purgierlein eine abführende Wirkung zugeordnet und dass das Kraut auch eine Brechreiz auslösende Wirkung entfalten kann bei stärkerem Konsum. Eine Rolle spielt der Purgierlein auch heute noch in der Homöopathie. Zur Herstellung der Tropfen, Globuli oder Tabletten werden die oberirdischen Teile des Krauts während der Blütezeit verwendet, die sich von Juni bis August erstreckt.

Die homöopathischen Mittel dienen hauptsächlich der Behandlung von Bronchialkatarrh, Amenorrhöe (Ausbleiben der Regelblutung), Hämorrhoiden und Diarrhöe. Durch jeweilige Überlieferung wurde der Purgierlein, aufgebrüht als Tee, in der Volksheilkunde vielfach als sicheres Abführmittel und zur Entwässerung bei Ödemen angewandt.

Auch bei einer pathologischen Ansammlung von Flüssigkeit in der Bauchhöhle (Aszites) oder im Bindegewebe der Unterhaut (Anasarka) empfahl die Volksheilkunde Purgierlein, vor allem, wenn Diuaretika auf Quecksilber-Basis (Hg-Basis) nicht eingesetzt werden durften. In diesen Fällen kann auch heute noch ein entsprechend zubereiteter Tee oder Extrakte aus Purgierlein als Mittel der Wahl empfohlen werden.

Bedeutung für die Gesundheit, Behandlung & Vorbeugung

Während dem Öl des Leinsamens, der vom echten Lein oder Flachs stammt, wegen seines hohen Gehalts an Omega 3 Fettsäuren eine herausragende gesundheitliche Bedeutung zukommt, ist das bei Purgierlein, auch Wiesenlein genannt, nicht der Fall. Während die Kultivierung einiger Leinarten ab dem Ende der letzten Eiszeit vor cica 10.000 Jahren belegt ist, existieren keine Hinweise auf eine ähnlich frühe Nutzung des Purgierleins.

Die medizinische Bedeutung der Pflanze wurde erstmals in Europa in der Neuzeit im 17. Jahrhundert entdeckt. Über mehrere Jahrhunderte bis in die 30er Jahre des 20. Jahrhunderts wurde Purgierlein in Form von Tees oder Extrakten hauptsächlich als Abführmittel und als Diuretikum genutzt. In etwas intensiveren Dosen löst Purgierlein einen Brechreiz aus, was beispielsweise bei akuten Vergiftungen durchaus von Nutzen sein kann. Purgierlein enthält ätherische Öle, Harze, Gerbstoffe und den Bitterstoff Linin, auf den die medizinische Wirkung zurückgeht.

Der Purgierlein ist eine krautige, meist einjährige, Pflanze aus der Familie der Leingewächse mit einer Wuchshöhe von maximal 30 Zentimeter.

Das Linin ist ein amorphes Glykosid, auch Linarin genannt. Glykoside entstehen aus einer Kondensationsreaktion zwischen einem ringförmigen Zucker und der Hydroxy- oder Aminogruppe eines anderen Moleküls, das auch wiederum ein Zucker sein kann. Seit einigen Jahrzehnten ist bekannt, dass der Lein auch geringe Mengen an Blausäure (Cyanwasserstoff, HCN) enthält. Blausäure ist eine hochgiftige Substanz, weil das Cyan-Ion die Atmungskette in den Mitochondrien blockiert. Im akuten Fall kann keine Zellatmung oder innere Atmung mehr stattfinden, was innerhalb weniger Minuten zum Tod führen kann. Allerdings erreicht die Konzentration von Blausäure im Purgierlein keine tödlichen Dosen.

Dennoch hat die Entdeckung der Giftigkeit des Purgierleins zu einem starken Rückgang der Verwendung der Pflanze zu therapeutischen Zwecken geführt. Davon unberührt ist die Verwendung von Teilen der Pflanze während der Blütezeit zur Herstellung homöopathischer Arzneimittel, weil die Wirkstoffe in homöopathischen Tropfen, Globuli oder Tabletten so stark verdünnt werden, dass ein etwaiger Blausäuregehalt meist unterhalb der Nachweisgrenze liegt und keine arzneitechnisch relevante Wirkung hat.

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