Psychopharmakologie

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 24. November 2016
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Das Wort Psychopharmakologie baut auf die drei griechischen Wörter „Seele“, „Droge“ und „Lehre“ auf. Sie untersucht die Wirkungsweise psychoaktiver Substanzen auf Mensch und Tier, mit der Zielsetzung einer therapeutischen Anwendung. Erforscht und beschrieben werden die Effekte von Wirkstoffen auf das Nervensystem und die daraus folgenden Reaktionen in Erleben und Verhalten.

Inhaltsverzeichnis

Was ist die Psychopharmakologie?

Die Psychopharmakologie geht auf den deutschen Psychiater Emil Kraepelin zurück. Dieser hat nicht nur die verschiedenen psychischen Störungen klassifiziert, sondern auch als einer der ersten das Konzept der vorzeitigen Demenz entwickelt. Sein Werk „Über die Beeinflussung einfacher psychischer Vorgänge durch einige Arzneimittel“ leitete das Gebiet der Psychopharmakologie ein.

Während sich diese auf die Kenntnisse zentralnervös wirksamer Substanzen und deren Folgen und Wirkungen auf die Psyche konzentriert, steht daneben das Gebiet der Pharmakopsychiatrie, die diese Kenntnisse dann therapeutisch umsetzt und anwendet.

Psychopharmaka wirken direkt auf psychische Störungen, sind chemisch spezifizierte Substanzen, die die Bedingung mitbringen müssen, obligatorisch psychotrope Effekte zu haben, die gezielt Wirkung entfalten sollen. Diese Medikamente sind für eine normale Zellfunktion nicht nötig, wirken aber psychoaktiv auf physiologischer Ebene. Sie werden intravenös, intraperitoneal, subkutan oder intramuskulär verabreicht und müssen, bevor sie das Nervensystem erreichen, die Blut-Hirn-Schranke überwinden, die eine Barriere zwischen Blutkreislauf und Zentralnervensystem darstellt. Andere psychisch aktive Substanzen sind Genuss- oder Suchtmittel, Rauschdrogen oder soziale Drogen.

Behandlungen & Therapien

Die psychoaktiven Substanzen werden in der Psychopharmakologie nach unterschiedlichen Kriterien eingeordnet. Die Klassifizierung erfolgt in Hinsicht auf die verschiedene Wirksamkeit auf das zentrale Nervensystem. Diese sind einmal unspezifisch dämpfend, wie z. B. Hypnotika, Narkosemittel oder Äthylalkohol, unspezifisch aktivierend, wie z. B. Strychnin oder Koffein, oder selektiv modulierend, womit beide Wirkungen gemeint sind. Gerade die letzte Gruppe ist von zentralem Interesse für die Forschung, da sie zu einer gezielten Linderung neurologischer und psychischer Störungen führen kann.

Psychopharmaka müssen obligatorisch psychotrope Wirkung haben und werden zur Heilung psychischer Störungen eingesetzt. Die Einteilung erfolgt nach den in ihnen enthaltenen Botenstoffsystemen. Dazu gehören Neuroleptika, die bei psychotischen Zuständen helfen sollen, Antidepressiva, die bei der Behandlung manischer und depressiver Zustände wirken, Benzodiazepine für Angst- und Unruhezustände und Psychostimulantien bei Störungen wie kindliche Hyperaktivität oder Narkolepsie. Nicht gezielt angewendet werden Analgetika, Schlafmittel oder Psychostimulantien, die psychische Zustände aktivieren. Ebenso gehören dazu Antiepileptika, mit denen primär neurologische Störungen behandelt werden.

Die Psychopharmakologie untersucht die Wirkungsweise psychoaktiver Substanzen auf Mensch und Tier, mit der Zielsetzung einer therapeutischen Anwendung.

Bei all diesen Wirkstoffen werden die Erkenntnisse über Wirkung, Veränderung in Erleben und Verhalten dokumentiert. Dafür sind auch Kenntnisse über die neurobiologischen Grundlagen einer Wirkung notwendig. Dazu konzentriert sich die Psychopharmakologie auf Vorgänge wie Absorption oder Resorption, die Verteilung und den Abbau einer Substanz, den Zeitraum zwischen Einnahme und Wirkung auf das Gehirn und das Erforschen der Wechselwirkungen.

Genauso, wie psychische Störungen in ihren Auswirkungen und Verhaltensmustern erst diagnostiziert werden müssen, wird im Bereich der Psychopharmakologie die Wirkung einzelner Substanzen auf die jeweiligen Zustände untersucht, darunter die Verstoffwechselung im Körper oder die Veränderungen, die im Gehirn stattfinden. Daneben müssen genauso die gewünschten und unerwünschten Wirkungen der Substanzen erforscht werden, die einer Behandlung psychischer Störungen dienen. Das betrifft Einschränkungen einer Anwendung bei z. B. Tranquilizern, Antidepressiva oder Analgetika.

Dabei spielt nicht die chemisch gleiche Zusammensetzung dieser Substanzen für eine Einteilung und Verwendung eine Rolle, sondern vielmehr die übereinstimmende Wirkung auf Verhalten und Erleben beim Patienten. Dämpfende Psychopharmaka werden auch bei Schlafstörungen, Unruhe- und Schmerzuständen, bei agitierten Depressionen oder bei Störungen im Alter genutzt. Aktivierende Substanzen wiederum dienen einer Behandlung von Schizophrenie.

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Diagnose & Untersuchungsmethoden

Da psychische Störungen nicht immer auf körperliche Schäden zurückzuführen sind, sondern vorerst auf emotional geistiger Ebene stattfinden, wird in der Psychopharmakologie auch mit so bezeichneten Placebos experimentiert. Dabei werden Personengruppen mit Medikamenten versorgt, die sowohl wirksame als auch unwirksame Substanzen enthalten und die jeweils erfolgende Reaktion, insofern alle Versuchspersonen mit einer bestimmten Wirkung rechnen. Neben der Wirkung wird also auch das Verhalten betrachtet, das sich aus Erwartungen stillt, da gerade Psychopharmaka unerwünschte Nebenwirkungen nach sich ziehen können.

Wesentlich für diesen Bereich sind auch die Substanzwirkung in ihrer Dauer und die damit einhergehende Substanzabhängigkeit. So wird das Verhalten auf Barbiturate, Alkohol oder Opiate erforscht, ihre Wirkung auf das Nervensystem und die damit entstehende metabolische und zelluläre Toleranz, die über eine Dauer der Anwendung zu einer häufig höheren Dosis führen. Gleichzeitig werden die Entzugserscheinungen untersucht. Medizinisch verwendete Psychopharmaka weisen in diesem Sinne keine Abhängigkeit und damit einhergehende Entzugserscheinungen auf, dennoch werden Studien angelegt, die eine langjährige Einnahme im Verlauf einer Psychodynamik beschreiben.

Der Einsatz der verschiedenen Substanzen und Psychopharmaka erfolgt bei verschiedenen psychischen und psychotischen Störungen in unterschiedlicher Form. Zu solchen Erkrankungen zählt die Schizophrenie, die mit Neuroleptika behandelt wird. Unter einem solchen psychotischen Zustand wird das gesamte Erleben und Verhalten des Patienten beeinträchtigt, die Wahrnehmung und das Denken gestört, häufig als Ausdruck von Wahnvorstellungen oder Halluzinationen. Affekt- und Ich-Störungen sind eine weitere Folge, einhergehend mit sozialem Rückzug oder Antriebsarmut.

Depressionen werden mit Antidepressiva behandelt, um die depressiven Symptome herabzusetzen. Diese drücken sich in starken Stimmungsschwankungen, Antriebslust oder Unlust, psychomotorischer Verlangsamung und Appetit- und Schlafstörungen aus. Die biologischen und psychologischen Merkmale der Depression in Auslöser und Verlauf sind nicht ausreichend erforscht, so dass der Einsatz von Psychopharmaka individuell auf den jeweiligen Patienten abgestimmt wird. Die Wirkung wird je nach Charakter dann auf Veränderungen untersucht, soll angstdämpfend, stimmungsaufhellend, depressionslösend und psychomotorisch aktivierend sein.

Angstattacken und starke Unruhezustände werden durch Barbiturate und Benzodiazepine gedämpft. Ebenso erfolgt der Einsatz solcher Substanzen bei Schlafstörungen. Die Bekämpfung von Schmerzen erfolgt durch Analgetika.

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