Psychoedukation

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 24. November 2016
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Psychoedukation hat ganz allgemein den Anspruch, kompliziert klingende medizinische oder wissenschaftliche Sachverhalte in eine für den Laien verständliche Sprache zu übersetzen. Patienten und auch Angehörige sollen so in die Lage versetzt werden, genau abschätzen zu können, um was es beispielsweise bei Diagnosen oder Therapievorschlägen genau geht.

Inhaltsverzeichnis

Was ist die Psychoedukation?

Das Wort Edukation stammt aus der lateinischen Sprache, educare bedeutet übersetzt herausgeführt werden. Es ist also gemeint, Patienten aus einem Zustand der Unerfahrenheit und Unwissenheit in einen sicheren Zustand des Wissens zu versetzen und herauszuführen. Psychoedukation versteht sich auch als Anleitung zur Selbsthilfe, zur richtigen Selbsteinschätzung und spornt zu eigenverantwortlichem Handeln an.

Im klinischen Alltag, ambulant und stationär, lassen sich die hohen Ansprüche der Psychoedukation leider nicht immer adäquat umsetzen. Psychoedukation kommt im Medizinstudium bis heute nicht oder nur marginal vor und so fühlen sich Patienten mit bestimmten lebensverändernden Diagnosen oft hilflos und alleine gelassen.

Im Gesundheitswesen findet aber mittlerweile ein Umdenken statt, was nach Expertenmeinung auch mit der Verabschiedung des sogenannten Patientenrechtegesetzes zu tun hat. Nur wer als Patient das Wesen einer Krankheit genau versteht, kann auch selbstverantwortlich Entscheidungen treffen oder notwendige Behandlungsschritte des Arztes nachvollziehen. Psychoedukation will Patienten aller medizinischen Fachrichtungen in die Lage versetzen, wirklich verstehen zu können, im Hinblick auf Diagnostik, Therapieplanung und Krankheitsbewältigung. Für diesen Prozess muss sehr viel Zeit investiert werden.

Funktion, Wirkung & Ziele

Das Wesen von Psychoedukation ist eine therapeutisch angeleitete Begleitung von Patienten und gegebenenfalls auch deren Angehörigen auf dem Weg zu mehr Wissen und Fachwissen über die eigene Erkrankung. Erforderliche Behandlungsmaßnahmen für bestimmte Krankheiten oder Selbsthilfestrategien gehören ebenfalls zum Begleitprozess der Psychoedukation, der sich in der Regel über einen längeren Zeitraum hinzieht.

Psychoedukation soll idealerweise ganzheitlich ausgerichtet sein und auch über den Tellerrand der eigenen Krankheit hinausblicken lassen. Nur in den wenigsten Kliniken kümmern sich eigene ausgebildete Psychoedukatoren um die berechtigten Belange der Patienten. Patienten sollten sich aber gerade nicht scheuen, die notwendigen Informationen über Wesen und Therapiemöglichkeiten ihrer Krankheit offensiv einzufordern. Ein guter psychoedukativer Prozess gilt erst dann als beendet, wenn der Patient sozusagen Experte für seine eigene Krankheit ist und Expertenwissen darüber erlangt hat.

Psychoedukation hat ganz allgemein den Anspruch, kompliziert klingende medizinische oder wissenschaftliche Sachverhalte in eine für den Laien verständliche Sprache zu übersetzen.

Im medizinischen Sprachgebrauch ist der Begriff der Psychoedukation erst in den 1980er Jahren vermehrt aufgetaucht. Es handelt sich um einen Anglizismus, der Begriff wurde also aus dem Englischen übernommen und erleichtert seitdem den international wissenschaftlichen Austausch über die Thematik. Erstmals angewandt wurde eine vertiefte Form der Psychoedukation in der Psychiatrie, weil gerade psychotische oder psychiatrische Krankheitsbilder von den Patienten in ihren massiven Auswirkungen auf das Leben nicht richtig verstanden wurden.

Von dieser rein psychiatrischen Psychoedukation aus erfolgte dann die Ausdehnung auch auf andere medizinische Bereiche, sodass heute beispielsweise auch von internistischer oder orthopädischer Psychoedukation die Rede ist. Im klinischen Bereich treffen Patienten heutzutage des Öfteren auf psychoedukative Gruppen, aber vielfach unter ganz anderen Bezeichnungen. So verbirgt sich Psychoedukation nicht selten hinter Angehörigengruppen, Psychosegruppen oder Infogruppen zu bestimmten Krankheitsbildern. Auch Selbsthilfegruppen unter fachlicher Anleitung und Führung verwenden sehr häufig psychoedukative Elemente zur Krankheitsbewältigung und zum besseren Verständnis von Krankheitsbildern.

Pychoedukation kann also als Gruppentreffen stattfinden, das ist aber nicht unbedingt zwingend, denn es gibt unterschiedliche Formen der Psychoedukation. Das psychoedukative Einzelgespräch ist sicherlich die häufigste Form. Dabei versucht der Therapeut einem Patienten oder dessen Angehörigen in möglichst verständlicher und anschaulicher Weise über bestimmte Therapieformen oder Hintergründe einer Erkrankung aufzuklären. Es kann und soll während des psychoedukativen Prozesses eine Fragestunde entstehen, es soll sich ausdrücklich nicht bloß um einen Vortrag oder gar Monolog des Therapeuten handeln. Psychoedukation in der Gruppe hat sich schon oft als überaus hilfreich erwiesen, denn Patienten teilen oft das gleiche Schicksal einer bestimmten Erkrankung und können sich zusätzlich untereinander austauschen. Dies kann den Genesungsprozess unterstützen und dabei helfen, zukünftig Krisensituationen besser zu meistern.

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Risiken & Besonderheiten

Psychoedukation ist besonders bei dann hilfreich, wenn Krankheiten besonders psychisch belastend sind. Das können Erkrankungen des psychiatrischen Formenkreises sein aber auch körperliche Krankheiten wie beispielsweise Diabetes, Tinnitus, Neurodermitis, Asthma, oder Krebs, die ihrerseits wieder die Psyche in Mitleidenschaft ziehen. Dennoch ist die Teilnahme an einer psychoedukativen Gruppe nicht für alle Patienten geeignet. Sind Denkfähigkeit, Konzentration oder Aufmerksamkeit im Rahmen einer akuten schizophrenen Psychose eingeschränkt, dann könnte eine Psychoedukation sogar zur Verschlimmerung des Krankheitsbildes führen.

Überdrehte,manische oder sehr ängstliche Patienten können ebenfalls nicht psychoedukativ beraten werden. In diesen Fällen, wo Patienten selbst nicht edukativ erreicht werden können, hat es sich aber als nützlich erwiesen, die Angehörigen entsprechend zu schulen. Denn Angehörigen kommt eine wichtige häusliche Stützfunktion zu, sind sie gut psychoedukativ angeleitet, dann kann das Rückfallrisiko von psychischen Erkrankungen oft signifikant reduziert werden. Idealerweise werden Angehörige vor der Entlassung eines psychisch kranken Patienten psychoedukativ als Co-Therapeuten geschult. Fernziel jeder Psychoedukation muss es sein, Patienten derart gut zu informieren und zu instruieren, dass Beschwerden rechtzeitig und richtig zugeordnet werden können und im Laufe der Jahre immer besser mit einer chronischen Erkrankung umzugehen lernen.

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