Psychische Deprivation

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für innere Medizin) am 27. Oktober 2016
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Eine psychische Deprivation bezeichnet die mangelnde seelische Zuwendung zwischen sich nahe stehenden Menschen. Besonders Kinder in den ersten Lebensjahren leiden an dieser Verarmung der Gefühle vorrangig seitens ihrer Eltern. Eine solche psychische Entwicklungsstörung wirkt sich mehr oder weniger nachteilig auf ihre spätere Bindungsfähigkeit gegenüber einem Lebenspartner und auch das Gestalten von Freundschaften aus.

Inhaltsverzeichnis

Was ist psychische Deprivation?

Die betroffenen Kinder und Jugendlichen entwickeln mit einer psychischen Deprivation nur erschwert und verzögert die Fähigkeit, persönliche soziale Rollen auszufüllen. Ihnen mangelt es in der Regel an wichtigen Voraussetzungen, tiefere und aufrichtige Beziehungen zu Gleichaltrigen aufzubauen. Deutlich erkennbar sind außerdem negative Voraussetzungen für die alltägliche Reizempfänglichkeit sowie das zielgerichtete Lernen.

Häufig lassen diese jungen Menschen Schwierigkeiten bei ihrer sprachlichen Entwicklung, und damit auch dem Lesen und Schreiben erkennen. Die Ursachen für eine solche seelische Erkrankung lassen sich im Wesentlichen auf Versäumnisse in der Erziehung zurückführen. Die gestörten Gefühlsbindungen zwischen Vater beziehungsweise Mutter zum eigenen Kind entstehen oft aus depressiven Zuständen seitens der Eltern.

Mitunter spielen auch Zeiten der Isolation und Abgeschiedenheit des Kindes, etwa wegen einer Trennung, eine Rolle. Hier spielen ebenso längere Aufenthalte im Krankenhaus oder Kinderheim eine entscheidende Rolle, bei denen der regelmäßige Kontakt mit den Eltern oder nahen Verwandten abreißt.

Ursachen

Der Begriff psychische Deprivation geht auf den tschechischen Seelenforscher und Kinderpsychologen Zdenek Matejcek (1922-2004) zurück. Er fasste die Erkrankung als psychisches Mangelleiden eines in der Entwicklung begriffenen Kindes, dem wenig seelische Verbundenheit zu Teil wird.

Abzugrenzen davon sind physische Deprivation (mangelhafte Ernährung), sensorische Deprivation (fehlende Sinnesreize), sprachliche Deprivation (eingeschränkte Stimulation), und soziale Deprivation (Isolation). Übergreifend wird von einem Mangel an Erziehung gesprochen, einem ernst zu nehmenden pädagogischen Defizit. Je eher die Behandlung der psychischen Deprivation beginnt, umso besser sind die Möglichkeiten, ihre vielfältigen Folgen vollends zu umgehen, beziehungsweise zu heilen.

Die Therapie ist ein äußerst langwieriger Prozess, weil es sich um eine sehr komplexe psychische Störung handelt. Die Behandlung wird auch nur dann erfolgreich sein, wenn Eltern, Kinder- und Jugendpsychologen, Pädagogen, Sozialarbeiter, und unter Umständen auch Neurologen eng zusammenwirken.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Weil die emotionalen Bedürfnisse eines betroffenen Kindes derart ungenügend erfüllt worden sind, sollten in der Therapie daher zunächst auch die bisherigen gefühlsmäßigen Erfahrungen aufgearbeitet werden. Das Kind benötigt neue beziehungsweise erstmalige Anhaltspunkte für reichere, verlässlichere Beziehungen zu anderen Menschen.

In erster Linie ist der Therapeut selbst eine solche Person, die eine vertrauensvolle Basis zum Kind herstellen kann. Ebenso kommt in vielen Fällen der Umzug des Kindes in eine intakte und geeignete Pflegefamilie in Betracht.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Die besten Chancen für eine vollständige Rückbildung der psychischen Deprivation ergeben sich nach Auffassung einiger Psychologen mit einem Behandlungsbeginn vor dem achten Lebensjahr. In der späteren Schulzeit bestehen zumeist nur noch günstige Ansatzpunkte dafür, wirken aber auch zunehmend negative Faktoren auf eine erfolgreiche Therapie ein.

Noch wesentlich geringer sind die Heilungsaussichten im Erwachsenenalter, zumal dann unter Umständen eigene Kinder vor wiederkehrenden psychischen Gefährdungen stehen. Eine diesbezügliche Aufklärung der Eltern über Voraussetzungen eines werthaltigen Zusammenlebens mit den leiblichen Kindern, sowie deren eigene Verhaltensmuster in der Erziehung ist untrennbar mit der erfolgreichen Therapierung verbunden.

Zdenek Matejcek etwa ging von der Überzeugung aus, dass diese Aufklärung unter einer Elterngeneration eine präventive Maßnahme ist, um der psychischen Deprivation kommender Kindergenerationen wirksam zu begegnen.

Behandlung & Therapie

Wie elementar wichtig diese sein kann, zeigt sich am schwierigen Bindungsverhalten der Patienten mit psychischer Deprivation. Sie leiden im Erwachsenenalter gegebenenfalls unter einer bedrückenden Abhängigkeitssituation zu einem bestimmten, meist älteren Menschen.

Gleichzeitig kann sie eine beinahe panische Beziehungsangst überfallen, deren Grundlage wiederum die erworbene Gefühlsarmut ist. Damit im Zusammenhang stehen typischerweise auch überzogene Ansprüche an materiellen Besitz, Liebesbezeugungen, den allgemeinen Lebensstil.

Mit Rückschlägen, Verlusten und Einbußen können diese Menschen nur sehr schlecht umgehen. In ihrer beruflichen Entwicklung sind sie oft duldsam, und scheuen die Übernahme von Verantwortung. Andererseits wollen sie die fehlende emotionale Zuwendung sowie ihre gesellschaftliche und soziale Abseitsstellung durch das auffällige Konsumieren materieller Güter kompensieren.

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Vorbeugung

Es zeigt sich angesichts dieser Konsequenzen, wie entscheidend ein ausgewogenes und vertrauensvolles Familienleben auch und gerade in einer modernen Konsumgesellschaft ist. Um die grundlegenden Lebensbedürfnisse eines Kindes in physischer, emotionaler, intellektueller und moralischer Hinsicht zu erfüllen, hat jedes Familienmitglied gegenüber dem anderen eine spezielle und vielseitige Rolle inne.

Zu Beginn ist die Mutter noch die ausschlaggebende Bezugsperson, dann aber rücken der Vater und die Geschwister mehr in den Mittelpunkt. Später wirken dann das soziale Umfeld der Familie und ihre Stellung in der Gemeinschaft prägend auf die Entwicklung eines Kindes ein. Diese gilt es zu pflegen und zu entwickeln.

Im Grunde ist jedes kleinere Kind, dem in der Familie eine Bezugsperson fehlt, oder ersatzlos verloren geht, durch eine psychische Deprivation gefährdet. Je jünger es ist, desto größer ist diese Bedrohung. Doch keineswegs ist selbst eine Mutter nicht durch ein anderes Familienmitglied ersetzbar, wenn dieses die gewohnte liebevolle Zuwendung zum Kind ausfüllen kann. So können auch Kinder aus vater- oder mutterlosen Familien glücklich und gesund groß werden.

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