Pseudohalluzinationen

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für innere Medizin) am 27. Oktober 2016
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Patienten mit Pseudohalluzinationen nehmen Sinneseindrücke wahr, denen kein äußerer Reiz vorausgeht. Die Irrealität ihrer Wahrnehmung ist ihnen anders als bei einer tatsächlichen Halluzination bekannt. Fieberzustände und Ermüdung sind die mitunter häufigsten Ursachen für Pseudohalluzinationen.

Inhaltsverzeichnis

Was sind Pseudohalluzinationen?

Die Wahrnehmung bestimmt die Realität des Menschen. Über seine Sinnessysteme verschafft sich der Mensch einen Eindruck von der externen Realität und ist schließlich dazu in der Lage, angemessen auf die Umwelt zu reagieren. Die erste Instanz jeder Wahrnehmung ist die Bindung eines Reizmoleküls an die freien Nervenendigungen der Sinneszellen.

Pathologischen Wahrnehmungen muss kein äußerer Reiz vorausgehen. Als Halluzinationen sind beispielsweise Wahrnehmungen bekannt, denen kein Umgebungsreiz zugrunde liegt. Die Bindung von externem Reizmolekül an Sinneszelle bleibt für Halluzinationen also aus, obgleich sie der Betroffene als echte Wahrnehmungen empfindet. Halluzinationen können substanzbedingt oder psychisch bedingt auftreten und sind prinzipiell für jedes Sinnesgebiet denkbar.

Physikalisch nicht existente Objekte können im Rahmen von Halluzinationen gesehen werden. Nicht existente Stimmen können gehört, nicht existente Berührungen können empfunden und nicht vorhandene Gerüche sowie Geschmäcker können wahrgenommen werden. Ein ähnliches Phänomen liegt bei der Pseudohalluzination vor. Im Unterschied zum Halluzinierenden weiß der Pseudohalluzinierende allerdings, dass die wahrgenommenen Sinneseindrücke nicht der realen Wahrnehmung entsprechen.

Ursachen

Pseudohalluzinationen haben ihre Ursache anders als echte Halluzinationen in der Regel nicht in Psychosen oder Substanzmissbrauch. Häufig treten die vermeintlichen Sinneswahrnehmungen in der Einschlafphase oder dem Aufwachstadium auf und werden in diesem Fall als hypnagoge oder hypnopompe Halluzinationen bezeichnet.

Darüber hinaus können Trancezustände und Meditation der Pseudohalluzination einen Kontext geben. Dasselbe gilt für Erschöpfungszustände mit starker Ermüdung oder Bewusstseinseintrübungen durch pathologische Vorgänge wie Fieber. In Affektzuständen kann es außerdem zu einer Untervariante der Pseudohalluzination kommen, die als hysterische Pseudohalluzination bezeichnet wird.

Einen Sonderfall der Pseudohalluzination verursachen einige Krankheitssyndrome. An dieser Stelle ist vor allem auf das Charles-Bonnet-Syndrom zu verweisen, das aufgrund einer Sehbehinderung zu visuellen Sinnestäuschungen führt. Zuweilen gehen auch echte Halluzinationen in der Rückbildungsphase in Pseudohalluzinationen über. Grundsätzlich bestehen zwischen den beiden Phänomenen fließende Übergänge. Eine klare Abgrenzung fällt unter bestimmten Umständen schwer.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Die Art und der Kontext der Pseudohalluzination bestimmen die Symptome, an denen ein Pseudohalluzinierender im Einzelfall leidet. Je nach Kontext können visuelle, auditive, gustatorische oder taktile Pseudohalluzinationen auftreten. Von wahrgenommenen Stimmen bis hin zu ganzen Objekten, Geschmäckern oder Berührungen kann die Pseudohalluzination alle Sinnessysteme betreffen.

Das wichtigste Merkmal der Pseudohalluzination und zugleich das einzig zuverlässige Abgrenzungskriterium zur echten Halluzination ist die bewusste Beurteilung des Wahrgenommenen als irreal, die vom Patienten selbst vorgenommen wird. Welche Begleitsymptome zusätzlich zu den Pseudohalluzinationen vorliegen, kommt auf den größeren Rahmen des halluzinatorischen Ereignisses an.

Im Kontext körperlicher Erschöpfung können begleitsymptomatisch beispielsweise Kopfschmerzen, anhaltende Müdigkeit oder Abgeschlagenheit auftreten. Den begleitsymptomatischen Kontext des Charles-Bonnet-Syndroms bilden dagegen Sehstörungen. Bei Pseudohalluzinationen aufgrund von Krankheitsprozessen sind wiederum unspezifische Krankheitssymptome wie Fieber oder Infektionsanzeichen zu erwarten.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Die Diagnose von Pseudohalluzinationen stellt oft eine Gratwanderung dar. Das Phänomen überschneidet sich in vielen Fällen mit manifesten Halluzinationen oder kann zumindest leicht darin übergehen. Die Anamnese gibt erste Anhaltspunkte und gibt dem Beurteilenden wichtige Hinweise zum Geisteszustand des Patienten.

Bei der Diagnostik von Pseudohalluzinationen ist ein Nachweis darüber zu erbringen, dass der Patient das Wahrgenommene aus sich heraus als irreal beurteilt. Beurteilt er die scheinbaren Sinneswahrnehmungen dagegen als real, so läuft die Diagnose auf manifeste Halluzinationen hinaus.

Die Ursache für die Erscheinung wird sowohl für Pseudohalluzinationen, als auch echte Halluzinationen im Rahmen der weiterführenden Diagnostik aufgeklärt und kann organspezifische Testungen erfordern. Für Patienten mit Pseudohalluzinationen besteht eine deutlich bessere Prognose als für Halluzinierende. Als prognostisch ungünstig stellt sich allerdings die Tatsache heraus, dass Pseudohalluzinationen oft in echte Halluzinationen übergehen.

Behandlung & Therapie

Ob eine Pseudohalluzination behandelt werden muss und wie das Phänomen letztendlich behandelt wird, hängt von den Umständen des halluzinatorischen Ereignisses ab. Bei einmaligem Auftreten ist zum Beispiel keine Behandlung angezeigt. Der Patient beobachtet sich nach dem pseudohalluzinatorischen Ereignis selbst.

Falls weitere Ereignisse derselben Art auftreten oder die Grenze zwischen Realität und Irrealität zum Verschwimmen gerät, kann eine Behandlung erforderlich werden. Prinzipiell gilt die Lebensqualität des Patienten als oberster Maßstab. Sobald die pseudohalluzinatorischen Ereignisse die Lebensqualität merklich beeinträchtigen, macht eine Behandlung Sinn. Die Art der Behandlung hängt in diesem Fall vom Kontext der Pseudohalluzinationen ab.

Durch körperliche Erschöpfung hervorgerufenen Pseudohalluzinationen lässt sich zum Beispiel leicht begegnen, indem der Betroffene auf sein Schlafpensum achtet und gegebenenfalls Zwangsurlaub einlegt. Falls sich der Patient aufgrund der wahrgenommenen Szenarien stark beunruhigt fühlt, obwohl oder gerade weil er ihre Irrealität erkennt, kann kurzfristig eine konservativ medizinische Behandlung erfolgen.

Beruhigungsmittel eignen sich in diesem Fall zur symptomatischen Linderung des Problems. Allerdings ist die anhaltende Gabe von Medikamenten im Kontext der Pseudohalluzination zu vermeiden, da sich ansonsten eine Medikamentensucht mit späterem Übergang zu echten Halluzinationen entwickeln könnte. Angemessener ist bei andauernden Pseudohalluzinationen mit beunruhigendem Effekt auf den Patienten eine kognitive Verhaltenstherapie, in der der Patient seine eigene Beunruhigung im Hinblick auf die Wahrnehmungen aufzugeben lernt.

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Vorbeugung

Pseudohalluzinationen lässt sich nicht gänzlich vorbeugen, da die Phänomene im Kontext von Fieber- oder Ermüdungzuständen auftreten können und diese beiden Zustände zu den physiologischen Körperreaktionen jedes Menschen zählen.

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