Pseudoallergie

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 26. August 2017
Startseite » Krankheiten » Pseudoallergie

Pseudoallergien, welche typische allergische Reaktionen hervorrufen, ohne dass Antikörper gegen den betreffenden Stoff vorliegen, führen zu einem ebenso großem Leidensdruck wie echte Allergien. Die Diagnose ist jedoch erschwert, da unzählige Auslöser für die Symptome in Frage kommen. Einmal an einer Pseudoallergie erkrankt, bedeutet dies jedoch keinen lebenslangen Verzicht.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Pseudoallergie?

Bei Pseudoallergien sind keine Antikörper beteiligt. Stattdessen erfolgt die pseudoallergische Reaktion entweder über Histamin oder über Mastzellen.

Typische Symptome sind identisch mit denen einer echten Allergie. Bei den Betroffenen können Hautauschläge, Nesselsucht, Quaddelbildung, Schwellungen und Hautrötungen auftreten. Auch der Verdauungstrakt kann betroffen sein. Betroffene klagen dann über Juckreiz im Mund- oder Rachenraum, Magenschmerzen, Übelkeit und Durchfall.

Weitere Symptome sind asthmatischen Anfälle, Kopfschmerzen, Kreislaufprobleme und Schnupfen. Pseudoallergien geht keine Sensibilisierungsphase voraus. Das bedeutet, dass Beschwerden schon bei dem ersten Kontakt mit einer bestimmten Substanz auftreten können.

Weiterhin ist die Reaktion stark von der Menge abhängig, die die betroffene Person zu sich genommen hat. Geringe Mengen können problemlos vertragen werden, wobei es bei höheren Mengen auch zu lebensbedrohlichen Zuständen kommen kann.

Ursachen

Die Ursachen für Pseudoallergien sind auf den ersten Blick zahlreich, doch handelt es sich immer um Auslöser, die in Medikamenten oder Nahrungsmitteln enthalten sind, weswegen auch von pseudoallergischer Nahrungsmittelunverträglichkeit gesprochen wird.

Sehr häufig sind Arzneimittel sowie Lebensmittelzusatzstoffe für die pseudoallergische Reaktion verantwortlich. Bei den Lebensmittelzusatzstoffen kann es sich um Farbstoffe wie Chinolingelb handeln. Auch Konservierungsstoffe, Geschmacksverstärker und Süßstoffe sind mögliche Auslöser. Eine weitere Gruppe von Auslösern sind biogene Amine, die beispielsweise in gereiftem Hartkäse, Wein und Schokolade enthalten sind.

Eine dritte Gruppe sind Salicylate. Salicylate sind in verschiedenem Obst, Gemüse und Gewürzen sowie in manchen Medikamenten enthalten. Daneben können auch natürliche Aromastoffe eine pseudoallergische Nahrungsmittelunverträglichkeit auslösen. Die genannten Auslöser aktivieren unspezifisch Mastzellen, wodurch die Reaktion ausgelöst wird.

Von diesen Auslösern zu unterscheiden ist eine Reaktion aufgrund des in Nahrungsmitteln enthaltenen Histamins. Wenn es wegen eines Enzymmangels nicht abgebaut werden kann, kommt es auch hier zu den charakteristischen Allergiesymptomen. Dies wird jedoch als Histamin-Intoleranz und nicht als Pseudoallergie bezeichnet.

Typische Symptome & Anzeichen

Diagnose & Verlauf

Die Diagnose einer Pseudoallergie gestaltet sich aufgrund vieler Differentialdiagnosen als schwierig. So kann auch eine Allergie, ein Enzymmangel oder eine unzureichende Verdauung des Darms vorliegen.

Im Gegensatz zu den genannten Erkrankungen stehen keine einfachen Tests zur Verfügung, mittels denen eine Pseudoallergie nachgewiesen werden kann. Zudem können viele Stunden vergehen, bevor die Symptome eintreten, weswegen die Suche nach der Ursache der Beschwerden zusätzlich erschwert ist. Für die Diagnose einer Pseudoallergie sollten zunächst die Differentialdiagnosen anhand von Hauttests, Bluttests und Atemtests ausgeschlossen werden.

Anschließend muss eine mehrwöchige Karenzphase durchgeführt werden, während der auf mögliche Auslöser verzichtet werden muss. Danach werden Provokationstests durchgeführt, die unter ärztlicher Aufsicht erfolgen sollten.

Komplikationen

Eine Pseudoallergie wird fälschlicherweise als Unverträglichkeit oder Intoleranz bezeichnet. Auch wenn bei pseudoallergischen Reaktionen keine echte Immunreaktion vorliegt, können Pseudoallergien zu Komplikationen führen. So können pseudoallergische Reaktionen auf Medikamente oder Zusatzstoffe in Lebensmitteln potenziell zu denselben Symptomen führen, die auch eine Allergie auf einen der Wirkstoffe hervorruft.

Problematisch ist bei Pseudoallergien, deren Auslöser nicht ermittelt werden kann, dass sie häufig nur eine symptomatische Behandlungen erfahren. Die Symptomunterdrückung funktioniert allerdings nicht immer. Es kann nachfolgend zur Chronifizierung der Symptome kommen, zum Beispiel zu einem chronischen Pruritus, einer chronifizierten Urtikaria oder einem Reizdarm. Bei ernährungsbedingten Pseudoallergien können periodisch auftretende oder anhaltende Durchfälle und Darmstörungen entstehen.

Die Betroffenen versuchen bei ernährungsbedingten Komplikationen meist als Selbsthilfemaßnahme bestimmte Verdachtsstoffe aus der Ernährung auszuschließen. Es kann sich dabei um Lebensmittel mit einem hohen Anteil biogener Amine handeln. Alternativ können die Betroffenen Zusatzstoffe wie Farbstoffe oder Konservierungsmittel für Auslöser ihrer Probleme halten.

Nachfolgend meiden sie alle Lebensmittel, die diese Stoffe enthalten. Dadurch kann die Ernährung einseitig und unausgewogen werden. In der Folge kann es zu ernährungsbedingten Störungen und gravierenden Mangelerscheinungen kommen. Um weitere Komplikationen zu verhindern, wäre eine aufwendige Suche nach der auslösenden Substanz notwendig. Diese wird aber nur unternommen, wenn eine medikamentös bedingte Pseudoallergie vermutet wird.

Behandlung & Therapie

Wenn eine Pseudoallergie festgestellt wurde, muss zunächst auf den oder die Auslöser verzichtet werden, bis die Symptome abgeklungen sind.

Erst danach kann langsam eine steigende Menge des Auslösers in die tägliche Ernährung integriert werden. Auf diese Art kann der individuell verträgliche Grenzwert ermittelt werden. Betroffene müssen, da sie meistens eine geringe Menge der auslösenden Substanz vertragen, nicht lebenslang Verzicht ausüben. Allerdings müssen sie bei allen fertig abgepackten Waren überprüfen, ob der jeweilige Auslöser enthalten ist.

Auch andere Ware, wie Backwaren beim Bäcker oder die Portion Pommes frites beim Schnellimbiss kann den Auslöser enthalten. Vorsicht ist auch bei Medikamenten ratsam. In manchen Fällen verschwindet die Pseudoallergie jedoch im Laufe des Lebens und die ehemals Betroffenen unterliegen keinen Einschränkungen bei der Nahrungsmittelwahl mehr.

Bei akuten Symptomen können auch Medikamente eingenommen werden, welche die Symptome milden. Die jeweiligen Medikamente kann ein Facharzt verschreiben. Möglich ist beispielsweise die Gabe von Antihistaminika bei pseudoallergischen Reaktionen.

Hier finden Sie Ihre Medikamente:

Vorbeugung

Pseudoallergien kann man nicht vorbeugen. Dennoch ist eine Ernährung mit möglichst frischen Lebensmittel und ein Verzicht auf Lebensmittelzusatzstoffe ratsam.

Bücher über Allergien

Quellen

  • Saloga, J. et al.: Allergologie-Handbuch. Schattauer, Stuttgart 2011
  • Störiko, A.: Allergien. Falken, Niedernhausen 2001
  • Trautmann, A., Kleine-Trebbe, J.: Allergologie in Klinik und Praxis. Thieme, Stuttgart 2013

Diese Seite teilen:

Das könnte Sie auch interessieren:

Bekannt aus: