Pseudarthrose

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 29. August 2017
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Unter einer Pseudarthrose versteht die Medizin die ausbleibende Heilung eines Knochenbruches, aus der sich ein Falschgelenk entwickelt. Sie verursacht zumeist starke Schmerzen und Einschränkungen der Beweglichkeit. Die Therapie richtet sich nach der genauen Form der Pseudarthrose, stets können gute Prognosen gegeben werden.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Pseudarthrose?

Der Begriff Pseudarthrose setzt sich zusammen aus den griechischen Worten "pseudes" und "arthros" und bedeutet so viel wie "falsches Gelenk". Synonym zu Pseudarthrose werden die Begriffe Scheingelenk, Pseudogelenk oder Falschgelenk verwendet.

Diagnostiziert wird die Erkrankung, wenn sechs Monate nach einem Knochenbruch oder dem chirurgischen Verfahren der Osteotomie keine Heilung erfolgte. Zuvor, nach vier bis sechs Monaten ohne ausreichende Heilung, spricht man von einer verzögerten Frakturheilung.

Der Mediziner unterscheidet die vitale Pseudarthrose von der avitalen Pseudarthrose. Bei letzterer ist der Bruch instabil, mangelhaft durchblutet und das umgebende Gewebe ist entzündet oder abgestorben. Bei der vitalen Pseudarthrose ist da Gewebe noch gut durchblutet, der Bruch aber ebenfalls instabil.

Ursachen

Die Ursachen der Pseudarthrose liegen in einer unzureichenden Heilung von Knochenbrüchen.

Besonders anfällig für die Pseudarthrose sind Schaftbrüche langer Röhrenknochen, beispielsweise der Unter- und Oberschenkel und des Ober- und Unterarms. Häufig tritt das Falschgelenk auch als Komplikation eines Kahnbeinbruches auf. Konkret müssen mechanische und morbide Ursachen der Pseudarthrose unterschieden werden.

Mechanische Ursachen sind die Verschiebung von Weichteilen in die Bruchregion, die Verschiebung der Bruchenden gegeneinander, eine unzureichende Versorgung des Bruches mit zu geringer Kompression der Wunde und eine zu frühe Mobilisierung der Fraktur.

Zu den morbiden Ursachen gehören eine übermäßige, aber falsche, Knochenheilung, der Kallus, Gewebeverluste durch unzureichende Versorgung der Patienten oder ungenügende Blutversorgung der Wunde, Infekte und systemische Krankheiten. Insbesondere Patienten mit Diabetes mellitus oder arteriellen Erkrankungen sind häufig betroffen. Seltener ist das Erkrankungsrisiko angeboren.

Typische Symptome & Anzeichen

Diagnose & Verlauf

Pseudarthrosen werden diagnostiziert, wenn sechs Monate nach der Knochenfraktur keine Heilung erfolgte. Dies kann und muss mit bildgebenden Verfahren festgestellt werden. Röntgendiagnostisch zeigen sich häufig Pseudarthrosespalten und Sklerosen des umgebenden Gewebes.

Indizien für die Erkrankung sind zudem fortbestehende Bewegungs- und Funktionseinschränkungen oder eine übermäßige Beweglichkeit der betroffenen Körperteile und anhaltende Schmerzen. Wichtig ist zudem, dass bei der Diagnose eindeutig festgestellt wird, ob eine vitale oder eine avitale Pseudarthrose vorliegt, denn entsprechend wird die Therapie eingeleitet.

Der Verlauf und die Prognose sind abhängig davon, wie weit die Pseudarthrose fortgeschritten ist. Im Anfangsstadium bestehen gute Erfolgsaussichten. Aber je stärker das umgebende Gewebe betroffen ist und je weiter sich die Verhärtung ausbreiten konnte, desto schwieriger wird die Therapie.

Komplikationen

Bei strikter Beachtung der Anweisungen des Arztes stehen die Chancen, dass die Pseudarthrose ohne Folgeoperation ausheilt, nicht schlecht. Hierfür muss über ganze sechs Wochen hinweg ein Gipsverband getragen werden. Sollte der Betroffene Diabetiker sein, ist es wichtig, dass dieser gut auf seine Medikamente oder Spritzen eingestellt ist, um die Heilung nicht noch weiter zu verzögern. Rauchen ist besonders schädlich, da alles dafür getan werden sollte, um eine gute Durchblutung der betroffenen Stellen zu fördern.

Manchen Patienten hilft es, die betroffene Stelle zu kühlen, um die Schmerzen zu reduzieren. Hierzu können Kühlelemente, die mit einem Haushaltstuch oder einem dünnen Handtuch umwickelt wurden, verwendet werden. Andere, unter Pseudarthrose Leidende, benötigen Wärme wie zum Beispiel Kirschkernsäckchen, die zuvor im Ofen angewärmt werden. Die Wärmeflaschen ebenso wie die Kühlelemente dabei nie direkt auf die nackte Haut legen. Die meisten Betroffenen sind dennoch gezwungen zu Schmerzmitteln zu greifen, um den langen Heilungsverlauf der Pseudarthrose erträglich in den Griff zu bekommen.

Was der Patient, der an einer Pseudarthrose leidet, vor allem braucht, ist Geduld. Die Erkrankung ist meistens heilbar, nur wäre es irreführend sich am regulären Heilungsverlauf des vorausgegangenen Knochenbruchs zu orientieren.

Behandlung & Therapie

Die Therapie der Pseudarthrose richtet sich nach ihrer genauen Form und dem Schweregrad der Erkrankung.

Die vitale Pseudarthrose, bei der eine ausreichende Blutversorgung festgestellt wurde und die ausreichende Faserbildung und Ossifikation für eine gute Heilung aufweist, erfordert leichte Therapieformen. Im Vordergrund steht die Verbesserung der mechanischen Rahmenbedingungen des Bruches. Diese wird durch osteosynthetische Maßnahmen erreicht, beispielsweise mit einem Ringfixateur.

Die avitale Pseudarthrose erfordert weitreichendere und komplexere Therapiemaßnahmen. Da diese Erkrankungsform keine ausreichenden Heilungskräfte mehr aufweist, erfordert sie weitaus stärkere medizinische Maßnahmen als die vitale Pseudarthrose. Eine Osteosynthese ist nicht ausreichend, wird aber zur weiteren Stabilisierung genutzt.

Zusätzlich müssen infizierte Knochenareale operativ entfernt und gleichzeitig der Wiederaufbau des Knochens eingeleitet werden. Die operative Einbringung von Knochengewebe in den Bruchspalt kann helfen. Einige Ärzte verordnen ihren Patienten zusätzlich die Einnahme von knochenmorphogenetischen Proteinen, um die Regeneration anzuregen. Vor allem die Medikation mit BMP2 und BMP7 konnte gute Erfolge erzielen.

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Vorbeugung

Die Therapie der Pseudarthrose setzt jedoch schon bei der Nachkontrolle von Knochenbrüchen ein, denn durch diese kann der Heilungsverlauf beobachtet werden. Bei ersten Anzeichen der Pseudarthrose kann so schnell eingegriffen werden, gefährliche Komplikationen können verhindert werden. Insbesondere Risikopatienten sollten nach einem Knochenbruch regelmäßigen Kontakt zu ihrem betreuenden Mediziner halten.

Weiter sollten Patienten mit einem Knochenbruch die ihnen verordneten Maßnahmen einhalten und den Bruch nicht zu früh bewegen oder den Gips abnehmen.

Bücher über Knochenbrüche, Verletzungen & Unfälle

Quellen

  • Breusch, S., Clarius, M., Mau, H., Sabo, D. (Hrsg.): Klinikleitfaden Orthopädie, Unfallchirurgie. Urban & Fischer, München 2013
  • Niethard, F., Pfeil, J., Biberthaler, P.: Orthopädie und Unfallchirurgie. Thieme, Stuttgart 2014
  • Wülker, N., Kluba, T., Roetman, B., Rudert, M.: Taschenlehrbuch Orthopädie und Unfallchirurgie. Thieme, Stuttgart 2015

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