Pruritus ani

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 26. August 2017
Symptomat.de » Krankheiten » Pruritus ani

Pruritus ani ist die lateinische und zugleich medizinische Bezeichnung für einen teils entzündlichen Juckreiz im Bereich des Darmausgangs. Der Pruritus ani ist ausschließlich ein Symptom und erhielt in der Klassifikation nach ICD-10 die Nummer L29.9.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Pruritus ani?

Sowohl in der Anal- als auch in der Perianalregion kann der Pruritus ani auftreten. Je nach Schweregrad geht er mit starken Rötungen, entzündeten Hautbereichen und einem brennenden Schmerz einher. Unbehandelt nimmt der Pruritus ani zügig die Form eines chronisches Leidens an, dass die Lebensqualität des Betroffenen stark einschränkt.

Aber auch akute Fälle sind aufgrund der zumeist schleppenden Heilung für den Patienten belastend und unangenehm. Obwohl der hartnäckige Juckreiz zu den weit verbreitetesten Anzeichen in der Proktologie, die sich auf Erkrankungen des Enddarms konzentriert, gehört, sind nur etwa ein bis fünf Prozent der Bevölkerung betroffen.

Eine mögliche Befangenheit angesichts der Körperregion lässt jedoch auf eine höhere Dunkelziffer schließen. Ferner wird das dermatologische Symptom oftmals als unbedeutend und gegeben akzeptiert. Der Pruritus ani zeigt sich in der Regel zwischen dem 30. und 60. Lebensjahr, wobei Frauen deutlich weniger betroffen sind.

Ursachen

In den meisten Fällen liegt dem Pruritus ani eine Erkrankung zugrunde. Bei jedem zweiten Betroffenen ist dies ein Hämorrhoidalleiden oder sogenannte Analfisteln oder -abszesse. Darüber hinaus können Risse in der Afterhaut (Fissuren), Anal- oder Darmkrebs sowie Pilz-, Virus- und Bakterieninfektionen den Juckreiz hervorrufen.

Weiterhin besteht die Möglichkeit, dass vom Darm- und Analbereich unabhängige Erkrankungen als Ursache fungieren. Hierzu zählen Diabetes mellitus, Defizite bei der Funktion von Leber und Nieren, Leukämie oder HIV. Selbst für Patienten mit Schuppenflechte oder bei der Einnahme von Antibiotika besteht die Gefahr eines Pruritus ani. In seltenen Fällen hat der Juckreiz psychologische Gründe.

Er tritt dann im Zusammenhang mit einer Depression, Angstzuständen oder Stresssituationen auf. Wahrscheinlicher ist hingegen ein Kausalzusammenhang mit einer allergischen Reaktion. Parfümierte Seifen, Cremes, aromatisiertes Toilettenpapier sowie Feuchttücher lösen immer häufiger ein kontaktallergisches Analekzem aus, das einen Pruritus ani nach sich zieht.

Gleiches gilt für eine mangelnde oder zu intensive Hygiene in diesem Bereich. Des Öfteren werden auch bestimmte Nahrungsmittel als Grund für den Juckreiz genannt. Ein diesbezüglicher medizinischer Nachweis wurde bisher allerdings nicht erbracht.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Von großer Wichtigkeit ist bei einem Pruritus ani der Gang zum Arzt. Ein mögliches Schamgefühl sollte bezwungen werden und der Hausarzt, Dermatologe oder Proktologe aufgesucht werden. Aufgrund der zwischenzeitlich mehr als einhundert bekannten Ursachen und der Gefahr einer bisher nicht diagnostizierten Erkrankung ist eine eingehende Diagnose essenziell.

Die zumeist sehr komplexe Diagnose erfolgt zunächst durch ein klärendes Gespräch, bei dem Gepflogenheiten hinsichtlich der Hygiene und des Stuhlgangs, Tabletteneinnahmen und mögliche Allergien besprochen werden. Es folgen eine Inaugenscheinnahme, ein Abtasten, eventuelle Abstriche, Biopsien oder Blutentnahmen. Auch die Durchführung eines Allergietests, einer Endoskopie des Enddarms oder einer Darmspiegelung sind mitunter sinnvoll.

Vereinzelt lässt sich trotz intensiver Diagnostik keine Ursache feststellen. Ein solch idiopathischer Pruritus ani ist dennoch ernst zu nehmen und ebenso heilbar. Nicht jeder Juckreiz im Bereich des Darmausgangs ist ein Pruritus ani. Der Gang zum Arzt ist nach angemessener Beobachtungszeit aber empfehlenswert. Nur auf diesem Wege lässt sich verhindern, dass der Pruritus ani chronisch verläuft und sich die Beschwerden intensivieren.

Komplikationen

Wenn es hin und wieder mal am After juckt, ist das normal. Bei ständigem Juckreiz durch einen Pruritus in der Analregion kann es zu einer wund gekratzten Analregion und nachfolgend zu weiteren Komplikationen kommen. Dies geschieht vor allem, wenn der Betroffene den Juckreiz nicht unterbinden kann und kratzt. Das könnte zum Beispiel nachts im Schlaf der Fall sein. Um Komplikationen zu vermeiden, sollte der Betroffene bei anhaltendem Juckreiz in der Analregion die Ursachen abklären lassen.

Durch die wund gekratzte Haut am After bilden sich leichter bakterielle Entzündungen. Dabei kann es langfristig zu Vernarbungen und Hautschäden rund um den After kommen. Die Hautschäden können sich beispielsweise als feine und schmerzhafte Analfissuren manifestieren. Die Fissuren vertiefen sich durch Pressen. Der Juckreiz in der Afterregion kann sich zudem chronifizieren. Es handelt sich dann um einen rezidivierenden Pruritus ani.

Ein chronisch gewordener Pruritus ani vervielfacht die Möglichkeit infektiöser und parasitärer Folgeerkrankungen in der Analregion. Durch das feuchtwarme Hautklima, den Kontakt mit Darmkeimen und Fäkal-Auscheidungen sowie durch die wund gekratzten Hautareale können sich leicht Hautpilze ansiedeln. Außerdem können sich Viren in den gereizten Hautfalten des Afters einnisten. Da ein Pruritus ani meist ein Begleitsymptom verschiedener Erkrankungen ist, lassen Komplikationen sich durch eine ursachenbezogene Behandlung verhindern.

Behandlung & Therapie

Die Behandlung des Pruritus ani geschieht zweigleisig. Im Vordergrund steht dabei die Bekämpfung der eigentlichen Ursache. Dementsprechend erfolgt zunächst die Heilung der jeweiligen Grunderkrankung, um dem Juckreiz seine Basis zu nehmen. Im Allgemeinen ist anschließend eine zügige Linderung der Beschwerden zu beobachten.

Die durch den Pruritus ani selbst verursachten Beschwerden können zusätzlich behandelt werden. Dies ist vor allem der Fall, wenn die Grunderkrankung schwerwiegend und mit einer zeitnahen Heilung nicht zu rechnen ist. Gewöhnlich erfolgt die Verschreibung von medizinischen Sitzbädern und entzündungshemmenden, teils betäubenden Salben, deren Anwendung vom Arzt überwacht werden sollte.

Eine Selbstmedikation ist bei einem Pruritus ani nicht angebracht, da bestimmte Salben oder Anwendungen den Juckreiz noch weiter verstärken können. Die sehr empfindliche Haut um den Analbereich ist durch einen Pruritus ani deutlich geschwächt. Reizungen jeder Art sind insofern durch den Patienten zu vermeiden. Toilettenpapier ist nicht zu verwenden. Vielmehr sollten Toilettengänge durch das gründliche Abspülen mit klarem Wasser beendet werden.

Betroffene sind außerdem dazu angehalten scharfem Essen (mit einem hohen Anteil an Capsaicin) und parfümierten Seifen fernzubleiben. Auch Wärme und Schweiß fördern die Irritation der Haut. Folglich ist eine luftdurchlässige Kleidung aus einem weichen, ungefärbten Baumwollstoff optimal. Besteht die Möglichkeit, sollte der Bereich sogar für kurze Zeiträume oder über Nacht frei liegen.

Hier finden Sie Ihre Medikamente:

Vorbeugung

Das Vorbeugen eines Pruritus ani ist im Prinzip nur möglich, wenn ihm keine Erkrankung zu Grunde liegt. Andernfalls ist lediglich durch bestimmte Maßnahmen sein Auftreten hinauszuzögern beziehungsweise seine Intensität zu verringern. Ratsam ist vor allem eine sorgfältige und zugleich behutsame Reinigung des Bereiches.

Zu verwenden sind pH-neutrale Waschlotionen und unparfümiertes, weiches Toilettenpapier. Auf hautreizende Feuchttücher und starkes Reiben sollte hingegen gänzlich verzichtet werden. Um die Gefahr für Kontakallergien zu senken, darf die gereinigte Unterwäsche keine Waschmittelreste enthalten und auch auf allergieauslösende Stoffe in Bodylotions und Cremes sollte geachtet werden.

Bücher über Hämorrhoiden & Juckreiz am After

Quellen

  • Brühl, W., Wienert, V., Herold, A.: Aktuelle Proktologie. Uni-Med, Bremen 2011
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • Winkler, R., Otto, P., Schiedeck, T.: Proktologie. Thieme, Stuttgart 2011

Diesen Artikel Freunden & Bekannten empfehlen

Das könnte Sie auch interessieren:

Welche Erfahrungen und Hinweise haben Sie zum Thema Pruritus ani?

Name oder Pseudonym:

E-Mail: (optional)

(wird nicht angezeigt, nur notwendig, wenn aktuelle Gesundheitsinformationen erwünscht werden)

Kommentar:

(Bitte auf Groß-, Kleinschreibung und verständliche, ganze Sätze achten.)

Sicherheitsfrage: Wieviel sind 30 plus 5?

Bekannt aus: