Pruritus ani

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für innere Medizin) am 27. Oktober 2016
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Pruritus ani ist die lateinische und zugleich medizinische Bezeichnung für einen teils entzündlichen Juckreiz im Bereich des Darmausgangs. Der Pruritus ani ist ausschließlich ein Symptom und erhielt in der Klassifikation nach ICD-10 die Nummer L29.9.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Pruritus ani?

Sowohl in der Anal- als auch in der Perianalregion kann der Pruritus ani auftreten. Je nach Schweregrad geht er mit starken Rötungen, entzündeten Hautbereichen und einem brennenden Schmerz einher. Unbehandelt nimmt der Pruritus ani zügig die Form eines chronisches Leidens an, dass die Lebensqualität des Betroffenen stark einschränkt.

Aber auch akute Fälle sind aufgrund der zumeist schleppenden Heilung für den Patienten belastend und unangenehm. Obwohl der hartnäckige Juckreiz zu den weit verbreitetesten Anzeichen in der Proktologie, die sich auf Erkrankungen des Enddarms konzentriert, gehört, sind nur etwa ein bis fünf Prozent der Bevölkerung betroffen.

Eine mögliche Befangenheit angesichts der Körperregion lässt jedoch auf eine höhere Dunkelziffer schließen. Ferner wird das dermatologische Symptom oftmals als unbedeutend und gegeben akzeptiert. Der Pruritus ani zeigt sich in der Regel zwischen dem 30. und 60. Lebensjahr, wobei Frauen deutlich weniger betroffen sind.

Ursachen

In den meisten Fällen liegt dem Pruritus ani eine Erkrankung zugrunde. Bei jedem zweiten Betroffenen ist dies ein Hämorrhoidalleiden oder sogenannte Analfisteln oder -abszesse. Darüber hinaus können Risse in der Afterhaut (Fissuren), Anal- oder Darmkrebs sowie Pilz-, Virus- und Bakterieninfektionen den Juckreiz hervorrufen.

Weiterhin besteht die Möglichkeit, dass vom Darm- und Analbereich unabhängige Erkrankungen als Ursache fungieren. Hierzu zählen Diabetes mellitus, Defizite bei der Funktion von Leber und Nieren, Leukämie oder HIV. Selbst für Patienten mit Schuppenflechte oder bei der Einnahme von Antibiotika besteht die Gefahr eines Pruritus ani. In seltenen Fällen hat der Juckreiz psychologische Gründe.

Er tritt dann im Zusammenhang mit einer Depression, Angstzuständen oder Stresssituationen auf. Wahrscheinlicher ist hingegen ein Kausalzusammenhang mit einer allergischen Reaktion. Parfümierte Seifen, Cremes, aromatisiertes Toilettenpapier sowie Feuchttücher lösen immer häufiger ein kontaktallergisches Analekzem aus, das einen Pruritus ani nach sich zieht.

Gleiches gilt für eine mangelnde oder zu intensive Hygiene in diesem Bereich. Des Öfteren werden auch bestimmte Nahrungsmittel als Grund für den Juckreiz genannt. Ein diesbezüglicher medizinischer Nachweis wurde bisher allerdings nicht erbracht.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Von großer Wichtigkeit ist bei einem Pruritus ani der Gang zum Arzt. Ein mögliches Schamgefühl sollte bezwungen werden und der Hausarzt, Dermatologe oder Proktologe aufgesucht werden. Aufgrund der zwischenzeitlich mehr als einhundert bekannten Ursachen und der Gefahr einer bisher nicht diagnostizierten Erkrankung ist eine eingehende Diagnose essenziell.

Die zumeist sehr komplexe Diagnose erfolgt zunächst durch ein klärendes Gespräch, bei dem Gepflogenheiten hinsichtlich der Hygiene und des Stuhlgangs, Tabletteneinnahmen und mögliche Allergien besprochen werden. Es folgen eine Inaugenscheinnahme, ein Abtasten, eventuelle Abstriche, Biopsien oder Blutentnahmen. Auch die Durchführung eines Allergietests, einer Endoskopie des Enddarms oder einer Darmspiegelung sind mitunter sinnvoll.

Vereinzelt lässt sich trotz intensiver Diagnostik keine Ursache feststellen. Ein solch idiopathischer Pruritus ani ist dennoch ernst zu nehmen und ebenso heilbar. Nicht jeder Juckreiz im Bereich des Darmausgangs ist ein Pruritus ani. Der Gang zum Arzt ist nach angemessener Beobachtungszeit aber empfehlenswert. Nur auf diesem Wege lässt sich verhindern, dass der Pruritus ani chronisch verläuft und sich die Beschwerden intensivieren.

Behandlung & Therapie

Die Behandlung des Pruritus ani geschieht zweigleisig. Im Vordergrund steht dabei die Bekämpfung der eigentlichen Ursache. Dementsprechend erfolgt zunächst die Heilung der jeweiligen Grunderkrankung, um dem Juckreiz seine Basis zu nehmen. Im Allgemeinen ist anschließend eine zügige Linderung der Beschwerden zu beobachten.

Die durch den Pruritus ani selbst verursachten Beschwerden können zusätzlich behandelt werden. Dies ist vor allem der Fall, wenn die Grunderkrankung schwerwiegend und mit einer zeitnahen Heilung nicht zu rechnen ist. Gewöhnlich erfolgt die Verschreibung von medizinischen Sitzbädern und entzündungshemmenden, teils betäubenden Salben, deren Anwendung vom Arzt überwacht werden sollte.

Eine Selbstmedikation ist bei einem Pruritus ani nicht angebracht, da bestimmte Salben oder Anwendungen den Juckreiz noch weiter verstärken können. Die sehr empfindliche Haut um den Analbereich ist durch einen Pruritus ani deutlich geschwächt. Reizungen jeder Art sind insofern durch den Patienten zu vermeiden. Toilettenpapier ist nicht zu verwenden. Vielmehr sollten Toilettengänge durch das gründliche Abspülen mit klarem Wasser beendet werden.

Betroffene sind außerdem dazu angehalten scharfem Essen (mit einem hohen Anteil an Capsaicin) und parfümierten Seifen fernzubleiben. Auch Wärme und Schweiß fördern die Irritation der Haut. Folglich ist eine luftdurchlässige Kleidung aus einem weichen, ungefärbten Baumwollstoff optimal. Besteht die Möglichkeit, sollte der Bereich sogar für kurze Zeiträume oder über Nacht frei liegen.

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Vorbeugung

Das Vorbeugen eines Pruritus ani ist im Prinzip nur möglich, wenn ihm keine Erkrankung zu Grunde liegt. Andernfalls ist lediglich durch bestimmte Maßnahmen sein Auftreten hinauszuzögern beziehungsweise seine Intensität zu verringern. Ratsam ist vor allem eine sorgfältige und zugleich behutsame Reinigung des Bereiches.

Zu verwenden sind pH-neutrale Waschlotionen und unparfümiertes, weiches Toilettenpapier. Auf hautreizende Feuchttücher und starkes Reiben sollte hingegen gänzlich verzichtet werden. Um die Gefahr für Kontakallergien zu senken, darf die gereinigte Unterwäsche keine Waschmittelreste enthalten und auch auf allergieauslösende Stoffe in Bodylotions und Cremes sollte geachtet werden.

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