Pruritus Vulvae

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für innere Medizin) am 27. Oktober 2016
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Der sogenannte Pruritus Vulvae ist ein Juckreiz der Vulva, der durch diverse Erkrankungen ausgelöst werden kann. Neben dem Juckreiz können auch Schmerzen oder ein Brennen als Symptome auftreten. Der Juckreiz sollte ärztlich abgeklärt werden.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Pruritus Vulvae?

Als Pruritus vulvae wird ein Juckreiz der äußeren weiblichen Genitalien, der sogenannten Vulva, bezeichnet. Dieser Juckreiz (lateinisch „pruritus“) tritt meist episodisch, das heißt vorübergehend, auf. Der Juckreiz kann sowohl akut, als auch chronisch auftreten. Die Vulva, an der der Juckreiz auftritt, ist der äußere Teil des weiblichen Genitals.

Sie umfasst die äußeren, primären Geschlechtsorgane der Frau. Zu diesen zählen unter anderem den Venushügel, die großen äußeren Schamlippen, die kleinen inneren Schamlippen, die Klitoris und den Scheidenvorhof mit den Ausgängen der Vagina, der Harnröhre und der Vestibulardrüsen.

Ursachen

Als Ursachen für einen Juckreiz der Vulva (pruritus vulvae) sind sowohl primäre als auch sekundäre Ursachen möglich. Bei den primären Ursachen steht der Pruritus der Vulva im Vordergrund, bei einer sekundären Krankheitsursache tritt er als Begleiterscheinung einer bereits bestehenden Vorerkrankung auf. Bei einer Vulvitis, einer Entzündung der Vulva, ist der Juckreiz eines der Hauptsymptome.

Bei der Vulvitis handelt es sich um eine Entzündung der äußeren weiblichen Genitale. Die Vulvitis kann durch Bakterien, Viren, Pilze oder Parasiten ausgelöst werden. Neben dem erwähnten Juckreiz kommt es bei der Entzündung der Vulva zu einer Rötung, Schwellung und zu Schmerzen im Bereich der Vulva. Auch eine Wärme in diesem Bereich ist häufig zu spüren.

Das weibliche Geschlechtsorgan ist aufgrund der Symptomatik in seiner Funktionsfähigkeit eingeschränkt. Die Vulvitis kann sowohl primär, durch eine direkte Infektion der Vulva mit den Krankheitserregern, als auch sekundär durch eine sich ausbreitende Infektion der Nachbarorgane, beispielsweise des Anus, der Harnröhre oder der Vagina, entstehen.

Neben der Vulvitis sind weitere Ursachen für einen Pruritus vulvae möglich. So kann es beispielsweise im Rahmen diverser Stoffwechselerkrankungen zu einem Juckreiz im Bereich der Vulva kommen. Hier sind der Diabetes mellitus, Östrogenmangel, Urämie (Vergiftungen des Blutes durch harnpflichtige Substanzen), Fettleibigkeit (Adipositas), Lebererkrankungen und Avitaminose (das vollständige Fehlen gewisser Vitamine) zu nennen.

Tritt der Pruritus vulvae im Rahmen einer dieser Stoffwechselkrankheiten auf, liegt eine sekundäre Ursache vor. Weitere Ursachen sind allergische Reaktionen, beispielsweise auf Medikamente, Seifen oder Kontaktekzeme durch Wäsche und/oder Kleidung. Auch Lichen scelorsus et atrophicus vulvae (Vulvadystrophie), eine degenerative Erkrankung der Haut der Vulva, löst einen Juckreiz aus.

Die Erkrankung tritt vor allem bei jungen Frauen nach der Pubertät auf und zählt zu den möglichen Präkanzerosen. Weitere mögliche Ursachen stellen andere Präkanzerosen, ein Vulvakarzinom, Leukämie, eine perniziöse Anämie, mangelnde oder übertriebene Hygiene, übermäßiges Schwitzen, sowie mechanische Reizungen, zum Beispiel durch Masturbation dar.

Es ist zu beobachten, dass in verschiedenen Altersgruppen unterschiedliche Auslöser des Pruritus vulvae überwiegen. Bei Kindern liegen dem Pruritus häufig Pilzinfektionen, Allergien, Diabetes mellitus oder Infektionen durch Madenwürmer (Oxyuriasis) zugrunde. Im geschlechtsreifen Alter sind die Hauptursachen Pilzinfektionen, Kontaktekzeme und Infektionen. Im höheren Alter lösen vor allem Dysmorphien der Haut, Neoplasien und Diabetes mellitus den Juckreiz der Vulva aus.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Das Hauptsymptom des Pruritus vulvae (lateinsch: „Juckreiz der Vulva“) ist ein Juckreiz an den äußeren Schamlippen (labia majora pudendi), der meist nicht persistent ist - er dauert meist nur kurz an. Der Juckreiz kann in einen schmerzhaften, brennenden Zustand übergehen.

Desweiteren ist zu beobachten, dass er sich durch Wärme häufig verstärkt und von den Patientinnen vermehrt nach dem Schlafenlegen beobachtet bzw. wahrgenommen wird. Durch den Juckreiz neigen die Patientinnen zum Kratzen, was den Zustand jedoch verschlimmert. Weiterhin führt das Kratzen meist zu kleinen Einrissen und Abschürfungen, was den schmerzhaften Zustand aufrecht erhält beziehungsweise verstärkt.

Auch die ärztliche Diagnostik wird durch das Kratzen erschwert, da eventuell vorhandene primäre Hautveränderungen, die den Pruritis verursachen könnten, aufgrund der durch das Kratzen entstandenen Veränderung nicht mehr oder nur noch schwer gesehen werden können.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Die Diagnostik durch den Arzt besteht zunächst in einer gründlichen Anamnese sowie einer körperlichen Untersuchung. Hierbei wird besonders auf bestehende Veränderungen des Hautbildes der Vulva geachtet. Durch die Anamnese und die körperliche Untersuchung gelangt der Arzt zu einer Verdachtsdiagnose, die durch eine geeignete Labordiagnostik bestätigt werden muss.

Hierzu stehen je nach Verdachtsdiagnose verschiedene Methoden zur Wahl. Dazu zählen beispielsweise eine Blutuntersuchung, bei der die Konzentrationen von Glukose (Verdacht auf Diabetes mellitus), Harnstoff, Cholesterin oder eventuelle Bakterientoxine (Verdacht auf bakterielle Vulvinitis) bestimmt werden. Darüber hinaus erfolgt häufig ein vaginaler Abstrich.

Mit Hilfe dieses Abstriches lassen sich diverse Ursachen testen und gegebenenfalls bestätigen oder ausschließen. Der Krankheitsverlauf hängt von der ermittelten Diagnose ab und lässt sich daher nicht allgemein darlegen. Es ist zu beachten, dass der Pruritus vulvae ein Symptom und keine Krankheit darstellt. In den meisten Fällen ist er harmlos, eine ärztliche Diagnostik und eventuell Therapie sollten jedoch in jedem Falle stattfinden.

Behandlung & Therapie

Die Therapie richtet sich nach der Ursache des Juckreizes. Eine Therapie sollte möglichst kausal stattfinden, das heißt die Ursachen der zugrunde liegenden Erkrankung beseitigen. Gegen des Symptoms des Pruritus werden vor allem Glukokortikoidsalben eingesetzt. Bei allergischen Ursachen kommen Antiallergika zum Einsatz.

Zugrunde liegende Infektionen werden mit einem geeigneten Medikament behandelt, das sich nach der Art des Erregers richtet. So wird bei einer bakteriellen Vulvinitis eine antibiotische Behandlung durchgeführt, bei einer Pilzinfektion eine antimykotische. Bei Östrogenmangel werden Östrogene verabreicht. Zusammenfassend lässt sich jedoch sagen, dass eine kausale Therapie stattfinden sollte, wozu eine umfassende ärztliche Diagnostik notwendig ist.




Vorbeugung

Vorbeugen lässt sich nur bedingt. Es ist hierbei wichtig, auf eine ausreichende Hygiene zu achten, ohne es bei dieser zu übertreiben.

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