Prurigo simplex acuta

Letzte Aktualisierung am 27. Juni 2018 | Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher.
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Die Haut als ein sehr komplexes und unter bestimmten Bedingungen außerordentlich empfindliches Organ kann schon bei Kindern erkranken, sodass es zu einem sogenannten Prurigo simplex acuta kommt. Der Prurigo simplex acuta kommt überwiegend bei Kindern ab dem 2. bis zum 10. Lebensjahr vor.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Prurigo simplex acuta?

Hinter dem Prurigo simplex acuta verbrigt sich eine Erkrankung der Haut, welche ganz unterschiedliche Ursachen hat. Im Gegensatz zu anderen Hautkrankheiten löst der Prurigo simplex acuta keine allgemeinen Krankheitsbeschwerden aus.

Der Prurigo simplex acuta verläuft in Schüben, innerhalb derer sich sowohl das Hautbild als auch die Befindlichkeit der betroffenen Kinder verschlechtern. In der Medizin wird der Prurigo simplex acuta ebenfalls unter dem Synonym Strophulus infantum klassifiziert und basiert vorrangig auf einem Exanthem.

Ursachen

Die Ursachenfindung beim Prurigo simplex acuta ist noch nicht allzu weit vorangeschritten, sodass die eigentlichen Auslöser für Prurigo simplex acuta noch nicht eindeutig geklärt sind.

Angenommen werden im Zusammenhang mit der Entstehung vom Prurigo simplex acuta, dass äußere Faktoren verantwortlich sind. Diese basieren bei der Hautkrankheit Prurigo simplex acuta auf Blütenpollen oder Staubpartikeln oder kommen als Abwehrreaktionen des Körpers gegen Insektenstiche in Frage.

In diesem Bezug wird beim Prurigo simplex acuta eine sogenannte atypische Disposition des erkrankten Kindes vorliegt. Nicht nur Kinder, sondern auch Erwachsene, welche bereits unter einer asthmatischen oder exzematösen Erkrankung leiden, weisen häufig eine Neigung zum Prurigo simplex acuta auf.

Als weitere Ursachen für den Prurigo simplex acuta kommen psychische Überforderung, verschiedene Erkrankungen des Stoffwechsels, chronische lymphatische Leukämien, Morbus Hodgkin oder andere Vorerkrankungen in Betracht. Auch schwangere Frauen können von einem Prurigo simplex acuta betroffen sein.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Der Prurigo simplex acuta ist eine Form der Prurigo, die nur Kinder meist ab dem Alter zwischen zwei und Jahren befällt. Er zeichnet sich durch die plötzliche Bildung von Papeln auf der Haut aus, die einen unerträglichen Juckreiz hervorrufen. Allgemeinsymptome werden nicht beobachtet. Die Hautveränderungen treten meist im Sommer und Herbst auf und heilen in der Regel innerhalb von einigen Tagen oder Wochen ohne Narbenbildung wieder ab.

Allerdings kann es häufig zu Rezidiven kommen. Als Ursache werden allergische Reaktionen vermutet, die mit Parasitenbefall, Hautinfektionen oder auch Verdauungsstörungen im Zusammenhang stehen. Daher kann Prurigo simplex acuta unter Umständen auch zusammen mit Darmproblemen auftreten.

Die Papeln entstehen besonders auf den Rumpf- und Extremitätenstreckseiten. Der extreme Juckreiz veranlasst die Kinder, die Papeln aufzukratzen. Es entstehen überall Blutungen. Allerdings wird dabei der extreme Juckreiz beendet. Die eigentliche Erkrankung ist harmlos und heilt von selbst wieder aus. Aber aufgrund des Zerkratzens der Hauteffloreszenzen kann es zu sekundären Infektionen mit Staphylokokken kommen.

Dabei entstehen zahlreiche Pusteln, die mit gelben Borken bedeckt sind. Trotzdem besteht bei Prurigo simplex acuta keine Neigung zur Ekzembildung. Die Hautveränderungen heilen ohne Spuren und Narbenbildungen wieder aus. Doch es besteht immer wieder die Gefahr einer neuerlichen Attacke. Je älter die Kinder allerdings werden, desto milder verlaufen die Schübe. Ab dem Alter von acht Jahren hören die Hauteruptionen dann völlig auf.

Diagnose & Verlauf

Beim Verlauf des Prurigo simplex acuta wird davon ausgegangen, dass die auftretenden Beschwerden einer Allergie sehr ähnlich sind. Die Patientinnen und Patienten klagen beim Prurigo simplex acuta über Hautirritationen, welche vorrangig an den oberen und unteren Extremitäten sowie an Rumpf und Rücken auftreten.

Typische Veränderungen der Haut beim Prurigo simplex acuta sind großflächige Rötungen, Papeln und entweder eine Überpigmentierung oder "Entfärbung" der betroffenen Areale sowie ein fast unerträglicher Juckreiz. Kommt es durch Kratzen zur Eröffnung der beim Prurigo simplex acuta vorliegenden Knötchen, hört der Juckreiz auf. Es bildet sich beim Prurigo simplex acuta ein Schorf auf den blutigen Papeln. Eine Folgeerscheinung des Prurigo simplex acuta ist ein fleckiges Aussehen der Haut.

Komplikationen

Aufgrund des Prurigo simplex acuta leiden die Patienten an verschiedenen Beschwerden und Erkrankungen an der Haut. Diese treten dabei in der Regel schon im frühen Kindesalter auf. Nicht selten leiden die Patienten dabei auch an Mobbing und an Hänseleien und können dadurch auch Minderwertigkeitskomplexe oder ein verringertes Selbstwertgefühl entwickeln.

Die dauerhaften Beschwerden auf der Haut fördern ein Unwohlsein der Betroffenen, wobei sich diese dabei nicht selten schämen. In der Regel führt eine Prurigo simplex acuta auf der Haut zu deutlichen Rötungen und zur Ausbildung von Papeln. Auch ein Ausschlag kann sich ausbilden, der nicht selten mit einem Juckreiz verbunden ist.

Weiterhin treten auf der Haut auch kleine Bläschen auf. Dauerhaftes Kratzen verletzt die Haut, sodass es auch zur Ausbildung von Narben kommen kann. Die Lebensqualität des Betroffenen wird durch die Prurigo simplex acuta erheblich verringert und eingeschränkt. In der Regel kann eine Behandlung mit Hilfe von Medikamenten durchgeführt werden.

Dabei kommt es nicht zu Komplikationen. Allerdings sind die Betroffenen in vielen Fällen auch auf eine psychologische Behandlung angewiesen. Die Lebenserwartung wird von der Prurigo simplex acuta in der Regel nicht verringert.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Die Erkrankung Prurigo simplex acuta sollte immer durch einen Arzt untersucht und behandelt werden. Anderweitig kann es zu starken Komplikationen kommen, die die Lebensqualität des Betroffenen erheblich einschränken können. Eine frühe Diagnose und Behandlung wirken sich immer positiv auf den weiteren Verlauf der Erkrankung aus. Der Arzt ist dann aufzusuchen, wenn der Patient unter einer Ausbildung von Papeln mit einem starken Juckreiz leidet, die ohne einen besonderen Grund auftreten. Weiterhin können auch Verdauungsstörungen auftreten.

In einigen Fällen kann es durch die Erkrankung auch zur Ausbildung von Pusteln kommen. Die Beschwerden der Erkrankung können in Schüben auftreten und wieder von alleine verschwinden. Allerdings ist auch nach dem vollständigen Verschwinden der Beschwerden ein Besuch bei einem Arzt sehr sinnvoll. In erste Linie kann die Prurigo simplex acuta durch einen Allgemeinarzt oder durch einen Kinderarzt festgestellt und behandelt werden.

Behandlung & Therapie

Anhand der visuellen Begutachtung der Betroffenen und deren Schilderung lässt sich beim Prurigo simplex acuta zunächst eine übersichtsmäßige Diagnose stellen. Durch eine Differentialdiagnose sollen eine Skabies (Krätze), eine Dermatitis oder eine Neurodermitis ausgeschlossen werden.

Ist der Befund eines Prurigo simplex acuta eindeutig, erfolgt eine mehrseitige Behandlung. Diese beruht zuerst auf der Therapie einer als Auslöser in Frage kommenden Vorerkrankung, welche beim Prurigo simplex acuta in Kombination mit einer psychosomatischen Begleitung durchgeführt wird.

Die Maßnahmen der Therapie des Prurigo simplex acuta umfassen neben den örtlichen Anwendungen von Salben und Cremes mit Glukokortikoiden ebenfalls Antipruriginosa gegen den lästigen Juckreiz. Erzielen diese Vorgehensweisen beim Prurigo simplex acuta keine positiven Effekte, erfolgt eine Verabreichung von sogenannten Tetrazyklinen und Antimykotika.

Zusätzlich können bei der medikamentösen Behandlung vom Prurigo simplex acuta Antidepressiva (wirken gegen depressive Episoden) oder Antihistaminika (werden bei Allergien angewendet) verordnet werden. Bewährt haben sich gegen den Prurigo simplex acuta auch neuroleptisch wirkende Arzneistoffe.

Hier finden Sie Ihre Medikamente:

Vorbeugung

Patientinnen und Patienten, welche von bestimmten Erkrankungen oder Behandlungsmaßnahmen (Dialyse) betroffen sind, die als ursächliche Auslöserunter für den Prurigo simplex acuta bedeutsam sind, sollten sehr gut auf die Beschaffenheit ihrer Haut achten und bei anfänglichen oder vermeintlichen Symptomen einen Prurigo simplex acuta den Facharzt aufsuchen.

Kleinkinder sollten vor Insektenstichen geschützt werden, um einen Prurigo simplex acuta zu vermeiden. Liegen Anzeichen vor, dass eine Überempfindlichkeit gegen speziellen allergenen Stoffen vorliegen, sollte dies abgeklärt werden, um sich den Ursachen eines Prurigo simplex acuta nicht unnötig auszusetzen. Weitere präventive Maßnahmen gegen Prurigo simplex acuta sind leider noch nicht bekannt.

Das können Sie selbst tun

Prurigo simplex acuta ist eine Hauterkrankung mit einem extremen Juckreiz. Daher bringt das Aufkratzen der Papeln Erleichterung, weil an der aufgekratzten Stelle der Juckreiz sofort gestillt ist. Allerdings wird dadurch die Haut verletzt und die Krankheit verstärkt sich noch. Deshalb sollte unbedingt das Kratzen vermieden oder hautschonend durchgeführt werden. Das ist bei dieser Erkrankung besonders schwer zu bewerkstelligen. Größere Hautverletzungen beim Kratzen sind vermeidbar mit kurzen und gefeilten Fingernägeln ohne scharfe Kanten. Auch Kratzhandschuhe können dazu beitragen, größere Hautverletzungen zu verhindern.

Der Juckreiz kann auch durch Kühlung der juckenden Stellen abgemildert werden. Dazu dient vor allem die tägliche Anwendung der bei dieser Erkrankung verschriebenen kühlenden Lotionen. Diese Lotionen gehören zur normalen Therapie bei Prurigo simplex acuta. Feuchte und kühlende Umschläge sind ebenfalls hilfreich. Auch kalte Duschen können den Juckreiz vermindern. Der Wohnraum sollte niedrig temperiert sein. Wichtig ist auch das Tragen von luftiger und atmungsaktiver Kleidung. Das gilt ebenso für die Bettwäsche. Manchmal helfen auch Eis und Kühlelemente, die auf die Haut aufgelegt werden. Allerdings ist dann der Schutz der Haut vor Erfrierung notwendig.

Des Weiteren sollte die Haut nicht mit heißem Wasser gewaschen werden. Wichtig ist auch das Vermeiden des Hautkontaktes mit hautreizenden Substanzen wie Lösemitteln, alkoholhaltigen Reinigungsmitteln sowie die Anwendung von bestimmten Waschmitteln.

Quellen

  • Cohen, B.A.: Pädiatrische Dermatologie – Lehrbuch und Atlas. Urban & Fischer, München 2007
  • Gortner, L., Meyer, S., Sitzmann, F.C.: Duale Reihe Pädiatrie. Thieme, Stuttgart 2012
  • Moll, I.: Dermatologie. Thieme, Stuttgart 2010

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