Protozoen

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 31. Oktober 2016
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Protozoen sind einzellige Organismen. Protozoeninfektionen können für den Menschen sehr gefährlich sein.

Inhaltsverzeichnis

Was sind Protozoen?

Protozoen sind eine Gruppe von eukaryonten Organismen. Eukaryonten sind im Gegensatz zu den Prokaryoten Lebewesen, die über einen Zellkern verfügen. Gemeinsam mit den Pilzen und den Algen bilden die Protozoen die Gruppe der Protisten. Die Protozoen werden dem Tierreich zugeordnet, wohingegen Algen zu den Pflanzen gezählt werden und Pilze wiederum eine eigenständige Gattung bilden.

Es gibt viele verschiedene Arten von Protozoen. Sie unterscheiden sich in ihrer Größe oder in ihrem äußeren Erscheinungsbild. Protozoen gehören zu den heterotrophen Organismen. Damit ihr Stoffwechsel funktioniert sind sie auf Substanzen angewiesen, die von anderen Organismen aufgebaut wurden.

Dabei kann zwischen kommensalischen, parasitischen oder mutualistischen interagierenden Protozoen unterschieden werden. Kommensalische Interaktionen sind für die eine beteiligte Art gewinnbringend. Für die andere Art ist die Interaktion neutral. Parasiten schädigen ihren Wirt. Mutualistisch interagierende Protozoen leben in einer Wechselbeziehung mit der anderen Art, aus der beide Partner einen Nutzen ziehen können. Beim Menschen sind allerdings keine mutualistischen Protozoen bekannt. Die meisten Protozoen wirken pathogen, also krankmachend.

Nach morphologischen Gesichtspunkten können Protozoen in vier Gruppen aufgeteilt werden. Sporozoen (Apicomplexa) sind Protozoen, die sich durch Sporenbildung vermehren. Zu den Sporentierchen gehört beispielsweise Plasmodium, der Erreger der Malaria. Zilien sind Wimpertierchen. Ihre Zelloberfläche ist von Wimpern bedeckt, mit deren Hilfe sie sich fortbewegen können. Die Geißeltierchen, auch Flagellaten genannt, besitzen zur Fortbewegung Geißeln. Die für den Menschen schädlichen Leishmanien, Trypanosomen und Trichomonaden gehören zu den Flagellaten. Die Wurzelfüßer (Rhizopoden) bilden sogenannte Pseudopodien aus. Zu den Rhizopoden gehören beispielsweise Amöben und Heliozoa.

Vorkommen, Verbreitung & Eigenschaften

Die Protozoen der Gattung Plasmodium, genauer die Arten Plasmodium falciparum, Plasmodium malariae, Plasmodium ovale und Plasmodium vivax kommen vor allem in tropischen und subtropischen Gebieten vor. Die Erreger der Malaria sind insbesondere in Afrika, in den Gegenden südlich der Sahara, verbreitet. Weitere Verbreitungsgebiete sind Südostasien, Südasien und Papua-Neuguinea. Bis Mitte des 20. Jahrhunderts waren malariaerregende Plasmodien auch im Mittelmeerraum in Europa heimisch.

Die Plasmodien werden in der Regel von Stechmücken auf den Menschen übertragen. Geeignete Vektoren sind beispielsweise die Mücken aus der Gattung Anopheles. Durch einen Stich der infizierten Mücke gelangt der Erreger in die Blutbahn des Menschen.

Das Protozoon Toxoplasma gondii aus der Gattung der Toxoplasmen ist weltweit verbreitet. Ein Großteil der Bevölkerung ist mit dem Parasit infiziert. Die Übertragung auf den Menschen erfolgt durch Eier der Protozoen. Diese Oozysten werden in der Regel mit Katzenkot ausgeschieden. Enger Kontakt zu Katzen oder die Reinigung des Katzenklos sind deshalb mögliche Infektionsquellen für Toxoplasmose. Über den Kot gelangen die Eier in die Erde. Eine Infektion ist somit auch bei der Gartenarbeit oder beim Verzehr von unzureichend gewaschenem Gemüse möglich. Über die Erde gelangen die Protozoen auch in den Körper von Nutztieren. Hauptquellen einer Infektion beim Menschen sind deshalb auch unzureichend gegartes oder rohes Lamm- und Schweinefleisch.

Trichomonas vaginalis, ein Protozoon aus der Reihe der Trichomonadida, wird ausschließlich durch direkten Kontakt übertragen. Eine Infektion mit Trichomonas vaginalis gehört deshalb zu den sexuell übertragbaren Erkrankungen. Der Erreger ist weltweit verbreitet.

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Krankheiten & Beschwerden

Verschiedene Erreger aus der Familie der Plamodien können beim Menschen eine Malariainfektion hervorrufen. Über die Einstichstelle der Mücke gelangt eine Vorform der Plasmodien ins Blut und von dort in die Leber. In der Leber reifen die Erreger heran und teilen sich. Die dabei entstehenden Formen der Plasmodien gelangen in die Blutbahn und heften sich dort an die roten Blutkörperchen (Erythrozyten). Sie dringen in die Erythrozyten ein und reifen dort zu sogenannten Trophozoiten heran. Nach vielfachen Teilungen entstehen viele Merozoiten, die das befallene Blutkörperchen zum Platzen bringen. Die Erreger verteilen sich daraufhin im Blut und befallen weitere Blutkörperchen, sodass der Zyklus von vorne beginnt.

Durch den Zerfall der roten Blutkörperchen entwickelt sich das typische Malariafieber. Es tritt alle drei bis vier Tage auf. Während des Fieberanstiegs leiden die Betroffenen unter Schüttelfrost. Die Entfieberung geht mit Schweißausbrüchen einher. Neben dem Fieber können sich Bewusstseinsstörungen, Krampfanfälle und Anämien entwickeln.

Eine Infektion mit Toxoplasma gondii, die Toxoplasmose, verläuft hingegen in vielen Fällen still und ohne Symptome. Bei Patienten mit einem geschwächten Immunsystem können sich jedoch in sämtlichen Organen Entzündungsherde bilden. Zusätzlich kommt es zu Veränderungen des Wesens, zu Krampfanfällen oder zu Lähmungen. Die Toxoplasmose kann sich in diesen Fällen auch als Lungen- oder Hirnhautentzündung manifestieren.

Auch während einer Schwangerschaft kann eine Infektion mit dem Protozoon Toxoplasma gondii gefährlich werden. Bei einer Toxoplasmose während der Frühschwangerschaft kommt es häufig zu einer Fehlgeburt. Infektionen im zweiten oder dritten Trimenon führen bei den infizierten Kindern teils zu epileptischen Anfällen, kognitiven Auffälligkeiten, geistigen Behinderungen, Wasserkopf, Chorioretinitis oder Verkalkungen der Hirngefäße.

Eine Infektion mit dem Parasiten Trichomonas vaginalis wird auch als Trichomoniasis bezeichnet. Typisches Symptom einer solchen Trichomonaden-Infektion ist ein übel riechender, schaumiger Ausfluss. Die betroffenen Frauen leiden unter einem starken Brennen im Scheidenbereich. Die Vagina kann gerötet oder geschwollen sein. Wenn die Trichomonaden auch die Harnröhre befallen haben, können die Patientinnen nur noch unter Schmerzen Wasserlassen. Auch bei Männern kann eine Trichomonadeninfektion zu einer Entzündung der Harnröhre führen.

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