Protonenpumpenhemmer

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 2. Juni 2017
Startseite » Körperprozesse » Protonenpumpenhemmer

Protonenpumpenhemmer gehören zu einer Medikamentengruppe, die weltweit zu einer der stärksten Umsatzträger gehören. Die Medikamente hemmen die Protonen-Kalium-Pumpe, ein Enzym, das in den Belegzellen des Magens als Protonenpumpe für Produktion und Ausschüttung der Magensäure sorgt. Die Medikamente werden deshalb vorwiegend gegen Beschwerden und Krankheiten eingesetzt, die mit einer erhöhten Magensäureproduktion in Verbindung gebracht werden können.

Inhaltsverzeichnis

Was sind Protonenpumpenhemmer?

Protonenpumpenhemmer, auch als Protonenpumpen-Inhibitoren (PPI) oder einfach als Säureblocker bezeichnet, hemmen die Protonen-Kalium-Pumpe in den Belegzellen der Magenschleimhaut. Es handelt sich um das Enzym H+/K+-ATPase, das in den Belegzellen des Magens für die Ausschleusung von Protonen (H+) und für die Einschleusung von K+-Ionen verantwortlich ist.

Die Protonen verbinden sich mit negativen Chloridionen zu Salzsäure (HCl). Die benötigte Energie wird aus der Umwandlung von ATP (Adenosintriphosphat) in ADP (Adenosindiphosphat) gewonnen. Durch die Hemmung bzw. Blockierung des Vorgangs wird der größte Teil der Salzsäureproduktion im Magen unterbunden.

Die sogenannten Belegzellen oder Parietalzellen befinden sich in bestimmten Arealen der Magenschleimhaut. Außer der Salzsäure entlassen sie auch den wichtigen Intrinsic Factor, der im Magen das säureempfindliche Vitamin B12 an sich bindet und das Vitamin bis zum Endteil des Dünndarms leitet, wo es wieder freigegeben und anschließend resorbiert wird.

Pharmakologische Wirkung auf Körper & Organe

Protonenpumpenhemmer sorgen für eine Blockade der H+/K+-ATPasen in den Belegzellen der Magenschleimhaut. Die spezifischen ATPasen sind Transmembranproteine, die positiv geladene Wasserstoffionen (Protonen) gegen ein elektrochemisches Gefälle aus dem Zytoplasma ausschleusen und positive K+-Ionen in das Zytoplasma einschleusen. Die notwendige Energie bezieht das „Transmembran-Schleuserenzym“ über eine hydrolytische Abspaltung eines Phosphatrestes vom ATP, das dadurch zum ADP mit nur noch zwei Phosphatresten wird.

Da alle bisher bekannten Protonenpumpenhemmer säureempfindlich sind, werden sie in magensaftresistenter Form angeboten. Erst im Dünndarm werden die Arzneistoffe freigesetzt und resorbiert. Über den Blutkreislauf gelangt der Wirkstoff der PPIs in die Belegzellen und blockiert die H+/K+-ATPasen direkt in den sekretorischen Ausführungsgängen der Belegzellen.

Wegen des langen Weges, den der Arzneiwirkstoff über Magen, Dünndarm und Blutkreislauf zurücklegen muss, bis er in den Belegzellen wirksam werden kann, dauert es etwa eineinhalb Stunden nach Einnahme des Präparates bis die Wirkung einsetzt. Die irreversible Blockade des Enzyms sorgt für eine starke Verminderung der Salzsäureproduktion im Magen, die sogar völlig zum Erliegen kommen kann.

Der pH-Wert der Verdauungssäfte im Magen steigt dadurch stark an und verliert an Aggressivität. Das ist einerseits gewollt, um bestimmte Effekte zu erzielen, andererseits beeinflusst der höhere pH-Wert die Verdauung. Beispielsweise wird die Aufspaltung langkettiger Proteine und die Aufnahme bestimmter Mineralien wie Calcium und Magnesium erschwert.

Eine weitere Auswirkung der Säureblocker ergibt sich in den Belegzellen selbst. Sie sind neben der Säureproduktion auch für die Sekretion des intrinsischen Faktors verantwortlich. Es handelt sich um ein spezielles Glykoprotein, das das säureempfindliche Vitamin B12 (Cobalamin) aus dem Nahrungsbrei an sich bindet und bis in den unteren Dünndarmabschnitt leitet, wo es wieder freigegeben und resorbiert wird.

Die PPIs vermindern – ungewollt – auch die Ausschüttung des intrinsischen Faktors, so dass sich bei Langzeiteinnahme Probleme durch eine Unterversorgung mit Vitamin B12 einstellen können.

Medizinische Anwendung & Verwendung zur Behandlung & Vorbeugung

In erster Linie werden Protonenpumpenhemmer zur Behandlung von ösophagealem Reflux und bei Problemen mit der Magenschleimhaut verwendet. Durch häufigen Rückfluss des sauren Mageninhalts in die Speiseröhre kommt es dort häufig zu Entzündungen, in einigen Fällen sogar im Rachenraum. Die Eindämmung der Säureproduktion kann Linderung verschaffen.

Personen, die besonders stark auf Stresssituationen reagieren, neigen dazu, durch eine erhöhte Konzentration an Stresshormonen eine pathologisch erhöhte Menge an Magensäure zu produzieren. Deshalb werden PPIs auch häufig zur Vorbeugung eines Rückflusses in den Ösophagus (Speiseröhre) verwendet.

Im Fall einer Magenschleimhautentzündung (Gastritis) oder bei Magengeschwüren unterstützt ein weniger saures Milieu der Magensäfte die Heilung. Auch zur unterstützenden Behandlung eines Zwölffingerdarmgeschwüres (Ulcus duodeni) kommen PPIs zum Einsatz.

Ein weiterer Anwendungsschwerpunkt ergibt sich als sogenannter Magenschutz bei Langzeiteinnahme von nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR). NSAR enthalten entzündungshemmende Wirkstoffe, deren Hauptwirkung auf der Hemmung von Cyclooxygenasen (COX) beruht, die eine wichtige Rolle bei Schmerzempfindungen spielen. Eine Hemmung des Gewebshormons COX wirkt deshalb unter anderem schmerzlindernd. Allerdings haben NSAR auch hemmende Auswirkungen auf die Schleimbildung der Magenschleimhaut, so dass die Schutzwirkung des Magenschleims reduziert ist. Die zusätzliche Einnahme von PPIs dient daher durch Erhöhung des pH-Wertes dem Schutz der Magenschleimhaut.

Hier finden Sie Ihre Medikamente:

Risiken & Nebenwirkungen

Eine kurzzeitige Einnahme von PPIs ist mit nur wenigen Risiken verbunden. In seltenen Fällen kommt es zu unspezifischen Symptomen wie Bauchschmerzen, Durchfall oder Schwindel und Kopfschmerzen, die nach einiger Gewöhnungszeit wieder nachlassen.

Die eigentlichen Risiken treten hauptsächlich bei Langzeittherapien auf. Ein generelles Problem kommt durch den höheren pH-Wert im Magen zustande. Die Aufspaltung großmolekularer Proteine und die Herauslösung von Mineralstoffen und Spurenelementen aus dem Nahrungsbrei werden dadurch erschwert.

Ein weiterer Problemkreis besteht in der Verminderung des intrinsischen Faktors durch die PPI-Einnahme. Es handelt sich um ein spezielles Glykoprotein, das aus dem Nahrungsbrei im Magen das säureempfindliche Vitamin B12 (Cobalamin) an sich bindet und damit gegen die Salzsäure schützen kann. Langfristig kann es dadurch zu einem Mangel an Vitamin B12 kommen mit der Entwicklung entsprechender Mangelerscheinungen wie beispielsweise leichten bis schweren neurologischen Problemen oder Arteriosklerose.

Bücher über Refluxkrankheit

Das könnte Sie auch interessieren:

Bekannt aus: