Propulsive Peristaltik

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 31. Januar 2017
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Mit der propulsiven Peristaltik transportiert die glatte Muskulatur die Nahrung von der Speiseröhre bis zum Enddarm. Die wellenförmigen und lokal synchronisierten Kontraktionen unterliegen einer Modulierung durch den Sympathikus und den Parasympathikus. Auch Muskeleigenreflexe spielen für die propulsive Peristaltik eine Rolle.

Inhaltsverzeichnis

Was ist die propulsive Peristaltik?

In den Hohlorganen des menschlichen Körpers liegt eine bestimmte Art der Muskelbewegung vor, die über das vegetative Nervensystem gesteuert wird. Diese Muskelbewegung wird auch als Peristaltik bezeichnet. Sie entspricht einer lokal synchronisierten Kontraktion von Muskelzellen der glatten Muskulatur.

Die wellenförmig verlaufenden Phasen aus Kontraktion und Entspannung erinnern an die Bewegung von beispielsweise Regenwürmern und betreffen die Längs- und Ringmuskulatur. Zu den Hohlorganen mit einem solchen Bewegungsmuster gehören neben der Speiseröhre, dem Harnleiter, dem Eileiter und dem Uterus auch der Magen und der Darm.

Der Magendarmtrakt betreibt neben orthograder Peristaltik zum Transport und retrograder Peristaltik zur Umkehrung der Transportrichtung sowohl nicht-propulsive als auch propulsive Peristaltik. Letztere dient dem Weitertransport von Hohlorganinhalten und hängt am enterischen Nervensystem, das aus autonomen Zellgeflechten in der Darm- und Magenwand besteht und eine Modulation durch das vegetative Nervensystem erfährt.

Damit ist die propulsive Peristaltik eine Kontraktionsbewegung, die unbewusst abläuft und im menschlichen Organismus ausschließlich den Abschnitt zwischen Speiseröhre und Dickdarm betrifft. Die nicht-propulsive Peristaltik dient nicht dem Weitertransport, sondern der Durchmischung des Hohlorganinhalts und liegt ausschließlich im Darm vor.

Funktion & Aufgabe

Der Darm ist in den Darmwänden mit glatter Muskulatur ausgekleidet. Dasselbe gilt auch für die Speiseröhre oder den Magen. Glatte Muskulatur tragen bei Wirbeltieren alle inneren Organe. Das Muskelgewebe ist dabei in Schichten unterschiedlicher Streichrichtung angeordnet. Es besteht aus 20 bis 500 μm großen, einkernigen Einzelzellen, die spindelförmig verzweigen und plasmareich sind. Die funktionelle Ordnung besteht vermutlich vor allem aus Actinfilamenten und Myosinfilamenten. Die Actinfilamente sind als lockere Bündel lose in der Zellmembran verankert. An ihren freien Enden sind sie durch Hilfsproteine, wie Desmin, vernetzt. Ihre Kontraktion wird ausgelöst, indem Ca2+-Ionen in ihr Cytoplasma strömen. Die darauffolgende Phosphorylierung im Myosinkopf wird durch Myosin-Kinase erreicht.

Der Verkürzungsgrad der glatten Muskelzellen ist extrem hoch. Die Ermüdbarkeit ist denkbar gering. Die Steuerung der glatten Muskelschichten kann in der Theorie unmittelbar durch das vegetative Nervensystem erfolgen. Die Muskelzellen sind allerdings nicht innerviert, sondern empfangen Erregungssignale hormonell. Die propulsive Peristaltik dieser Muskulatur transportiert Nahrung auf den Enddarm zu und trägt so zur Ausscheidung von unverdaulichem, unbrauchbarem und verwerteten Nahrungsbestandteilen bei.

Mit der propulsiven Peristaltik transportiert die glatte Muskulatur die Nahrung von der Speiseröhre bis zum Enddarm.

Die Muskelkontraktion entspricht einer ringförmigen Kontraktion der glatten Muskulatur. Die Kontraktion setzt sich kontinuierlich und wellenartig in eine Richtung fort. Kontraktionsphasen wechseln sich lokal synchronisiert mit Entspannungsphasen ab. Sowohl der Eigenrhythmus der Muskulatur, als auch lokal ausbreitende Reflexe tragen zur Bewegung bei. Bei diesen Reflexen handelt es sich um lokale Muskeleigenreflexe, die monosynaptischer Verschaltung unterliegen und ihre efferenten und afferenten Bahnen damit im gleichen Organ haben.

Der Parasympathikus trägt stimulierend zur Modullierung der propulsiven Peristaltik bei. Sein Antagonist, der Sympathikus, übt einen hemmenden Einfluss aus. Der Parasympathikus und Sympathikus zählen zum vegetativen Nervensystem, das neben den inneren Organen vor allem den Blutkreislauf modulliert. Es ist somit für die Steuerung aller lebenswichtigen Funktionen verantwortlich. Durch die beiden Gegenspieler Sympathikus und Parasympathikus wird die propulsive Peristaltik und mit ihr die Organtätigkeit des Magens, Darms und der Speiseröhre äußerst fein gesteuert.

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Krankheiten & Beschwerden

Vor allem die propulsive Peristaltik des Darms ist häufig von Beschwerden betroffen. So zum Beispiel im Rahmen des paralytischen Ileus, der einer Form des Darmverschlusses entspricht. Die propulsive und nicht-propulsive Peristaltik des Darms kommt bei dieser Erkrankung durch eine funktionelle Störung zum Erliegen. Damit liegt letztlich eine Darmlähmung vor. Wegen der so unterbrochenen Darmpassage staut sich im Darm Speisebrei und Kot an.

Verursacht wird ein paralytischer Ileus am häufigsten durch Entzündungen im Bauchraum. Neben einer Blinddarmentzündung kann auch eine Gallenblasenentzündung oder eine Bauchspeicheldrüsenentzündung das Phänomen auslösen. Denkbare Ursachen sind außerdem Gefäßverschlüsse und verschiedene Medikamente. Medikamentöse Auslöser sind am häufigsten Opiate und Antidepressiva.

Die propulsive Peristaltik des Darms kann andererseits auch durch Steigerungen Beschwerden verursachen. Dies ist zum Beispiel beim mechanischen Ileus der Fall. Die Darmpassage wird im Rahmen dieses Phänomens durch ein mechanisches Hindernis gestört. Neben Fremdkörpern, Kotballen und Gallensteinen kommen Darmeinklemmungen und Darmverschlingungen als mechanische Hindernisse in der Darmpassage in Frage. Die Peristaltik ist bei dem Phänomen vor allem im Darmabschnitt vor dem Hindernis übersteigert.

Ein Extremfall des mechanischen Ileus liegt beim sogenannten Darmverschluss vor, der neben dem Koterbrechen durch ein bakterielles Ungleichgewicht und daraus resultierende Entzündungsprozesse im Darm gekennzeichnet ist.

Auch Reizdarmsyndrome stören die Darmperistaltik. Diese chronische Funktionsstörung kann mit Durchfällen und Verstopfungen, mit Magenschmerzen, einem Völlegefühl oder einem Blähbauch einhergehen. Der Zustand der Betroffenen verschlechtert sich bei Stress. Daher wird das Reizdarmsyndrom zu den psychosomatischen Erkrankungen gezählt.

Auch die propulsive Peristaltik der Speiseröhre oder des Magens kann Störungen unterliegen, so zum Beispiel im Rahmen von Verletzungen oder Lähmungen der dort ansässigen Muskulatur. Diese Erscheinungen sind allerdings weitaus seltener, als eine gestörte Darmperistaltik.

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