Propofol

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für innere Medizin) am 29. November 2016
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Propofol ist das in der Allgemeinanästhesie und der Intensivmedizin am häufigsten eingesetzte Narkotikum. Es wirkt sedierend, gedächtnis- sowie bewusstseinsausschaltend und dient in Kombination mit Analgetika und Muskelrelaxantien der Einleitung und Aufrechterhaltung einer Narkose. Durch die kurze Wirkdauer ist es sehr gut steuerbar, allerdings können Risiken und Nebenwirkungen auftreten.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Propofol?

Propofol ist ein Arzneistoff und zählt zu der Gruppe der Narkotika. Es handelt sich dabei um ein rasch wirksames Allgemeinanästhetikum. Der lipophile Wirkstoff kann in Wasser nicht vollständig gelöst werden und wird daher in Form einer Fettemulsion hergestellt. Dafür kommt meist Sojaöl zum Einsatz. Neue Produkte verwenden stattdessen auch eine Mischung aus Triglyceriden und langkettigen Fettsäuren, um die Anwendung bei Personen mit Sojaunverträglichkeit zu ermöglichen.

Die klare, farblose bis hellgelbe Flüssigkeit wird intravenös verabreicht. Die Wirkdauer ist mit fünf bis zehn Minuten sehr kurz. Propofol ist das weltweit am häufigsten eingesetzte Narkotikum und wird hauptsächlich in der Allgemeinanästhesie sowie der Intensivmedizin angewendet. Es hat eine gedächtnis- und bewusstseinsausschaltende Wirkung und wird im medizinischen Bereich für die Einleitung und Aufrechterhaltung einer Narkose eingesetzt. Aufgrund der guten Verträglichkeit kommt es auch bei Sedierungen zur Anwendung.

Die erstmalige Synthese von Propofol erfolgte 1970, klinische Tests wurden wenige Jahre später durchgeführt. Seit 1993 ist es zur Anästhesie sowie zur intensivmedizinischen Anwendung zugelassen.

Pharmakologische Wirkung

Propofol ist ein Hypnotikum mit beruhigender beziehungsweise betäubender, nicht aber schmerzlindernder Wirkung. Der Vorteil gegenüber anderen Anästhetika liegt in einem angenehmeren Einschlafen sowie geringerer Übelkeit nach dem Aufwachen.

Auf welche Weise Propofol den schlafähnlichen Zustand während der Narkose herbeiführt, ist nicht vollständig bekannt. Es wirkt auf bestimmte Rezeptoren im Hippocampus und der Großhirnrinde. Diese Bereiche sind für die Erinnerung, das Kurz- und Langzeitgedächtnis sowie die Entscheidungsfähigkeit zuständig.

Darüber hinaus wird die Reizleitung vom Rückenmark zum Gehirn unterbunden. Diese Effekte setzen bereits 30 Sekunden nach der Injektion in die Vene ein, wenn der Wirkstoff das am besten durchblutete Gewebe im Gehirn erreicht hat. Daraufhin erfolgt eine Umverteilung auch in die weniger durchbluteten Hirnregionen.

Propofol hat eine sehr kurze Wirkdauer. Um ein Wiedererlangen des Bewusstseins nach fünf bis zehn Minuten zu verhindern, muss eine Propofolgabe in regelmäßigen Abständen erfolgen. Der Wirkstoff wird hauptsächlich über Leber und Nieren ausgeschieden und in geringen Anteilen über die Atemluft abgeatmet. Nach etwa zwei Stunden hat der Körper die Hälfte des Wirkstoffs eliminiert.

Propofol kann nicht bedenkenlos mit allen Medikamenten kombiniert werden, ohne dass es zu Wechselwirkungen kommt. So werden beispielsweise blutdrucksenkende Mittel durch Propofol verstärkt, andere Substanzen wie verschiedene Schmerzmittel verlängern im Gegensatz dazu seine Wirkung.

Medizinische Anwendung & Verwendung

Propofol kommt in unterschiedlichen medizinischen Bereichen zum Einsatz. Der große Vorteil liegt in der guten Steuerbarkeit aufgrund der kurzen Wirkdauer. Bei laparoskopisch-minimalinvasiven Eingriffen wie beispielsweise einer Magen-Darm-Spiegelung wird es in geringerer, sedierender Dosis injiziert.

In der Allgemeinanästhesie und der Intensivmedizin wird es zur Einleitung und Erhaltung einer Narkose verwendet. Die Aufrechterhaltung einer intravenösen Anästhesie erfolgt durch eine Kombination aus Propofol und einem Analgetikum sowie einem Muskelrelaxans, da Propofol weder schmerzlindernd noch muskelentspannend wirkt. Bei den Analgetika kommen hierbei meist Opoide zum Einsatz. Ziel ist der Aufbau einer ausreichenden Konzentration des Wirkstoffs im Blut, welcher durch eine computergesteuerte Spritzenpumpe aufrecht erhalten wird.

Die Berechnung der Dosierung erfolgt unter Berücksichtigung von Alter und Körpergewicht des Patienten sowie der geplanten Anwendungsdauer. Im Zuge einer Intensivbehandlung kann Propofol nur bei Erwachsenen, nicht aber bei Jugendlichen unter 16 Jahren eingesetzt werden, um ein lebensbedrohliches Propofol-Infusionssyndrom zu verhindern. Außerhalb der Intensivmedizin kann es aufgrund der guten Verträglichkeit schon bei Kindern ab dem 2. Lebensmonat angewendet werden. Aufgrund der Plazentagängigkeit ist eine Propofolgabe während der Schwangerschaft, der Geburt und der Stillzeit allerdings kontraindiziert.

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Risiken & Nebenwirkungen

Wie jedes Medikament kann auch Propofol Risiken und Nebenwirkungen haben. Da es intravenös verabreicht wird, kann es durch eine Reizung der Venenwand zu Schmerzen an der Einstichstelle kommen. Nach dem Aufwachen können Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen auftreten, wobei diese Symptome bei Propofol im Vergleich zu anderen Anästhetika deutlich reduziert sind.

Weitere Risiken liegen in einer Atemdepression bis zum Atemstillstand, verlangsamtem Pulsschlag und Hypotonie. Diese tritt vor allem bei älteren Patienten mit kardialer Vorschädigung auf.

Darüber hinaus kann es zu Erregungsphänomenen wie unwillkürlichen Bewegungen oder Muskelzuckungen, selten auch zu Krampfanfällen kommen. Eine Freisetzung von Histamin ist ebenfalls möglich, worauf manche Personen Unverträglichkeitsreaktionen zeigen.

Wird Propofol über längere Zeit angewendet, kann in seltenen Fällen das Propofol-Infusionssyndrom auftreten, welches oft zum Tod führt. Um dieses zu verhindern, darf die Propofolgabe nicht länger als sieben Tage andauern.

Aufgrund der entspannenden, euphorisierenden und auch aphrodisierenden Wirkung wird Propofol häufig missbraucht. Dies führt meist nicht zu körperlicher, sehr wohl aber zu psychischer Abhängigkeit und kann akut lebensbedrohlich werden.

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