Propiverin

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 29. November 2016
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Propiverin gehört zu den Wirkstoffgruppen der Spasmolytika und Muskelrelaxanzien. Vorzugsweise wird dieses Medikament bei Kindern mit Harninkontinenz verschrieben.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Propiverin?

Propiverin ist auch unter der alternativen Bezeichnung Propiverinum bekannt. Dieses Medikament wird den Wirkstoffgruppen der Spasmolytika und Muskelrelaxanzien zugerechnet. Propiverin ist das Medikament erster Wahl bei Kindern mit Harninkontinenz, wenn diese durch eine gesteigerte Anspannung des Harnmuskels verursacht wird. Bei Patienten mit überaktiver Harnblase infolge von Querschnittslähmung, Multipler Sklerose und Rückenmarksschäden wird dieses Arzneimittel gleichfalls angewendet.

Propiverin verfügt über aktive Metaboliten, die an die Muskarin-Rezeptoren (anticholinerges System) andocken und auf diese Weise eine Relaxation der Blase bewirken. In vitro tritt zudem ein kalziumantagonistischer Effekt an den beteiligten Zellen der glatten Muskulatur der Harnblase ein.

Pharmakologische Wirkung

Propiverin wird vorzugsweise bei Kindern mit Harninkontinenz angewendet. Diese Inkontinenz liegt in einer Übererregbarkeit des Harnmuskels begründet, der ein abweichendes Harnverhalten, wie nächtliches Einnässen, nächtliches Wasserlassen (Nykturie), plötzlich auftretenden Harnverlust sowie den Austritt geringer Harnmengen (Pollakisurie) verursacht.

Häufig tritt bei Patienten mit Querschnittslähmung, Multipler Sklerose und Rückenmarksschäden ein unkontrolliertes Harnverhalten aufgrund einer überaktiven Harnblase auf. Auch in diesen Fällen ist Propiverin das Arzneimittel der ersten Wahl.

Ein drittes Anwendungsgebiet besteht in der Behandlung von Blasenschäden nach operativen Eingriffen und Bestrahlung. Als Spasmolytikum wirkt Propiverin direkt auf die Tätigkeit von Muskeln und Nerven. Im Bereich der Muskeln wird das Medikament an den Muskelfasern der Hohlorgane aktiv, zu denen auch die Blase gehört.

Im Bereich der parasympathischen Nervenfasern, die zum vegetativen Nervensystem gehören, verdrängt Propiverin mit seiner anticholinergen Wirkung den an den Nervenfasern angedockten körpereigenen Botenstoff Acetylcholin und verhindert eine übermäßige Erregung dieser Rezeptoren, die zum unerwünschten Reflex des übermäßigen Urinlassens führt. Der Harndrang nimmt spürbar ab und die Harnblase verzeichnet ein größeres Füllvermögen.

Medizinische Anwendung & Verwendung

Vorzugsweise wird dieses Medikament bei Kindern mit Harninkontinenz verschrieben.

Propiverin weist eine lange Halbwertzeit von 14 bis 20 Stunden auf. Eine Filmtablette enthält 15 mg Propiverinhydrochlorid. Die Einnahme jeweils einer Filmtablette zweimal täglich ist in der Regel ausreichend. Aufgrund des günstigen Wirkprofils kommen Patienten mit geringen Beschwerden mit einer Tablette täglich aus. Bei nervenbedingten Störungen der Blasenentleerung ist die Erhöhung der Tagesdosis auf drei Tabletten möglich, was einer maximalen Tagesdosis von 45 mg Propiverinhydrochlorid entspricht.

Patienten mit Nierenfunktionsstörungen dürfen eine maximale Tagesdosis von 30 mg nicht überschreiten. Bei Kindern sollte die Behandlung einer überaktiven Blase nicht vor dem fünften Lebensjahr beginnen, da die Organentwicklung in diesem Alter noch nicht abgeschlossen ist. Auch wenn Propiverin das Mittel erster Wahl bei Kindern ist und zudem als gut verträglich gilt, sollte eine Behandlung nur im Rahmen eines therapeutischen Gesamtkonzepts (Urotherapie) erfolgen. Insgesamt betrachtet ist ein geringes Körpergewicht von unter 35 kg nicht für die Vergabe von Filmtabletten mit 15 mg dieses Wirkstoffes geeignet. In diesem Fall werden Filmtabletten mit einem geringen Propiverin-Gehalt von 5 mg verschrieben.

Mundtrockenheit wird als das häufigste Begleitsymptom bei der Einnahme von anticholinerg wirkenden Arzneimitteln beschrieben. Im Gegensatz zu Oxybutynin, einem weiteren Wirkstoff zur Behandlung in der medikamentösen Therapie von Inkontinenz, ist Propiverin jedoch besser verträglich. Mediziner nehmen an, dass sich die Rate der anticholinergen Nebenwirkungen aufgrund der dualen Wirkung des Medikaments verringern.

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Risiken & Nebenwirkungen

Propiverin verzeichnet auch Risiken und Nebenwirkungen, die eine Kontraindikation darstellen können. Das Arzneimittel darf nicht angewendet werden, bei bekannter Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff. Patienten mit Darmverschluss, mangelnder Darmbewegung (Darmatonie), entzündlichen Darmerkrankungen, erweitertem Dickdarm aufgrund Bakterienbesiedlung (Toxisches Megakolon) und Myasthenia gravis dürfen Propiverin nicht einnehmen. Weitere Kontraindikationen sind Leberfunktionsstörungen und Grüner Star (Engwinkel-Glaukom).

Eine sorgfältige Nutzen-Risiko-Analyse muss bei Patienten mit Funktionsstörungen von Nieren und Nerven erfolgen. Bei Patienten mit Enger-Kammerwinkel der vorderen Augenkammer kann das Medikament durch seine pupillenerweiternde Wirkung einen Glaukomanfall auslösen. Als Nebenwirkungen können verschiedene Herzbeschwerden, Sodbrennen, Speiseröhren-Entzündung, sowie eine gutartige Vergrößerung der Prostata auftreten.

Viele Patienten leiden unter Sehstörungen, Bauchschmerzen, Verdauungsprobleme, Verminderung der Sehschärfe, Erschöpfung und Müdigkeit. Gelegentlich sind Blutdrucksenkung, Zittern, Schwindel, Übelkeit, Benommenheit, Harnverhalt und Geschmacksstörungen möglich.

Nächtlicher und häufiger Harndrang infolge einer Nierenerkrankung, organischer Blasenerkrankungen, Blasenkrebs und Herzmuskelschwäche sind Krankheitsbilder, die nicht für eine Behandlung mit Propiverin geeignet sind. Während der Schwangerschaft und Stillzeit wird dieser Wirkstoff nur nach einer strengen Risiko-Nutzen-Analyse verschrieben. Da der Wirkstoff für Kinder geeignet ist, bestehen keine grundsätzlichen Kontraindikationen. Wichtig ist aber, die Dosis an das Körpergewicht des kleinen Patienten anzupassen.

Bei gleichzeitiger Einnahme verschiedener Psychopharmaka wie tretrazyklischen Antidepressiva, Benzodiazepinen und Neuroleptika tritt eine Wirkungsverstärkung ein. Dies gilt auch bei gleichzeitiger Einnahme von muskelentspannenden Arzneimitteln wie Muskarinrezeptor-Antagonisten. Patienten, die sich wegen Herzrhythmusstörungen, Parkinson und Asthma in Behandlung befinden, dürfen Propiverin nur nach vorheriger Abklärung durch den behandelnden Arzt einnehmen.

Die Kombination von Propiverin und Metoclopramid bei Magen-Darmbeschwerden setzt die Wirkung beider Arzneimittel herab. Isoniazid zur Behandlung von Tuberkulose kann einen Blutdruckabfall verursachen.

Die Einnahme von Propiverin kann auch das Reaktionsvermögen, insbesondere bei gleichzeitiger Einnahme von zentral-dämpfenden Medikamenten, wie Psychopharmaka, soweit beeinträchtigen, dass das Bedienen von Maschinen und Autofahren nicht ungefährlich ist. Manchmal können Arzneimittel allergische Reaktionen hervorrufen.

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