Processus mastoideus

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 10. November 2016
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Der Processus mastoideus ist ein Teil des Os temporale und zählt damit zu den knöchernen Strukturen der Schädelbasis. Die Struktur ist auch als Warzenfortsatz bekannt und bietet vielen Muskeln einen Ansatzpunkt. Durch luftgefüllte Verbindungen zum Mittelohr ist die Region bei Mittelohrentzündungen oft mit beteiligt, dieses Phänomen wird als Mastoiditis bezeichnet.

Inhaltsverzeichnis

Was ist der Processus mastoideus?

Unter einer Pneumatisation wird eine strukturelle Eigenschaft des Knochens verstanden. Pneumatisierte Knochen sind mit luftgefüllten Hohlräumen ausgestattet. In der Medizin spielt der Begriff vor allem für die Architektur der Schädelknochen eine Rolle. Ein pneumatisierter Knochenteil ist der Processus mastoideus des Os temporale.

Beim Os temporale handelt es sich um das Schläfenbein, das zu den Schädelknochen gerechnet wird und am Kiefergelenk sowie Innen- und Mittelohr beteiligt ist. Der Processus mastoideus ist eine Art Knochenvorwölbung des pneumatisierten Schläfenbeins. Männer besitzen in der Regel einen stärkeren Processus mastoideus als das weibliche Geschlecht. Anatomisch betrachtet liegt der Processus mastoideus im hinteren Anteil des Os temporale. Damit liegt der Knochen- oder Warzenfortsatz direkt hinter dem Ohr und ist auf beiden Seiten des Körpers vorhanden.

Anatomie & Aufbau

Der Proessus mastoideus besteht aus lufthaltigen Zellen, die in unmittelbarer Verbindung zum Mittelohr stehen. Die Oberflächenstruktur des Processus mastoideus fällt eher rau aus. Die Stelle des Os temporale steht mit unterschiedlichen Muskeln in Verbindung, so vor allem mit dem Musculus sternocleidomastoideus, dem Musculus splenius capitis, dem Musculus longissimus capitis und dem Musculus digastricus, deren Ansatz der Processus mastoideus bildet.

Das Mastoid der anatomischen Struktur ist in hohem maß pneumatisiert. Die Pneumatisationsräume bestehen aus Mastoidzellen oder Cellulae mastoideae, deren Ausprägung individuellen Unterschieden unterliegt. Im Kranial-Anteil des Processus mastoideus sind die einzelnen Pneumatisationsräume wesentlich größer als im Kaudal-Anteil der Struktur. Die kaudal gelegenen Räume stehen durch das Antrum mastoideum mit der Aditus ad antrum, also der Paukenhöhle, in Verbindung. Wie viele andere Pneumatisationsräume des Schädels sind die des Processus mastoideae teils von Schleimhautgewebe überzogen.

Funktion & Aufgaben

Aktive Aufgaben erfüllt der Processus mastoideus genauso wenig wie die größere Struktur des Os temporale. Als Anteil des Schädelbeins ist der Warzenfortsatz allerdings ein unverzichtbares Element der Schädelbasis und stabilisiert die Schädelstrukturen. Wichtige Strukturen des Kopfes sind im Schläfenbein untergebracht. Sinnesorgane und Nerven des Kopfabschnitts erhalten durch den Os temporale Stabilität.

Die einzelnen Anteile des Schläfenbeins bilden einen knöchernen Schutz für die empfindlichen Strukturen. Löcher und Öffnungen bestehen für die Hirnnerven, die durch das Schläfenbein bis in den Schädel eintreten. Als Führungsschienen der hirnversorgenden Nerven und Gefäße dienen Furchen im Os temporale. Der Warzenfortsatz des Os temporale spielt mit seiner Struktur vor allem für das Hörorgan eine Hauptrolle. Die Anatomie des Processus mastoideus ist unmittelbar auf die auditive Wahrnehmung abgestimmt und ist damit in passiver Form an auditiven Sinneseindrücken beteiligt. Darüber hinaus stellt der Warzenfortsatz des Schläfenbeins einen wichtigen Ansatzpunkt für Muskeln wie die langen Halsmuskeln dar.

Die Region um den Processus mastoideus herum wird in unterschiedlicher Literatur auch als Okzipitalregion bezeichnet. Die Arteria und Vena occipitalis sowie der Nervus occipitalis major treten im Verlauf des Processus mastoideus an die Oberfläche, sodass der Puls in dieser Region tastbar ist. Obwohl der Warzenfortsatz also keine aktiven Funktionen erfüllt, spielt er für unterschiedlichste Anatomiestrukturen des Schädelbereichs eine wesentliche Rolle, bietet ihnen Ansatz oder übernimmt eine vermittelnde Funktion.

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Krankheiten

Eine Erkrankung mit begleitender Schmerzsymptomatik in der Region des Processus mastoideus ist die Migräne. Dabei handelt es sich um eine neurologische Erkrankung, die von periodisch wiederkehrendem, anfallartig auftretendem, pulsierendem und oft halbseitigem Kopfschmerz gekennzeichnet ist. Als Begleitsymptome können Beschwerden wie Übelkeit bis hin zum Erbrechen, Lichtempfindlichkeit und Geräuschempfindlichkeit auftreten.

Auch optische und sensible Wahrnehmungsstörungen können im Rahmen einer Migräne vorliegen. Motorische Störungen sind ebenso denkbar. Patienten der Migräne lokalisieren den wiederkehrenden Schmerz häufig in der Okzipitalregion des Processus mastoideus. Neben hormonellen Faktoren spielen Stress, Nahrungsfaktoren, Schlaf und Umweltbelastungen eine ursächlich wesentliche Rolle für Migräneerkrankungen. Neben der Migräne kann die sogenannte Mastoiditis dem Processus mastoideus klinische Relevanz verschaffen. Bei dieser Erkrankung handelt es sich um einen entzündlichen Vorgang, der auf eine Infektion zurückzuführen ist.

In der Regel entwickelt sich die Mastoiditis als eine Komplikation aus einer Otitis media acuta, also einer akuten Mittelohrentzündung. Die Mastoiditis entspricht damit meist einer bakteriellen Infektion mit Erregern wie Pneumokokken, Haemophilus influenzae Typ B oder Streptokokken und Staphylokokken. Auch virale Infektionen mit Rhinoviren, Coxsackieviren, Influenzaviren oder Adenoviren sind denkbare Primärursachen für den entzündlichen Prozess. Nach einer Schwächung des Abwehrsystems ist der Organismus für bakterielle Erreger besonders anfällig. Bakterien dringen in den Nasen-Rachen-Raum vor und erreichen das Mittelohr, wo sie eine Otitis media verursachen.

Wird diese Mittelohrentzündung falsch, unzureichend oder gar nicht behandelt, so wandern die Bakterien in benachbarte Strukturen wie den Processus mastoideus, der mit dem Mittelohr über lufthaltige Zellen in Verbindung steht. Die bakterielle oder virale Besiedelung des Processus geht in der Regel mit Symptomen wie Ohrenschmerzen und Durckempfindlichkeit einher. Meist sind diese Frühsymptome später mit Fieber, Schlafstörungen oder innerer Unruhe vergesellschaftet. Schmerzen sowie Schwellungen im Bereich des Warzenfortsatzes können ebenso symptomatisch sein wie Ausfluss aus dem Ohr oder allgemeine Infektionsanzeichen wie Appetitlosigkeit.

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