Potocki-Schaffer-Syndrom

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für innere Medizin) am 25. Oktober 2016
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Das Potocki-Shaffer-Syndrom ist ein skelettales Fehlbildungssyndrom, das sich durch Exostosen, oft Intelligenzminderung und kraniofasziale Auffälligkeiten auszeichnet. Die Ursache ist eine Deletion von Genen im Locus 11p11.2 auf Chromosom 11. Die Behandlung erfolgt rein symptomatisch supportiv und beschränkt sich auf Maßnahmen wie Frühförderung.

Inhaltsverzeichnis

Was ist das Potocki-Shaffer-Syndrom?

Monosomien sind Varianten der Genommutation, bei denen ein einziges Chromosom des diploiden Chromosomensatzes fehlt. Während fast alle Monosomien fetal letal sind, kann die Deletion von Autosomen ein lebensfähiges Individuum hervorbringen. Deletionen von Autosomen sind demnach von der Monosomie abzugrenzen, obgleich beide Fehler im Erbgut eng miteinander verwandt sind.

Das Potocki-Shaffer-Syndrom ist ein genetisches Syndrom, dem eine Chromosomenmutation mit einer Deletion mehrerer Nachbar-Gene zugrunde liegt. Das Syndrom hat verschiedene Veränderungen des Skelettsystems zur Folge und kommt eher selten vor. Die Häufigkeit wird auf weniger als einen Fall in 1.000.000 geschätzt. 23 Patienten wurden bis zum Jahr 2006 aus 14 verschiedenen Familien beschrieben.

Insgesamt wurden seit der Erstbeschreibung höchstens 100 Fälle dokumentiert. Die skelettale Störung wurde 1996 erstmals beschrieben. Als Erstbeschreiber gelten Potocki und Shaffer. Aufgrund der geringen Fallzahl hält sich die Forschungslage in Grenzen. Allerdings konnte die ursächliche Mutation trotz der geringen Fallzahl bereits nachgewiesen werden.

Ursachen

Die Ursache für das Potocki-Shaffer-Syndrom liegt in den Genen. Familiäre Häufung wurde an den bisher dokumentierten Fällen beobachtet. Die Betroffenen können die Störung also von einem Elternteil vererbt bekommen. Der Erbgang entspricht in diesen Fällen einem autosomal-dominanten Erbgang.

In der Mehrzahl aller Fälle liegt allerdings keine erbliche Basis vor. Das Syndrom wird durch die Deletion von benachbarten Genen des Gen-Abschnitts 11p11.2 auf Chromosom 11 hervorgerufen. In den meisten Fällen kommt es während der Bildung elterlicher Gameten oder Keimzellen zur Deletion. Seltener ereignet sich der Gen-Verlust in der frühen Fetalentwicklung des Embryos.

Die Deletion kann das Gen EXT2 betreffen, dessen Verlust Exostosen verursacht. EXT2 kodiert für das Protein exostosin-2, das innerhalb des Golgiapparats an das Protein exostosin-1 bindet und die Bildung von Heparansulfat beeinflusst. Auch eine Deletion von ALX4 kann das Syndrom hervorrufen.

Dieses Gen kodiert für Transkriptionsfaktoren zur Entwicklung des Schädels, wobei der Verlust in eine vergrößerte Fontanelle mündet. Außerdem kann eine PHF21A-Deletion vorliegen. PHF21A kodiert für BHC80, das am Corepressor-komplex BHC beteiligt ist und so die Genregulation für Nervenzellen vermittelt. Eine Beteiligung von weiteren Genen desselben Abschnitts ist nicht ausgeschlossen.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Das Potocki-Shaffer-Syndrom ist von unterschiedlichen Symptomen geprägt, deren Auftreten jeweils vom gelöschten Gen abhängen. In den meisten Fällen leiden die Patienten des Syndroms an zahlreichen Exostosen und einer Parietalforamina, also einer zusätzlichen Öffnung im Bereich des Scheitelbeins.

Viele Betroffene besitzen vergrößerte Fontanellen. Die vordere Fontanelle ist in den meisten Fällen betroffen. Im Einzelfall kann eine Intelligenzminderung vorliegen, die häufig mit einer Entwicklungsverzögerung einhergeht. Im kraniofazialen Bereich treten gelegentlich Anomalien auf, die Fehlbildungen des Gesichtsschädels entsprechen. Zu diesen Fehlbildungen zählt zum Beispiel die Kurzköpfigkeit im Sinne einer Brachycephalie.

Ebenso gut kann sich das Syndrom in einer ausgeprägten Stirn, einem schmalen Nasenrücken oder einem verkürzten Abstand zwischen Mund und Nase manifestieren. Letzteres Phänomen ist auch als schmales Philtrum bekannt. Im Einzelfall sind die beschriebenen Symptome mit herabhängenden Mundwinkeln vergesellschaftet. Sehstörung oder Nieren-, Her- und Harnorganfehlbildungen sind dokumentiert worden, kommen aber eher selten vor.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Die Diagnose des Potocki-Shaffer-Syndrom wird auf Basis von Anamnese und klinischem Bild anhand der Symptome gestellt. Der endgültige Nachweis einer genetischen Störung kann zytogenetisch durch Fluoreszenz-in-situ-Hybridisierung oder FISH-Test erfolgen. Auch molekulargenetische Nachweismöglichkeiten der ursächlichen Deletion stehen zur Verfügung.

In einigen Fällen wird den Eltern von betroffenen Kindern eine Untersuchung auf balancierte Translokationen empfohlen, die sie das Risiko für die Erkrankung von späteren Kindern abschätzen lassen soll. Die Prognose von Patienten mit Potocki-Shaffer-Syndrom hängt von den Symptomen und deren Umfang im Einzelfall ab.

Prognosebestimmend ist außerdem das Risiko für die maligne Entartung der Exostosen. Die Gefahr für eine bösartige Krebserkrankung gilt für die Patienten als erhöht. Nichtsdestotrotz kommt maligne Entartung im Kontext des Syndroms eher selten vor.

Behandlung & Therapie

Eine ursächliche Therapie steht Patienten mit Potocki-Shaffer-Syndrom bislang nicht zur Verfügung. Das Syndrom ist die Folge einer genetischen Deletion. Aus diesem Grund könnten in Zukunft unter Umständen gentherapeutische Ansätze kausale Behandlungsmöglichkeiten bieten.

Bislang befinden sich gentherapeutische Ansätze allerdings nicht in der klinischen Phase. Da keine kausale Therapie für die Patienten des Syndroms zur Verfügung steht, konzentriert sich die Behandlung auf supportive Maßnahmen. Die systematische und regelmäßige Suche nach etwaigen Sehstörungen, so zum Beispiel Schielen oder Nystagmus, gilt als empfohlen.

Außerdem wird den Patienten zu einer regelmäßigen Suche nach Hörstörungen geraten. Darüber hinaus ist eine regelmäßige Kontrolle der Exostosen indiziert, um maligne Entartungen rechtzeitig zu erkennen und behandeln zu können. Falls ein Herzfehler oder anderweitige Organfehlbildungen vorliegen.

In der Regel kommen invasive Verfahren zur Korrektur zum Einsatz, die im Einzelfall mit medikamentöser Nachbehandlung kombiniert werden können. Bei Intelligenzminderung oder Entwicklungsverzögerung wird den Patienten zu einer Frühförderung geraten.




Vorbeugung

Dem Potocki-Shaffer-Syndrom lässt sich bislang nicht vollständig vorbeugen. Genetische Beratung in der Phase der Familienplanung kann im weitesten Sinne als vorbeugender Schritt verstanden werden. Andere Prophylaxen stehen nicht zur Verfügung.

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