Postkoitale Dysphorie

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 21. August 2017
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Manche Menschen leiden an einer plötzlichen Traurigkeit und Melancholie nach dem sexuellen Erlebnis. Hauptsächlich sind von diesen Emotionen Frauen betroffen, aber es gibt auch einige Männer, die diese Erfahrung mit postkoitaler Dysphorie gemacht haben. Alles verläuft normal, der Orgasmus ist großartig, doch statt Entspannung und Befriedigung folgt ein Gefühl der Leere.

Inhaltsverzeichnis

Was ist postkoitale Dysphorie?

Eine Studie zeigte, dass jede dritte Frau schon einmal in ihrem Leben die Erfahrung gemacht hat, dass nach dem Sex ein Stimmungstief folgt, unabhängig davon, wie der Sex verlaufen ist. Die medizinische Bezeichnung für diese Traurigkeit nach dem geschlechtlichen Akt nennt sich postkoitale Dysphorie. Unter einer Dysphorie wird die Störung emotionaler Erlebnisse verstanden, die mit dem normalen Alltag einhergehen und nicht unbedingt ein Hinweis auf eine bestimmte Krankheit sind.

Unzufriedenheit, Gereiztheit und allgemein schlechte Laune sind die Folge, der Mensch ist verärgert, ohne Gründe dafür benennen zu können. Hält diese Stimmung an und tritt sie häufig auf, wird die Dysphorie allerdings zu einer posttraumatischen Belastungsstörung und kann auch mit Depressionen einhergehen. Eine Dysphorie kann von alleine auftreten, aber auch das Begleitsymptom hormoneller Veränderungen sein.

Ursachen

Das kann bei einer postkoitalen Dysphorie natürlich auch der Fall sein. Aber nicht nur. Die tatsächlichen Ursachen sind trotz ausführlicher Studie nicht eindeutig geklärt, nur dass eine postkoitale Dysphorie sehr häufig auftritt, insbesondere bei Frauen, konnte nachgewiesen werden. Normalerweise führt das sexuelle Erlebnis zu einer körperlichen und auch emotionalen Entspannung, bringt Befriedigung und ein guten Gefühl mit sich. Das liegt daran, dass Neurotransmitter und Hormone vom Körper ausgeschüttet werden.

Diese Hormonveränderung kann mit ein Grund dafür sein, weshalb es nach dem Sex zu Gefühlsschwankungen kommt, die auch in die gegensätzliche Richtung gehen. Viele Frauen fühlen sich nicht nur traurig, sie können sogar nicht einmal die Tränen zurückhalten. Die Gelöstheit bleibt danach verwehrt. Stattdessen folgen nicht nur Traurigkeit und Melancholie, sondern sogar innere Unruhe, Reizbarkeit und Angst.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Die Art der Intimität und die Liebe beziehungsweise das Vertrauen zum Partners haben auf diese Emotionen keinen Einfluss. Allerdings ist ein Hinweis auf derartige Gefühle ein mögliches Trauma, das mit dem sexuellen Akt assoziiert wird. Das können Erlebnisse sein, die mit Schwierigkeiten in der Kindheit oder sogar mit Missbrauch zu tun haben. Der Sex geht dann unbewusst mit Gefühlen der Scham, des schlechten Gewissens, der Angst, der Schuld und Bestrafung, gar mit Verlust einher.

Auch Probleme mit anderen Menschen sind ein Auslöser der postkoitalen Dysphorie. Die Angst vor engem Kontakt oder sich überhaupt zu binden, bewirkt innere Verstörtheit, die nicht immer bewusst wahrgenommen wird und sich erst im sexuellen Verlangen ausdrückt. Das Gegenteil kann ebenfalls der Fall sein, dass Frauen, die über den Sex die tiefe Bindung zum Partner wahrnehmen. Sie wollen sozusagen mit ihm verschmelzen, empfinden jedoch die nach dem Akt erfolgende Loslösung als Belastung, als körperlich spürbare Trennung, die zwar nicht wirklich erfolgt, jedoch bewusst oder unbewusst als überwältigendes Angstgefühl auftritt. Auch psychischer Stress und Belastungen anderer Art können eine postkoitale Dysphorie bewirken.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Die biologische Veranlagung des Menschen spielt sicherlich eine weitere wichtige Rolle. Das Empfinden für sich selbst und den eigenen Körper, auch der Charakter können Einfluss auf solche Emotionen haben, wenn aus dem guten Gefühl auf einmal tiefe Niedergeschlagenheit wird. Der emotionale Absturz erfolgt zumindest nicht aufgrund des Partners. Weder fehlende Liebe noch Zuneigung sind Auslöser, auch nicht eigene Gefühle, die dem Partner gegenüber gehegt werden.

Komplikationen

Ein gelegentliches Stimmungstief nach dem Geschlechtsverkehr bleibt in der Regel ohne schwerwiegende Folgen. Auch dann, wenn die Ursachen psychologischer Natur sind. Derartige Reaktionen können ein Hinweis auf ein mögliches Trauma sein, das mit dem Austausch von Intimitäten und dem Geschlechtsakt in Verbindung gebracht wird. Der Geschlechtsakt wird dann mit negativen Emotionen wie Scham, Angst oder Schuld assoziiert. Viele Betroffene haben Erlebnisse aus ihrer Kindheit nicht verarbeitet.

Neben Unzufriedenheit, Gereiztheit und allgemein schlechter Laune können Betroffene dann auch unter schweren Angstzuständen oder Depressionen leiden. Kommt dies regelmäßig vor, kann sich eine posttraumatische Belastungsstörung entwickeln. Die Patienten vermeiden den Geschlechtsverkehr dann zunehmend, weil er für sie nicht mehr Lust und sexuelle Befriedigung bedeutet, sondern die negativen Emotionen überwiegen.

Die Betroffenen reagieren abweisend auf ihren Partner, der die Ursachen hierfür nicht immer nachvollziehen kann. Die Beziehung wird erheblich belastet und scheitert oftmals. Betroffene, bei denen die postkoitale Dysphorie eine derart extreme Form annimmt, benötigen dringend die Hilfe eines geschulten Psychologen. Auch eine Paartherapie ist in der Regel erforderlich, damit der Partner lernt mit der Krankheit umzugehen und versteht, dass die negativen Gefühle nach dem Geschlechtsverkehr nicht auf ihn bezogen sind und auch nicht durch ihn verursacht werden.

Therapie & Behandlung

Treten solche Gefühlsschwankungen häufiger auf oder sind sie nach dem Sex immer der Fall, können andere Ursachen der Auslöser sein und sollten dann auch intensiv psychologisch ergründet werden. Möglicherweise steht hinter solchen Stimmungstiefs trotzdem ein stark belastendes Ereignis oder eine Situation, die unbewusst als Bedrohung empfunden wird und auf die Emotionen Auswirkung hat. Auch kann eine Neigung zu Depressionen vorhanden sein.

Die eigentlichen Belastungsfaktoren sind nicht immer klar auszumachen. Dann muss der Mensch sich mit den Emotionen und Schwankungen tiefgreifender beschäftigen und möglicherweise auch eine psychologische Therapie in Betracht ziehen, um sich mit der gesamten Situation auseinanderzusetzen. So eine verläuft meistens in mehreren Phasen. Zunächst muss der Mensch sich sicher und wohl im Gespräch fühlen und die Gefühle ausdrücken wollen.

Das, was als Erlebnisse dann zutage treten kann, muss schließlich als vergangen wahrgenommen werden. Dann steht die Bewältigung des Alltags im Vordergrund und Entspannungs- und Atemübungen verschaffen einen neuen Ausgleich, können auch auf das Sexualleben Einfluss haben.

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Vorbeugung

Eine postkoitale Dysphorie ist aber normalerweise kein dauerhaftes Phänomen beim Sex und wenn sie dennoch auftritt, geht das darauf folgende Stimmungstief auch schnell wieder vorüber. Wer häufiger von solchen Gefühlen betroffen ist, kann die Traurigkeit mit Bewegung und einer darauf folgenden warmen Dusche beheben. Das warme Wasser bewirkt Entspannung für den Körper und hebt die Laune wieder an.

Bücher über Stimmungsschwankungen

Quellen

  • Arolt, V., Reimer, C., Dilling, H.: Basiswissen Psychiatrie und Psychotherapie. Springer, Heidelberg 2007
  • Lieb, K., Frauenknecht, S., Brunnhuber, S.: Intensivkurs Psychiatrie und Psychotherapie. Urban & Fischer, München 2015
  • Möller, H.-J.: Therapie psychischer Erkrankungen. Thieme, Stuttgart 2006

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