Post-finasteride Syndrom

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für innere Medizin) am 25. Oktober 2016
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Das Post-finasteride Syndrom (PFS) stellt ein Symptomkomplex dar, der auf den Nebenwirkungen des Medikaments Finasterid beruht. Dabei handelt es sich um anhaltende neurologische, sexuelle und körperliche Nebenwirkungen. Auch nach Absetzen des Medikaments bestehen die Beschwerden teilweise noch lange fort.

Inhaltsverzeichnis

Was ist das Post-finasteride Syndrom?

Post-finasteride Syndrom ist ein von Ärzten, Medien und Patienten definierter Begriff von Nebenwirkungen des Medikaments Finasterid. Finasterid ist ein sogenannter 5-alpha-Reduktase-Hemmer, welcher zur Behandlung von Haarausfall oder der benignen Vergrößerung der Prostata (BPH) eingesetzt wird. Es verhindert die Umwandlung von Testosteron in das viel wirksamere Dihydrotestosteron (DHT).

Die Symptome des Post-finasteride Syndroms treten selten auf, wobei über die Häufigkeit noch keine Klarheit besteht. Es wird vermutet, dass die Anzahl der Personen, die an diesem Syndrom leiden, eine hohe Dunkelziffer aufweist. Das könnte an der unterschiedlichen Ausprägung der einzelnen Symptome liegen. Die Wirkung von Finasterid beruht ja darauf, dass die Wirkung des männlichen Sexualhormons herabgesetzt wird.

Somit können als Nebenwirkungen auch die typischen Symptome eines Androgenmangels auftreten. Warum teilweise auch nach Absetzen des Medikaments die Symptome noch bestehen bleiben, ist nicht bekannt. Das Post-finasteride Syndrom wurde im Jahre 2015 im U.S. National Institutes of Health in das Informationscenter für genetische und seltene Erkrankungen eingetragen.

Ursachen

Als Ursache für das Post-finasteride Syndrom gilt die Einnahme des Medikaments Finasterid. Dieses Medikament entwickelt Nebenwirkungen, die auch nach dessen Absetzung in einigen Fällen weiter bestehen. Finasterid ist ein 5-alpha-Reduktase-Hemmer. Die Steroid-5-alpha-Reduktase ist ein Komplex aus drei Isoenzymen, die verantwortlich sind für die Umwandlung von Testosteron in Dihydrotestosteron. Dihydrotestosteron (DHT) ist für die eigentliche Wirkung des Testosterons verantwortlich.

Fehlt dieser Metabolit, treten ähnliche Symptome auf wie bei einem Testosteronmangel. DHT bindet ähnlich wie Testosteron in der Zielzelle an einen Androgenrezeptor. Dieser Androgen-Rezeptor-Komplex bindet sich wiederum an bestimmte Hormone Response Elemente (HRE) der DNA und kontrolliert dabei die Aktivität der androgenregulierten Gene der Promoter-Region. Das gilt zwar sowohl für Testosteron als auch für DHT.

Allerdings bringen beide Hormone unterschiedliche Wirkungen hervor. Während Testosteron an der Differenzierung der Wolffschen Gänge beteiligt ist, sorgt DHT für die äußerliche Vermännlichung und das Wachstum der Prostata. Bei entsprechender genetischer Veranlagung kann DHT die Haarwurzeln zerstören, sodass es zu Haarausfall kommt.

Das Medikament Finasterid wirkt also über die Hemmung der Umwandlung von Testosteron in DHT. Es stoppt das Wachstum der Prostata und verhindert den Haarausfall beim Mann. Da DHT wirksamer ist als Testosteron, treten als Nebenwirkungen die typischen Erscheinungen eines Androgenmangels auf.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Das Post-finasteride Syndrom ist gekennzeichnet durch Impotenz, gering ausgeprägte Libido, verminderte Reaktion auf sexuelle Reize, Erektionsprobleme, schwach ausgeprägter Orgasmus, Penisschrumpfung, Verkrümmung des Penis sowie Gefühlstaubheit des Penis. Des Weiteren können sich die Hoden verkleinern.

Manchmal treten auch Hodenschmerzen auf. Häufig bildet sich auch eine Gynäkomastie (Brustvergrößerung beim Mann) aus. Zusätzlich zu diesen Symptomen leidet der Betroffene unter chronischer Müdigkeit, Leistungsschwäche, Muskelschwäche, trockener Haut, verlangsamte Denkprozesse, Depressionen, Angstzustände oder Schlafstörungen. Auch Kopfschmerzen, starkes Schwitzen und Schmerzen in der Brust gehören zum Symptomkomplex.

Auch nach dem Absetzen des Medikaments können diese Symptome noch weiter bestehen. In manchen Fällen bleiben sie dauerhaft bestehen. Es muss jedoch gesagt werden, dass nach heutiger Kenntnis diese Nebenwirkungen selten auftreten, wobei es eine erhebliche Dunkelziffer geben kann.

Warum auch nach dem Absetzen von Finasterid die Symptome in einigen Fällen fortbestehen, ist nicht bekannt, zumal sich der Hormonspiegel wieder normalisiert. Vermutet wird, dass in diesen Fällen ein Defekt an den Androgenrezeptoren vorliegt.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Ein Post-finasteride Syndrom kann leicht diagnostiziert werden. Wenn diese Beschwerden im Rahmen einer Behandlung mit Finasterid und dessen Absetzung auftreten, kann immer von einem Post-finasteride Syndrom ausgegangen werden.

Behandlung & Therapie

Bisher gibt es noch keine wirksame Therapie des Post-finasteride Syndroms. Viele Versuche zur Substitution mit Androgenen waren zum Scheitern verurteilt. Auf diese Behandlung reagieren nur einige der Patienten. In anderen Fällen findet keine Reaktion auf die Gabe von Androgenderivaten statt.

Bei Messungen des Hormonspiegels dieser Patienten fiel zwar auf, dass sich der Hormonspiegel wieder normalisiert hat, die Symptome aber trotzdem weiter bestehen bleiben. Die Ursache dafür ist noch nicht klar. Es könnte sein, dass Defekte an den Androgenrezeptoren vorliegen. Testosteron und DHT können so ihre Wirkung nicht entfalten.

Warum allerdings die Rezeptoren erst nach Beendigung der Behandlung mit Finasterid Störungen aufweisen, bedarf weiterer Forschungen. Aufgrund der immer bekannter werdenden Nebenwirkungen von Finasterid kommt es zu einer wachsenden Anzahl von Klagen Betroffener gegen den Hersteller. Des Weiteren machen viele Betroffene auch durch spektakuläre Aktionen wie unter anderem durch einen Hungerstreik vor dem Firmengebäude des Pharmaunternehmens auf das Post-finasteride Syndrom aufmerksam.

Aufgrund des wachsenden öffentlichen Interesses wurde im Jahre 2012 die PFS Foundation gegründet. Die PFS Foundation hat sich zum Ziel gesetzt, weitere Aufklärungsarbeit unter Medizinern, Wissenschaftlern und Gesundheitsorganisationen über die Existenz des Post-finasteride Syndroms zu leisten.

So soll über die Notwendigkeit von Grundlagenforschung und der Suche nach Therapieansätzen auf diesem Gebiet aufmerksam gemacht werden. Bis jetzt ist auch nicht klar, ob das Post-finasteride Syndrom wirklich sehr selten vorkommt oder doch ein generelles Problem bei der Behandlung mit Finasterid darstellt.




Vorbeugung

Die beste Vorbeugung vor einem Post-finasteride Syndrom ist es, auf die Behandlung mit Finasterid zu verzichten.

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Kommentare und Erfahrungen von anderen Besuchern

Newton kommentierte am 09.08.2016 um 23:47 Uhr

Bin betroffen vom PFS. Sehr guter, aktueller Artikel. Ich wünschte, mehr Ärzte wären soweit und stempelten ihre Patienten nich als depressiv o.ä. ab. Bitte fleißig an die Post-Finasteride Foundation spenden, um die Forschung und die Entwicklung einer Therapie zu unterstützen, da jeder Tag durch die entsprechenden Symptome (ohne verfügbare Therapie) sehr eingeschränkt wird.

Gallileo kommentierte am 08.10.2016 um 21:52 Uhr

Ich leide seit über zehn Jahren an PFS. Die Lebensqualität ist erheblich eingeschränkt und die Verzweiflung wächst von Tag zu Tag. Vor der Einnahme von Finasterid war es für mich schwer vorstellbar, dass ein Medikament dauerhafte Schäden im Körper hinterlässt.

Sonett kommentierte am 01.11.2016 um 20:08 Uhr

Ich bin 35 Jahre alt und ebenfalls betroffen vom PFS. Ich habe das PFS seit 2007. Ich leide unter starkem Libido Verlust und kompletter Gefühlsarmut. Ich treibe viel Sport und rauche nicht, trotzdem ist keine Besserung eingetreten. Wer mir Hilfe anbieten möchte, oder sich austauschen möchte, kann sich ja gerne bei mir melden: Norman.Hilbig81@web.de

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