Pneumocystis-Pneumonie

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 29. August 2017
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Jährlich erkranken allein in Deutschland über 600.000 Menschen an einer Lungenentzündung, fachsprachlich Pneumonie genannt. Diese Entzündung des Lungengewebes kann unterschiedliche Ursachen haben und wird in verschiedene Unterkategorien eingeteilt. Eine besonders gefährliche Form der Lungenentzündung ist die Pneumocystis-Pneumonie (PCP).

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Pneumocystis-Pneumonie?

Bei der Pneumocystis-Pneumonie handelt es sich um eine interstitielle Art von Lungenentzündung. Die Entzündung betrifft also nicht die Lungenbläschen, sondern das Interstitium. Darunter versteht man die schmale Schicht Bindegewebe, die sich zwischen den Lungenbläschen und den Blutgefäßen befindet. An der Entstehung der Pneumocystis-Pneumonie sind sogenannte opportunistische Erreger beteiligt.

Daher zählt diese Erkrankung zu den opportunistischen Infektionen. Opportunistische Erreger können Pilze, Viren oder Bakterien sein. Sie machen es sich zunutze, wenn der Körper sich in einer prekären Situation befindet. Am häufigsten befallen diese Erreger den Organismus dann, wenn das Immunsystem geschwächt ist, also eine Immundefizienz vorliegt.

Da dies charakteristisch für Menschen ist, die an AIDS erkrankt sind, gilt die Pneumocystis-Pneumonie als die häufigste AIDS-definierende Erkrankung. Da diese Art von Lungenentzündung hauptsächlich dann auftritt, wenn beim Betroffenen bereits eine Vorerkrankung vorliegt, handelt es sich um eine sekundäre Lungenentzündung.

Ursachen

Bei dem opportunistischen Erreger, der für diese Form der Lungenerkrankung ursächlich ist, handelt es sich um Pneumocystis jirovecii, einen Schlauchpilz, der überall in der Umwelt vorkommt. Der Mensch ist ihm ständig ausgesetzt. Weil die Übertragung über die Luft erfolgt, ist die Wahrscheinlichkeit eines Kontakts mit dem Erreger sehr groß. Die meisten Personen infizieren sich bereits während der Kindheit.

Allerdings ist die Immunabwehr eines gesunden Körpers normalerweise problemlos dazu in der Lage, eine Erkrankung zu verhindern. Ist das Immunsystem aber geschwächt, ist der Patient akut gefährdet. Gründe für ein geschwächtes Immunsystem können zum Beispiel eine Chemotherapie, eine angeborene Immunschwäche oder eine HIV-Infektion sein.

Die HIV-Infektion wirkt sich deshalb so kritisch aus, da das HI-Virus schrittweise die T-Helferzellen zerstört, die für die Antikörperbildung verantwortlich sind. Ohne ausreichend Antikörper ist es dem Körper nicht mehr möglich, eindringende Erreger erfolgreich zu bekämpfen. So schaffen es die Immunzellen auch nicht mehr, den Pilzerreger Pneumocystis jirovecii erfolgreich abzuwehren. Dies resultiert in der kritischen Entzündung des Lungengewebes.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Der Beginn der Lungenentzündung erfolgt schleichend. Zunächst äußert sich beim Betroffenen ein trockener Husten, der mit der Zeit stärker wird. Zusätzlich leiden die Patienten unter einer zunehmenden Atemnot, auch als Dyspnoe bezeichnet.

Fieber kann auftreten, ist aber kein charakteristisches Symptom, da ein zu stark geschwächter Körper nicht mehr dazu in der Lage sein kann, eine Infektion mit Fieber zu bekämpfen. Ein weiteres Symptom ist Tachypnoe. Dabei ist die Atemfrequenz des Patienten erhöht. Er oder sie muss also mehrere Atemzüge pro Minute nehmen.

Da der Körper durch die Infektion stark geschwächt wird, kommt es bei unzureichender Behandlung über mehrere Wochen zu einem Gewichtsverlust beim Betroffenen. Dieser kann mehrere Kilo ausmachen. Typischerweise lässt sich im Mund der Erkrankten ein sogenannter Mundsoor nachweisen.

Darunter versteht man einen Pilzbefall der Mundschleimhaut, der mit weißen oder gelblichen Belägen in Erscheinung tritt. Bleibt die Erkrankung unbehandelt, verschlechtert sich der Zustand des Patienten kontinuierlich. In einem solchen Fall kann es schnell passieren, dass die Krankheit einen tödlichen Verlauf nimmt.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Bei Betroffenen mit einer bis dato unerkannten HIV-Infektion kann es oft sehr lange dauern, bis die Diagnose mit PCP erfolgt. Denn selbst, wenn der Arzt mit Vermutung auf eine Lungenentzündung röntgt, zeigen sich auf dem Bild in vielen Fällen keine Auffälligkeiten. Nur selten weist ein schmetterlingsförmiges Gebilde bereits während der Röntgenaufnahme auf eine vorliegende Pneumonie hin.

Eine sichere Diagnose lässt sich nur mittels einer Bronchoskopie mit Bronchiallavage stellen. Hierbei wird ein dünner Schlauch durch den Rachen in die Bronchen eingeführt. Mit kleinen Bürsten und Zangen werden Gewebeproben entnommen. Bei der Bronchiallavage werden die Atemwege mit einer Kochsalzlösung gespült.

Im Anschluss wird die Lösung abgesaugt. Die während der Untersuchung gewonnen Proben werden mikrobiologisch untersucht, um den Pilz nachzuweisen. Da die Prozedur für den Patienten sehr unangenehm ist, besteht die Möglichkeit sie unter Sedierung oder Narkose durchführen zu lassen.

Komplikationen

Im schlimmsten Falle kann die Pneumocystis tödlich für den Betroffenen sein. In der Regel kommt es allerdings erst dann zum Tode, wenn die Pneumocystis nicht behandelt wird und sich die Entzündung auch auf andere Regionen des Körpers ausbreiten kann. Die Betroffenen leiden bei dieser Krankheit in erster Linie an sehr starken Atembeschwerden und weiterhin auch an einem dauerhaften Husten.

Auch der Hals schmerzt und es kann zu einer Atemnot kommen. Durch die Beschwerden bei der Atmung werden auch die inneren Organe mit weniger Sauerstoff versorgt, sodass es dabei im schlimmsten Fall zu irreversiblen Schäden kommen kann. Ebenso beansprucht die Pneumocystis das Herz, da der Körper mehr Blut transportieren muss, um die Organe mit Sauerstoff zu versorgen.

Hierbei kann es auch zu einem Herzinfarkt kommen. Weiterhin führt die Pneumocystis nicht selten zu einem Gewichtsverlust und die Schleimhäute werden von Pilzen befallen. Die Behandlung der Pneumocystis ist in der Regel nicht mit Komplikationen verbunden. Mit Hilfe von Antibiotika werden die Beschwerden vollständig behandelt. Die Lebenserwartung des Betroffenen wird bei einer erfolgreichen Behandlung nicht beeinflusst.

Behandlung & Therapie

Wurde die Diagnose Pneumocystis-Pneumonie gestellt, erfolgt eine hoch dosierte Therapie mit Antibiotika. Diese muss in der Regel mindestens drei Wochen lang fortgeführt werden. Dazu erfolgt meistens eine intravenöse Verabreichung von Cotrimoxazol. Liegt beim Betroffenen eine Unverträglichkeit vor, ist dies sehr problematisch, da alle Alternativpräparate weniger wirksam sind und zum Teil sehr gefährliche Nebenwirkungen haben.

Da sich nach Behandlungsbeginn der Zustand der Patienten vorerst verschlechtert, diese manchmal sogar Atmungshilfe benötigen, erfolgt meist eine stationäre Aufnahme der Betroffenen in eine Klinik. Nur bei ganz leichten Fällen darf der Patient die Krankheit zu Hause durch orale Antibiotikaeinnahme behandeln. Um die Entzündungsreaktionen in der Lunge einzudämmen, können zusätzlich Kortisonpräparate verabreicht werden.

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Vorbeugung

Während sich die Infektion mit Pneumocystis jirovecii nicht vorbeugen lässt, kann man mit geeigneten Prophylaxemaßnahmen den Ausbruch der Krankheit verhindern. Gesunde Menschen schützen sich am besten, indem sie primär darauf achten, eine Infektion mit dem HI-Virus zu vermeiden. Bei Patienten, die bereits HIV-positiv sind oder aus einem anderen Grund über eine Immunschwäche verfügen, wird präventiv eine Gabe von Antibiotika eingesetzt.

Bücher über Pneumocystis-Pneumonie und Lungenentzündung

Quellen

  • Bungeroth, U.: BASICS Pneumologie. Urban & Fischer, München 2010
  • Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Schaberg, T. et al.: Pneumonien. Thieme, Stuttgart 2001

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