Plexus lumbosacralis

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 10. November 2016
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Der Plexus lumbosacralis entspricht dem Beinnervengeflecht. Dieses Nervengeflecht führt Spinalnerven aus dem Lenden- und Brustbereich der Wirbelsäule und innerviert die Beine motorisch sowie sensibel. Bei Plexusparesen bestehen motorische und sensible Defizite.

Inhaltsverzeichnis

Was ist der Plexus lumbosacralis?

Spinalnerven sind periphere Rückenmarksnerven, die über ihre Vorder- und Hinterwurzeln einer Seite von bestimmten Rückenmarksegmenten zugeordnet werden. Zwischen zwei Wirbeln treten Spinalnerven je paarig aus dem Wirbelkanal. Der menschliche Organismus ist mit 31 paarigen Spinalnerven ausgestattet. Die Benennung der einzelnen Rückenmarksnerven erfolgt nach Wirbelsäulenabschnitt.

Der Lendenbereich und der Brustbereich sind solche Abschnitte der Wirbelsäule. Im Lendenbereich liegen fünf lumbale Nervenpaare mit der Benennung L1 bis L5. Der Brustbereich enthält zwölf thorakale Nervenpaare mit der Bezeichnung Th1 bis Th12. In unterschiedlichen Nervengeflechten des Körpers treffen sich Spinalnervenäste. Ein solches Nervengeflecht ist der Plexus lumbosacralis. Dieses Lenden-Kreuz-Geflecht führt die bauchwärts gerichteten Nervenäste (Rami ventrales) von Spinalnerven aus dem Lenden- und Brustabschnitts. Das Nervengeflecht des Plexus lumbosacralis unterteilt die medizinische Literatur gelegentlich in Einzelgeflechte: den Plexus lumbalis, pudendus, sacralis und coccygeus.

Anatomie & Aufbau

Im Plexus lumbosacralis bilden zwei Nervengeflechte der unteren Körperregion eine funktionelle Einheit. Das erste dieser Geflechte ist der Plexus lumbalis. Dieses Nervengeflecht führ Spinalnerven der Segmente L1 bis L3 und nimmt außerdem einzelne Fasern aus dem Brustbereichen Th12 und dem Lendensegment L4 auf.

Das zweite Geflecht des Plexus lumbosacralis ist der Plexus sacralis. Dieses Geflecht führt wiederum Spinalnerven der Segmente L5 bis S3 und enthält vereinzelte Fasern aus L4 sowie S4. Aus dem Hiatus sacralis nimmt der letzte Spinalnerv seinen Austritt. Dieser Nerv entspricht dem Nervus coccygeus, der mit den vorderen Ästen des vierten und fünften. Sakralnervs ein drittes Nervenuntergeflecht formt: den Plexus coccygeus. Grundsätzlich ist sich die medizinische Literatur nicht darüber einig, welche Segmente sich genau an der Bildung des Plexus lumbosacralis beteiligen. Mehr oder weniger starke Abweichungen kommen vor.

Fest steht, dass innerhalb des Geflechts ein Austausch von Nervenfasern aus verschiedenen Rückenmarkssegmenten stattfindet. Die Lendennerven zeigen nur geringen Geflecht-Charakter. Die Brustnerven weisen ausgeprägte Querverbindungen auf.

Funktion & Aufgaben

Der Plexus lumbosacralis ist ein somatisches Nervengeflecht. Diese Art von Nervengeflechten entspringt immer aus den anterioren Ästen der Spinalnerven und ist nicht nur an der motorischen, sondern auch der sensiblen Innervation unterschiedlicher Strukturen beteiligt. Die sensible Innervation meint die Abgabe von sensiblen Nervenfasern an einzelne Gewebebereiche. Reize können auf den sensiblen Bahnen aus den Geweben ins zentrale Nervensystem wandern.

Mit der motorischen Innervation ist die Entsendung von motorischen Nervenfasern gemeint, auf denen Befehle aus dem zentralen Nervensystem die Erfolgsorgane erreichen können. In Nervengeflechten wie dem Plexus lumbosacralis findet ein Austausch von einzelnen Nervenfasern statt. Aus diesem Austausch gehen neue Nerven hervor. Die neu gebildeten Nerven enthalten jeweils Anteile mehrerer Rückenmarkssegmente und innervieren im Falle des Plexus lumbosacralis die unteren Extremitäten, das Becken und die Bauchwand. Das Untergeflecht Plexus lumbalis versorgt mit neu gebildeten Nerven beispielsweise den Musculus psoas major, psoas minor und quadratus lumborum motorisch. Dasselbe gilt für verschiedene Strecker und Adduktoren der Oberschenkelmuskulatur.

Die neu gebildeten sensiblen Nerven versorgen die Oberschenkelvorderseite sowie Unterschenkelvorderseite und Innenseite. Damit bringt der Plexus lumbalis durch den Austausch den Nervus iliohypogastricus, ilioinguinalis, genitofemoralis, cutaneus femoris lateralis, femoralis und obturatorius hervor. Das Untergeflecht Plexus sacralis versorgt nach dem Faseraustausch den Fuß, den Unterschenkel und die Rückseite des Oberschenkels mit neu gebildeten Nerven sensibler Faserqualität.

Die motorische Versorgung der Hüftstreckmuskeln, Kniebeugemuskeln und sämtlichen Unterschenkel- sowie Fußmuskeln ist ebenfalls eine Aufgabe des Plexus sacralis. Das Untergeflecht bildet so durch den Austausch einzelner Nervenfasern den Nervus gluteus superior, gluteus inferior, cutaneus femoris posterior, ischiadicus und pudendus sowie die Nervi anococcygei.

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Krankheiten

Die Parese des Plexus lumbosacralis ist ein Krankheitsbild, das nach der Schädigung des Beinnervengeflechts auftreten kann. Der Plexus innerviert fast den gesamten Fuß, Unterschenkel und Oberschenkel motorisch. Daher ist das klinische Bild nach einer Schädigung des Nervengeflechtes von motorischen Defiziten geprägt.

Auch Gefühlsstörungen im Bereich der Beine und des Beckens treten in Folge von Plexusschädigungen auf. Welche Bein- und Fußmuskeln gelähmt oder in der Motorik eingeschränkt sind, hängt von der genauen Lokalisation der Schädigungen ab. Die Ursache der Plexusschädigung kann zum Beispiel ein Trauma nach heftiger Gewalteinwirkung sein. Meist handelt es sich dabei Beckenfrakturen, Beckenringfrakturen oder Azetabulumfrakturen. Eine Plexusläsion ist in der Regel mit Weichteil-, Organ- oder Gefäßverletzungen vergesellschaftet. Auch Frakturen des vorderen Beckenrings oder der Iliosakralregion können Plexusverletzungen mit anschließender Parese hervorrufen.

Ebenso oft führen Sakrumfrakturen zu neurologischen Ausfällen aufgrund von Plexusverletzungen. Seltener tritt die Plexusparese in Folge eines operativen Eingriffs auf, so zum Beispiel nach einem Hüftgelenksersatz oder einem Gefäßeingriff an der Aorta abdominalis. Ischämische Plexusläsionen können außerdem nach Nierentransplantationen auftreten. Geburtslähmungen des Plexus lumbosacralis kommen eher selten vor. Häufiger sind ursächliche Tumore wie Uterus-, Prostata-, Ovarial- oder Nierenkarzinome anzutreffen. Auch der metastatischer Befall des Beinplexus ruft Lähmungserscheinungen hervor. Neben Blutungen wie Psoashämatomen können außerdem Aneurysmen der großen Baucharterie die Plexuslähmung bedingen.

Eine Plexus-sacralis-Läsion tritt in der weiblichen Bevölkerung zusätzlich oft gegen Ende der Schwangerschaft oder bei der Entbindung auf und hängt in diesem Fall meist mit Lageanomalien des Ungeborenen zusammen. Davon abgesehen rufen Entzündungen im Rahmen einer idiopathischen Beinplexusneuritis immunologisch bedingte Paresen des Nervengeflechts hervor. Eine weitere Ursache für die Lähmungserscheinungen kann Diabetes sein.

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