Plazentainsuffizienz

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 29. August 2017
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Als Plazentainsuffizienz bezeichnet man eine Mangelfunktion des Mutterkuchens (Plazenta), der für die Ernährung des Ungeborenen wichtig ist. Die Plazenta wird dabei nicht ausreichend durchblutet, sodass der Stoffaustausch zwischen Fetus und Mutterkuchen nicht richtig funktioniert.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Plazentainsuffizienz?

Die Plazenta ist für das Ungeborene von großer Bedeutung, da durch sie Nährstoffe und Sauerstoff vom Kreislauf der Mutter in den des Kindes gelangen können. Außerdem werden im Mutterkuchen Hormone gebildet, darunter beispielsweise Gestagene, Östrogene beziehungsweise das humane Chorion-Gonadotropin (hCG).

Darüber hinaus sorgt der Mutterkuchen für den Abtransport von Abfallprodukten und hält Giftstoffe vom Ungeborenen fern. Die Plazentaschranke ist also eine Art Filter, mit dem der Fötus geschützt werden kann. Wenn die Plazenta diese Funktionen nicht erfüllen kann, so wird von einer Plazentainsuffizienz gesprochen.

Ursachen

Eine akute Plazentainsuffizienz tritt dann auf, wenn der Blutfluss im kindlichen oder mütterlichen Anteil des Mutterkuchens vermindert wird. Mögliche Ursachen dafür können Blutdruckabfall oder ein Wehensturm im Zuge der Geburt sein. Aber auch das so genannte Vena-Cava-Kompressionssyndrom (eine Kreislaufstörung der Mutter, da das Kind im liegenden Zustand Druck auf die untere Hohlvene ausübt) oder eine vorzeitige Lösung der Plazenta können eine Plazentainsuffizienz hervorrufen. In manchen Fällen sind auch Nabelschnurprobleme wie Knotenbildung, Vorfall oder Umschlingung ursächlich.

Bei einer akuten Plazentainsuffizienz wird das Kind nicht ausreichend mit Sauerstoff versorgt, sodass Lebensgefahr besteht. Ein verlangsamtes Wachstum des Ungeborenen ist die Ursache für eine chronische Plazentainsuffizienz, wobei hier meistens eine Grunderkrankung seitens der Mutter wie Bluthochdruck, Niereninsuffizienz, Diabetes mellitus oder Anämie besteht. Aber auch Umstände, die für eine Schwangerschaft spezifisch sind, können eine aktue Plazentainsuffizienz hervorrufen.

Dazu zählen beispielsweise die Präeklampsie (Schwangerschaftsintoxikation) oder die Rhesus-Inkompatibilität. Des Weiteren können auch Nikotin beziehungsweise Alkohol während der Schwangerschaft zu einer akuten Plazentainsuffizienz führen. Weitere Faktoren, die eine chronische Plazentainsuffizienz begünstigen können, sind außerdem eine geringe Gewichtszunahme bei der Mutter während der Schwangerschaft, vor allem wenn diese schon vor der Schwangerschaft einen einen niedrigen Body-Mass-Index aufweist. Auch eine geringe Körperhöhe der Mutter, sowie Drogenabusus während der Schwangerschaft und andere genetisch bedingte Faktoren spielen dabei eine entscheidende Rolle.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Bei einer akuten Plazentainsuffizienz sind eigentlich keine direkten Symptome feststellbar. Sie tritt während des Geburtsvorganges unvermittelt auf. Das Kind wird dadurch unterversorgt und der Herzschlag verlangsamt sich. Bei der Mutter kann es zu Krämpfen und Blutungen kommen. Ein weiteres Warnzeichen können sehr seltene auftretende Kindesbewegungen sein. In diesem Fall sollte am besten ein Arzt konsultiert werden.

Bei einer chronischen Plazentainsuffizienz wächst das Kind sehr langsam und die Fruchtwassermenge ist verringert. Das noch ungeborene Kind reagiert auf die Mangelversorgung auf vielfältige Art und Weise. Dazu zählen folgende Veränderungen:

  • metabolisch: die Insulinausschüttung, die Glukoneogenese sowie das Lactat steigen an und die Transportfähigkeit für Aminosäuren nimmt ab.
  • endokrin: Anstieg von Glukagon und Abnahme von Cholesterin
  • vaskulär: Der fetale Blutfluss wird umverteilt, was zu einem Anstieg des Blutflusses in der Nebenniere, den Koronargefäßen sowie der Leber führt.
  • biophysikalisch: Die Maturation ist verzögert und die Herzfrequenz verändert sich. Die physikalische Aktivität nimmt ab.
  • hämatologisch: Veränderungen im Immunsystem treten auf, vor allem fällt die anzahl der B-Lymphozyten un der T-Helfer-Zellen ab.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Liegt beispielsweise bei der Mutter eine Diabetes mellitus vor, so kann das verminderte Größenwachstum des Kindes mit Hilfe einer Ultraschalluntersuchung festgestellt werden. Darüber hinaus kann der Arzt mittels Dopplersonographie die Blutströmungsgeschwindigkeit messen und so einen Hinweis auf eine eventuelle Plazentainsuffizienz erhalten. Manchmal wird die Mutter bei einer chronischen Plazentainsuffizienz auch ins Krankenhaus eingewiesen, damit das Baby überwacht und bei eventuellen Problemen auch sofort behandelt werden kann.

Für die Diagnose einer chronischen Plazentainsuffizienz werden außerdem folgende Kriterien herangezogen wie die fetale Bewegungsaktivität und die fetale Herzfrequenz, Oxytocin-Belastungstext (OBT) und Amnioskopie. Auch die Fruchtwasserfarbe, Clifford-Rating und bildgebende Verfahren (Sonographie, MRT), um postportal eine Hirnläsion nachweisen zu können.

Komplikationen

Durch die Plazentainsuffizienz kann es zu schwerwiegenden Beschwerden und Komplikationen bei der Schwangerschaft oder bei der Geburt kommen. In der Regel wird diese Krankheit allerdings nur zufällig entdeckt, sodass eine frühzeitige Diagnose und Therapie in der Regel nicht möglich ist. Die Mutter leidet aufgrund der Plazentainsuffizienz in den meisten Fällen an starken Blutungen und an Krämpfen.

Diese führen zu starken Schmerzen und nicht selten zu einer Reizbarkeit des Betroffenen. Auch eine innere Unruhe oder Angstgefühle können aufgrund der Plazentainsuffizienz auftreten und damit die Lebensqualität erheblich verringern. Die Menge an Fruchtwasser ist verringert, sodass das Kind an einer deutlichen Unterversorgung leidet. Dadurch kann es im schlimmsten Falle zur Ausbildung verschiedener Missbildungen oder Fehlbildungen kommen.

Im schlimmsten Fall erleidet die Betroffene eine Totgeburt oder das Kind verstirbt kurz nach der Geburt. Die Patienten und ihre Angehörigen sind aus diesem Grund nicht selten auf eine psychologische Behandlung angewiesen. In der Regel muss bei einer Plazentainsuffizienz die Geburt frühzeitig eingeleitet werden. Dabei kann es zu unterschiedlichen Komplikationen kommen. Möglicherweise wird auch das Leben der Mutter aufgrund der frühzeitigen Geburt in Gefahr gebracht.

Therapie & Behandlung

Tritt eine akute Plazentainsuffizienz auf, sind sofortige Notfallmaßnahmen erforderlich. Dazu zählen beispielsweise eine Zangen- oder Saugglockengeburt oder eine Kaiserschnittentbindung. Löst sich die Plazenta vorzeitig, so wird die Geburt ebenfalls verfrüht eingeleitet. Bei einer chronischen Plazentainsuffizienz ist strenge Bettruhe erforderlich und das Befinden des Ungeborenen wird regelmäßig durch CTG (Kardiotokographie) beziehungsweise Ultraschall-Untersuchungen überprüft. Eine direkte Behandlung der eingeschränkten Funktion des Mutterkuchens ist allerdings nicht möglich.

Behandelt werden aber sehr wohl die Ursachen wie Diabetes mellitus oder Bluthochdruck. Allerdings kann das Kind auf Grund einer mangelnden Sauerstoffversorgung starke Schädigungen erleiden. Bei einer extremen Unterversorgung ist es daher notwendig, die Geburt vor dem Geburtstermin einzuleiten. Ist das Ungeborene noch nicht geburtsreif, so kann die Lungenreife mit entsprechenden Medikamenten beschleunigt werden. Wenn das Baby zwar klein ist, sich aber trotzdem weiterentwickelt, so sollten die Ursachen der chronischen Plazentainsuffizienz behoben werden, sonst besteht jedoch kein dringender Handlungsbedarf.

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Vorbeugung

Wenn die Mutter an Diabetes oder Bluthochdruck leidet, so kann eine eingeschränkte Plazentafunktion mit Hilfe intensiver Untersuchungen erkannt und behandelt werden. Darüber hinaus sollten schwangere Frauen auch auf Zigaretten verzichten, da so ein Versagen des Mutterkuchens erheblich verringert werden kann.

Bücher über Geburt & Entbindung

Quellen

  • Beckermann, M.J.: Frauenheilkunde und Geburtshilfe. Schwabe, Basel 2004
  • Feige, A., Rempen, A., Würfel, W., Jawny, J., Rohde, A. (Hrsg.): Frauenheilkunde – Fortpflanzungsmedizin, Geburtsmedizin, Onkologie, Psychosomatik. Urban & Fischer, München 2005
  • Rath, W., Gembruch, U., Schmidt, S. (Hrsg.): Geburtshilfe und Perinatologie: Pränataldiagnostik - Erkrankungen - Entbindung. Thieme, Stuttgart 2010

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