Placeboeffekt

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 31. Januar 2017
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Der Glaube kann Berge versetzen. Dies ist in der Tat keine bloße Floskel, sondern kann zur Realität werden. Denn genau hiermit arbeitet der sogenannte Placeboeffekt.

Inhaltsverzeichnis

Was ist der Placeboeffekt?

Als Placebo wird in erster Linie ein Medikament bezeichnet, das einzig dem Schein dient und keine pharmakologische Wirkung hat. In ihrem Aussehen sind Placebos in der Regel Medikamenten wie Kapseln oder Tabletten zum Verwechseln ähnlich, enthalten aber keine Wirkstoffe gegen Beschwerden oder Krankheiten. In diesem Zusammenhang bezeichnet demnach der sogenannte Placeboeffekt die unterstützende Wirkung eines Medikaments, welche einzig aus dem Glauben des Patienten heraus resultiert.

Üblicherweise werden unter dem Placeboeffekt vor allem positive Befindensveränderungen zusammengefasst. Dabei muss es sich nicht nur um eine Scheinbehandlung handeln, die einen solchen Effekt auslöst. Placeboeffekte können bei nahezu jeder medizinischer Behandlung auftreten, so beispielsweise auch bei Operationen. Medizinisch erstaunlich sind häufig die Ergebnisse nach einer Scheinbehandlung. So können die Auswirkungen denen einer echten therapeutischen Behandlung entsprechen.

Die Wirkungsweise von Placebos ist bis heute nicht eindeutig geklärt. Neuere Studien aus dem Jahr 2005 ergaben psychosomatisch bedingte Effekte. Demnach gehen Experten von einem Endorphinausstoß aus, welcher sich positiv auf die Gesundheit auswirkt. Allerdings wirkt der Placeboeffekt nicht bei jedem Menschen gleichermaßen stark. So hängt das Ausmaß seines Nutzens mit der Aktivität des Endorphinsystems zusammen sowie mit den Selbstheilungskräften des jeweiligen Körpers und dem Vertrauen des Patienten in einen Erfolg der Behandlung.

Funktion & Aufgabe

Der Placeboeffekt kann große therapeutische Bedeutung haben. So werden Placebos beispielsweise bei psychosomatischen Erkrankungen genutzt, um die Beschwerden ohne möglicherweise schädliche Medikamente zu lindern. Außerdem finden sie ebenso Anwendung bei Erkrankungen, für die die Schulmedizin keine andere Behandlungsmöglichkeiten aufzuweisen hat.

Dennoch gilt die eventuelle Schädigung der Vertrauensbasis zwischen Arzt und Patient als bedenklich. Viele Mediziner verzichten auf Placebobehandlungen, um dieses Vertrauen nicht zu missbrauchen. Außerdem zeigt der Placeboeffekt keinerlei Wirkung bei Patienten, die um die Einnahme von Placebos wissen. Auch hier gilt die hohe Wirksamkeit des Glaubens. Besondere Funktion hat der Effekt durch die Erwartungshaltung (Suggestion) des Patienten.

Neben der Placebotherapie werden Scheinmedikamente auch in der Forschung genutzt. Durch doppelte Testungen kann die Wirkung von den zu testenden Medikamenten (Verum) an Probanden studiert werden. Wird in beiden Testläufen – einmal mit Placebos und einmal mit wirklichen Medikamenten – ein Unterschied zugunsten des Verums festgestellt, zeigt sich seine Wirksamkeit. Diese Testläufe bieten eine wichtige Voraussetzung für die Entscheidung, ob ein Medikament von Behörden zugelassen wird oder nicht.

Die Beeinflussung der Ergebnisse wird durch eine Doppelblindheit von Proband und Arzt erzielt. Dabei wissen weder der Mediziner noch der Patient, welches verabreichte Präparat das Verum ist. Zudem sind die Studien randomisiert. So werden die Patienten durch Zufall bestimmt, um zusätzliche Verfälschungen zu verhindern.

Insgesamt spielt eine Placebotherapie immer eine mehr oder weniger große Rolle bei allen Therapiemaßnahmen, da das Gemüt des Patienten maßgeblich die Heilung mitbestimmt.

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Krankheiten & Beschwerden

Jedoch gibt es zum Thema Placeboeffekt auch die ein oder andere Ernüchterung. So springen nur rund ein Drittel aller Erkrankten auf Placebos an. Wie groß der Effekt ist, hängt mit der Gesamtverfassung und insbesondere mit dem psychischen Zustand des Patienten zusammen.

Andersherum kann die Wirkung von Medikamenten ebenso eingeschränkt sein, wenn der Erkrankte nicht an ihre Wirkung glaubt. Ist er der Meinung, nicht mehr gesund zu werden oder die falschen Medikamente zu nehmen, kann er also umgekehrt auch für eine verringerte Wirksamkeit sorgen.

Im Gegenzug zum Placeboeffekt hat sich zudem der Begriff des Noceboeffekts herausgebildet. Der Begriff stammt vom Lateinischen „nocere“ und heißt soviel wie „schaden“ beziehungsweise „ich habe geschadet“ (lat. nocebo). Damit bezeichnet der Ausdruck eine negative Scheinwirkung eines Medikaments. Er bezieht sich also – analog zum Placeboeffekt – auf sich scheinbar negativ auf die Gesundheit auswirkende Präparate.

Als Placebo wird in erster Linie ein Medikament bezeichnet, das einzig dem Schein dient und keine pharmakologische Wirkung hat.

Diese Wirkung kann beispielsweise dann erzielt werden, wenn der Patient bereits Negatives über das jeweilige Medikament gehört hat und im Nachhinein gezwungen ist, es selbst einzunehmen. Diese Nebenwirkungen müssen dabei nicht in der Packungsbeilage aufgelistet sein. Der Glaube an die negativen Eigenschaften wird aus Erfahrungswerten von anderen abgeleitet. Stehen diese Personen dem Patienten nahe oder besitzen aus irgendeinem Grund eine besondere Glaubwürdigkeit, wird der Noceboeffekt umso wahrscheinlicher. Es handelt sich also, wie beim Placeboeffekt, um eine sich selbst erfüllende Prophezeiung.

Andererseits kann der Noceboeffekt auch eben dann eintreten, wenn Personen empfindlich auf aufgelistete Nebenwirkungen im Beibackzettel reagieren. Unter Umständen kann der Betroffene gelesenen Symptome bei sich wiederfinden, die er ohne das Lesen der Hinweise niemals bemerkt hätte.

Abgesehen davon kann die Art der verschriebenen Medikamente die Stimmung der Patienten nachhaltig beeinflussen. Wird beispielsweise Menschen mit einer leichten, psychischen Verstimmung ein starkes Antidepressivum verschrieben, könnte der Betroffene sich für kranker halten als er ist. Dies führt zuweilen zu einer Verstärkung der psychischen Belastung und damit auch der Symptomatik.

Da bei der Placebowirkung der Kopf eine entscheidende Rolle spielt, ist der Effekt selten verallgemeinernd zu fassen. Es muss stets von Patient zu Patient unterschieden werden.

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