Pityriasis lichenoides

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für innere Medizin) am 16. Juni 2017Geprüfte Qualität
Sie sind hier: Symptomat.deKrankheiten Pityriasis lichenoides

Die Pityriasis lichenoides gehört zu den erythemato-squamösen Hauterkrankungen, die in akuter oder chronischer Form vorliegen kann. Es handelt sich um eine Autoimmunerkrankung mit unbekannter Ursache. Die symptomatische Behandlung der Hautpapeln erfolgt mittels anti-entzündlicher Lokalbehandlung.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Pityriasis lichenoides?

Die Fachliteratur bezeichnet Hauterkrankungen auch als Dermatosen. Diese Erkrankungen manifestieren sich meist nicht nur auf der Haut, sondern auch in ihren Anhangsorganen. Dazu zählen die Haare, die Nägel, die Talgdrüsen und die Schweißdrüsen. Unter die Dermatosen werden unterschiedliche Unterkategorien gefasst. Eine davon ist die der erythemato-squamösen Hauterkrankungen.

Die Pityriasis lichenoides ist eine erythemato-squamöse Hauterkrankung, die 1899 erstmals beschrieben wurde. Als Erstbeschreiber gilt Juliusberg. Brocq beschrieb die Krankheit drei Jahre nach der Erstbeschreibung als eine von mehreren Parapsoriasis-Erkrankungen. Die Spekulation auf mehrere Psoriasis-ähnliche Erkrankungen lässt sich aufgrund von neueren Forschungsergebnissen nicht aufrecht erhalten.

Mittlerweile geht die Medizin von klinisch verschiedenen Erscheinungsformen der Pityriasis lichenoides aus, die als Varianten ein- und derselben Krankheit zu verstehen sind. Klinisch werden bisher vier Formen voneinander unterschieden, die von unterschiedlicher Akuität gekennzeichnet sind. Die akute Form der Krankheit ist auch als Mucha-Habermann-Krankheit bekannt.

Ursachen

Bei der Pityriasis lichenoides handelt es sich um eine eher seltene Erkrankung. In den meisten Fällen sind männliche Jugendliche oder erwachsene Männer von der Dermatose betroffen. Die Ursache der Hauterkrankung ist bisher nicht geklärt. Auch Spekulationen über ursächliche Faktoren sind bislang eher dünn gesät, was vermutlich mit dem seltenen Auftreten der Dermatose zu tun hat.

Vermutlich handelt es sich um eine Autoimmunerkrankung. T-Zellen des Immunsystems rufen im Verlauf der Erkrankung Entzündungen im Bereich der Haut hervor. Die immunologischen Zellen erkennen damit körpereigenes Gewebe fälschlicherweise als körperfremden Stoff oder Krankheitserreger, den es zu bekämpfen gilt. Die primäre Ursache für eine derartige Fehlprogrammierung des Immunsystems könnte ein Virus sein.

Außerdem werden Impfstoffe und Umweltfaktoren wie Stressphasen als primäre Ursachen der Pityriasis lichenoides diskutiert. Wieso männliche Personen häufiger an der Krankheit leiden, bleibt bislang unklar. Für den ursächlichen Zusammenhang scheint das Geschlecht zumindest kaum eine Rolle zu spielen.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Eine akute wird von einer chronischen Form der Pityriasis lichenoides unterschieden. Prinzipiell können am selben Patienten auch beide Formen nebeneinander auftreten. Die akute Form (Pityriasis lichenoides et varioliformis acuta oder PLEVA) ist die seltenere Variante und manifestiert sich durch einzelne oder multiple Papeln, die hämorrhagisch zu nekrotisieren beginnen.

Schmerzen oder ein unangenehmes Spannungsgefühl begleiten die gewebezerstörenden Nekrosen. Für die chronische Form der Erkrankung (Pityriasis lichenoides chronica oder PLC) sind Exantheme charakteristisch. Dabei handelt es sich um großflächig gleichförmigen Hautausschlag. Im Rahmen der chronischen Pityriasis lichenoides bleibend diese Ausschläge in der Regel über mehrere Monate bestehen und gehen mit der Bildung von rund oder oval scharf begrenzten Papeln einher.

Die meisten Patienten leiden nur geringfügig an Juckreiz. Dafür ist ihre Haut in vielen Fällen von einem parakeratotischen Deckel aus Schuppen bedeckt. Die Parakeratose ist eine Verhornungsstörung des Plattenepithels, die Zellkerne der Epithelzellen in der obersten Zellschicht zurücklässt.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Die Diagnose der Pityriasis lichenoides wird anhand der klinischen Symptome gestellt. Zur Feindiagnose und Bestimmung der Krankheitsform ist neben einer Histopathologie eine Verlaufsüberwachung angezeigt. Differenzialdiagnostisch muss besonders die chronische Form der Pityriasis lichenoides von der Psoriasis guttata und Lues II abgegrenzt werden.

Bei der akuten Form besteht eine gewisse Ähnlichkeit zu Windpocken sowie Arzneimittelexanthemen und allergischer Vaskulitis. Da die Erkrankung oft erstmals in der frühen Kindheit auftritt, werden die Patienten bei ihrem ersten Akutanfall fälschlicherweise am häufigsten mit Windpocken diagnostiziert. Für die Betroffenen besteht eine eher günstige Prognose. Die akute Form zeigt klinisch zwar ein schwerwiegenderes Bild, geht aber meist von selbst in Remission und bildet sich vollständig zurück.

Behandlung & Therapie

Eine kausale Behandlungsmöglichkeit existiert für Patienten mit Pityriasis lichenoides bislang nicht. Da die primäre Ursache der Erkrankung bisher nicht geklärt ist, können ursächliche Behandlungsansätze nicht entwickelt werden. Vor allem die chronische Form der Dermatose gilt aus diesem Grund als unheilbare Erkrankung. Symptomatische Behandlungsmöglichkeiten stehen zur Verfügung.

Die bislang angewandten Behandlungsansätze reichen von der Exposition gegenüber UV-Strahlen bis hin zu konservativ medikamentösen Therapien. Die PUVA-Methode greift zum Beispiel auf UV zurück. Es handelt sich hierbei um die Kombination von Psoralenen mit langwelliger UV-Bestrahlung, die in der Dermatologie bei verschiedenen Indikationen als Therapie verwendet wird.

Unter den medikamentösen Therapiewegen hat sich für Patienten mit Pityriasis lichenoides die Einnahme von Antibiotika als wirksam erwiesen. Dasselbe gilt für die Versorgung mit Steroiden. Systemische Glukokortikoide sind die verbreiteteste Therapiemethode. Eine weitere Behandlungsmöglichkeit bietet sich mit der anti-entzündlichen Lokaltherapie einzelner Papeln.

Bei der akuten Form der Erkrankung verschwinden die Läsionen in den meisten Fällen von selbst. Abhängig vom individuellen Verlauf kann diese Rückbildung einige Zeit in Anspruch nehmen. Bei der chronischen Form sind Remissionen ebenfalls verbreitet. Bei dieser Variante verschwinden die Symptome allerdings nur für bestimmte Zeit und treten danach erneut auf.

Hier finden Sie Ihre Medikamente:

Vorbeugung

Präventive Schritte existieren zur Pityriasis lichenoides kaum. Solange die primäre Ursache der Erkrankung nicht geklärt ist, können auch keine erfolgsversprechenden Vorbeugemaßnahmen entwickelt werden. Da extreme Stresssituationen offenbar einen ursächlichen Faktor darstellen, kann die Anwendung von Strategien zur Stressbewältigung bei der Prävention eine Rolle spielen. Nichtsdestotrotz handelt es sich dabei nicht um eine sichere Vermeidungsstrategie.

Bücher über Hautkrankheiten

Quellen

  • Dirschka, T., Hartwig, R.: Klinikleitfaden Dermatologie. Urban & Fischer, München 2011
  • Moll, I.: Dermatologie. Thieme, Stuttgart 2010
  • Sterry, W., Worm, M., Burgdorf, W.: Checkliste Dermatologie. Thieme, Stuttgart 2014

Das könnte Sie auch interessieren:

Welche Erfahrungen und Hinweise haben Sie zum Thema Pityriasis lichenoides?

Name oder Pseudonym:

E-Mail: (optional)

(wird nicht angezeigt, nur notwendig, wenn aktuelle Gesundheitsinformationen erwünscht werden)

Kommentar:

(Bitte auf Groß-, Kleinschreibung und verständliche, ganze Sätze achten.)

Sicherheitsfrage: Wieviel sind 30 plus 5?

Bekannt aus: