Phoniatrie

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 24. November 2016
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Die Phoniatrie bildet eine eigene medizinische Fachrichtung, die bis 1993 ein Teilgebiet der Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde (HNO) war. Die Phoniatrie beschäftigt sich mit den Themen Hör-, Stimm- und Sprachstörungen sowie mit Schluckbeschwerden und trägt stark interdisziplinäre Züge.

Zusammen mit der Pädaudiologie, bei der es vornehmlich um Probleme bei der kindlichen Stimm- und Sprachentwicklung und der Hörwahrnehmung geht, begründet die Phoniatrie in Deutschland und Europa ein selbständiges fachärztliches Gebiet.

Inhaltsverzeichnis

Was ist die Phoniatrie?

Das medizinische Fachgebiet der Phoniatrie ist rund um die Themen Hörprobleme, Störungen von Stimme und Sprechen und Störungen beim Schlucken angesiedelt. Die Phoniatrie ist stark interdisziplinär ausgerichtet, weil es nicht nur um medizinisch-physiologische, sondern teilweise auch um nicht-medizinische Probleme geht. Deshalb werden auch andere medizinische und nicht-medizinische Fachrichtungen wie Neurologie, Psychiatrie, Geriatrie, Kieferorthopädie, Logopädie und einige andere einbezogen.

In Deutschland bildet die Phoniatrie zusammen mit der Pädaudiologie, bei der es um entsprechende kindliche Entwicklungs- und Wahrnehmungsstörungen geht, eine eigenständige fachärztliche Ausrichtung, die 2004 von Facharzt für Phoniatrie und Pädaudiologie in Facharzt für Sprach-, Stimm- und kindliche Hörstörungen umbenannt wurde.

Die fachärztliche Zusatzausbildung umfasst eine 2-jährige Basisweiterbildung auf dem Gebiet der Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde und eine 3-jährige fachspezifische Weiterbildung auf den Gebieten der Stimm- und Sprachstörungen und dem Gebiet kindlicher Hörstörungen. Die Ursprünge der medizinischen Fachausrichtung Phoniatrie gehen auf Hermann Gutzmann sen. zurück, der das Thema Sprachstörungen 1905 in seiner Habilitationsschrift verwendete.

Behandlungen & Therapien

Krankheiten und Symptome, die in der Phoniatrie diagnostiziert und behandelt werden können, stehen typischerweise mit Störungen der Stimme, des Sprechens und des Redeflusses (Stottern) oder mit Schluckstörungen oder Hörproblemen in Zusammenhang. Es spielt dabei keine Rolle ob die Probleme medizinisch-physiologischen Ursprungs sind, z. B. aufgrund einer Verletzung, einer Operation oder einer Krankheit oder ob die Probleme auf sozial-psychologischen Gegebenheiten basieren.

Das verdeutlicht auch den ganzheitlichen, interdisziplinären Ansatz der Phoniatrie, der sich auch bei der Behandlung von Stimmstörungen zeigt, die aufgrund organischer Ursachen auftreten können oder funktionell bedingt sind, etwa durch Überlastung oder in seltenen Fällen auch durch Schockeinwirkung verursacht werden können. Sprech- und Sprachstörungen (Dysarthrie und Aphasie) von Erwachsenen können sich aufgrund von Stimmstörungen einstellen, beruhen aber meist auf neurologischen Problemen durch Ausfall bestimmter Gehirnareale nach einem Schlaganfall oder aufgrund eines Hirntumors. Auch Störungen des Redeflusses wie Stottern sind ein Krankheitsbild, das in das Behandlungsspektrum der Phoniatrie fällt.

Das medizinische Fachgebiet der Phoniatrie ist rund um die Themen Hörprobleme, Störungen von Stimme und Sprechen und Störungen beim Schlucken angesiedelt.

Der Schluckvorgang, der ebenfalls Gegenstand der Phoniatrie ist, umfasst die Aufnahme, Zerkleinerung und Beförderung von fester oder flüssiger Nahrung und Speichel vom Mund in den Magen, wobei die Beförderung durch die Speiseröhre unwillkürlich durch entsprechende peristaltische Bewegungen der Speiseröhre erfolgt. Neben organischen Problemen gibt es eine Reihe von Gründen, warum Schluckstörungen (Dysphagie) auftreten können und sorgfältiger Diagnostik und Therapie bedürfen.

Auch Hörstörungen im Erwachsenenalter können neben organischen Veränderungen durch Verletzung, Operation oder altersbedingt vielfältige andere Ursachen haben und fallen daher ebenfalls in das Behandlungsspektrum der Phoniatrie. Ein besonderes Behandlungsgebiet mit großen Herausforderungen bietet die Stimmangleichung bei Geschlechtsumwandlungen, um bei den umgewandelten Frauen oder Männern auch die Stimmlage ihres neuen Geschlechts als Frau oder Mann anzupassen.

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Diagnose & Untersuchungsmethoden

Hörstörungen beim Erwachsenen äußern sich meist symptomatisch als Schwerhörigkeit. Die Ursachen können sehr vielfältig sein und decken ein breites Spektrum ab, das von einfachem Verschluss des äußeren Gehörgangs durch Ohrenschmalz über Verknöcherungen im Mittelohr oder Beschädigungen des Trommelfells bis hin zur Schallumwandlung in nervliche Impulse im Innenohr oder Problemen der Weiterverarbeitung der Nervenimpulse im Gehirn, reicht. Für die Diagnose stehen neben der Ohrenspiegelung (Otoskopie), mehrere subjektive und objektive audiometrischen Verfahren zu Verfügung, mit denen sich die Ursachen der Hörprobleme lokalisieren lassen.

Bei Verdacht auf Vorliegen einer Stimmstörung und einer sorgfältig durchgeführten Anamnese, um aus den Vorbedingungen und dem Verlauf der Beschwerden bestimmte Ursachen für die mögliche Stimmstörung ausschließen zu können. Weitere diagnostische Verfahren wie Elektromyographie (EMG) der Kehlkopfmuskulatur und/oder eine Elektroglottographie können sich anschließen, um organische Probleme zu erkennen oder auszuschließen. Die Elektroglottographie ist ein nicht-invasives Verfahren, das die Funktion der beiden Stimmlippen, also ihr Vibrationszyklus, in einem Elektroglottogramm aufzeichnet und Rückschlüsse über die Funktionstüchtigkeit beider Stimmlippen erlaubt.

Weitere Diagnosen wie Kernspintomographie vom Kopf bis zum oberen Brustraum können Rückschlüsse auf eventuell vorliegende Infektionen und die Unversehrtheit des Kehlkopfnervs liefern. Als Therapiemöglichkeiten bieten sich je nach Diagnose logopädische Behandlungen an, die auch durch logopädische Therapiegeräte ergänzt werden können, die der Patient zuhause unter laufender Erfolgskontrolle selbst einsetzen kann. In einigen Fällen stehen auch verschiedene operative Behandlungsmethoden (Phonochirurgie) zur Auswahl. Im Falle spasmodischer Dysphonie bei der die Stimmlippen durch Muskelverkrampfungen ihre Funktion weitgehend verlieren, kann die Injektion des Botulinumtoxins in den Kehlkopf zumindest für einige Zeit Abhilfe schaffen.

Bei Stimm- uns Sprachstörungen ohne erkennbare organische Ursachen, gibt es eine Reihe logopädischer Stimmtherapien, die Stimmerzeugung, Atmung, Artikulation und die Persönlichkeit des Patienten einbeziehen. In vielen Fällen kann eine Reizstromtherapie im Bereich des Kehlkopfes die Therapie begleiten und den Behandlungserfolg fördern und verkürzen. Im Falle vorliegender Schluckbeschwerden, kommt als Diagnose-Verfahren häufig die fiberendoskopische Schluckuntersuchung (FEES) zum Einsatz, um den Schluckvorgang mit einer flexiblen Optik, die durch die Nase eingeführt wird, visuell beurteilen zu können. Als Therapien stehen eine logopädische Schlucktherapie oder bei Vorliegen lokalisierbarer organischer Schäden auch entsprechende chirurgische Maßnahmen zur Wahl.

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