Pheromone

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 10. November 2016
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Pheromone sind Duftstoffe, die das Verhalten von Artgenossen beeinflussen. Für den Menschen sind in dieser Hinsicht vorwiegend Sexuallockstoffe bekannt. Die Pheromone des Mannes haben so beispielsweise Einfluss auf den Menstruationszyklus der Frau.

Inhaltsverzeichnis

Was sind Pheromone?

Pheromone sind Botenstoffe. Sie dienen der nonverbalen, rein chemischen Kommunikation zwischen Individuen einer Art. In dieser Hinsicht lassen sich Pheromone auch als Semiochemikalien bezeichnen. Der Körper des Senders sondert sie unbewusst und automatisch ab. Der Empfänger nimmt sie unbewusst wahr und gibt darauf eine Verhaltensantwort.

Der Chemiker Karlson und der Zoologe Lüscher prägen den Begriff der Pheromone im 20. Jahrhundert als chemische Stoffe, die bei einem Artverwandten spezifische Reaktionen auslösen. Die bekanntesten Pheromone sind Sexuallockstoffe. Auch abgesehen davon gibt es aber verschiedene Arten der biochemischen Substanzen. Aggregationspheromone, Dispersionsphermone, Alarmstoffe, Spurpheromone oder Markierungsstoff und Aphrodisiakapheromone gehören zu den wichtigsten Gruppen. Unter Menschen sind die meisten davon aber nicht verbreitet.

Für sie spielen unter den Pheromonen lediglich die Sexuallockstoffe eine gesteigerte Rolle. Im Deutschen besagt eine Redensart, dass die Chemie zwischen zwei Menschen stimmt oder nicht stimmt. Diese Redensart gibt relativ treffend die Funktion der Sexuallockstoffe wieder.

Anatomie & Aufbau

Jedes Pheromon ist entweder ein Primer- oder ein Release-Pheromon. Primer-Pheromone lösen eine Signalkaskade aus. Sie nehmen so Einfluss auf den Stoffwechsel oder regen sogar Proteine an, die sich an die DNA binden. Sie lösen beim Empfänger also eine physiologische Veränderung aus. Releaser-Pheromonen kommt dagegen nur eine kurze Wirkung zu, die das Verhalten eines Artgenossen steuert.

Der Mensch hat nur Primer-Pheromone. Die bekanntesten davon bilden sich in den Achseldrüsen des Mannes. Alle Pheromone werden über die Talg- und Schweißdrüsen der Haut, über Bakterienstämme oder Urin, Speichel und Vaginalsekret abgegeben. Jedes Pheromon ist dabei so aufgebaut, dass es sich an die Zilien im Riechorgan seiner Artgenossen fügen kann. Damit unterscheidet sich die Struktur und von Pheromonen mit der Art. Der Aufbau der Substanzen unterscheidet sich aber auch mit der jeweiligen Funktion.

Der Resusaffe gibt als Sexuallockstoff beispielsweise eine Mischung aus Essig-, Butter-, Propion- und Isovalerian- sowie Isobuttersäure ab. Der Hund produziert als Sexuallockstoff dagegen Methyl-p-hydroxybenzonat. Bislang ist der Aufbau von Pheromonen lediglich für Insekten weiterführen erforscht.

Funktion & Aufgaben

Pheromone übernehmen innerhalb einer Art verschiedene Kommunikationsfunktionen. Der Informationsaustausch bezieht sich entweder auf Individuen innerhalb der jeweiligen Art oder auf solche fremder Arten. Sexuallockstoffe oder solche Pheromone zur Reviermarkierung geben so beispielsweise Aufschluss über Individuen der eigenen Art. Alarmstoffe beziehen sich dagegen oft auf Gefahren von außerhalb. So können Lebewesen verschiedene Artgenossen zum Beispiel vor eingedrungenen Artfremden warnen.

Mit dem Pheromon Cis-4-hydroxy-dodec-6-en-säurelacton alarmiert der Schwarzwedelhirsch zum Beispiel andere Schwarzwedelhirsche. Die Maus hat dagegen Pheromone zur Beschleunigung der Pubertät, aber auch solche zur Aggressionsauslösung. Die Reifungswirkung mancher Botenstoffe hängt wiederum mit der Vernetzung von Hormonen und Pheromonen zusammen. Manche Tierarten ahmen auch die Pheromone anderer Arten nach, um sich in deren Reihen zu integrieren. Schmetterlingsraupen ahmen so zum Beispiel die verhaltensbeeinflussenden Pheromone von Ameisen nach, um sich von ihnen füttern zu lassen. Sie werden von den Ameisen so fälschlicherweise als Brut erkannt. Beim Menschen beeinflussen die Sexuallockstoffe die Wahrnehmung beim anderen Geschlecht.

Androstadienon findet sich zu diesem Zweck zum Beispiel in der Samenflüssigkeit und den Achselhöhlen eines Mannes, während eine Frau Estratetraenol absondert. Homosexuelle reagieren in diesem Zusammenhang auf die Botenstoffe des eigenen Geschlechts. Der männliche Sexuallockstoff kann den Menstruationszyklus der Frau beeinflussen, was offenbar der Steigerung der Geburtsrate dient. Sekrete der weiblichen Vagina und der Achselhöhlen haben auf Männer während des Tiefschlafs erwiesenermaßen sogar traummodulierende Effekte. Unter Menschen werden Pheromone unbewusst vom olfaktorischen System aufgenommen und beeinflussen so über automatische Antworten des Gehirns das vegetative oder hormonelle System, ohne dass der Mensch diese Einflussnahme überhaupt bemerkt.

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Krankheiten

Eine Veränderung des Pheromonhaushalts spiegelt sich beim Menschen in der Regel in Veränderungen des Hormonhaushalts wieder. Ein veränderter Hormonhaushalt kann verschiedene Symptome nach sich ziehen. Zu den wichtigsten zählen Müdigkeit, Antriebsschwäche und Fettleibigkeit, aber auch sexuelle Störungen können auf Hormonmangel zurückzuführen sein. Bei der Frau treten bei hormonellen Störungen und Pheromonstörungen außerdem oft Regelbeschwerden auf.

Nicht alle Veränderungen des Pheromonhaushalts sind aber gleich krankhaft. Viele Veränderungen sind biologisch vorgesehen, so zum Beispiel solche in den Wechseljahren oder der Schwangerschaft. Der veränderte Pheromonhaushalt schwangerer Frau soll sich aktuellen Studien zufolge sowohl auf ihr eigenes Verhalten, als auch auf das Verhalten ihres Partners auswirken. Diese Veränderungen des Pheromonspiegels sollen so zum Beispiel das sogenannte Couvade-Syndrom auslösen können, das auch das Brutpflegeverhalten bekannt ist.

Nicht alle hormonellen Veränderungen haben gleich in veränderter Pheromonproduktion ihren Ursprung. Einen Einfluss auf den Hormonhaushalt können so beispielsweise auch Erkrankungen wie Diabetes oder Schilddrüsenstörungen haben. In der Medizin wird aktuell diskutiert, ob die Gabe bestimmter Pheromone im Rahmen von verschiedenen Erkrankungen therapeutische Zwecke erfüllen könnte. Bislang sind die Pheromonprozesse des Menschen aber nicht ausreichend erforscht, als dass sich auf diese Frage eine befriedigende Antwort geben ließe.

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