Phenprocoumon

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 29. November 2016
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Phenprocoumon ist der Wirkstoff von Marcumar®. Es ist eine chemische Substanz aus der Gruppe der Cumarine. Vertreter dieser Stoffklasse besitzen gerinnungshemmende Eigenschaften, so dass sie als Arzneimittelwirkstoff von Bedeutung sind. Sie werden als Medikament zur Thromboseprophylaxe eingesetzt.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Phenprocoumon?

Im Jahre 1922 wurde über ein durch starke Blutungen verursachtes Viehsterben in Nordamerika berichtet. Zehn Jahre später wurde der Grund dafür gefunden: Verdorbener Süßklee enthält Dicumarol, ein Abbauprodukt von Cumarin. Cumarin selbst ist nicht giftig.

Erst im Fäulnisprozess bzw. unter der Wirkung von Schimmelpilzen wird es in ein hochwirksames Derivat bzw. Dicumarol umgewandelt. Verbindungen, die sich vom Cumarin ableiten (Cumarin-Derivate) ähneln in der Struktur dem Vitamin K, das an der Aktivierung verschiedener Gerinnungsfaktoren beteiligt ist.

Die Faktoren II, VII, IX und X werden in der Leber synthetisiert und anschließend unter Mitwirkung von Vitamin K in ihre gerinnungswirksame Form überführt

Pharmakologische Wirkung

In Gegenwart von Phenprocoumon, einem Cumarin-Abkömmling, wird die Bereitstellung dieser Gerinnungsfaktoren gehemmt. Die Situation gleicht einem Mangel an Vitamin K.

Man spricht von einer antagonistischen Wirkung zu Vitamin K. Deshalb eignet sich Phenprocoumon als gerinnungshemmender Arzneistoff (Antikoagulanz). Phenprocoumon ist die in Deutschland am häufigsten verwendete Cumarin-Verbindung und in den Medikamenten Marcumar® und Falithrom® enthalten. Die Gerinnung wird bei Einnahme von Phenprocoumon erschwert und damit einer Thrombose vorgebeugt.

Der Gerinnungsvorgang, als lebensnotwendiger Prozess, ist im gesunden Körper optimal abgestimmt. Ist dieses Gleichgewicht gestört, besteht die Gefahr, dass durch einen Thrombus (Blutpfropf, Blutgerinnsel) ein Blutgefäß verschlossen und so eine Thrombose ausgelöst wird.

Medizinische Anwendung & Verwendung

Phenprocoumon ist der Wirkstoff von Marcumar®. Es wird als Medikament zur Thromboseprophylaxe eingesetzt.

Zu den Ereignissen, die eine Thrombose fördern, gehören ein verlangsamter Blutfluss, wie er bei bestimmten Herzerkrankungen oder Bettlägerigkeit vorliegt, eine Schädigung der Gefäßwände, z. B. durch Medikamente oder Verletzungen, sowie eine erhöhte Gerinnungsneigung.

Phenprocoumon wird zur Therapie bei Patienten nach einem Herzinfarkt, bei Herzerkrankungen mit schlechter Pumpfunktion, bei Vorhofflimmern, nach Einsetzen künstlicher Herzklappen und nach Implantation von Gefäßprothesen verabreicht. Man schätzt, dass in Deutschland etwa 300 bis 500 Tausend Patienten lebenslang mit Phenprocoumon behandelt werden.

Die Wirkung von Phenprocoumon setzt nicht sofort nach der Einnahme ein, sondern erst nach 36-72 Stunden. Nach Absetzen des Medikamentes dauert es wiederum 36 bis 48 Stunden bis das Blut seine komplette Gerinnungsfähigkeit erreicht hat. Zur Neutralisation von Phenprocoumon ist zwar Vitamin K geeignet, jedoch nicht in einem Notfall, da die Wirkung zu lange auf sich warten lassen würde. Die einzige effektive Maßnahme ist in solchem Fall die Gabe von Blut oder Blutbestandteilen, die Vitamin-K-abhängige Gerinnungsfaktoren enthalten.

Die Ansprechbarkeit auf Phenprocoumon ist von Patient zu Patient unterschiedlich. Außerdem beeinflussen zusätzlich eingenommene Medikamente, aber auch die Ernährung die Wirkung von Phenprocoumon. Die Therapie muss deshalb individuell angepasst und ärztlich kontrolliert werden. Die Gerinnungshemmung wird über einen Labortest bestimmt. Dabei wird die Internationale Normalisierte Ratio (INR) ermittelt.

Gesunde haben einen INR von 1. Der Wert steigt bei der Einnahme von Phenprocoumon an und soll je nach ärztlicher Verordnung zwischen zwei und 3,5 liegen. Inzwischen gibt es Geräte, mit denen die Patienten selbst zu Hause nach einer Schulung ihre Werte bestimmen können.

Wechselwirkungen

Obwohl bekannt ist, dass in einigen Lebensmitteln Vitamin K enthalten ist, wie z. B. in Brokkoli, Blumenkohl, Spinat und Rosenkohl, muss bei der Einnahme von Phenprocoumon auf diese nicht verzichtet werden.

Kritischer sind Wechselwirkungen mit Arzneimitteln. Einige vermindern den Effekt, wie z. B. Digitalis Glykoside (Herzpräparate), Entzündungshemmer oder Diuretika (harntreibende Mittel). Auch regelmäßiger Alkoholkonsum hat einen herabgesetzten Effekt zur Folge.

Andere Faktoren führen zu einer Steigerung der Wirkung, wie Acetylsalicylsäure (ASS, Aspirin), Allopurinol (bei Gicht), verschiedene Schmerzmittel oder Breitbandantibiotika. In jedem Fall sind die Beipackzettel zu studieren und die Einnahme mit dem behandelnden Arzt abzustimmen.

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Risiken & Nebenwirkungen

Die sich aus dem Wirkprinzip ergebende und damit häufigste Nebenwirkung unter der Therapie mit Phenprocoumon ist eine erhöhte Blutungsneigung.

Sie kann sich oft in Form vermehrt auftretender blauer Flecken (Blutergüsse, Hämatome), als blutiger Urin oder durch gehäuftes Nasen-oder Zahnfleischbluten zeigen. Seltener treten Blutungen im Magen-Darm-Trakt auf. In Einzelfällen wurden Nesselsucht (Urtikaria), Ekzeme oder reversibler Haarausfall als Nebenwirkung beschrieben.

Phenprocoumon sollte nicht eingenommen werden, wenn bereits eine erhöhte Blutungsbereitschaft oder eine Schwangerschaft besteht. Außerdem gelten Schlaganfall (Apoplex), ein unbehandelter Bluthochdruck, schwere Lebererkrankungen und eine erhöhte Fallneigung wegen der Gefahr für ausgedehnte Blutergüsse zu den Kontraindikationen.

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